Schnelle Notizen

Trotz Urlaub komme ich nicht in Ruhe zum Schreiben, wobei es jetzt einiges zu berichten gibt. Es ist einfach so viel los und so viel zu tun. Deswegen nur ein paar Stichpunkte:

  • Ich habe ein Volk am Ende einer Sanierung verloren. Ursache: Verhungert. Das ist alles so ärgerlich, ich komme da nur schwer drüber hinweg. Ich schreibe dazu noch einen eigenen Beitrag. Ich glaube, das ist interessant – auch für andere.
  • Es sind gerade mal ein Viertel meiner Völker trachtreif. Es geht gerade nicht so richtig voran. Aber das war letztes Jahr auch schon so. Zur Robinie ging es dann richtig los.
  • Ein starkes Volk steht auf einer Stockwaage. Seit 2 Tagen holen sie weniger, als sie verbrauchen, während sie vorher teilweise Zunahmen von 1-3 KG/Tag hatten. Die extreme Trockenheit wird wohl Auswirkungen auf den Nektarfluss haben. MIr macht das alles große Sorgen.
  • Ich habe gestern stundenlang Rähmchen ausgeschmolzen. Es war ein Elend – das ist die einzige Arbeit in der Imkerei, die ich nicht ausstehen kann.
  • Meine extrem schönen, neuen Dadant-Beuten der Bergwiesenimkerei sind eingetroffen. Jetzt müssen die noch gestrichen werden, dann können da im Juni Bienen rein.
  • Das verhungerte Volk hat mich demütiger und bescheidener gegenüber meinen eigenen imkerlichen Fähigkeiten gemacht.
  • Es müsste viel häufiger regnen…

Beobachtungen mit den Stockwaagen

Ich habe zwei Völker auf Stockwaagen, ausgestattet mit Temperaturfühlern, die seit dem Wochenende in den Honigräumen hängen.

Die Beobachtungen sind ganz interessant, denn es ist deutlich der Unterschied in der Volksstärke an den Werten ablesbar, ebenso die Trachtreife.

Kurz gesagt: Ein Volk ist trachtreif, das andere nicht. Dies zeigt sich auch im Wärmehaushalt des Honigraums.

Gewichtsentwicklung

Man kann am nachfolgendem Graphen schön erkennen, wie ein Volk innerhalb von 5 Tagen fast 7 KG an Gewicht zulegt, während das andere Volk nahezu unverändert bleibt (abgesehen von der Entnahme einer Futterwabe -FW). Beide Völker stehen am selben Standort, nebeneinander auf einem Beutenbock.

An der blauen Linie kann man erkennen, wie die Bienen tagsüber zunächst ausfliegen und der Stock leicht an Gewicht verliert, gefolgt von einer steten Gewichtszunahme, wärend die Sammelbienen Tracht einbringen. In der Nacht wird der Nektar getrocknet, und mit der aus dem Stock gefächerten Luftfeuchtigkeit sinkt auch das Gewicht des Stocks wieder messbar.

Temperaturentwicklung Honigraum

Ein interessanter Unterschied zeigt sich in den beiden Honigräumen.

Während das schwächere Volk bisher keinen nennenswerten Nektar im Honigraum einlagern musste (keine nennenswerte Gewichtszunahme), musste das stärkere Volk den Honigraum antragen und dort Nektar einlagern. Folglich das äußert sich dann auch deutlich im Temperaturverlauf.

Das starke Volk hält im Honigraum konstant eine Temperatur von um die 30 Grad Celsius, während im Honigraum des durchschnittlichen Volkes die Temperaturkurve sich an den Schwankungen der Tagestemperatur orientiert.

Entweder reguliert das starke Volk die Temperatur im Honigraum absichtlich, um eine optimale Trocknung des Nektars zu gewährleisten, oder aber es erzeugt so viel Brutwärme, die von unten nach oben steigt, dass sich dort einfach eine konstante Temperatur herausbildet.

Dem gegenüber steht das durchschnittlich starke Volk, welches sich bei abnehmenden Temperaturen zunehmend zu einer Traube zusammenziehen wird und den Honigraum frei macht. Unter dem Honigraum wird zwar auch Brutwärme erzeugt, aber nicht in dem Umfang. Auf keinen Fall hätte aber dieses Volk Grund zu einer gesteuerten Temperaturregulierung im Honigraum um Nektar zu trocknen – denn dieser ist noch nicht vorhanden.

Was ich weiss: Bienenvölker können gezielt Temperaturen im Stock regulieren. Dies geschieht insbesondere bei der Aufzucht der Brut, welche bei ~35 Grad Celsius erfolgt.
Was ich nicht weiss: Regulieren Bienen, neben der Brutnesttemperatur, auch die Honigraum Temperatur bewusst?

