2022.8 – Quatschjura mit Torben Schiffer und seinen Freunden

Die letzten Wochen vorm Urlaub ging es noch mal so richtig zur Sache. Ernten, schleudern, gegen Varroa behandeln, Völker fahren, das ganze Programm. Darüber will ich heute aber nicht schreiben. Es gibt viel Lustigeres, dem man sich widmen kann, nämlich dem von mir hoch geschätzten Freund der bienennahen Selbstvermarktung: Torben Schiffer.

Quatschjura mit Torben Schiffer und seinen Freunden

Torben Schiffer ist immer wieder für einen Lacher gut, und nachdem eine Weile Ruhe war, hat er jetzt ein Video veröffentlicht, in welchem seine Freunde mit waghalsigen Jura-Stunts erklären wollen, warum Bienen in Schiffertrees nicht vom VetAmt geprüft werden dürfen und wann Bienen wieder wilde, frei lebende Bienen sind.

Den Anfang macht Dr. Edmund Haferbeck. Wenn man den Namen mal in eine große Suchmaschine kippt, kommen da wirklich lustige Fundstücke zu Tage. Aber er will wohl bei PETA den Rechtsbereich verantworten, was komisch ist, da er keine juristische Ausbildung hat. Und das er da ziemlich ahnungslos durch die Gegend tappt, merkt man dann auch seinen Einlassungen an.

Das Bürgerliche Gesetzbuch macht keinen Tierschutz!

Am meisten Eindruck machten bei mir die Ausführungen zum BGB. Da versucht er mit dem §960ff BGB darzulegen, dass Bienen auch juristisch zu Wildtieren werden, wenn sie denn schwärmen. Was er dabei überhaupt nicht verstanden hat: Es geht bei §958ff BGB um Aneignung, sprich den Eigentumserwerb per Gesetz, hier von sogenannten “herrenlosen Sachen”. Ob eine Biene ein Wildtier ist oder war, oder sein kann – nichts davon wollen diese Paragrafen regeln.
Das BGB regelt nichts mit Tierschutz, es regelt zivilrechtliche Fragen zwischen “Personen”, und bei den genannten Paragrafen geht es um eine besondere Form des Eigentumerwerbs. Im BGB gehts immer nur um “wer will was von wem woraus”.
Wenn also das BGB darlegt, wann ein Bienenschwarm “herrenlos” wird, dann geht es nicht darum, wann der Schwarm zu einem “Wildtier” wird, sondern wann jemand das Eigentum daran verliert, oder wann jemand das Eigentum daran erwerben kann. Herr Haferbeck versteht das jedoch nicht, und meint, er hätte jetzt eine Rechtsgrundlage gefunden, die regeln würde, wann Bienen zu Wildtieren würden.
Was weder er, noch Torben so richtig verstehen: Wenn man einen Schiffertree kauft, selbigen in den Wald hängt, mit der Absicht, darin einen Schwarm zu fangen, dann könnte man aus dem BGB eher noch herleiten, dass der Eigentümer des Schiffertrees dann zum Eigentümer der Bienen würde – woraus sich implizit auch die Pflichten aus der Bienenseuchen Verordnung ergeben würden – also genau das Gegenteil dessen, was Torben und seine lustigen Freunde wollen, nämlich dass die Bienenseuchen Verordnung für sie nicht greift.
Jedenfalls redet der Dr. Haferbeck sehr blumig 30 Minuten über Paragrafen, die er nicht versteht, um dann plötzlich, aus heiterem Himmel ohne jede Begründung sich zu der Aussage zu versteigen: “Konventionelle Honigbienenhaltung ist verwerfliche Massentierhaltung”.
Man weiß gar nicht warum, aber er ballert den ahnungslosen Zuhörer so lange so heftig mit Quatschjura voll, dass er vermutlich einfach hofft, dass man ihm das schon abkaufen wird.

