Der Populismus des Torben Schiffer

Aktuell ist er wieder in aller Munde, der Torben Schiffer. Er hat in “Imkern Heute” einen sehr langen Artikel veröffentlicht, der mit “Der wahre Preis des Honigs – Artenschutz für Honigbienen” überschrieben ist.

Dieser Artikel hat – nun ja – ein “kontroverses” Echo hervorgerufen.
So gab es eine eher emotionale, fast schon polemische Gegenrede von Stefan Mandl, seines Zeichen Chef des Erwerbsimkerbundes in Österreich, es gab eine betont sachlich-fachliche Erwiderung von Bernhard Heuvel, der Vizepräsident des DBIB ist, und auch Jürgen Binder, der kurz vorher Herrn Schiffer eine Bühne auf seinem YouTube Kanal geboten hatte, fand ein paar interessante Worte.

Dabei ist Binder (ausgerechnet!) der einzige, welcher den für mich entscheidenden Punkt bei Torben Schiffer streift, nämlich seinen Populismus – oder genauer gesagt: Die Schiffersche Methode der Desinformation, der alternativen Fakten, der Wissenschaftsfeindlichkeit, der Übertreibung bis hin zur pauschalen Diskreditierung einer bestimmten Gruppe Menschen.

Er, Torben Schiffer, bespielt die gleichen Werkzeuge der Kommunikation, wie es auch aktuelle politische Strömungen tun, beispielsweise aus dem Neurechten Spektrum, nur das sein Feind nicht ethnische Minderheiten oder die Demokratie an sich sind, sondern die konventionellen Imker, die Verbände und die Institute, und eben die konventionelle Bienenhaltung überwunden werden soll. Und dazu ist ihm so ziemlich jedes Mittel der Propaganda recht.

Daher wird sich dieser Artikel nur am Rande mit den fachlichen Einlassungen des Herrn Schiffer befassen – der Schwerpunkt liegt auf seiner Kommunikationsstrategie, denn das ist viel spannender – und bisher von niemandem so richtig betrachtet worden.

Warum der Begriff “Populismus”?

Eigentlich passt der Begriff ja nicht, weil er in der politischen Auseinandersetzung zuhause ist, und nicht in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft oder der Imkerei. Außerdem leitet er sich vom lat. Begriff populus, das Volk ab – und auch wenn es um das “Bienenvolk” gehen könnte, so meint der Begriff Populismus doch etwas anderes.

Aber der Begriff passt deshalb als Analogie so gut, weil in der politischen Auseinandersetzung immer dann von Populismus die Rede ist, wenn ein Akteur seine Agenda auf einem “wir gegen die”, “das Volk gegen die Eliten”, “die Sehenden gegen die geheime Verschwörung” aufbaut, und seine Unterstützer auf eben jene Erzählung einschwört.

Und genau so arbeitet Torben Schiffer. Er hat eine Erzählung, und diese ist nicht freundlich.

Strategie 1: Bullshit Flooding*

Vermutlich gibt es diesen Begriff nicht, aber er beschreibt eine oft zu beobachtende Strategie, die seitens Populisten zur Grundausstattung gehört:
Flute die Kommunikation mit so viel kontroversem Unsinn wie möglich!

Man muss verstehen, dass Populisten kein Interesse an einem sachlichen Diskurs haben. Das Ziel ist immer die Zerstörung des Diskurses, weil der Populist weiß, dass seine Argumente, seine Ziele, seine Ansichten in einer sachlichen Debatte nicht bestehen können, weil sie auf Lügen, Übertreibungen, alternativen Fakten und Märchenerzählungen beruhen.
Und eine Möglichkeit, die sachliche Debatte zielgerichtet zu zerstören, ist es, sie mit so viel Unsinn zu fluten, dass der Diskussionsgegner nicht mehr weiß, wo er anfangen soll, diesem Unsinn mit Argumente zu begegnen.
Es ist schlicht unmöglich, in einer Debatte dann genug Raum einzunehmen, um all den Quatsch Punkt für Punkt auseinanderzunehmen – so lange reicht niemals die Aufmerksamkeit des Publikums, so lange reicht niemals die Zeit.

Das weiß auch Torben Schiffer, zumindest instinktiv, und so schreibt er derart lange Artikel, die so vollgestopft sind mit Halbwahrheiten, aus dem Zusammenhang gerissenen Fakten, wilden Annahmen und Behauptungen, dass beispielsweise ein Dr. Mandl in seiner Erwiderung irgendwann verzweifelt die Arme hoch reißt und zugibt, er habe sich das alles nicht mehr bis zum Ende geben können, er hat irgendwann einfach kapituliert.
Und entsprechend hilflos wirkt dann auch seine Auseinandersetzung mit Schiffers Thesen.
Schiffer erreicht damit ein wichtiges Ziel: Irgendetwas von seinen Thesen wird hängen bleiben. Und der Gegner schafft es nicht, sie zu entkräften, im Gegenteil – das Argumentieren gegen Schiffer muss immer bemüht und krampfhaft wirken, denn man kann seinen gefühlt “einfachen Wahrheiten” nicht gefühlte einfache Argumente entgegen setzen. Die echte Realität ist komplizierter als seine erfundene.
Torben Schiffer überrollt einen Stefan Mandl, seines Zeichen Präsident des Erwerbsimkerbundes in Österreich einfach mit einer Lawine aus kontroversem Unsinn, bzw. Mandl schafft es nicht, alles aufzukehren, was Schiffer im vor die Füße wirft.
Bullshit-Flooding.

“*” – ein aufmerksamer Leser hat mich darauf hingewiesen, dass es dafür sehr wohl einen Fachterminus gibt: Gish-Galopp
Danke dafür!

Strategie 2 : Die Erzählung vom Underdog gegen die Eliten

Auf der ersten Seite seines Artikels für “Imkern heute” baut Torben Schiffer zum Einstieg schon eine schöne Geschichte auf, in der es um “das Establishment”, die “etablierte Imkerlobby” oder “Funktionäre der Nutztierhaltung” geht, die sich gegen die Biene und vor allem gegen ihn und seine Anhänger verschworen haben.
“Funktionäre der Nutztierhaltung lehnen eine offene und sachlich auf der Fachebene geführte Diskussion oftmals ab.”, schreibt er – und deswegen “wird es Zeit, die etablierte Imkerlobby auf den Prüfstand zu stellen und ihr Weißblütenimage auf Sachbasis von der Realität zu trennen.” (häh?)

Damit nicht genug, es gibt einen Absatz auf jener ersten Seite des Artikels, der fast schon ins Verschwörerische abzugleiten droht:

Am Ende geht es nicht um die Bienen
selbst, sondern um das Geschäft.
Die Imkervereine wollen Mitglieder
akquirieren und Gehälter bezahlen,
die Equipmentverkäufer wollen
zahlreiche Werkzeuge verkaufen, die
Reinzüchter ihre vermeintlich sanften
Hochleistungsbienen, die Pharmazie
ihren Medikamentenkatalog und
selbst die staatlichen Bienenforschungsinstitute bekommen ihre
Fördergelder, um die zahlreichen Probleme rund um die Honigbienen in
Beuten „zu erforschen“ und Lösungen
zu präsentieren. All diese Institutionen
verdienen ihr Geld im jetzigen System.
Letztendlich bestimmen wenige
Einzelpersonen die flächendeckenden
Ausbildungsinhalte und Umgangsweisen mit den Bienen in der Imkerei

Da ist alles dabei, was das Verschwörungstheoretiker-Herz begehrt: Eine heimliche Elite von Entscheidungsträgern, verwobene Netzwerke, die im Verborgenen an einem geheimen verwerflichen Ziel arbeiten, Big-Pharma, Geldgier – einfach alles.
Es fehlt nur noch ein geheimer Informant, der “Q” heißt, und irgendetwas mit Kindern, deren Blut getrunken wird – wobei Schiffer in der Folge nicht Kinder als Opfer stilisiert, sondern eben die Bienen. Aber die Verschwörungserzählung lacht den Leser fröhlich an.

Schiffer umreißt auf der ersten Seite sehr klar die Parteien:
Auf der einen Seite die Bieneninstitute, die Erwerbsimker, der Imkerbedarfshandel, die Imkervereine, die konventionellen Imker – diese Gruppe gehört zum Team “Elite” oder “Establishment”.
Auf der anderen Seite er, seine Anhänger, und vor allem – ganz wichtig – die verführten, eigentlich gutmeinenden Imker, die Opfer dieser Verschwörung des Teams “Elite” sind, und um deren Seelen jetzt der Kampf geführt werden muss.
Diese Gruppe gehört zum Team “Schiffer”, und er versteht dieses Team als eine “Bewegung”, und Bewegungen haben immer etwas gemeinsam: Sie sind die Underdogs, die sich gegen “die da oben” auflehnen.

Darum baut Torben Schiffer jetzt seine Erzählung auf, von ihm, dem Underdog, und den seinen – gegen die Eliten, gegen das Establishments.

Alles, was jetzt folgt, speist sich aus diesem Narrativ. Dieses Narrativ dient der emotionalen Aufladung seines Anliegens, denn letztlich konstruiert er eine schwungvolle “Gute gegen Böse” Geschichte, und so etwas verfängt, gerade bei einem Publikum, welches nicht unbedingt vom Fach ist.
Emotionen funktionieren viel einfacher als Fakten. Und darauf baut Torben Schiffer.
Fakten sind für ihn nicht unbedingt relevant (dazu später mehr) – ihm geht es ums Narrativ.

Strategie 3: Selektive und alternative Fakten plus Confirmation Bias

Mir ist es nicht gelungen, im Netz auch nur eine Veröffentlichung von Torben Schiffer zu finden, die wissenschaftlichen Standards genügt – beispielsweise durch das Vorhandensein von Peer Reviews. Stattdessen findet man sehr viele Behauptungen, die er publiziert, und die er dann mit Kronzeugen versieht. Das ist eine ziemlich interessante Vorgehensweise:

Eine seine populärsten Erzählungen ist jene vom Bücherskorpion, welcher die Varroamilbe bekämpfen könne.
Man kann fast behaupten, diese großartige Erzählung hat ihn seinerzeit in der Imkerszene bekannt gemacht. Der Bücherskorpion sei ein mit dem Bienenvolk in Symbiose lebendes Spinnentier, welches aktiv Varroamilben jage.
Hier wurde dann eine grundlegende Schwäche in der Schifferschen Forschungsweise sichtbar, nämlich der sogenannte Confirmation Bias, der Bestätigungsfehler.

Er konnte etwas Interessantes beweisen: Ein Bücherskorpion erlegte in einer Petrischale eine Varroamilbe. Daraufhin behauptete er, dass Bücherskorpione auch im Bienenstock Varroamilben jagen würden, allerdings nur, wenn diese Bienenbehausung bestimmten, natürlichen Bedingungen entspräche.
Letztlich erweckte er in seinen Einlassungen den Eindruck, dass der Bücherskorpion in der richtigen Beute konventionelle Varroabehandlungen ersetzen könne. Just zu jener Zeit konnte man dann auch Bücherskorpione im Internet käuflich erwerben – zu Preisen, bei denen die Spinnentiere vermutlich in Gold aufgewogen wurden.

