2019.6 Futter wird knapp, Varroa-Monitoring und Vorbereitungen

Die wichtigste Nachricht erreichte mich kurz vor dem Wochenende: Die Königinnenlieferung wird sich um eine Woche verschieben. Also musste ich kurzfristig alles einmal umdisponieren. Aber so ist das in der Imkerei, das gehört einfach dazu.

Das schlechte Wetter im Mai hat dazu geführt, dass viele Völker die Futterreserven aus dem Honigraum verbraucht haben. Mitunter ist da nicht mehr viel vorhanden und jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, überlege ich, ob ich nicht besser Futterteig hätte einlegen sollen. Es kommt nämlich trotz schönem Wetter nicht allzu viel von draussen rein, wenn ich den Stockwaagen trauen darf.
Andererseits hat es bei der letzten Durchsicht bei allen Völkern mächtig aus den Brutwaben getropft – frisch eingetragene Nektar.

Das Problem bleibt trotzdem: Es wird mehr verbraucht, als reinkommt.
Nun kann sich das auch jeden Tag ändern, wenn bspw. die Robinien in der Nachbarschaft doch noch aufgehen und Honig bringen sollten. Aber Gewissheit gibt es nicht – und am Ende, wenn man nicht aufpasst, verhungern die Völker (was teilweise aktuell bei Kollegen schon passiert ist).
Wenn man allerdings Futterteig gibt, besteht Uneinigkeit darüber, ob das nicht zu Verfälschungen im Honig führen kann.

Varroa-Monitoring

Nachdem ich vor einer Woche eine kleine Stichprobe bezüglich Varroa-Befall durchgeführt hatte, und eine Probe durchaus einen zu hohen Wert zutage brachte, habe ich kurzerhand alle Völker untersucht.

Auswaschprobe

Dabei habe ich die Auswachmethode ausführlicher getestet. Der Vorteil: Die Proben sind schnell entnommen, die Auswertung kann später erfolgen. Dadurch kann man die eigentliche Durchsicht fix durchführen. Die Genauigkeit des Ergebnisses gilt als ausreichend valide. Der Nachteil: Man muss dazu 150-300 Bienen töten. Das fällt mir immer noch schwer.

Das Ergebnis war aber zunächst beruhigend. Wo die Stichprobe noch Schlimmes befürchten ließ, waren jetzt alle Völker, bis auf eines, völlig unauffällig (0 phoretische Milben, theoretisch 0 % Befall, was praktisch aber nicht stimmt). Lediglich eines liegt mit 1,3 % leicht über der 1 % Marke.

Interessant dabei: Eines der getesteten Völker fiel im Januar und Februar mit einem extrem hohen Milbenfall auf. Dieses Volk hatte ein vielfaches an Milben auf der Windel im Vergleich zu allen anderen Völkern. Das ließ Schlimmes erahnen. Allerdings winterte dieses Volk sehr stark aus. Die Probe zeigt nun überhaupt keine Milben an, was ich schon erstaunlich fand. Handelt es sich hier möglicherweise im VSH Genetik?

Das eine Volk, welches bei der Stichprobe einen zu hohen Milbenwert aufwies (3,3%) habe ich einer TBE unterzogen. Die entnommenen Waben, plus Pflegebienen eines schwarmbereiten Volkes, reifen jetzt als Sammelbrutableger zu einem Pflegevolk heran und werden bei Brutfreiheit behandelt…

Vorbereitungen

Anfang Juni sollen jetzt die unbegatteten Königinnen kommen. Daher habe ich das schöne Wetter genutzt und schon einmal die leeren Ablegerkästen mit den passenden Waben und Rähmchen ausgestattet. Dann kann das eigentliche Befüllen am kommenden Wochenende ensprechend schnell gehen.

Ablegerkästen

Es kommt eine Brutwabe und ein paar Extra-Bienen in jeden Kasten und nach 9 Tagen werden alle Nachschaffungszellen gebrochen und die unbegattete Königin hineingehangen. Das wird auf jeden Fall spannend.

Insgesamt war es ein arbeitsreiches Wochenende. Und es ist etwas frustrierend, dass kaum etwas reinkommt und man sich ständig Sorgen machen muss, wie es den Bienen geht, ob sie genug finden, ob man eingreifen sollte. Aber:

Der Imker lebt immer in der Hoffnung.