Die Bienenseuchen Verordnung

Nicht viel besser macht es die zweite Referentin, Frau Dr. Iris Schäfer. Auch hier wieder: Wann sind Bienen, die schwärmen Wildtiere. Dabei dann die Erkenntnis: Tiere, die nicht in menschliche Obhut genommen werden, sind wilder Tiere. Nun, Bienen, die in einen Schiffertree einziehen, sind dann aber in Obhut genommen worden. Ganz einfach eigentlich, und um so verwunderlicher, dass das nicht verstanden wird.
Es folgen sehr unterhaltsame Einlassungen zur BienSeuchV – so leitet sie aus §1 Abs 1 BienSeuchV her (“Bienenvolk im Sinne der Verordnung sind die in einer Bienenwohnung lebenden Bienen mit ihrer Brut und ihren Waben”), dass es hier also nur um “Nutztiere” gehen würde, und damit Bienen in einem Schiffertree nicht in den Geltungsbereich fallen würden.
Keine Ahnung, wie sie darauf kommt, die Verordnung benutzt nirgendwo den Begriff “Nutztier”, “Nutztierhaltung”, oder definiert ihn anderweitig. Die Tierärztin (ebenfalls wohl keine Juristin) unterstellt das einfach so, dass es nur um Bienen gehen würde, die als Nutztiere gehalten würden, und weil Bienen im Schiffertree keine Nutztierhaltung sein soll, wäre die BienSeuchV irrelevant.
Da sind wir wieder bei – richtig: Quatrschjura.

Die Verordnung ist eigentlich ganz einfach: Wer Bienen halten will, hat das anzuzeigen (§1a BienSeuchV). Wenn ich einen Schiffertree in den Baum hänge, will ich wohl Bienen halten. Ergo habe ich es anzuzeigen, völlig unabhängig davon, wie die konkrete Haltungsform der Bienen jetzt aussehen soll. Auch wenn ich sie ARTGERECHT halten will, ich halte sie! Und deswegen gelten alle anderen Regeln, die in der BienSeuchV folgen, dann auch für Bienen in einem Schiffertree. Und damit sind auch Torben und seine Quatschjura-Freunde entsprechend mit gewissen Pflichten belegt.

In dem Video, ab 1 Stunde und 31 Minuten führt dann Torben aus, was sein Fazit aus all dem Quatschjura ist. Das kann man sich jetzt anschauen, aber kurz gesagt: Alles daran ist falsch. Punkt.
Torben Schiffer und seine Freunde sind klassische Exemplare des Dunning Kruger Effektes, es ist geradezu bizarr, mit welchem Brustton der Überzeugung er am Ende seine persönliche Auffassung als Tatsache hinaus posaunt, und die Tierärztin – als nicht-Juristin – das alles bestätigt.
Man schaut sich das an und fragt sich, wo diese Menschen, die ja allesamt eine akademische Ausbildung genossen und mitunter sogar promoviert haben, ihr methodisches Denken lernen konnten. Aber dann denkt man an die ganzen Corona-Leugner und Querdenker und hat am Ende auch keine Fragen mehr, bis auf diese eine, letzte Frage, welche einst Die Sternen so treffend formuliert haben: Was hat dich bloß so ruiniert?

Schönen Urlaub an alle!

2022.7 – Sperma-Party!

“Was ist das denn für ein Titel?”, wird der geneigte Leser denken, aber die Erklärung in ihrer ganzen wenig erotischen Bedeutung wird sich später im Artikel erklären. Zunächst zu anderen Dingen:

Artikel über CBPV im Deutschen Bienen Journal

Ich durfte mal wieder etwas für das Deutsche Bienen Journal schreiben, diesmal einen Artikel über CBPV.

CBPV ist ein Thema, von dem man immer mehr hören kann, wenn man nur die Ohren aufsperrt, und wenn man einmal ein geschultes Auge dafür entwickelt hat, dann sieht man es auch öfters als man denkt.

Mit meinem Artikel versuche ich dann, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dieses Thema mehr ins Bewusstsein der Imkerschaft zu rücken, und damit auch in die Institute, damit bezüglich Behandlungsoptionen mal wissenschaftliche Erkenntnisse gesammelt werden können (und zwar nicht nur in Bayern)

Varroa Status

Ich habe Anfang Juni dann mal mittels Alkohol-Waschung auf Varroa getestet: 10 % der Völker musste ich aus der Honigproduktion nehmen und mit einer Behandlung beginnen. 10 % waren an der Schwelle und der Rest war für den Zeitpunkt des Jahres in Ordnung.

Aber es gab sie schon, die Milbenschleudern.
Leute, ihr müsst die Varroa im Blick behalten.

Begattungserfolge eher mau

Ich habe in mehreren Kleinstserien Ableger begatten lassen. Ein Imkerkollege aus meinem Zuchtverband hat mir dazu jede Woche Königinnen geschickt. welche ich dann in Ableger oder Apideas eingeweiselt habe.