Das Problem war nur: Nirgendwo war eine Untersuchung zu finden, die a.) wissenschaftlichen Standards standhalten konnte und b.) dabei bewies, dass die Kombination aus Beute und Skorpion eine wirksame Varroadezimierung und damit ein Überleben eines Bienenvolkes sichern konnte.
Schiffer pickte sich jene Fakten raus, die seiner Grundthese entsprachen, und ignorierte einfach alles, was seiner These hätte widersprechen können. Daraus schuf er dann einen alternativen Fakt: Der Bücherskorpion sei wirksam gegen die Varroamilbe. Nirgendwo finden sich Hinweise auf vernünftige Versuchsaufbauten, die seine These erhärten oder hätten widerlegen können, nirgendwo auch nur eine Kontrollgruppe…

Jetzt holte sich Schiffer aber einen Kronzeugen für seine These. So schrieb Prof. Jürgen Tautz in einem Buch von Schiffer über den Bücherskorpion u.a.:

Der Bücherskorpion ist ein wunderbares Beispiel für die (Wieder-) Entdeckung eines Bienennützlings, dem es durchaus gelingen kann, in der Bienenhaltung als Verbündeter im Kampf gegen die Varroa-Milbe und weiterer ungern gesehener Mitbewohner in Bienenstöcken wirksam zu werden. Das vorliegende Buch stellt diese Facette umfassend vor und bietet eine ausgezeichnete Basis für alle, die sich für diesen hochspannenden Ansatz einer biologischen Schädlingsbekämpfung interessieren.

Tautz schreibt lediglich, dass der Bücherskorpion eine interessante Facette zur Varroabekämpfung sein kann, nirgendwo behauptet er, dass der Skorpion diese Hoffnung objektiv auch erfüllt. Denn dafür gab keine belastbaren Daten. Aber es steht eben der Name “Tautz” im Vorwort der Veröffentlichung, und wer nicht so genau liest, der liest eben nur den Namen und dass da wohl etwas dran sein kann, was jetzt in dem Büchlein steht.

Er macht das gleiche auch mit dem international angesehenen Wissenschaftler Dr. Tom Seeley. Dieser hat ihm offenbar irgendwann mal eine Mentorschaft angeboten, nachdem man gemeinsam bei einer Veranstaltung Vorträge gehalten hatte. Dieser Umstand wird auch prominent auf Schiffers Webseite erwähnt, aber der wissenschaftliche Mehrwert, der daraus hätte entstehen können, bleibt völlig im Dunklen. Nur hat der Name Seeley in der Szene einiges Gewicht – und dieses Gewichtes bedient sich Schiffer eben, indem er den Eindruck erweckt, dass es da ein enge Form der Zusammenarbeit gibt. Ein von Tom Seeley ge-peer-reviewtes wissenschaftliches Papier konnte ich bisher jedenfalls nicht finden.

Ein aktuelleres Beispiel für alternative Fakten und Confirmation Bias ist seine jüngste Erfindung – eine sogenannte Baumhöhlensimulation namens “SchifferTree”
Sein aktuelles Wirken scheint darauf ausgerichtet, dieses Bienenmöbel zu bewerben und mit allerlei Wundereigenschaften auszustatten. Und es ist die Basis für seinen Frontalangriff auf die konventionelle Imkerei.

Die Behauptung: Wenn eine Bienenbehausung nur nah genug an der natürlichen Bienenwohnung “Baum” ist, dann lösen sich nahezu alle Probleme, mit denen die Biene heutzutage zu kämpfen hat, in Wohlgefallen auf.
Ein wichtiger Punkt dabei: Er belässt es nicht dabei, den nach ihm selbst benannten Pseudo-Baum mit besonders guten Eigenschaften zu bewerben – vielmehr dient er insbesondere als Hebel, die herkömmliche Bienenhaltung frontal anzugreifen und als tierquälerisches Ausbeutungsszenarium zu beschreiben.

Wenn man dann die Webseite besucht, auf welcher Schiffer seinen SchifferTree bewirbt, dann findet man viele Behauptungen, was die Behausung alles können soll, nur eben keine überprüfbaren Daten. Auch hier schafft er wieder alternative Fakten – schlichtweg durch Behauptung, befreit von der Last der Realität.

Insgesamt kann man sein “wissenschaftliches” Wirken damit umschreiben, dass er gerne auf technische Spielereien wie Wärmebildkameras zurückgreift, hochauflösende Bilder von Milben schießt, auffallend viele Kabel in Bäume steckt, um anschließend aus den so gewonnen Daten Rückschlüsse zu ziehen, die zum einen sehr spannend klingen und sich gut für Vortragsreihen eignen, und zum anderen aber erhebliche Mängel in der Plausibilität aufweisen.
Der Trick dabei ist immer, Fakten zu nehmen, und diese in der gewünschten Weise zu interpretieren. Wenn er zum Beispiel wild lebende Bienenvölker nachweisen kann, so interpretiert er das ganz grundsätzlich so, dass diese Völker jetzt in ihrem natürlichen Habitat leben, alle gesund, ohne Milben und ohne Probleme behaftet sind, wie die von ihm so geschmähten konventionell gehaltenen Bienenvölker in der Hand des Imkers.
Aber das ist eben nur eine These – würde er das wissenschaftlich beweisen wollen, bräuchte es plausible Versuchsaufbauten, und ein Minimum dabei wären Kontrollgruppen.

Seeley hat es vorgemacht, wie man ergebnisoffen mit Bienen in freier Wildbahn forscht.

Schiffer selber kümmert es wenig, denn Forschungsergebnisse, die nicht in seine Erzählung passen, werden einfach ignoriert.
Oder am besten gleich beiseite gewischt:

Strategie 4: Wissenschaft negieren, oder “Der gesunde Menschenverstand!”

Gerade in Zeiten der Corona Pandemie sind sie überall zu finden – jene Leute, die Wissenschaft immer dann ablehnen, wenn die Erkenntnisse derselben nicht ihrem Weltbild entsprechen. Sie nennen sich dann “Querdenker”, und nicht selten beschreiben sie ihren Unwillen, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen, mit den Worten “Die Wissenschaft weiß auch nicht alles!”, oder “Das sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand, dass das so nicht sein kann!”

Umso überraschender, dass ein selbsternannter “Bienenforscher”, der als Wissenschaftler ernst genommen werden will, nun in die gleiche Kerbe haut.

So zitiert Schiffer die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung, welche Ergebnisse zu Untersuchungen zur Nahrungskonkurrenz zwischen Honig- und Wildbiene wie folgt zusammenfassen:

Neuere Untersuchungen kommen
ebenfalls zu dem Schluss, dass die
Gegenwart von Honigbienenvölkern
das Vorkommen von Wildbienen nicht
gefährdet. Daraus kann geschlossen
werden, dass Honigbienen – zumindest
in ihrem angestammten Verbreitungsgebiet – keine Gefahr für Wildbienen
darstellen. In den natürlichen Verbreitungsgebieten kann von einer evolutionär eingespielten Koexistenz zwischen
Honigbienen und Wildbienen ausgegangen werden.

Diese Aussage kommentiert er daraufhin wie folgt:

Die hier aufgeführten Interpretationen offenbaren, dass Wissenschaft
nicht nur der Schaffung von Wissen
dient, sondern auch dazu führen
kann, dass der gesunde Menschenverstand relativiert wird.

Man weiss gar nicht, was man auf so eine Einlassung entgegnen soll. Jemand, der sich selbst als Wissenschaftler versteht, negiert Wissenschaft durch Bauchgefühl, oder etwas so willkürlichem, wie dem Gesunden Menschenverstand.
Schiffer lässt nicht nur jene Erkenntnisse aus der Forschung oder praktischen Imkerei weg, die seinen Argumenten zuwider laufen könnten, nein, er wischt Dinge, die ihm nicht in den Kram passen einfach mit dem “Gesunden Menschenverstand” beiseite.
Was nicht ins eigene Weltbild passt, wird negiert.

Man übertreibt nicht, wenn man feststellt, dass so Populisten arbeiten.

Strategie 5: Belastbare Fakten missbrauchen, um alternative Fakten zu stützen

Ein recht eleganter Kniff ist es, den eigenen Unsinn Plausibilität zu verschaffen, indem man belastbare Fakten nimmt, und diese in den Kontext der eigenen Sache stellt, auch wenn sie dort überhaupt nicht passen.

Schiffer macht das mit dem Insektensterben. So schreibt er:

In einigen Regionen in Deutschland zeigte
sich ein Rückgang der Biomasse
fliegender Insekten um 75 %, alleine
in den letzten drei Jahrzehnten.

Und verweist dabei auf eine Studie, welche diese Beobachtung entsprechend beschreibt.
Das in diesem Fall bemerkenswerte daran ist, dass in dieser Studie ausdrücklich gesagt wird, dass über die Gründe des Rückgangs keine verbindlichen Aussagen gemacht werden können, und nachfolgende Annahmen über die Gründe eben genau das sind: Nur Annahmen.
Aber keine dieser Annahmen hat zum Inhalt, dass die konventionelle Imkerei eine Ursache für das Insektensterben sein könnte. Trotzdem stellt Schiffer implizit diesen Zusammenhang her.

Er benutzt hier eine Studie, die nirgendwo seine Thesen untermauert, um seine Behauptung, Honigbienen würden den Wildbienenbestand gefährden, deswegen so rücksichtslos, weil er weiß, dass sich kaum einer seiner Leser die Mühe machen wird, diese Information zu prüfen. Und wenn doch, kann er sich ja immer noch darauf zurückziehen, es ja anders gemeint zu haben.

Es ist – wieder einmal – ein Trick, der aus der politischen Auseinandersetzung der letzten 5 Jahre bekannt ist.

Strategie 6: Eine offene Diskussion einfordern, gleichzeitig selbige meiden

In einem Interview mit Jürgen Binder fordert Schiffer eine fachliche Diskussion zu seinen Thesen. Gleichzeitig aber, in dem selben Interview, in der gleichen Minute, macht er deutlich, dass ihn die Kritik an seinen Thesen nicht interessiert.
In jenem Interview attackiert er frontal den Mellifera e.V., um dann im gleichen Atemzug sich jede Kritik zu verbitten und noch vor dem Ende des Satzes eine offene , fachliche Diskussion zu fordern. Man weiß gar nicht, was er jetzt eigentlich will. Will er jetzt diskutieren? Aber nur, wenn man ihn nicht kritisiert?

Wer so auftritt, benutzt den Aufruf zur Diskussion als Strohmann. Es geht nicht um die fachliche Auseinandersetzung – wie auch, wenn man jede Kritik marginalisiert.
Und es gäbe genug Orte für eine sachliche Auseinandersetzung.
Es ist eben nicht so, anders als von Schiffer dargestellt, dass er nur Zielscheibe polemischer Kritik würde.
So schreibt Roland Sachs von chelifer.de eine sachliche, fundierte Analyse über den SchifferTree, nichts daran ist übergriffig oder falsch im Ton.
Auch die von Schiffer geschmähten Foren haben sich meist zwar scharf im Ton, aber letztlich doch inhaltlich mit seinen Thesen auseinandergesetzt. Und scharf im Ton muss er abkönnen, ist er schließlich auch nicht zimperlich.
Ein Bernhard Heuvel war sehr sanft und rücksichtsvoll im Ton, aber eben scharf argumentativ in der Sache. Was daran ist unangemessene Kritik oder gar ein Shitstorm?
Nichts.
Aber besser, man negiert Kritik als Shitstorm, als sich mit ihr auseinanderzusetzen – dann findet sich sogar noch die passende Opferrolle, in die man sich kuscheln kann.

Strategie 7: Starke, emotionalisierende Metaphern finden

Der Populist braucht Bilder. Je stärker das Bild, desto besser die emotionale Wirkung, umso größer die Aufmerksamkeit.
Und so geht es gleich auf der ersten Seite des “Imkern Heute” Artikel so richtig in die Vollen: “tierquälerische Behandlung”, “medikamentenabhängiger Dauerpatient”, “sterben in apokalyptischen Ausmaßen”. Es ist sehr viel die Rede vom “Establishment”, “Lobbygruppen” (alle selbstredend böse und voller böser Absichten), eben der ganze Katalog an Begriffen, die ja aktuell schon ein bestimmtes Framing haben.