2019.5 Mehr Schwarmstimmung

Wochenendzeit ist Kontrollzeit.
Es ist nur ein neues schwarmtriebiges Volk dazu gekommen, aber trotzdem muss man alle durchsehen, was nicht leichter wird, wo die Bienenmasse kontinuierlich zunimmt, und die Kisten mit Krabbelfliegetieren voll sind.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Völker etwas stagnieren. Das wäre damit erklärbar, dass die sehr wohl merken, dass nichts von außen reinkommt.
Tatsächlich stagnieren die Gewichtszunahmen, und die meisten Völker haben kaum nennenswerten Eintrag in den Honigräumen.
Es gibt allerdings Ausnahmen: Die stärksten Völker haben tatsächlich bisher einen Honigraum vollgetragen – nur sind das eben nicht so viele.
Die anderen Völker waren gerade dabei, ihre Honigräume zu füllen, als das durchwachsene Wetter dazwischen kam.

Allerdings: Es ist Mai. Es ist normal, dass es im Mai auch mal kälter werden kann – Stichwort: Die Eisheiligen.

Stockwaagenvölker

Königinnen zeichnen

Ich habe noch ein paar Königinnen aus 2018 und sogar aus 2017, die nicht gezeichnet sind, bzw. waren.
Ich hatte immer Probleme damit, mich zu überwinden, die Königinnen abzufangen und zu zeichnen. Das Anpacken am Flügel habe ich immer als schwierig empfunden.
Wenn man nicht drüber nachdenkt und es einfach macht, ist es gar nicht so schwer.
Ich parke die Königin dann in einem Zeichenrohr und markiere sie dann.
Ich bin etwas überrascht, wie leicht mir das plötzlich von der Hand geht.

Warum zeichne ich überhaupt?
Ich bin ein schlechter Königinnenfinder. Aber ich finde es gut, wenn ich sie bei einer Durchsicht mal sehe. Und so eine Zeichnung auf dem Rückenpanzer erleichtert das alles ganz enorm.
Mittlerweile nehme ich die Königin auch auf und versetze sie ein bis zwei Waben, wenn ich Waben zur Kontrolle abschütteln möchte, um Schwarmzellen zu finden und zu brechen.

Zwischenbodenableger

Eines meiner Lieblingsvölker ist in Schwarmstimmung. Die zweite Woche hintereinander haben die schönste Schwarmzellen angelegt.
Als eine Strategie zur Auflösung der Schwarmstimmung habe ich jetzt auf einen Zwischenbodenableger zurückgegriffen. Dabei wird der Honigraum nach unten auf das Bodenbrett gestellt und darüber auf einem zusätzlichen Bodenbrett der Brutraum samt Königin gesetzt.

Der obere Brutraum verliert alle Flugbienen, die durch das untere Flugloch in den jetzt weisellosen Honigraum zurückkehren – in welchem sich ein bis zwei Waben mit jüngster Brut befinden.
Im Brutraum oben erlischt der Schwarmtrieb, weil alle Flugbienen abhanden kommen, unten ist kein Schwarmtrieb mehr vorhanden, weil es keine Königin mehr gibt und erst eine “gebaut” werden muss.

Ich habe diese Methode selbst noch nie ausprobiert, allerdings gehört dieses Vorgehen zu den Standardmethoden der Schwarmverhinderung, insofern musste ich das mal testen.

Oben der Brutraum, gefolgt von einem Zwischenboden (hell mit Flugloch), darunter die beiden Honigräume und der reguläre Boden

Dinge, die nicht funktionieren

Meine Panzertapestockkarte funktioniert nicht.
Hätte ich mir auch denken können, aber das Panzertape löst sich (WHAT?!) und die Schrift bleicht aus.
Trotzdem mag ich das Prinzip, nicht Papierstockkarten zu verwenden, sondern alles beisammen zu haben, Volk und Informationen zum Volk.
Ich gehe jetzt dazu über, die Abdeckfolie, die ja unter dem Blechdeckel steckt, vollzuschreiben.