Der erste Durchlauf lief gut, 4 von 5 wurden erfolgreich begattet. Der zweite Durchlauf, diesmal mit Apideas, lief noch besser, 5 von 5. Aber dann ließ es stark nach: 2 von 5 und noch einmal 2 von 5. Am Wetter kann es eigentlich nicht gelegen haben und die Ableger waren eigentlich allesamt klassisch vorbereitet, ich mache das ja auch nicht zum ersten Mal. Aber manchmal ist einem das Glück einfach nicht hold.

Robinie, endlich mal wieder!

Ich habe es kräftemäßig nicht geschafft, in die Robinie zu wandern, da kam einfach zu viel auf einmal zusammen. Aber in der Nachbarschaft und an einem speziellen Standort, da stehen eben doch sehr viele Robinien, und die haben scheinbar dieses Jahr alles gegeben.

So musste ich dieses Jahr bereits drei Mal schleudern, auch deswegen, um die Honigräume wieder leer zu bekommen, damit noch irgendwo die Linde rein kann.

Ich hatte den Robinienhonig wirklich vermisst, und endlich kann ich mir den mal wieder aufs Brötchen schmieren.

Keine Honigräume mehr

Alle Honigräume sind jetzt auf Völkern, und in den meisten ist auch reichlich drin. Die Linde scheint auch dieses Jahr wieder zuverlässig zu honigen, zuerst die Sommerlinden, und aktuell die Winterlinden. In wenigen Tagen dürfte der Spuk dann vorbei sein, und dann steht auch schon wieder die Ernte an. Allerdings wird es diesmal so viel werden, dass das nicht mehr für einen alleine an einem Tag zu schaffen ist. Ich nehme an, dass diesmal sogar Vorfilter und Honigpumpe zum Einsatz kommen müssen, um die Mengen vernünftig weg zu schaffen. Alles Luxusprobleme.

Besamen bis das Sperma alle ist

Anfang Juni war wieder der Termin für die manuelle Besamung von Königinnen in Meck-Pomm, im Rahmen der Arbeit des Landesverbandes der Buckfastimker Mecklenburg-Vorpommern.

Das ist einer jener Termine, zu dem man die Kollegen allesamt mal wieder treffen kann. Neben der eigentlichen Arbeit, die der Besamungsprofi Matthias Engel durchführen musste, geht es auch um das Miteinander, den Austausch von Erfahrungen und immer wieder auch ums Essen (Holger, unser Gastgeber, tafelt immer wieder auf… es ist alles ganz furchtbar!)

Es sind dieses Jahr rund 200 Königinnen besamt worden, viele mit dem Sperma eines Drohns (sdi), etliche aber mit Sperma mehrerer Drohnen eines Volkes (mdi). In Kürze steht dann die künstliche Infektion mit Milben an, um dann im August auszuzählen, welche Paarungen möglicherweise SMR/VSH können.

Ich finde die manuelle Besamung jedes Mal so spannend, dass ich eigentlich kurz davor bin, mich meinerseits auf dieses Thema zu stürzen. Allerdings schrecken mich noch der Investitionsaufwand und die Komplexität des Themas.

Auf der anderen Seite ist es DAS Werkzeug für eine kontrollierte Anpaarung, und es würde es mir ermöglichen, gesicherte Kombinationen auszuprobieren. Ich finde Zucht und Bienen ja immer noch spannender als Honig – wenn ich also die Wahl hätte, das Hobby über den Verkauf von Königinnen oder Honig zu finanzieren, ich würde mich für die Königinnen entscheiden 🙂

2021.11 – Das Ende naht!

Nicht-Imker verstehen immer gar nicht, wenn man als Bienenhalten ab Juli vom nahen Winter faselt, aber so ist es nun mal: Spätestens Ende September ist der Winter da, wenn noch nicht physisch so doch psychisch – im Kopf des Imkers.

Und so ist es auch bei mir dieses Jahr wieder, dass ich zu dieser Zeit so gut wie fertig mit den Bienen bin, um selbige in den Winter zu schicken, und die Bienen auch irgendwie fertig sind mit mir, zumindest für dieses Jahr.

CBPV – Statusupdate

Der Großteil der Völker, die betroffen waren, zeigen aktuell keine Anzeichen mehr, immer noch betroffen zu sein. Es gibt aber Kisten, welche sehr wohl noch Anzeichen zeigen, ich aber jetzt auch nicht mehr viel machen kann, und abwarten werde. Es bleibt also abzuwarten, wie die einst betroffenen Völker über den Winter kommen und ob jene Völker, die noch Symptome zeigen, eigentlich schon dem Tod geweiht sind.