Auch benutzt er sehr gerne den Begriff der “Massentierhaltung”, wenn es um die konventionelle Bienenhaltung geht – und dieser Begriff weckt bei jedem die gleichen Assoziationen.
Es handelt sich um ein ausgesprochen wirkmächtiges Bild, und das ist es, worum es Schiffer geht. Man kann gar nicht anders, es verschiebt den Blickwinkel des Zuhörers, des Lesers, der keine Fachkunde über Bienenhaltung haben kann, in eine bestimmte Richtung.
Waren denn die Imker nicht eigentlich die Guten? Sind sie das vielleicht gar nicht?

Aber da wo Schatten ist, da ist auch Licht, “Die Wahrheit”, wenn auch eine “unbequeme”, die er verkünden kann. Oder “Die Bewegung”, die jetzt entsteht, die Honigbiene zu retten.
Es sind immer die großen Bilder, die da bemüht werden. Und das verfängt ja auch viel mehr, als die nüchternen, langweiligen Untiefen datenbasierter Wissenschaft.

Fazit

Ist Torben Schiffer jetzt ein Populist?
Er hat eine politische Agenda, und Populismus ist eine Spielart der politischen Auseinandersetzung, er ist auch ein Art Werkzeug und nicht zuletzt eine Haltung.
Wenn man sein Wirken ein paar Jahre verfolgt hat, dann konnte man einer Form von Radikalisierung zusehen: Vom Bücherskorpion als Wiederentdeckung eines Symbionten hin zu einer radikalen Ablehnung der konventionellen Imkerei als Form der Landwirtschaft.
In seiner Welt scheint es nur noch schwarz und weiß zu geben – diejenigen, die Bienen in Magazinen halten, und die anderen, die seinen.
Imkerei ist bedeutend vielfältiger als das, was er beschreibt. Es gibt viel mehr Facetten zwischen unterschiedlichen Haltungsformen. Alleine die Spannbreite der Behandlung gegen die Varroamilbe ist größer als ein “Mit Säuren Bienen verätzen”, wie er es so apokalyptisch darstellt.
Er müsste das eigentlich wissen. Er müsste wissen, dass ein Ralph Büchler ein funktionierendes Konzept nahezu ohne Säuren lehrt. Schiffer muss wissen, dass die Institute mehr forschen, als wie man Bienen mit Säuren gegen die Varroamilbe behandeln kann. Er weiß sicherlich auch, dass es eine Vielzahl an Beuten gibt, große, kleine, mittlere, dass es Schwarmimkereien gibt, dass es Demeter Imkereien gibt, dass es Populationen in Imkerhand gibt, die resistent gegen die Milbe sind.
Er müsste auch wissen, dass Imkerei seit vielen Jahrhunderten ein Bestandteil der Landwirtschaft war, und dass sich Artenschutz und Landwirtschaft nicht gegenseitig ausschließen.

Das Problem an Schiffer ist nicht, dass er ein schlechter Wissenschaftler ist. Das Problem an ihm ist, dass er eine politische Agenda hat, und die besteht seit einiger Zeit darin, einen Ein-Mann-Feldzug gegen die konventionelle Imkerei zu führen und diese in Verruf zu bringen. Würde er sich mit seinen politischen Forderungen durchsetzen können, würde das nichts anderes bedeuten, als das Ende der konventionellen (und erwerbsmäßigen) Imkerei in Deutschland.

Worauf seine Motivation fußt, darüber ließe sich vortrefflich spekulieren, aber das ist in der Sache unerheblich.
Wichtiger wäre, das man in Vereinen, den Verbänden und überall sonst, wo Herr Schiffer gerne und lange sich selbst beim Reden zuhört, eine klare Ansage macht: Wenn du für deine vielen Behauptungen keine objektiv überprüfbaren Daten vorlegst, die wissenschaftlichen Standards genügen, und hauptsächlich Krach und Alarm für deine Selbstvermarktung machst, bieten wir dir kein Podium mehr.

Es ist sinnlos, mit Populisten (oder Leuten, die wie welche arbeiten) in ein Gespräch oder in eine Diskussion kommen zu wollen. Wie weiter oben bereits erwähnt, haben sie kein Interesse an einem Diskurs – die Sachdebatte ist ihr Feind, und das wissen sie auch. Deshalb zerstören sie den Diskurs.
Dass Torben Schiffer das tut, und wie er es macht, ist bis hier hin hoffentlich klar geworden.

Aber man sollte sich davor hüten, ihm eine Bühne zu geben.

2020.22 – Erfahrungen mit UltraBee

Ich bin die letzten Tage ein paar Mal unabhängig voneinander per Mail angeschrieben worden, jeweils mit der Frage, wie meine Erfahrungen mit dem Pollensubstitut UltraBee aussehen würden und wo man UltraBee kaufen könne.

Wo kaufen?

Ich habe UltraBee seinerzeit in UK gekauft, bevor die Übergangsregelung des Brexit in Kraft trat, nämlich hier. Wie es sich jetzt mit Transportkosten und Steuern verhält, kann ich nicht sagen.

Erfahrungen kann ich jedoch schildern.

Rezeptur

Ich habe den Pollenfutterteig immer selber angemischt, wobei sich die Rezeptur “zu gleichen Teilen Apiinvert, Zucker und UltraBee” als gute Richtschnur für eine schöne Textur bewahrheitet hat.

Wie wird UltraBee abgenommen?

Der Futterteig wurde fast immer abgenommen, jedoch im Vergleich zu reinem Fondant eher zögerlich.
Mein subjektiver Eindruck war, dass bei ausreichender Pollenversorgung von außen die Abnahme durch die Bienen zurück geht, während sie bei schlechtem Wetter etwas besser, aber keineswegs enthusiastisch ausfällt.

Gibt es sichtbar positive Effekte?

Ich konnte nicht feststellen, dass die Gabe von UltraBee die Brutaufzucht stimulieren würde.
Zwar hat Randy Oliver nachgewiesen, dass von allen Pollensubsituten UltraBee am besten abschnitt, gerade bei der Versorgung der Larven mit Futtersaft, aber in meiner Region scheint die Pollenversorgung zu jeder Jahreszeit, in der Bienen Brut aufziehen und ausfliegen können, ausreichend sichergestellt zu sein.

So konnte ich bisher nie das Phänomen der “trockenen Brut” beobachten, weder bei Gabe von UB, noch bei der Kontrollgruppe, die ohne UB geführt wurde.

Ich habe keine halbwegs ambitionierte Testreihe gefahren, wie beispielsweise bei meinen TBE-Untersuchungen. So sind meine Aussagen tatsächlich hoch subjektiv.

Pollenfallen anstatt UltraBee

Aber bisher würde ich zu dem Schluss kommen, dass man sich das Geld für UtrBee sparen, und stattdessen lieber ein paar Pollenfallen kaufen kann.

Für 100€ plus Versand (so viel kostet ein 25 KG Sack UltraBee in etwa), kann man auch 3-4 Pollenfallen kaufen und zeitweise vor seine Kisten hängen.
Den frisch gesammelten Pollen kann man dann einfrieren und bei Bedarf auftauen, und schon hat man eine nachhaltige Lösung, etwaige Pollenengpässe zu überbrücken.

Da ich noch UtraBee übrig habe, werde ich im Februar einen letzten Versuch starten, herauszufinden, ob bei Brutbeginn ohne externe Pollenzufuhr, die Gabe von Pollenpatties einen Unterschied macht.

Ich werde berichten.
Aber ansonsten wäre mein Fazit, dass in meiner Region ein Pollensubstitut keinen praktischen Nutzen aufweist.
In anderen Regionen des Landes mag es anders sein.

Ergänzende Untersuchungen zu dem Thema

Hier kommt man zu einem interessanten Schluss: Nur ein minimaler Anteil des Pollensubsituts landet in den Larven, +- 1%.

2020.21 – Varroa, Lehren aus dem Betriebsjahr 2020

Einführung

Es folgt ein längerer Text, der darüber berichtet, wie sich die Varroasituation in meinem Völkern im Laufe des Sommers, Herbstes und Winter entwickelt hat, und welche Rückschlüsse daraus für künftige Varroastrategien zu ziehen sind.

Schon zu Beginn der Datenanalyse zeigte sich, dass die Völker nur bedingt miteinander vergleichbar sind und der Gesamtbestand in unterschiedliche Kategorien zerfällt. Es bot sich an, die Völker in Gruppen einzuteilen.
Es gibt unterschiedliche Völkertypen, die unterschiedlich behandelt, bzw. betrachtet werden müssen, was im Folgenden näher erläutert werden wird.
Ein Problem: Ich habe Völker teilweise unterschiedlich behandelt, auch dann, wenn sie zum gleichen Typus gehören.
Allerdings eröffnet mir dies auch Vergleichsmöglichkeiten, auf die in der Folge genauer eingegangen werden wird.

Motivation

Durch eine fortwährende Analyse der Varroazahlen in meiner Imkerei, im Kontext der Behandlungsmethoden, soll ein Weg gefunden werden, möglichst effektiv die Varroapopulation zu kontrollieren. Ziel ist es, gesunde und starke Völker in und durch den Winter zu führen, damit zur Frühtracht ausreichend starke Völker zur Verfügung stehen.

Bekannte Behandlungskonzepte funktionieren, das Rad muss nicht neu erfunden werden, aber gleichzeitig muss das eigene Handeln der eigenen Betriebsweise und der örtlichen Situation angepasst werden. Es gibt keinen Waschzettel, der nur abgearbeitet werden muss, um perfekte Ergebnisse zu bekommen.

Aktuell bin ich mit dem Zustand meiner Völker weder im Winter, noch im Frühjahr wirklich zufrieden. Daher hilft nur eine genauere Betrachtung der angewandten Behandlungsmethoden und der daraus resultierenden Völkerstärken bei Ein- und Auswinterung, um daraus dann andere, angepasste Herangehensweisen zu entwickeln.

Völkertypen

Damit der Leser und ich eine gemeinsame Ausgangsbasis haben, folgt eine kurze Erläuterung der Terminologie, was die einzelnen Völkertypen betrifft:

  • Wirtschaftsvolk, mit Notbehandlung: Ein Bienenvolk, welches das ganze Jahr über als Honigvolk geführt und im Juli mit einer TBE behandelt wurde. Im September erschienen mir der tägliche, natürliche Milbenfall als zu hoch, sodass eine Notbehandlung erfolgte.
  • Wirtschaftsvolk, ohne Notbehandlung: Ein Bienenvolk, welches das ganze Jahr über als Honigvolk geführt und im Juli mit einer TBE behandelt wurde. Hier war jedoch der natürliche Milbenfall im September so gering, dass eine Notbehandlung als nicht notwendig erachtet wurde.
  • Ableger: Ein Bienenvolk, welches Ende Mai, oder Anfang Juni mit zwei Brutwaben gebildet wurde, unter Zugabe einer unbegatteten Königin oder einer schlupfreifen Zelle. Bei Brutfreiheit wurde mit OXS behandelt. Anfang August wurde 1 Streifen Bayvarol ins Brutnest gehängt.
  • Brutsammler: Ein Volk, welches aus den Brutwaben jener Wirtschaftsvölker entstand, die einer TBE unterzogen wurden. Auch hier erfolgte eine Behandlung bei Brutfreiheit, Anfang August.
  • DeBiMo Völker: Ich nehme am Deutschen Bienenmonitoring teil. Ein Teil meiner Völker wird also regelmäßig genauer untersucht, und mir später die Ergebnisse entsprechend zur Verfügung gestellt.
    Ich habe also einen Anteil an Völkern, zu denen mir genauere Daten vorliegen, als zu anderen.