Viel Arbeit voraus

Ende der Woche muss ich die ersten Ableger überprüfen, ob es dort begattete Königinnen gibt, die gezeichnet werden wollen.
Außerdem muss dann jetzt eine erste Varroabehandlung erfolgen, weil es jetzt keine verdeckelte Brut mehr gibt und alle Milben exponiert sind.

Ich habe am Wochenende mal die Auswaschprobe getestet und dazu zwei Proben mit rund 180 Bienen entnommen.
Das ich die Bienen in den Probebechern ersticken lassen muss, passt mir noch nicht ganz, und ich werde wohl den Gefrierschrank in Betrieb nehmen, um die Bienen durch Kälte ins Jenseits zu befördern, was aus tierethischen Gesichtspunkten vorzuziehen ist.

Insgesamt ist die Methode aber leicht zu rechtfertigen: Die ist zuverlässig hinsichtlich des Analyseergebnisses, sie ist schnell und zeitsparend in eine Durchsicht einzubauen und liefert damit eine qualifizierte Aussage über den Zustand eines Volkes hinsichtlich seiner Varroabelastung.
Das ist Grundlage für jedes weitere verantwortungsvolle Handeln diesbezüglich.
Ich habe nur zwei Proben entnommen, aber eine Probe war mit 3,3% phoretischem Milbenbefall über dem Grenzwert.
Hier muss ich jetzt kurzfristig handeln.

Außerdem zeigt mir dieses Ergebnis, dass ich alle Völker durchtesten sollte.
Dies wird dann in der kommenden Durchsicht erfolgen.

Außerdem:
Ich bekomme Ende Mai einen Sack voll unbegatteter Königinnen.
Für diese muss ich nächstes Wocheende Begattungseinheiten bilden.

Wird also eine hobbyintensive Woche.

Wenn das Wetter mal endlich besser würde, käme auch mal endlich etwas Honig rein…

Robinie wird wohl nichts in diesem Jahr

Gestern war Imkervereinstreffen. Neben dem Thema Zucht gab es auch auch aktuelle Themen.

Dabei hat sich dann irgendwann Werner B. gemeldet, der seit mehr als 60 Jahren imkert, und zwei Zweige aus seiner Tasche geholt. Es handelte sich um Robinienzweige, welche entweder erfrorene oder stark unterentwickelte Blütenstände zeigten. Seiner Vermutung nach wird die Robinie dieses Jahr kaum Honig bringen, da sie sich letztes Jahr zu sehr verausgabt hat und dieses Jahr erschwerend Nachtfröste die Blütenansätze geschädigt haben.

Meine Hoffnungen für eine ergiebige Frühtracht ruhten maßgeblich auf der Robinie. Diese kann ich jetzt wohl vermutlich begraben.

2019.4a – Eine erste TBE

Ich habe am Sonntag – also vor vier Tagen – ein nachhaltig schwarmfreudiges Volk am Ende seiner Durchsicht kurzerhand einer TBE unterzogen.
Dabei werden alle Brutwaben entfernt und durch Mittelwände ersetzt.

Warum macht man so etwas?

Es ist für mich ein Test. Das Volk hatte letztes Jahr ein Varroaproblem, mit DWV und allem drum und dran.
Ich habe die zum Winter hin gut saniert bekommen, allerdings haben die auch heftig durchgebrütet und waren sehr früh sehr stark.
Ohne weiter getestet zu haben, gehe ich davon aus, dass die wieder mehr Milben intus haben werden, als mir lieb ist.

Der Hauptgrund war aber zugegeben ein anderer: Denen war ein DNM-Brutraum zu klein. Nicht hinsichtlich der Anzahl der Brutzellen – das passt immer – aber hinsichtlich des Bauplatzes. Die wollten im Brutraum bauen.
Also hatte ich denen eine zweite Zarge untergesetzt, nur mit Mittelwänden, welche die auch zügig ausgebaut haben (ebenso wie die Honigräume).