Im Frühjahr wird dann Resümee gezogen und dann werde ich mich an dieser Stelle einmal ausführlicher dem Thema “Behandlung der CBPV” widmen.

Varroa

Notgedrungen musste ich dieses Jahr das Varroakonzept radikal ändern: In den Vorjahren habe ich immer sehr gute Erfahrungen mit der Totalen Brutentnahme gemacht und praktisch keine Völker verloren.

Nun hat mich dieses Jahr CBPV dazu gezwungen, eine Behandlungsmethode zu finden, bei der die Brut erhalten bleibt oder auch nicht anderweitig gestresst wird. Und so habe ich am Ende auf Apivar zurückgegriffen, ein Amitraz Produkt, welches in den USA und anderswo auf der Welt gang und gäbe ist, bei dem ich jedoch insbesondere um Resistenzen fürchte.

Für eine finale Einschätzung ist es noch zu früh, bzw. ich zu vorsichtig, aber bisher scheint es beim Großteil der behandelten Völker gut gewirkt zu haben. Kontrolluntersuchungen zeigten geringe bis moderaten Restbefall, wie er zu dieser Jahreszeit nicht unüblich ist.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Es gibt Völker, welche zur gleichen Zeit behandelt wurden, und die bei Kontrollen immer noch einen deutlich zu hohen Milbenbefall zeigten.

Bei Nachbehandlungen im August/September zeigte sich auch, dass eine Blockbehandlung mit Oxalsäure bei Völkern mit Brut mitunter auch deutlich über 21 Tage hinaus fortgeführt werden muss, selbst dann, wenn man im Schnitt alle drei Tage behandelt hat.
Diese Beobachtung stützt einmal mehr meine These, dass die Wirkung von OXS bei weitem nicht bei >90% liegt, selbst dann nicht, wenn man Abends nach Flugbetrieb behandelt.

Ich hoffe, dass mich das CBPV Thema nächstes Jahr nicht mehr (so hart) trifft, und ich wieder zu dem erprobten (und sicheren) Konzept der TBE zurückkehren kann.

Auffüttern

Geht es eigentlich nur mir so, dass ich jedes Jahr aufs Neue Sorge habe, die Bienen zu wenig eingefüttert zu haben?

Ich wiege zwar immer wieder zwischendurch mal, aber das ist auch alles sehr unzuverlässig (die Abweichungen sind enorm: Auf der Stockwaage stehen bspw. 37KG, wenn ich mit der Kofferwaage vorne und hinten an kippe komme ich auf 30KG ?!).

Ich gehe im Moment dazu über, die Kisten an ihren Griffleisten mal kurz ganz anzuheben. Wenn der Rücken sagt “reicht!”, lasse ich es gut sein…

Ab Oktober

Ich versuche, am Ende der ersten Oktoberwoche alle Kisten final dicht zu haben: Kein Füttern mehr, keine Varroa-Gedöns mehr, nur noch in Ruhe lassen.

Eine Ausnahme sind die DeBiMo Völker, die Mitte Oktober noch einmal auf müssen, um Proben zu entnehmen. Aber spätestens dann soll Ruhe im Karton sein.

Dann habe ich endlich Zeit, den ganzen anderen Kram zu machen, also hauptsächlich aufräumen, Dinge reparieren, putzen und Dinge bauen.
Meine ToDo Liste ist so ausgesprochen lang, dass ich gar nicht weiß, womit ich als ersten anfangen soll. Auch muss der Honig, der geerntet wurde und noch in Eimern wartet, ja endlich mal gerührt und in Gläser verfrachtet werden.

Es wird also keineswegs ruhig oder öde werden… 🙂

2021.6 – Das ist doch kein Frühling!

Deutschlandweit das gleiche Bild: Kalt, regnerisch und windig. Folgerichtig bleiben die Honigräume leer.
Ich habe seit Februar rund 60 KG Futterteig in die Völker gesteckt, ein Ende ist Stand heute nicht in Sicht. Es kommt nichts rein, und auch wenn es etwas regnet, hier und da, so ist es insgesamt doch zu trocken.

Über das Anpassen den Brutraumes

Ich versteige mich jetzt zu einer waghalsigen These: Man kann den Brutraum nicht zu eng anpassen.
Meine Beobachtung in diesem Frühjahr legt nahe, dass ein zu enges Anpassen des Brutraums nicht möglich ist, so lange das Schied umlaufen werden kann.