Durchführung und Zeitpunkt der TBE

Die TBE wurde von Mitte bis Ende Juli durchgeführt.
Die Völker wurden i.d.R. auf Mittelwände gesetzt, nach 4-7 Tagen erfolgte eine Behandlung mit Oxalsäure. Bei einem Teil der Völker wurde die OXS gesprüht, bei einem anderen Teil wurde auf eine alternative Methode zurückgegriffen.

Die entnommenen Brutwaben wurden als Brutsammler zusammengestellt, nach 9 Tagen wurden die Nachschaffungszellen gebrochen und und unbegattete Weiseln dazu gegeben.
Nach 21 Tagen erfolgte eine alternative Oxalsäurebehandlung im brutfreien Zustand.

Wenn Völker mit Oxalsäure behandelt wurden, dann immer im brutfreien Zustand.

Das überraschend schlechte Ergebnis der DeBiMo Völker

Mit der Übermittlung der Testergebnisse durch das LIB Hohen Neuendorf wurde klar, dass dieses Jahr die Varroabehandlung nicht gut gelaufen war:

Wie sich zeigte, hatten 40% der Völker zwischen Juli und Oktober einen höheren phoretischen Befall entwickelt – obwohl zwischen den Probeentnahmen eine TBE und eine OXS Behandlung lag. 50% hatten einen phoretischen Befall von >1%, ein Volk (Nr. 19), hatte seinen phoretischen Befall trotz TBE und OXS mehr als verfünffacht!

Eigentlich hätte der Befall deutlich geringer ausfallen sollen (und hatte es im vergangenen Jahr auch getan), insofern war eine genauere Analyse der Aufzeichnungen des aktuellen Jahres angezeigt.

Was bedeuten diese Zahlen für das aktuelle Varroakonzept, außer dass es nicht ausreichend ist? Wo sind Anpassungen vorzunehmen?

Notbehandlungen im September

Es gab eine Reihe von Völkern, die bei einer Probe mittels Varroawindel einen zu hohen Milbenfall zeigten. Dabei handelte es sich fast ausnahmslos um Wirtschaftsvölker.

Diese Völker sollten eigentlich einer Blockbehandlung mittels OXS unterzogen werden, wobei die dafür notwendige Hardware nach der zweiten Behandlung kaputt ging.
Daraufhin wurde kurzfristig auf Bayvarol umgestiegen, und den betroffenen Völkern 1 Bayvarolstreifen ins Brutnest gehangen – Ausnahmen erhielten 3 Streifen.

Jene Völker, deren Milbenfall Anfang September augenscheinlich unauffällig war, wurden keiner Behandlung im Herbst unterzogen.

Oxalsäure sprühen und Oxalsäure alternativ verabreichen, Methode wirken unterschiedlich gut

Die Wirtschaftsvölker wurden mittels TBE brutfrei gemacht. Anschließend folgte eine Behandlung mit Oxalsäure.
Dabei wurde die OXS unterschiedlich verabreicht:
Ein Teil wurde mit OXS besprüht, ein anderer Teil wurde mit einer alternativen OXS-Applikation behandelt.

Beide Gruppen waren im September nicht zu gleichen Teilen bei den behandlungswürdigen Völkern vertreten, vielmehr hatte eine der beiden Gruppen den größeren Anteil Völker, die zu viele Milben fallen ließen.

OXS sprühenOXS alternativ verabreichen
Notbehandlung notwendig84
keine Notbehandlung notwendig28
Verteilung behandlungswürdiger Völker im September auf die Behandlungsmethode bei Brutfreiheit

Das Sprühen von OXS scheint im direkten Vergleich schlechter zu wirken. Anders ist der höhere Milbenfall der entsprechenden Völker im September nicht zu erklären.

Allerdings führte dies dazu, dass diese Völker noch einmal behandelt wurden, während die alternativ behandelten so gut aussahen, dass eine weitere Behandlung nicht notwendig zu sein schien.
Im Dezember zeigten sich dann die Auswirkungen der unterbliebenen Behandlung.

Milbenfall im Dezember nach Restentmilbung

Alle Völker wurden im Dezember der gleichen Art von Restentmilbung mittels Oxalsäure unterzogen.
Nach 7 Tagen wurden die auf die Windel gefallenen Milben gezählt und ein Tagesmittel errechnet und zum Vergleich herangezogen.

Um die vier Gruppen (WV mit und ohne Notbehandlung, Ableger und Brutsammler) miteinander vergleichen zu können, wurde für jeden Typ ein Durchschnitt des Milbenfalls pro Tag über alle Völker eines Typs gebildet.

Welcher Volkstyp hat im Dezember durchschnittlich wie viele Milben pro Tag fallen lassen?

Die gute Nachricht: Die Ableger, alle einmal im Mai, Juni brutfrei behandelt, sowie Anfang August um 1 Bayvarol-Streifen ergänzt, haben im Schnitt nach der Restentmilbung wenig Milben fallen lassen. Es gibt Ausreißer, aber im Großen und Ganzen war der Milbenfall nach der Winterbehandlung sehr gering.

Ganz anders sieht es bei den Brutsammlern aus.
Diese Völker, mit Brutwaben aus der TBE der Wirtschaftsvölker gebildet, hatten einen extrem milbenreichen Start. Der Milbendruck wurde durch eine einmalige OXS Behandlung zwar so weit gemindert, dass eine Einwinterung möglich war, allerdings verblieben noch überdurchschnittlich viele Milben in den Völkern.

Auffällig ist der Unterschied zwischen Wirtschaftsvölkern mit und ohne Notbehandlung im September.
Kurz gesagt: Ohne Notbehandlung fielen 3 mal so viele Milben wie mit – die Notbehandlung macht einen signifikanten Unterschied bei der Anzahl der Milben, die noch mit in den Winter gehen.

Betrifft Wirtschaftvölker mit einer Notbehandlung
Betrifft Wirtschaftsvölker ohne Notbehandlung

Fazit TBE

Eine TBE mit nachgeschalteter OXS Behandlung reicht nicht aus, um auf eine Behandlung im September gänzlich verzichten zu können.

Es gibt scheinbar eine signifikante Reinvasion (von innen), welche die Milbenzahl in die Höhe treibt. Insbesondere an den eng überwachten DeBiMo Völkern ist erkennbar, dass eine TBE samt Oxalsäurebehandlung mitunter nicht ausreicht, die Milbenzahl dauerhaft wirksam zu senken, wenn 40% einen höheren phoretischen Befall nach der TBE als vor der TBE aufweisen.

Brutsammler

Dieser Völkertyp braucht nach der ersten brutfreien Behandlung später eine nachgelagerte Nachsorge (bspw. im September), wenn man nach einer Restentmilbung möglichst milbenarm ins neue Jahr starten möchte.

Ursache für den überdurchschnittlichen Befall muss die vergleichsweise hohe Konzentration an befallenen Zellen in den Brutwaben sein, welche am Ende einer Bienensaison in den Wirtschaftsvölkern vorhanden sein dürften.

Hier liegt auch der Unterschied zu den zeitig im Jahr gebildeten Ablegern.

Die TBE alleine ist kein Allheilmittel gegen die Varroamilbe, auch nicht in Kombination mit einer Behandlung bei Brutfreiheit mittels Oxalsäure.

Weiterhin hat die TBE auch praktische Grenzen, bei denen eine Verwendung dieser Methode keinen Sinn mehr macht. Vgl. dazu auch: [1][2]

Fazit Ableger

Ableger, im Frühjahr gebildet und brutfrei behandelt, bauen scheinbar bis zum Herbst, Winter nur eine geringe Milbenlast auf – von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Das erscheint auch logisch: Zu einem Zeitpunkt gebildet, als der Spender selbst kaum Milben hat, ist die Startpopulation an Milben sehr klein. Mit einer effektiven Behandlung bei Brutfreiheit, sinkt der Befallsgrad noch einmal deutlich.

Bis die neue Königin so richtig in Brut gegangen ist, und damit auch die Milbe groß in die Vermehrung einsteigen kann, ist der Sommer schon weit fortgeschritten.
Somit fehlt es den Milben sowohl an Individuen, Brutzellen als auch Brutzyklen, um bis zum Winter starke Populationen aufzubauen.

Die Entnahme von Brutwaben scheint jedoch bei den Brutspendern kaum zu einer signifikanten Verzögerung in der Entwicklung der Varroapopulation zu führen.

Fazit Bayvarol

Die Datenlage ist zu dünn.
Bayvarol scheint gut zu wirken, wenn 2-3 Streifen in ein Brutnest gehangen werden.
Bei kleineren Einheiten, wo nur ein Streifen gegeben wird, sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich.
Bei den Ablegern sehen alle gut aus, bis auf zwei Einheiten. Alle wurden gleich behandelt, aber zwei fallen durch sehr hohe Zahlen auf.

Noch auffälliger ist es bei den Mini Plus Einheiten, die eingewintert wurden:
Alle wurden zur gleichen Zeit im Jahr gebildet, gleich geführt und gleich mit jeweils einem Bayvarol Streifen behandelt: 50% sind in Ordnung, 50% sind zu stark mit Milben belastet, wenn man der Windel nach der Restentmilbung trauen kann.

Mein vorläufiges Fazit wäre: Bayvarol kann helfen, im August, September noch einmal die Populationsentwicklung der Milben zu stören. Aber das kann auch schief gehen.

Fazit Varroa Managment insgesamt

Ich habe dieses Jahr Völker durch die Varroa verloren. Diese Völker wurden schon im August, September aufgelöst, aber nur, um das Kahlfliegen vorweg zu nehmen.

Hier kam die TBE zu spät, die Völker waren zu stark vorbelastet.
Daraus ergibt sich eine erste Schlussfolgerung für ein angepasstes Varroamanagement:

Früher, genauer hinsehen

Hätte, hätte, Fahrradkette – hätte ich, wie geplant, im Frühjahr und Frühsommer genauer hingesehen – beispielsweise mit einer Alkoholwaschung – hätte ich überdurchschnittlich stark belastete Völker identifizieren und rechtzeitig behandeln können.
Zwar wären diese dann für die Honigproduktion ausgefallen, aber das wäre nebensächlich gewesen.

Vor einer TBE den phoretischen Befall bestimmen

Von manchen Völkern muss man keine Brutwaben in die Brutsammler stecken.
Ich habe noch keine Vorstellungen, wo man Grenzwerte setzen kann, aber der Point Of No Return kann auch schon erreicht sein, bevor man ein katastrophales Brutbild zu Gesicht bekommt.
Vielleicht wäre es ein experimenteller Ansatz, vor der nächsten TBE den phoretischen Befall zu bestimmen, und dann Brutsammler aus jenen Brutwaben mit gleichem Befallsgrad zu bilden, und deren Entwicklung zu vergleichen.

Mehr Ableger, Kunstschwärme bilden

Ich habe dieses Jahr meine Vermehrung vor allem auf die Brutsammler der TBE gestützt.
Wenn ich mir die Ableger und Schwärme ansehe, die ich im Mai, Juni gebildet habe (bilden musste – wenn im Baum), dann stehen diese so viel besser da, dass die Überlegung nahe liegt, hier doch ein größeres Augenmerk auf die Ablegerbildung zu richten.

Ich habe durch die Stockwaagen auch gelernt, dass wir eine Trachtlücke haben, die von Anfang, Mitte Mai bis Mitte Juni reicht.

Aus imkerlicher Sicht wäre es sinnvoll, zu Beginn dieser Trachtlücke überschüssige Bienen “zu ernten” und zu Kunstschwärmen zu verarbeiten, bevor die Völker selber die Bienenmasse der Trachtsituation anpassen.