Mir sind aber zwei Bruträume zu sperrig, zu viele Waben.
Also habe ich den Umzug auf das Großformat DNM 1,5 vorgezogen und die Schwestern darauf abgeschlagen.
Die Brutwaben habe ich auf schwächere Einheiten verteilt, um diese zur Robinie noch etwas zu pushen (wobei hier zwei Aspekte negative Auswirkungen haben können: Verschleppen von Milben in andere Völker sowie erzeugen einer vorzeitigen Schwarmstimmung in diesen verstärkten Einheiten).

Jetzt können sie der Länge nach bauen und brüten.
Und tatsächlich: Heute habe ich mal kurz reingesehen, und siehe da – die ersten DNM 1,5 Waben sind komplett ausgebaut und bestiftet – nach nur 4 Tagen, und das ohne nennenswerte Tracht.
Die legen echt los wie verrückt.

Der Nachteil

Die werden jetzt zur Linde an Fahrt und Stärke verlieren. Diese Aktion wird direkten, negativen Einfluss auf den Honigertrag haben.

Der Vorteil

Die Milben sind weitestgehend raus. Mit etwas Glück habe ich da bis September Ruhe. Und selbst dann werden ich mal genauer hinsehen, ob ich etwas machen muss.
Schwarmstimmung dürfte für dieses Jahr auch vorbei sein.
Und ich habe die Bagage auf das von mir präferierte Großwabenformat umgezogen.

Schauen wir mal, wie sich das weiter entwickelt.

2019.4 Schwarmsaison ist eröffnet

Das Wetter war die letzte Woche eher bescheiden, Gewichtszunahmen Fehlanzeige. Stattdessen hockten die Damen viel zu Hause rum und hatten Langeweile. Diese Langeweile haben dann einige Völker dazu genutzt, Schwarmzellen anzulegen. Ab jetzt sind die Durchsichten arbeitsintensiv, denn letztlich darf keine einzige Schwarzelle übersehen werden, sonst ist so ein Volk schnell weg.

Ansonsten: Ich habe mir endlich einen Sonnenwachsschmelzer bestellt.
Das ist ein Elend, den Drohnenschnitt irgendwo aufzubewahren, bis man mal wieder den Dampfwachsschmelzer anwirft. Und so ein Sonnenwachsschmelzer kann diese Arbeit einfach nebenbei erledigen.

Varroamonitoring mit Puderzucker

Ich habe das Varroamonitoring mit Puderzucker ausprobiert.
Mal abgesehen, dass die zwei Völker, die ich getestet habe, ohne Befund geblieben sind, ist die Methode eine ganz schön krümelige, umständliche Sauerei.

Es gibt Untersuchungen, die belegen, wie zuverlässig diese Methode ist, gerade im Vergleich zu der von mir sonst angewandten CO2 Testmethode, aber ich empfang das Vorgehen zeitraubend und umständlich.

Am Bieneninstitut hat man mir dann auch erklärt, dass der Puderzucker die Tracheen der Bienen so sehr schädigt, dass diese das auch nicht unbeschadet überstehen.

Im Moment neige ich dazu, entweder bei der CO2 Methode zu bleiben, oder asynchron zu arbeiten: Wenn die Kiste auf ist, ein Urinbecher mit Bienen füllen (durch abstreifen), Deckel drauf und Bienen ersticken lassen, bzw. wenn verfügbar, gleich in den Tiefkühler geben. Anschließend werden die Bienen zu Hause einer Auswaschprobe unterzogen.

Bevor jetzt das Entsetzen ausbricht: Eine vernünftige Varroabefallsmessung ist Grundlage einer jeden seriösen Behandlung. Man opfert vielleicht 300-500 Bienen, um letztlich das Überleben der gesamten Kolonie zu sichern!

10er Dadant Beuten

Vor Kurzem kamen ja die neuen 10er Dadant-Beuten von der Bergwiesenimkerei an. Diese wurden jetzt gestrichen, Mittelwände eingelötet und die Rähmchen gestempelt.

Die stehen jetzt bereit, um Ende Juni mit Kunstschwärmen und Zuchtköniginnen befüllt zu werden

Rähmchen stempeln

Ich bin gespannt auf die kleinen Änderungen, die mit einem testweisen Umstieg auf Dadant einhergehen werden. Das Arbeiten mit Großwaben im DNM 1,5 Format ist schon erheblich einfacher als mit dem relativ kleinen DNM, aber Dadant liegt noch einmal etwas anders in der Hand.