Hat eine Königin den vorhandenen Platz zur Gänze bebrütet, wird sie einfach hinter das Schied laufen und dort weiter stiften.
Hängt man diese Brutwaben dann vor das Schied, dann sind auch diese zwei Wochen später vollständig bebrütet.
Das gilt zumindest für Kaltbau – bei Warmbau kann es sein, dass dies so nicht funktioniert.

Ich habe im Februar pauschal alle Völker auf 3 Brutwaben Dadant geschiedet. Mitte April hatten die schwachen Völker diesen Brutbereich noch nicht ganz in Beschlag genommen, bauten aber eine feine, wohl strukturierte Brutnestanordnung. In den starken Völkern hatte die Königin bereits das Schied umlaufen und ein bis zwei zusätzliche Waben angefangen zu bebrüten. Daher wurde das Schied entsprechend versetzt. Anfang Mai sind jetzt auch diese Waben Holz auf Holz bebrütet.

Die Königinnen umlaufen scheinbar das Schied erst, wenn der angepasste Brutbereich vollständig mit Brut belegt ist, allerdings dann auch recht zuverlässig – wenn es sich um Kaltbau handelt. Bei Warmbau habe ich beobachtet, dass Königinnen dann damit begonnen haben, Zellen doppelt zu bestiften.

Was auch eindeutig zu sehen ist: Sobald es etwas wärmer wird, tragen die Bienen das Futter in den Brutnestbereich. Gerade im Februar oder März glänzen dann die Zellen wie bei frisch eingetragenem Nektar, rund um das Brutnest, wobei die Stockwaage anzeigt, dass von außen nichts eingetragen wird.

Also auch bei einem stramm angepassten Brutnest ist die Futterversorgung sichergestellt, solange es zumindest kurze Zeitfenster gibt, in denen die Bienen Futter umtragen können.

Viele Verluste bei den Kollegen

Ich hatte durch den Völkerverkauf viel Kontakt mit Imkerkollegen. Es scheinen sich zwei Hauptgründe für massive Völkerverluste herauszukritallisieren:

Die Varroabehandlung mit Ameisensäure erfolgte in 2020 zu spät. Es war zu lange zu heiß, sodass viele ihre AS Behandlung in den September geschoben hatten, und damit zu spät kamen.

Der zweite Grund klingt interessanter, ist aber womöglich auch noch etwas unsicher: Die Völker haben zu früh aufgehört zu brüten.
Mangels Nektar- und insbesondere Polleneintrag waren viele Völker bereits Ende August aus der Brut und fingen anschließend auch nicht mehr damit an. Diese Völker waren dann der Meinung, sie hätten ihre Winterbienen bereits Anfang September fertig, im Unterschied zu den jeweils gebildeten Ablegern, welche länger brüteten und dann auch erfolgreich über den Winter kamen.

Diese (Alt-)Völker waren im Januar alle noch da, klappten dann aber im Februar weg. Wenn die Theorie stimmt, waren diese Bienen im Februar sechs, sieben Monate alt und zu schwach, um dem erneuten massiven Kälteeinbruch standzuhalten.

Ich selber habe das nicht beobachtet, was aber auch daran liegen kann, dass durch die TBE im Juli noch eine ganze Weile so etwas wie Brutstimulation herrschte.

Test des Heuvel Varroakonzeptes

Ich habe mir eine Flasche VarroMed und eine Packung Apivar geordert, um an einer kleinen Zahl Völker das Heuvelsche Konzept der “fetten Biene” zu testen, so wie er es in seinem Buch beschreibt.

Ich werde berichten.

Die tatsächliche Wirksamkeit von Oxalsäure

Einer Oxalsäurebehandlung wird ein sehr hoher Wirkungsgrad zugeschrieben. So gibt der Mellifera e.V. die Wirksamkeit bei 97,3% an. Ich persönlich habe immer größere Zweifel an dieser hohen Wirksamkeit.

Warum das so ist, will ich nachfolgend erläutern.

Behandlung mit Oxalsäure bei Brutfreiheit – trotzdem viele Milben!