Ergänze, erhöhe ich meinen Bestand auf diese Art, muss ich im Spätsommer weniger Brutsammler in der TBE bilden und kann mehr Brutwaben einschmelzen.

VarroMed im September?

Nach meinem negativen Urteil aus [3] über VarroMed mag meine folgende Einlassung nahezu peinlich sein, aber:
Die Völker, die im September 2019 mit VarroMed behandelt worden sind, hatten im DeBiMo Screening im Oktober allesamt sehr niedrige Varroa Werte. Das galt auch für Völker, die mit einer alternativen Oxalsäureapplikation behandelt wurden.

Allerdings ist VarroMed sehr einfach einzusetzen, auch dann, wenn man mal keine Stromquelle oder eine Schutzmaske zur Hand hat.
Für schwach befallene Völker scheint VarroMed ausreichend zu wirken, und wäre damit eine gute Alternative zu dem ebenfalls teuren Bayvarol, welches aber meiner Erfahrung nach weniger zuverlässiger wirkt, als VarroMed.

Es wäre betrieblich ein Leichtes, im September, wenn man letzte Checks an den Völkern macht, einfach noch zwei, drei Mal mit der VarroMed Flasche rüber zu gehen, auch dann, wenn die Einheiten auf Außenstände stehen.

Und jetzt?

Ich fasse die diesjährigen Erkenntnisse für mich so zusammen:

  • Ableger und/oder Kunstschwärme bilden, um auf die Brutsammler aus der TBE nicht angewiesen zu sein.
  • Ab Ende April den phoretischen Milbenfall messen. Bernhard Heuvel beschreibt eine einfachere Methode, wo er mit dem Stockmeißel Brutzellen aufkratzt, und nach befallenen Zellen sucht. Wie geht das? Gibt es da Bildaterial?
  • Bei einem phoretischen Befall von >3% behandeln, auch wenn das schon im Mai oder Juni der Fall sein sollte.
    Eingreifen, bevor ein irreparabler Schaden auftritt.
    Und wie sagte Liebig immer so treffend: “Nur wer beobachtet, weiß bescheid”
  • Vor einer TBE in jedem Fall den phoretischen Befall ermitteln, und nur aus den schwächer befallenen Völkern Brutwaben zu sammeln. Stärker befallene Völker geben ihre Brutwaben direkt in den Wachsschmelzer.
  • TBE Wirtschaftsvölker brutfrei behandeln, aber im September dann einer Nachbehandlung unterziehen.
  • Für Brutsammler gilt das Gleiche.
  • Im September Völker noch konsequenter zusammenlegen.

Hat der Heuvel recht?

Bernhard Heuvel sagt in einem Vortrag: Wir kümmern uns die ganze Zeit nicht um die Varroa, aber dann im Sommer, müssen wir mit allem, was wir haben, drauf schlagen. Sinnvoller ist es, früher einzugreifen!

Er schlägt unter anderem vor, im Februar einmal mit VarroMed über die Völker zu gehen, um die Entwicklungsdynamik gleich zu Saisonbeginn zu stören.
Ich weiß nicht, ob das tatsächlich einen so großen Unterschied macht. Dafür sind meine Zweifel in VarroMed zu groß, zumal es nicht in die verdeckelte Brut wirkt.

Allerdings finde ich seinen Vorschlag, mittels Brut-aufkratzen jederzeit schnell einen aussagekräftigen Eindruck über die Milbenbelastung zu erhalten, sehr interessant.
Alkoholwaschung gehen schnell, erfordern aber doch einen Mehraufwand, welchen ich oftmals auch meide.
Seine Variante ließe sich schnell in die reguläre Durchsicht einbauen. Und mit validen Informationen ließen sich begründete Entscheidungen treffen.

Das neue Bienenjahr wird nicht langweilig werden.
Manchmal dreht sich bei mir alles zu sehr um die Milbe, da gerät die Biene fast in den Hintergrund. Aber vielleicht geht es aktuell noch nicht anders, weil ich noch auf der Suche bin, nach der Betriebsweise, wo die Milbe in Schach und die Biene möglichst bienengemäß gehalten wird, und ich betrieblich alles unter einen Hut bekomme.

Vielleicht kann der gemeine Leser ja etwas dabei herausziehen.

Links

[1] https://stadtrandhonig.de/2020/09/16/2020-16-vorlaeufiger-bericht-zur-varroasituation-2020-und-zur-tbe/

[2] https://stadtrandhonig.de/2020/10/30/2020-18-ueberlegungen-zu-einem-geaenderten-varroa-konzept/

[3] https://stadtrandhonig.de/2019/10/07/varromed-feldversuch-und-auswertung/

2020.16 – Vorläufiger Bericht zur Varroasituation 2020 und zur TBE

In diesem Blogpost soll es um aktuelle Beobachtungen zur Totalen Brutentnahme (TBE), Varroamanagement im Allgemeinen und finanzielle Aspekte dabei im Besonderen gehen.

Aktuelle Beobachtungen zum Thema TBE

Ich bin ja ein bekennender Anwender der Totalen Brutentnahme. Ich erschlage damit mehrere Fliegen mit einer Klappe: Ich entferne große Teile der Milben aus einem Volk, ich bilde Ableger, die ich im Frühjahr als Reserven nutzen kann, und ich erschlage die Bauerneuerung gleich mit.

Aber insbesondere eine Beobachtung zwingt mich zu Verbesserungen: Ein Drittel bis die Hälfte der Völker hat jetzt im September noch mehr Milben im Volk, als ich das gut finde.

Wenn ich in einer Dadant-Kiste auf einer Windel nach 48 Stunden mehr als 10 Milben pro Tag finde, empfinde ich das als zu hoch.
Diese Empfindung wird in der Regel durch einen Blick auf die Volksstärke gestützt – diese Völker sehen schwächer aus als ihre Nachbarn, die <5 Milben pro Tag fallen lassen.

Ich habe ganz vereinzelt Völker, die trotz TBE mehr als 50 Milben am Tag haben fallen lassen. Zumindest ein Volk davon zeigt DWV Bienen, das Brutnest ist ungewöhnlich löchrig für ein TBE-Volk und die Volksstärke so gering, dass eine Einwinterung bei derzeitigem Zustand nicht sinnvoll erscheint.

Ich greife also im Moment bei rund einem Drittel der Völker ein und behandele nach, um die Milbenlast für die letzten +-2 Brutzyklen zu senken.

Meine Frage lautet: Was ist da schief gelaufen, dass so viele Kisten 2 Monate nach der TBE bereits wieder so viele Milben haben?

Erklärungsversuch

Ein Volk hat, wie gesagt, ein ernsthaftes Milbenproblem, trotz TBE am 10.7. mit darauf folgender OXS Restentmilbung.
In der Folge einer weiteren OXS Behandlung, die aufgrund des hohen Milbenfalls auf der Windel Anfang September durchgeführt wurde, fielen so viele Milben, dass die Windel braun eingefärbt war.

Man hätte gut und gerne unterstellen können, dass das Volk dieses Jahr noch nicht behandelt worden ist.
Wo kommen da die ganzen Milben wieder her?

Als erste Erklärung wird immer wieder die Reinvasion ins Feld geführt. Ich halte allerdings diese Erklärung für nicht schlüssig, weil:
Wenn sterbende Völker aus der Umgebung sich bei mir einbetteln, und damit ihre Milben mitbringen (Push Effekt), dann würden sich die Bienen paritätisch über meinen Bienenstand verteilen und nicht insbesondere ein spezielles Volk belasten.

Wenn man annimmt, dass meine Bienen sterbende Völker in der Umgebung ausräubern und damit auch die Milben mitbringen (Pull-Effekt), dann wären es insbesondere die starken Völker, welche Überfallkommandos losschicken könnten, aber nicht ein Volk, welches bereits selbst durch die Milbe geschwächt ist.

Ich glaube also in diesem Fall nicht an die Reinvasionstheorie.

Plausibler finde ich die Theorie der Reinvasion von innen. Nach der TBE bleiben so viele Milben übrig, dass in der Folge zu viele Brutzellen befallen und damit zu viele Bienen geschädigt werden, während zu viele Milben nachwachsen.
Ich kann nur vermuten, dass es sich dabei um eine Wechselwirkung handelt zwischen:

Vorbelastung der Bienen vor der TBE, und damit der fehlenden Kraftreserven, die ein Volk bei einer TBE eigentlich aufbringen müsste – einerseits.

Absolute Zahl der Milben, die eine TBE samt OXS überleben, und dann als neue Startpopulation das Volk schwächen – andererseits.

Das o.g. schwache Volk hatte vor der TBE einen gemessenen phoretischen Milbenbefall von 5% (gemessen mit der Alkoholauswaschmethode).
Dieser Wert lag deutlich über dem Standdurchschnitt.

Ich schlussfolgere Zweierlei daraus:
Die Bienen, welche die anstehende TBE meistern mussten (Wabenwerk neu aufbauen, einen ganzen Brutsatz kompensieren, der ja entnommen wurde, und neue Brut aufziehen), waren durch die hohe Milbenlast vorgeschädigt und weniger leistungsfähig. Dies betrifft insbesondere die Leistungsfähigkeit hinsichtlich der arbeitsintensiven Brutpflege.
Dies hatte einen geringeren Brutumfang zur Folge.

Durch den anfangs hohen Milbenbefall war auch die Anzahl der absolut überlebenden Milben höher als bei anderen Völkern. Weiterhin spielt insbesondere bei der OXS Behandlung auch der Zeitpunkt eine Rolle – je weniger Bienen unterwegs sind, und je mehr Bienen in der Beute sitzen, umso wirksamer ist die Behandlung.

Zu dem genauen Behandlungszeitpunkt kann ich nichts mehr sagen, aber die klar ist, dass die Startpopulation der Milben höher gewesen sein muss.

Wenn jetzt der Brutumfang geringer ist, die Anzahl der Milben aber höher als erwartet, so hat das eine prozentual höhere Befallsrate der Brutzellen zur Folge, was wiederum letztlich zu einem Mangel an fitten Jungbienen führt – in der Folge erholt sich das Volk gar nicht, oder nur sehr langsam, während die Zahl der Milben weiter steigt.

Unterstützt wird die Annahme von einem weiteren Volk, welches mittlerweile aufgelöst wurde.
Dieses hatte einen noch deutlich höheren phoretischen Milbenbefall (irgendetwas zwischen 40 und 60%) und wurde ebenfalls am 10.7. einer TBE unterzogen.

Zwar wurde nach der TBE noch am Wabenwerk gebaut und ein erstes handtellergroßes Brutnest angelegt, allerdings flogen binnen 3 Wochen so viele Bienen ab, dass das Volk nur noch aufgelöst werden konnte. Dieses Volk war innerhalb von 6 Wochen von “groß und stark” zu einem nahezu vollständigen Kahlfliegen zusammengeklappt.
Der Zusammenhang zwischen der Belastung durch eine TBE und der fehlenden Kraft der Pflegebienen zum Neuaufbau war hier insofern offensichtlich, als dass die TBE den Kahlflug noch zu beschleunigen schien.

Unterschiede bei der OXS Applikation

Ich habe eine Testgruppe von Völkern nicht OXS besprüht, sondern bedampft.
Die bedampften Völker, obwohl nur eine Woche nach den besprühten gebildet, haben allesamt einen unauffälligen Varroastatus.
Man könnte glatt meinen, das Verdampfen wäre effizienter als das Besprühen.