Imkern ist auch immer Ausprobieren.

Kurs “Durchführung der Leistungsprüfung von Königinnen”

Ich war am 30. April am Bieneninstitut in Hohen-Neuendorf und habe einen Kurs besucht, der das Wissen rund um die Leistungsprüfung von Königinnen vermittelt.

Zum einen stellt der Kurs eine Ermutigung zur gezielten Vermehrung, wenn nicht sogar zur Zucht dar. Und wenn mir etwas sofort in den Sinn kommt, dann die Aussage des Kursleiters Fred Zautke: “Seine eigene Linie zu kreieren ist auch etwas Schönes”.

Zum Anderen gibt er konkrete Handlungsempfehlungen für die Bewertung der vorhandenen Weiseln.

Königinnen werden dabei regelmäßig in den Kategorien Honigertrag, Sanftmut, Wabenstetigkeit und Krankheitsresistenzen bewertet. Die Bewertung erfolgt in einem Raster zwischen der Zahl 1 (“schlecht”) und 4 (“top”), abgestuft in 0,1er Schritten.

Es gibt objektive Bewertungskriterien, wie beispielsweise den Honigertag auf 100 Gramm genau, oder die Schwarmträgheit, gemessen anhand der Anzahl der gefundenen Schwarmzellen, als auch subjektive Kriterien, wie die bereits genannte Sanftmut.

Gerade die subjektiven Kriterien sind jene, bei welchen das Zahlenraster zum Einsatz kommt. Und genau hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Völker nie gleich gut bewerten!

Man hat vier Völker. Und alle Völker sind super sanftmütig. Und man möchte allen eine 4.0 geben, so sanftmütig sind die!

Falsch!

Richtig ist es, dann genauer hinzuschauen, und sich zusätzliche Kriterien für eine genauere Bewertung zu suchen.
Wenn alle Völker gleich bewertet werden, ist die Bewertung ansich wertlos, weil es kein Auswahlkriterium mehr gibt. Stattdessen muss man jetzt den Bewertungsmaßstab enger fassen.
Bei der Sanftmut könnte das so aussehen: Keinerlei Bienen fliegen auf, alle ziehen sich in die Wabengassen zurück, auch nach 10 Minuten offener Beute tritt keinerlei Unruhe ein. Das ist eine glatte 4.0
Wenn aber nach 10 Minuten 2 Bienen auffliegen, und mal grob in Richtung Imker fliegen, aber ansonsten alles exakt identisch zur 4.0 ist, dann reichen diese zwei Bienen schon für eine Abwertung auf 3,5. Wenn jetzt eine Biene davon auf dem Imker landet, ist es nur noch eine 3.0.

Das ist nur ein Beispiel für die Abstufung der Völker, nicht für die eigentliche Bewertung! So mag ein Imker einer Weisel eine 4.0 geben, wenn er nur einmal pro Öffnung gestochen wird, eine 3,5 für zwei Stiche und so weiter, aber es kommt eben darauf an, dass man scharf differenziert.

Das war jetzt auch eine der Schlüsselerkenntnisse für mich, die ich aus diesem Kurz mitgenommen habe.

Völker öfters bewerten

Man muss seine Völker öfters bewerten, um am Ende Durchschnittswerte zu erhalten. 7 Mal sollten es schon sein.

Wenn man Züchter ist, kann man seine Ergebnisse auch in BeeBreed.eu eintragen und dann sich beispielsweise Belegstellen anzeigen lassen, welche geeignet wäre, das eigene Material für bestimmte Eigenschaften voran zu bringen.

Auch die AGT Toleranzzucht arbeitet so. Dort gibt es aber auch regelrechtes Handbuch, welches hier umfangreich Auskunft gibt.

Insgesamt war das ein interessanter und lehrreicher Kurs. Und er motiviert auch zur eigenen, gezielten Vermehrung.

Aber im Moment habe ich das zeitlich alles noch nicht ausreichend im Griff – wie gesagt: Dieses Jahr lehrt mich Demut.

2019.3 – Geschwärmt?!

Sieht so aus, als wäre mir ein Volk geschwärmt, vermutlich gestern oder heute Vormittag. Gefunden habe ich sie aber nicht mehr.