“Die Biene, ein politisches Tier”

Günter Friedmann ist ein Demeter Imker aus Süddeutschland, der hier einen interessanten Vortrag hält, darüber wie ein Imker über das Bienensterben denkt, und wie man die Landwirtschaft, die wir so gerne kritisieren, ändern könnte, um ökonomische Interessen der Landwirte einerseits und die allgemeinen ökologischen Interessen andererseits miteinander versöhnen zu können…

Bernhard Heuvel und sein Artikel in “Bienen und Natur” 04/2019

Bernhard Heuvel hat in der letzten “Bienen und Natur” (April 2019) in seinen Monatsbetrachtungen etwas Interessantes geschrieben:
Er öffnet seine Völker nur zwischen den Trachten, um nach Schwarmzellen zu schauen – bei ihm also im Schnitt alle 20 Tage.

Damit das funktioniert, schneidet er den Königinnen einen Teil des Deckflügels ab. Damit können sie nicht schwärmen, weil sie nicht mehr fliegen können. Sein Grundsatz dabei:
Das eine Individuum (die Weisel) wird in seinen Eigenschaften eingeschränkt, damit die vielen Individuen (der Bien in seiner Gesamtheit) daraus einen Nutzen ziehen können, nämlich: Nur noch seltene Eingriffe des Imkers in das Volk.
Bernhard Heuvel schreibt: Jede Öffnung der Beute zu einer Kontrolle bringt das Volk so sehr durcheinander, dass ein ganzer Tag Honigertrag verloren geht.

Hier werden zwei interessante Tierethische Aspekte gegeneinander abgewogen: Die Unversehrtheit der Königin einerseits gegen die Störung des gesamten Volkes durch den Imker andererseits. Ob Bernhards Ergebnis richtig ist, weiss ich nicht. Ich habe auch noch nie irgendwo gelesen, dass eine Öffnung des Kastens dazu führt, dass die Bienen an diesem Tag keinen Honig eintragen.
Aber ich finde die Fragestellung interessant, und ich denke, ich habe die technischen Möglichkeiten, dies zu verifizieren.

Mit den Stockwaagen bin ich in der Lage, etwaige Gewichtsschwankungen nach Eingriffen zu messen. Da ich auch über Temperatursensoren verfüge, kann ich auch messen, ob und wie sich die Brutnesttemperatur nach einem Eingriff verändert, und wie lange Änderungen andauern, bis die Ursprungswerte wieder erreicht worden sind.

Es ist ein altes Narrativ in der Imkerei: Jedes Öffnen der Beute führt zu einer tagelang anhaltenen Temperaturstörung in der Beute.
Ich denke, das muss sich doch relativ einfach überprüfen lassen

Ekelhaftes, Widerliches und Kinderarbeit!

Gestern sind der Lütte und ich zum Imkerhaus gefahren und haben Kleinigkeiten vorbereitet.

Während der Nachwuchs Absperrgitter reinigen durfte und Honigräume vorbereiten musste, habe ich jene Rähmchen ausgeschmolzen, die ich Mitte Februar beim Schieden entnommen hatte.

Man muss den Nachwuchs ja “sinnvoll” beschäftigen

Das Auschmelzen von alten Futterwaben, die aufgrund der Ruhr, die in einigen Völkern zeitweise auftrat, nicht mehr zum Einsatz kommen sollen, ist widerliche Drecksarbeit.

Die ganze Zuckerplörre fliesst zusammen mit dem Wachs über die Rähmchen, der Trester mittenmang. Alles klebt, es riecht nicht allzu lecker und die Reste dieses Gemansche von den Rähmchen zu kratzen, ist alles andere als erheiternd.

Das Reinigen alles zum Einsatz gekommenden Materials dauert länger als das Ausschmelzen selbst, aber am Ende hat man etwas Wachs, ein paar mehr Rähmchen (von denen ich zur Zeit, glaube ich, zu viele habe – ich habe mich verrechnet, scheints mir) und klebrige Hände.

Ich freue mich, wenn ich nächste Woche endlich mal wieder etwas mit den Bienen machen kann, und weniger mit den Nebengelassen der Imkerei.

Damit das funktioniert, hat der Nachwuchs Zargen genommen und selbige mit Mittelwände und ausgebauten Waben befüllt, jeweils so, dass jede Zarge einen Kern von ausgebauten Waben hat, in welche die Bienen sofort Nektar einlagern können. Die dafür notwendigen Absperrgitter hat er sauber gekratzt – und so steht kommendes Wochenende alles bereit, den Bienen ihre ersten Honigräume zu verpassen (sollte die Kirsche früher aufgehen, dann schiebe ich das vielleicht auch vorher irgendwo dazwischen).