Vorläufiges Fazit

Im Falle einer zu großen Belastung eines Volkes Mitte Juli durch Milben, ist eine TBE kein geeignetes Mittel, das Volk zu sanieren. Ob zu einem früheren Zeitpunkt im Jahr, beispielsweise im Mai, eine TBE noch etwas retten kann, kann ich nicht beurteilen, würde aber vermuten, dass das grundsätzliche Problem Kraftbedarf-TBE im Verhältnis zu Ausreichend-fitte-Arbeiterinnen auch hier ungünstig ist.

Insbesondere das vollständige Entfernen der Brut verlangt von den übrig bleibenden Arbeiterinnen, einen ganzen Brutzyklus (plus n Tage für Wabenbau) auf Verstärkung warten zu müssen.
Zwar haben sie in diesem Moment nicht die schwere Arbeit der Brutpflege zu leisten, dafür haben sie aber ihr komplettes Wabenwerk verloren und und fangen hier wieder bei Null an.

Das ist dann überhaupt kein Problem, wenn das Volk noch genug fitte Arbeiterinnen zur Verfügung hat.
TBE Völker sehen nach einer TBE richtig gut aus, aber eben nur, wenn die Bienenmasse stimmt, und der Milbenstatus einen phoretischen Befall von etwa 3% nicht überstiegen hat – so meine bisherige Arbeitshypothese.

Bei stärker befallenen Völkern würde ich künftig eine andere Strategie fahren wollen, die darauf abzielt, die Brut nicht zu entfernen und auch nicht durch aggressives Nebenwirkungen (wie beispielsweise bei der Ameisensäure) zu schädigen.

Stattdessen würde ich in diesen Fällen entweder eher auf eine OXS Blockbehandlung setzen, bzw. auf Präparate wie BayVarol oder Apivar zurückgreifen (letzteres ist m.E. rezeptpflichtig).

Die Voraussetzung für ein entsprechendes Handeln ist aber eine genaue Kenntnis des Varroalevels in den Völkern.

Dazu dann gleich mehr.

Ein paar Gedanken zum Varroamanagement

Varroamanagement geht auch im Blindflug. Es gibt genug Imker, die behandeln nach ihrem Schema, welches in der Vergangenheit immer gut funktioniert hat, und sie kommen damit auch gut über den Winter.

Meine eigenen Interessen gehen da in eine etwas andere Richtung. Ich möchte noch mehr über die Entwicklungsdynamiken der Milbe im Volk verstehen lernen und meine Behandlungen dann ggf. individuell gestalten.

Die Notwendigkeit einer individuellen Behandlung von Völkern ergibt sich aus den Bemühungen rund um die Zucht einer “varroa surviving bee” (VSB) – einer “Varroa überlebenden Biene”.
Ich bin Mitglied im Zuchtverband der Buckfastzüchter von Mecklenburg Vorpommern, in dem es auch eine Zuchtgruppe rund um das Thema VSH/VSB gibt.

Ich habe entsprechenden Zuchtstoff umgelarvt, aufgezogen und auf einer Belegstelle anpaaren lassen.
Will ich von diesen Königinnen diejenigen finden, die auch tatsächlich Anzeichen auf VSH/SMR zeigen, dann muss ich diese Völker regelmäßig und zuverlässig auf ihren Milbenbefall hin prüfen, und ggf. auch nur dann behandeln, wenn bestimmte Grenzwerte gerissen werden, bzw. eben nicht behandeln, wenn der Milbenstatus konstant unter bestimmten Threshholds verbleibt.

Randy Oliver hat zu dem Thema, wie man zuverlässig mit Alkohol Milben auswäscht, diverse gute Artikel verfasst – siehe u.a. hier.

Aber ich will an dieser Stelle gar nicht so viel über die Zucht reden, als über die betriebswirtschaftlichen Aspekte des Varroamanagements.

Varroa und Geld

Ich habe bisher zwei Völker durch eine zu spät erkannte hohe Varroalast verloren. Eines ist schon weg, eines werde ich sehr wahrscheinlich am Ende einer Behandlung noch auflösen.

Von meinen Wirtschaftsvölkern behandle ich derzeit noch etwas mehr als ein Drittel gegen die Milbe, eventuell werde ich sie noch mit Ablegern verstärken.

Ich dachte darüber nach, warum ich so unzufrieden mit der Situation bin. Und im Ergebnis lag es daran, dass ich meine selbst gesteckten Ziele für dieses Jahr nicht erreicht hatte: Ich wollte Ende April, Ende Mai und Ende Juni Alkoholtests über alle Völker laufen lassen, habe dann aber letztlich keinen einzigen Test durchgeführt.

Grund war Zeitmangel, und erst als Schäden offensichtlich wurden, habe ich die ersten Tests gemacht, dann allerdings zu spät.

Ich habe darüber nachgedacht, wie sich das mit dem Zeitaufwand für die Tests und den finanziellen Aspekten verhält.

Wenn ich von Bienen leben müsste, muss ich vermutlich auch einen fiktiven Stundenlohn ansetzen und bestimmen, ob sich gewisse Arbeiten überhaupt rechnen.
Würde sich der Alkoholtest, der Material und vor allem Zeit kostet, letztlich rechnen?

Dazu folgende Annahmen:

Ein Volk kostet etwa 150€, ein Kilo Honig bringt in der Direktvermarktung sagen wir 10€, meinen Stundenlohn lege ich jetzt einfach mal mit 20 Euro fest (ist das ansatzweise realistisch?) und ein Alkoholtest benötigt bei einer regulären Durchsicht etwa 5 Minuten länger. Material für den Test (Isopropanol Alkohol kostet 10€/Liter, ein Varroa EasyCheck rund 25€) könnten wir ebenfalls mit einrechnen.

Die beiden Völker, die ich verloren habe, kosten in Summe rund 300€, da ich sie weder verkaufen noch nächstes Jahr für die Trachten nutzen kann. Gehe ich davon aus, dass jedes der beiden Völker 30KG Honig gebracht hätte (eine sehr pessimistische, konservative Schätzung), summiert sich der Verlust zu einem Betrag von 600€ auf. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass beide Völker jeweils noch einen Ableger hätten ergeben können, also zumindest theoretisch durch den Verkauf noch mal etwa Umsätze von 200-300€ zu erzielen gewesen wären.

Wenn ich davon ausgehe, dass aufgrund meiner Nachlässigkeiten etwas mehr als ein Drittel der Völker schwächer in den Winter gehen als notwendig, und damit auch schwächer aus dem Winter kommen, als geplant, dann verliere ich auch hier Geld, nämlich in der Frühtracht: Völker, die im Frühjahr erst aufholen müssen, bringen in der Frühtracht kein Geld.
Müssen diese Völker mit Ableger verstärkt werden, damit sie doch Geld bringen, bringen diese Ableger jedoch kein Geld mehr durch einen Verkauf.

Jedes Volk, das zu schwach aus dem Winter kommt, kostet grob überschlagen 150€ (entweder pessimistisch veranschlagte 15KG Frühtracht, oder einen Ableger, welchen man nicht mehr verkaufen konnte).

Was ich in der negativen Rechnung, also jener, die ein schlechtes Varroamanagement zugrunde legt, noch nicht berücksichtigt habe: Die Zeit, die ich aktuell aufwende, die Milbenlevel für die kommenden Brutsätze zu senken, damit der Schaden sich möglichst in Grenzen hält.

Hätte ich allerdings von Beginn an ein konsequentes Monitoring gefahren, wäre das zwar nicht für umsonst zu haben gewesen (Anzahl Völker x 5 Minuten / 60 x 20€ + 35€ Materialkosten, multipliziert mal drei, über den Sommer verteilt), aber das wäre allemal billiger gewesen, als Völker unkontrolliert einem russisch Roulette auszusetzen.

Insofern stellt sich mir die Frage, ob auch nicht jene Berufsimker, die ihr funktionierendes Schema haben, Geld liegen lassen.
Denn oft beinhaltet dieses Schema die Inkaufnahme von Varroaschäden, die dann durch eine gezielte Vermehrung ersetzt werden.

Letztlich ist es aber eine Abwägung, welche Strategie für wen Sinn macht.

Fazit

Ich habe mir ein konsequentes Milbenmonitoring jetzt schön gerechnet. Ich bin es auch leid, im September immer nur halb zufrieden mit meinem Varroastatus zu sein. Ich bin es auch leid, im September, wenn ich auf die Imkerei eigentlich keinen Bock mehr habe, noch so viel durch die Gegend zu fahren und Dinge gerade zu biegen.

Deswegen will ich versuchen, kommendes Jahr nach der Durchlenzung konsequenter mittels Alkohol die Völker zu beproben, um dann ggf. rechtzeitig eingreifen zu können.

Ein Grund dafür ist sicherlich auch, den Erfolg der vermeintlichen VSH/SMR Königinnen zu prüfen und ggf. von der richtigen Nachkommen zu ziehen.

Es handelt sich also um ein Gesamtpaket an Vorteilen, die ich mir davon erhoffe.
Und wie heißt es so schön: Der Imker lebt immer in der Hoffnung.

SMR Methodentag in Rosengarten

Ich war am Sonntag für einen Tagesausflug in Rosengarten, im Freilichtmuseum am Kiekeberg.
Die Resonanz war ausgesprochen groß – mehr als 60 Teilnehmer waren gekommen, um sich über das Verbundprojekt SMR Selektion zu informieren. Martin Gabel hat fachkundig und routiniert durch den Tag geführt.

Für mich persönlich war jetzt nicht viel Neues dabei, allerdings habe ich das Gefühl, dass insgesamt auch bei den alten Hasen relativ wenig Wissen über die Thematik vorhanden ist. Das fängt bei den Begriffen an, und hört bei den Methoden rund um die VSH/SMR Selektion und Zucht nicht auf.
Vielleicht sollte ich mal einen Artikel schreiben, der die ganzen Begrifflichkeiten und Methoden erklärt.

Die wichtigste Information, für mich:
Züchter, egal ob Buckfast oder Carnica oder sonst was, welche Königinnen mit Zuchtbuch/Beebreed/Pedigree haben, bei denen sie vermuten, dass VSH/SMR Anlagen vorhanden sein könnten, können Brutwaben mit Brut im richtigen Alter nach Kirchhain schicken, um sie dort für umsonst auswerten zu lassen.

So erhält der geneigte Züchter einen zusätzlichen (und wichtigen!) Selektionsparameter fast frei Haus, ohne nennenswerten Aufwand geliefert.
Das sollten viel mehr Züchter in Anspruch nehmen – die Kapazitäten werden derzeit überhaupt nicht ausgeschöpft.
Voraussetzung ist jedoch, dass es sich um leistungsgeprüfte Völker handelt!

Varroamanagment – brauchen wir ein Umdenken?

Auf der letzten Imkeversammlung habe ich mich leichtsinnigerweise dazu bereit erklärt, einen Vortrag rund um das Thema “VSH/SMR Zucht” zu halten.
Da ich ab März/April praktisch keine Zeit mehr habe, einen Vortrag mit der entsprechenden Sorgfalt vorzubereiten, habe ich also die Feiertage mit Recherche und Folien-erstellen verbracht.

Bevor ich tiefer einsteige: Ich gehe davon aus, dass der Leser so weit mit der Materie vertraut ist, dass er Begriffe wie “VSH” zuordnen kann und die grundsätzlichen Wirkungsweisen der Varroamilbe auf das Bienenvolk verstanden hat.
Dies wird kein Vortrag für Imkerlaien!

Nachfolgend werde ich versuchen, meine innerliche Reise darzustellen, die von einem oberflächlichen Verständnis von VSH zu der Frage führt, ob wir nicht alle beim Umgang mit der Varroamilbe umdenken müssten.