Wir waren die letzten drei Tage verreist, und ich bin schon mit einem mulmigen Gefühlt heute nach Hause gefahren. Also bin ich sofort zu den Bienen weiter. Beim Blick in die Beute verstärkte sich die Vorahnung zu so etwas wie Gewissheit: Verdammt leer in der Bude, da fehlt doch mehr als die halbe Mannschaft.

Schwarmverhinderung kann ich eigentlich ganz gut. Aber hier habe ich es verbockt, denn es waren ein paar schön verdeckelte Schwarmzellen zu finden, plus noch eine Reihe weiterer angeblasener Zellen mit Maden.

Ich habe diese Zellen stehen lassen und in einen Dreierboden-Ablegerkasten aufgeteilt, versehen mit Futterwabe und Mittelwand, und sie dann auf einen anderen Stand gekarrt.

Warum es so wichtig ist, sich mit seinem Material wohl zu fühlen!

Ich habe das Volk letzte Woche nicht wirklich gründlich durchgesehen, obwohl es eines der stärksten am Stand war. Aber es war auch eines der Launischsten. Und es steckte in einer Segeberger Beute.

Ich mag die Segeberger nicht. Alles ist eine Spur zu eng, ich muss zu sehr an den Rähmchen rumrütteln, um sie zu lösen, die Bienen werden dann noch unruhiger – kurz gesagt: Die Segeberger empfinde ich immer als Graus, wenn es um Durchsichten geht (wobei man ihr zugute halten muss: Völker wintern wirklich sehr stark aus und sind früh auf Betriebstemperatur!).
Natürlich ist das hoch subjektiv! Aber es geht mir ja auch im die Meta-Ebene:

Ich habe ein anderes, ähnlich starkes und unruhiges Volk, allerdings in einer Holzkiste.
Hier kann ich auf Metallschienen die Rähmchen bequem schieben, Platz schaffen und selbst festgekittete Rähmchen lassen sich mit geringem Kraftaufwand lockern.
Alles ist in der Kiste etwas weiter, entspannter, luftiger (subjektiv empfunden).

Ergo bearbeite ich das Volk in seiner Holzkiste viel entspannter und ruhiger, und daher auch gründlicher.

Bei der Segeberger Beute habe ich letzte Woche zwei Spielnäpfchen gefunden.
Die Schwarmzellen, die zu dieser Zeit schon angelegt worden sein müssen, habe ich deshalb nicht gesehen, weil die an einer Stelle im Brutnest steckten, welche weiter drinne, verkittet und verkleistert war, sodass ich wenig Motivation verspürte, diese Rähmchen da herauszulösen, was nur mit Aufwand und Gerüttel möglich gewesen wäre. Also dachte ich, ganz naiv, wie ich manchmal bin: Wird schon bis nächste Woche gut gehen!
Denn dann wollte ich die ganze Bagage in eine Holzkiste umloggieren, und dann würde ich da auch gründlicher reinschauen. Wie hoch wäre denn bitte die Wahrscheinlichkeit, dass die mir genau in dieser einen Woche abhauen?

Tja.

Kurzum: Es ist von enormer Wichtigkeit, sich mit seinem Material wohl und sicher zu fühlen. Die Imkerei ist schon genug von Unsicherheiten und Selbstverunsicherung geprägt. Da sollte man sich nicht mit Werkzeugen (und eine Beute ist ein Werkzeug) belasten, bei welchem man sich nicht wohl fühlt.

Der Schwarm jedenfalls ist verloren. Vielleicht finden sie eine Behausung, aber selbst wenn, wird sie die Varroa diesen oder spätestens nächsten Winter dahin raffen.

Es ist auch aus tierseuchenhygienischen Aspekten Mist, wenn man einen Schwarmabgang zu verzeichnen hat.

Dieses Jahr habe ich schon mehr Pleiten verursacht, als das ganze letzte Jahr zusammen. Da ist mir nix eingegangen und nix geschwärmt.

Das lehrt mich alles vor allem auch Demut.
Vielleicht habe ich meine Pläne auch zu hoch gesteckt und bin zu schnell gewachsen.