„Varroamanagment – brauchen wir ein Umdenken?“ weiterlesen

VarroMed Feldversuch und Auswertung

In diesem Artikel geht es um die Wirksamkeit von VarroMed. Er beschreibt, wann und wie VarroMed angewendet und welcher Milbenfall an welchem Punkt der Behandlung registriert wurde. Weiterhin wird VarroMed von der Wirkung her einer Oxalsäurebehandlung gegenüber gestellt.

Versuchsaufbau und Prüfvölker

An dem Versuch waren rund 13 Völker für VarroMed und 4 Völker für OXS beteiligt. Die Völker teilten sich auf in Wirtschaftsvölker sowie Ableger.
Allen Völkern war gemein, dass sie zumindest einmal im Sommer brutfrei behandelt wurden (Wirtschaftsvölker durch eine TBE, mit Fangwabe – weil Honigräume noch drauf, Ableger bei Brutfreiheit mit OXS).
VarroMed sollte zeigen, ob es für die Herbstbehandlung Maßnahmen wie eine Ameisensäure-Langzeitbehandlung ersetzen kann.

Die Anwendung erfolgte gemäß Handlungsempfehlung des Herstellers, wobei mitunter bei der Dosierung nach unten abgewichen wurde. Konkret: Ableger wurden mit der Menge VarroMed beträufelt, welche der Hersteller empfiehlt, bei Wirtschaftsvölkern wurde nach unten abgewichen. Anstatt 15-30ml wurden mitunter nur bis zu 20 ml eingesetzt, wobei hier auf der Volksstärke Rechnung getragen wurde. Die Aussagekraft der nachfolgenden Testergebnisse mag aber deswegen in Zweifel gezogen werden.

Nach jeder Behandlung wurde etwa in einem Abstand von 2 Tagen eine Zählung des Milbenfalls auf der Windel vorgenommen. Gleiches gilt auch für Völker, die mit OXS behandelt wurden. Die Windeln wurden nach jeder Zählung gereinigt und erneut unter geschoben.

Behandlungszeitraum und -dauer

Die erste VarroMed-Behandlung fand statt am 24. August, bzw. am 25. August (zwei getrennte Standorte), die letzte am 20. September, bzw. 23. September.
Zwischen den Behandlungen lagen jeweils 6 – 7 Tage, bzw. bei der letzten Behandlung an einem Stand 8 Tage.

Alle VarroMed Völker zeigten einen Milbenfall, bei dem der Hersteller eine Weiterbehandlung empfiehlt (90 Milben in 6 Tagen bei Ablegern, 150 Milben bei Wirtschaftsvölkern). Daher wurde ein kompletter Behandlungszyklus über 5 Einzelbehandlungen durchgeführt.

Die erste OXS Behandlung fand statt am 19. August, die letzte am 10. September. Die Behandlung erfolgte jeweils im Abstand von 3-4 Tagen, 7 Behandlungen insgesamt.

Erste Beobachtungen nach den ersten VarroMed Behandlungen

Nach der ersten Behandlung lag der Milbenfall knapp unter den von BeeVital für VarroMed angegebenen Grenzwerten. Das gilt sowohl für Wirtschaftsvölker (150 Milben in 6 Tagen), als auch für Ableger (90 Milben in 6 Tagen).

Milbenfall nach der ersten Runde VarroMed

Mit den ersten drei Behandlungen stieg der Milbenfall jedoch deutlich an.
Von daher wurde entschieden, die Behandlung der Völker mit VarroMed über die ganzen 5 Runden zu ziehen.

Milbenfall im Laufe von drei VarroMed Behandlungen

Allgemeine Beobachtungen bei der VarroMed Anwendung

Die Behandlung mit VarroMed ist einfach und zügig zu erledigen. Die praktische Tülle erleichtert die Dosierung. Die Bienen bleiben bei der Aufbringung der Lösung ruhig und ziehen sich ggf. tiefer in die Wabengassen zurück.
Einen erhöhten Totenfall an Bienen konnte ich während der Behandlung nicht feststellen. Die Lösung riecht nicht schlecht und fühlt sich leicht ölig an.

Töchtermilben und männliche Nachkommen – Wirkung in die Brut?

BeeVital sagt, dass man VarroMed auch bei Völkern mit Brut anwenden kann (Zitat: “Zur Behandlung von Varroose (Varroa destructor) in Bienenvölkern mit oder ohne Brut. “)
BeeVital sagt hingegen nicht, dass VarroMed auch in die Brut wirkt! Hier sind die Details der Formulierung wichtig!

Nach der dritten Behandlung fanden sich bei einzelnen Völkern vermehrt sehr junge oder auch unreife Tochtermilben auf der Windel, vereinzelt auch männliche Nachkommen. Der (Trug-)Schluss war, dass VarroMed auch in die Brut wirken müsse.

OXS Blockbehandlung, Verlauf

Der Milbenfall während einer OXS- Blockbehandlung verläuft eher homogen: In den ersten 48 Stunden nach jeder Behandlung fällt ein Peak an Milben (wie auch bei VarroMed), danach flacht der Milbenfall deutlich ab. Während der individuelle Milbenfall pro Volk sehr unterschiedlich hoch ausfallen kann – in Abhängigkeit zur Ursprungsbelastung – hat der weitere Abfall an Milben bei allen Völkern gemeinsam, dass er zum Ende des Behandlungszeitraumes nachlässt und auch unmittelbar nach der letzten Behandlung des Zykluses nicht mehr so in die Höhe schnellt.

Auf Einzelvölker aufgeteilt sieht das dann so aus:

Gesamtverlauf Milbenfall OXS Blockbehandlung über einen vollständigen Behandlungszyklus

Zu Beginn des letzten Drittels des Behandlungszeitraumes fällt etwas mehr als zu Beginn. Wenn man über alle Völker entsprechende Durchschnittswerte bildet, also durchschnittlicher Milbenfall pro Auszählung, dann ergibt sich folgende Darstellung:

Insgesamt ist der Trend des Milbenfalls über den Gesamtzeitraum leicht abnehmend.

Ausformuliert könnte man die These aufstellen: Eine OXS Blockbehandlung (7×3) tötet im Verlauf so viele Milben ab, dass mit Ende eines kompletten Brutzykluses nur noch wenige Milben durch weitere Behandlungen erfasst und getötet werden können. Das Milbenpotential ist spürbar verringert.

Bei den OXS behandelten Völkern haben sich bei einer abschließenden Begutachtung keine DWV Bienen gefunden, die Stärke der Völker war jedoch unterschiedlich und entsprach auch den Entwicklungen im restlichen Jahreslauf – in Abhängigkeit von der jeweiligen Königin.

VarroMed Behandlung, Verlauf

Der Milbenfall während einer VarroMed Behandlung verändert sich im Laufe der Zeit sehr stark. Nach einem leichten bis moderaten Milbenfall zu Beginn, steigen die Fallzahlen im weiteren Verlauf deutlich an:

Die Trendlinien fast aller Völker zeigen nach oben. Insbesondere Volk 2 zeigt, dass der Milbenfall, nachdem er einmal Fahrt aufgenommen hat, nicht wieder nachlässt. Auch eine spätere Kontrolle am Ende der Behandlung zeigte einen nach wie vor hohen Infektionsdruck. Das gleiche gilt für Volk 17. Auch hier zeigte sich zum Ende der Behandlung, dass die Anzahl der verbliebenen Milben im Volk immer noch hoch war.

Insofern ist die Aussage des Herstellers zu unterstreichen: “Die Wirksamkeit wurde nur in Völkern mit niedrigem bis moderatem Milbenbefall untersucht”
Tatsächlich scheint es so zu sein, dass die Wirkung von VarroMed nicht ausreicht, stärker befallene Völker während des vom Hersteller angegebenen Behandlungszeitraumes ausreichend zu entmilben.

Wenn man alle Einzelzählungen jeweils zusammengefasst wieder mittelt, ergibt sich folgendes, übergreifendes Bild:

Der Trend zeigt deutlich nach oben und erreicht auch zum Ende der Behandlung (also nach 5 Einzelbehandlungen) nicht wieder das “niedrige” Niveau zu Beginn der Behandlung.
Während bei der OXS Behandlung der letzte Peak der letzten Behandlung der niedrigste gemessene Peak aller Behandlungen ist, erreichen die letzten Peaks der letzten VarroMed Behandlung immer noch mit die größten Werte.

Da auch zum Ende der Behandlung – nach rund 28 Tagen – der Milbenfall nicht merklich absinkt, bestehen Zweifel an einer Wirksamkeit in die Brut.
Bei einer Wirkung in die Brut, wie sie zeitweise aufgrund des Alters der Milben angenommen wurde, hätte die Anzahl der Milben nach Schlupf der Bienen im Verlauf der Behandlung irgendwann nachlassen müssen, weil irgendwann der Großteil der geschlechtsreifen Muttermilben abgeräumt hätte sein sollen.

These: VarroMed wirkt nicht in die Brut. VarroMed wirkt nur unmittelbar nach Applizierung, wie es auch bei der OXS Sublimierung der Fall ist. Allerdings vermindert sich der Behandlungserfolg mit VarroMed durch die großen Abstände zwischen zwei Behandlungen (6 Tage), weil es hier genug Muttermilben gelingt, sich erneut in die Brut zu flüchten, bevor sie abgetötet werden können.

Unterm Strich bedeutet das für diesen Test, dass ein Großteil der mit VarroMed behandelten Völker den Befallsgrad an Milben bestenfalls gering senken konnten, wenn überhaupt.

Bei der abschließenden Begutachtung der Völker wurde in mindestens 4 Völkern jeweils eine Biene mit DWV gefunden.

Fazit

VarroMed war als Ersatz für eine September AS-Behandlung gedacht.
Eine Restentmilbung mit AS im Herbst soll vor Reinvasion (auch von innen) schützen und den von der Sommerbehandlung verbliebenen Rest an Milben wirksam dezimieren.
Einen vernünftigen Langzeitverdunster und das passende Wetter vorausgesetzt, funktioniert das meistens sehr gut.

VarroMed kann das nach den bisherigen Beobachtungen nicht leisten, VarroMed ist vielmehr für eine Restentmilbung im Spätsommer nicht ausreichend wirksam.

Es gelingt nicht, mit VarroMed den Milbenbefall so weit zu senken, dass bei einer Befallsdiagnose Entwarnung gegeben werden kann. Das gilt auch für jene Völker, die mit der vorgeschriebenen Menge VarroMed behandelt worden sind.

Von daher habe ich für mich entschieden, dass VarroMed kein nachhaltiger Bestandteil meines Varroamanagements sein kann.

Update: Mittlerweile bekomme ich auf diesen Artikel Feedback, welches meine Beobachtungen bestätigt. Es melden sich Imker, die sich dieses Jahr ausschließlich auf VarroMed verlassen haben, welche bereits jetzt die ersten Völkerverluste verzeichnen. Andere bestätigen den nach wie vor hohen Varroadruck, auch nach einer vollständigen Behandlung mit VarroMed.

Teilnahme am Deutschen Bienenmonitoring

Ich habe heute einen Anruf vom Bieneninstitut Hohen Neuendorf bekommen: Ab Oktober nimmt meine Imkerei am Deutschen Bienenmonitoring teil.

Das bedeutet, dass drei Mal pro Jahr (Frühjahr, Sommer, Herbst) das Institut 10 Völker umfangreich beprobt und auswertet. Diese Auswertungen betreffen den Varroabefall, Untersuchungen auf Nosema und diverse weitere Virenerkrankungen, Tracheenmilben und Amerikanische Faulbrut. Weiterhin wird mein Honig analysiert, mit etwas Glück kann ich auch für eine schmale Zuzahlung eine Sortenbestimmung bekommen.

Insgesamt wird ein Teil meines Bestandes umfangreich einer regelmäßigen Untersuchung unterzogen, der auch insbesondere hinsichtlich Zuchtauswahl vielleicht weiterhelfen kann.

Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass mein Anmeldung zu diesem Programm so schnell erhört werden würde – denn wenn ich es richtig verstehe, sind in den neuen Bundesländern nur insgesamt 25 Imkereien in diesem Programm.
Umso größer war meine Freude über diesen Anruf.

Es wird auf jeden Fall spannend und erhellend, mit dem LiB Hohen Neuendorf zusammenzuarbeiten.

2019.17 Varroa Status – so sieht es derzeit aus

Ich arbeite immer noch an einem Varroakonzept, welches zu mir und meiner Betriebsweise passt.
Da ich immer noch an meiner Betriebsweise arbeite, meine Imkerei dieses Jahr wieder enorm gewachsen ist und mein Erfahrungsschatz entsprechend mit wächst, ist alles ständig im Wandel. Und das gilt auch für mein Varroamanagement.

Völker mit TBE (Totale Brutentnahme)

Das Konzept der TBE ist ein sehr Schlüssiges. Allerdings halte ich mittlerweile den Zeitpunkt für entscheidend.
Ich habe meine TBE wieder Ende Juni durchgeführt (21.6. und 22.06.)
Da noch Honigräume auf den Völkern verbleiben mussten, habe ich dieses mal nur mit einer Fangwabe gearbeitet. Diese Fangwaben habe ich dann neun Tage später voll verdeckelt entnommen und daraus einen weiselrichtigen Sammelbrutableger gebildet, der mit Ameisensäure behandelt worden ist.
Die TBE-Völker selber wurden mit keiner Säure behandelt, sondern eben nur mit Fangwabe.

Ich habe Anfang der Woche eine Kontrolluntersuchung unter Zuhilfenahme von Oxalsäure durchgeführt und jetzt – 2 Monate nach der TBE – feststellen müssen, dass dabei zwischen 45 und 90 Milben pro Tag gefallen sind (wohlgemerkt nach OXS, nicht der natürliche Milbenfall!).
Das hat mich überrascht: Der Milbenfall nach OXS deckt sich im Ergebnis nicht unbedingt mit meinen CO2 Tests!

Begattungsableger

Die Begattungsableger habe ich Ende Mai gebildet, Anfang Juni beweiselt und Mitte Juni bei Brutfreiheit (naja, Stifte gab es schon) mit OXS behandelt.
Laut stichprobenartiger CO2 Tests sind diese Einheiten unauffällig.
Allerdings scheint es mir geboten, hier auch noch einmal einen OXS-Kontrollversuch zu starten, und sei es nur bei ein bis zwei Einheiten.

Update 26.06.

Das stimmt so nicht ganz: Eine schlichte Messung des natürlichen Milbenfalls mit Windel brachte eine Reihe Kandidaten zutage, die über dem Grenzweet von 4 Milben/Tag liegen. Andere Eingheiten sind aber auch laut Windel unauffällig.

Brutwabenableger aus dem Mai

Diese sahen bisher laut CO2 Tests auch gut aus. Allerdings kann das eigentlich nicht sein. Wurden diese zwar Mitte bis Ende Mai brutfrei mit OXS behandelt, so lagen jedoch sehr viele Brutzyklen zwischen der Behandlung und jetzt, sodass es reichlich Gelegenheit für die Milbe gab, sich zu vermehren.
Auch hier will ich eine Kontrollbehandlung mit OXS durchführen und den anschließenden Milbenfall zählen. Ich habe den Verdacht, dass diese Völker stärker belastet sind, als der CO2 Test es mir anzeigt.

Update 26.06.

Nach der Kontrollbehandlung fielen Milben, die sich um den Grenzwert von 50 Milben/Tag bewegten. Ein Ableger, der nur mit Windel beurteilt wurde, sieht hingegen unauffällig aus.

Unbehandelter Ableger: 10% befallene Brut

Ich habe einen Begattungsableger bewusst nicht behandelt. Dieser Ableger, auch Ende Mai aus Brutwaben von Wirtschaftsvölkern gebildet, auch Anfang Juni beweiselt, war ein Anschauungsobjekt.

Er wurde am 23.7. einmal mit OXS behandelt, allerdings unter Vorhandensein geringer Anteile an verdeckelter Brut.
Diese (mit Absicht verspätete) Behandlung hat nicht ausgereicht, den Milbenbefall ausreichend zu reduzieren. Kurz darauf traten die ersten Fälle von DWV zutage, die Anzahl an Bienen nahm zusehends ab, das Brutnest war löchrig.

Mitte August habe ich dann eine TBE vorgenommen (nicht um den Ableger zu retten, sondern ihn für eine Auflösung vorzubereiten) und die Brutwaben auseinander gepult.

Der Befall der Brutzellen durch Milben lag bei etwas über 10 %.

Im September wäre die Kiste leer gewesen.

“Ich habe kaum Milben, das ist kein Milbenjahr!”

Das lese ich derzeit immer wieder, bspw. im Imkerforum. Allerdings deckt sich das nicht mit meinen Beobachtungen.

Richtig ist, dass auf den Windeln kaum Milbenfall zu sehen ist. Dort liegen jene Völker, bei denen ich eine Windel drunter geschoben habe, deutlich unter den Grenzwerten. Wenn man aber genauer hinsieht, dann findet man auch mehr Milben, als einem lieb ist.
Zwar sehen meine Völker, wenn man Brut und Bienen betrachtet, unauffällig aus (keine DWV Bienen, keine großen Lücken im Brutnest, keine ansitzenden Milben), aber die Milben sind bereits wieder da – trotz TBE.

Ich habe daher die Befürchtung, dass es sich bei dem “ist kein Milbenjahr!” um einen fatalen Irrtum handeln könnte.

VarroMed Tests voraus

Ich höre und lese immer mehr über VarroMed. Die bisherigen Erfahrungen, von denen ich höre, klingen allesamt positiv. Ich wäre daher normalerweise auch positiv, dass VarroMed ein super Produkt sein könnte, wenn ich nicht Frau Dr. Rademacher im Ohr hätte, die bei einer Fortbildung – auf das Produkt angesprochen – meinte, sie hätte keine Idee, wie und warum das wirken sollte. Allerdings musste VarroMed ein europäisches Zulassungsverfahren durchlaufen, und so werde ich VarroMed dieses Jahr das erste Mal an einem Stand testen – eben wegen des Zulassungsverfahrens und der positiven Erfahrungen.

Der Grund, warum ich überhaupt einen entsprechenden Test durchführe:
Die Juni-TBE Völker haben mehr Milben, als ich in den Winter mitnehmen und jetzt bei der Winterbienenaufzucht im Volk haben will.
Eine Ameisensäurebehandlung wäre möglich, ist aber zum einen stark wetterabhängig (was VarroMed nicht sein soll), zum anderen eine starke Belastung für das Volk über einen längeren Zeitraum (was keine grundsätzliche Kritik an der AS sein soll).

Ich erhoffe mir, dass die TBE Völker, die ja bereits eben durch die TBE einen Großteil ihrer Milben verloren haben, mit einem Durchgang VarroMed so weit entmilbt werden, dass ein zweiter Durchgang nicht mehr nötig wird. Ein weiterer Grund: Ich schaffe es zeitlich nicht, alle notwendigen Völker mit der dritten (und bienenverträglichsten) Methode – der OXS Bedampfung – zu behandeln (zumal das in Deutschland auch nicht zulässig wäre). Also bleibt Ameisensäure mit dem Nassenheider Verdunster oder der Test mit VarroMed.

Auf dem Papier ist VarroMed schnell und sicher zu applizieren. Wenn es auch noch wirkt, dann wäre das eine Erleichterung in meinem Varroamanagement.

Daher werde ich einen vergleichenden Test vornehmen:
Ein Stand mit Juni-TBE Völkern wird klassisch behandelt, ein anderer Stand mit VarroMed.

Update 26.06.

Nach den letzten Tests sind jetzt vorerst 13 Völker in der VarroMed Behandlung.
Bei Wirtschaftsvölkern, die in 6 Tagen weniger als rund 150 Milben fallen lassen, wird die Behandlung nicht fortgeführt (bei Ablegern, je nach Größe bei einem Milbenfall von 40-90 Milben in 6 Tagen). Ansonsten geht es nach 6 Tagen in eine zweite Behandlungsrunde.
Ich bin auch gespannt, was mit der Brut passiert.

Fazit TBE

Die TBE hat Vorteile:

  • Ein Großteil der Milben wird entfernt, egal ob mit Fangwabe oder mit OXS als Nachbehandlung.
  • Die TBE Völker bauen dann allesamt mustergültige Brutnester wie aus dem Lehrbuch.
  • Wabenhygiene ist auch erledigt.

Allerdings scheint es mir, dass bei einer zu frühen Durchführung (also schon Ende Juni) der Effekt der Milbenreduktion bis zum September, Oktober hin verpufft.
Sicherlich: Ohne eine entsprechende Behandlung würden es Völker vielleicht gar nicht bis zum Oktober schaffen. Aber dass eine irgendwie geartete weitere Behandlung notwendig wird, stört mich – zumal ich dann aus Zeitmangel heraus wieder zu organischen Säuren greifen muss, die ich den Bienen gerne erspart hätte.

Ich werde zusehen, nächstes Jahr die TBE vier Wochen nach hinten, auf die letzte Juli-Woche, zu schieben.

Dann erspare ich mir (und den Bienen) hoffentlich jede weitere Behandlung vor der Restentmilbung im Dezember.

Ultrabee Pollen Futterteig Rezept(e)

Ich habe mir die Tage einen 25 KG Sack UltraBee Pollensubstitut aus UK bestellt.
Man kann das als Pulver füttern, aber ich möchte es als Futterteig verwenden.

Drauf gekommen bin ich durch Randy Oliver, der diverse “Pollen Subs” getestet hat, und dabei UltraBee am Besten abschnitt.
Pollen-Futterteig ist insbesondere im Frühjahr interessant, wenn in der Kiste gebrütet wird, aber von draussen noch nicht viel rein kommt. Allerdings darf der Nutzen in unseren Breitengraden auch gerne angezweifelt werden, weil man meist sagt, dass es hier immer ausreichend natürlichen Pollen gibt.

Nichtsdestotrotz will ich das mal austesten, und zwar schon jetzt, an meinen Ablegern.
Ich will mal 4-8 Ableger hernehmen, die nach Status der Brut kategorisieren und dann Pärchen bilden, von denen jeweils ein Volk Pollen-Futterteig bekommt, während das Kontrollvolk nichts zusätzlich erhält.

Jedenfalls suche ich derzeit noch Futterteigrezepte.
Das Erste stammt von Michael Palmer. Das Öl dient insbesondere dazu, den Teig auch über längere Zeit geschmeidig zu halten und vor Austrocknung zu bewahren:

New recipe…
I use a cement mixer now and make a larger batch than I can in a bucket
17 lb hot water
42 lb sugar
6 cups vegetable oil
25 lb dry sub I use Ultrabee…already has lemongrass

This mix doesn’t harden as Beepro with sugar did. The oil helps. Still, I sandwich it between waxed paper.

https://www.beesource.com/forums/showthread.php?279264-Need-recipe-for-pollen-patties-using-Bee-Pro&p=1597209#post1597209

This recipe makes approximately 5.25 lbs of pollen patties.
Ingredients:
2.6 lbs sugar
1 pound of HOT (boiling) water
1/4 cup of oil (vegetable, corn, canola, etc)
1.7 lb UltraBee pollen substitute
Add sugar and HOT water to mixing bowl, add oil, then as it mixes slowly add the pollen substitute. Mix well and store in an airtight container.

https://www.youtube.com/watch?v=BxBdt3llNdk