Ich habe seit längerer Zeit erhebliche Zweifel an dem hohen Wirkungsgrad einer einmaligen Oxalsäurebehandlung bei Brutfreiheit, denn nach meinen Erfahrungen mit der Totalen Brutentnahme und einer einmaligen Behandlung mit OXS bei Brutfreiheit im Juli, zeigten fast alle Völker vergleichsweise hohe Milbenzahlen bereits im September, erst recht dann nach der Winterbehandlung im November oder Dezember. Ich hatte Völker, die wurden Mitte Juli wie genannt behandelt, zeigten dann aber im Oktober einen phoretischen Milbenbefall von drei bis fast sechs Prozent, was ausgesprochen hoch erscheint.
Da ich diese oder ähnliche Beobachtungen von dem ersten Jahr mit TBE und OXS mache, sind mit der Zeit erhebliche Zweifel an einer Wirksamkeit der OXS von >90% gewachsen.

Diese Zweifel wurden gestützt von den Milbenkennzahlen der Brutsammler, welche die befallene Brut bei der TBE bekommen haben, und dann, nachdem diese Brut vollständig geschlüpft war, ebenfalls mit OXS behandelt wurden.
Diese Völker, die mit einer sehr hohen Milbenlast gestartet sind, haben allesamt einen extrem hohen Milbenfall mit der Winterbehandlung gezeigt, obwohl auch sie eine längere Brutpause im August hatten und obwohl auch hier die Anzahl der Brutzyklen, welche zum erstarken der Milbenpopulationen hätte führen können, überschaubar gewesen sind.

Wie kommt das?

Viele Milben = unsachgemäße OXS Anwendung?

Man kann bei der OXS Behandlung nicht viel falsch machen: Es muss Brutfreiheit herrschen, die Flugbienen sollten möglichst alle zu Hause sein.
Also behandelt man in den Abendstunden, und rund 21 Tage nachdem die Königin entfernt wurde, oder eben bevor die neuen Waben wieder verdeckelte Brut aufweisen, bzw. ältere, noch unverdeckelte Larven. Das ist nicht weiter kompliziert, da gibt es nicht zu viele Fehlerquellen.
Insofern kann man eine unsachgemäße Behandlung weitestgehend ausschließen – jeder Imker, der sich etwas mit der Materie beschäftigt hat, wird eine entsprechende Behandlung hinbekommen – auch aus diesem Grund ist das Verfahren ja letztlich zugelassen worden.

Test im Februar – kleine Blockbehandlung

Es gibt Völker, die haben schon bei der Winterbehandlung gezeigt, dass sehr viele Rest-Milben vorhanden waren.
Da diese Völker mit einiger Wahrscheinlichkeit für die Honigproduktion nicht taugen werden, wurden sie an den warmen Tagen Ende Februar, abermals mit Oxalsäure behandelt. Angesetzt wurde ein kleiner Block von drei Mal, alle zwei Tage.

Die Anzahl der Völker war sehr überschaubar, insofern sind die Daten unzureichend für wirklich valide Aussagen. Aber sie zeigen in eine bestimmte Richtung.

Die behandelten Völker waren zum Zeitpunkt der Behandlung nahezu brutfrei. Es gab kleine Flächen verdeckelter Brut, wenn überhaupt. Allerdings hatte der strenge Frost die Tage zuvor das Brutgeschäft offensichtlich zum Erliegen gebracht und es kam gerade erst wieder in Gang. Insofern herrschten fast perfekte Behandlungsbedingungen.

Es gab Völker, bei denen fielen nach der 1. Behandlung ~20 Milben und nach der 2. Behandlung nur noch 2-4 Milben. Hier schien die Wirkung der ersten Behandlung ausreichend gewesen zu sein.
Allerdings zeigten 2/3 der Testvölker eher einen Verlauf von 1. Behandlung: ~40 Milben, 2. Behandlung: ~20 Milben, 3. Behandlung : ~5 Milben.

Hätte die erste Behandlung >90% der Milben getötet, dann hätten nicht im Laufe der weiteren Behandlungen fast noch einmal genauso viele Milben fallen dürfen, wie nach der ersten Behandlung. Tatsächlich möchte man meinen, dass die erste, sowie die weiteren Behandlungen jeweils nur zwischen 50 und 60% der vorhandenen Milben erwischt hätten.

Wirksamkeit von 50-80%?

Ich habe keine ausreichende Zahl valider Daten! Aber mein Eindruck ist, dass die Wirksamkeit der Oxalsäure bei Brutfreiheit irgendwo zwischen 50 und bestenfalls 80% schwankt. Das würde zumindest die Ergebnisse des obigen kleinen Tests erklären, als auch, warum nach einer TBE mit einmaliger OXS Behandlung noch so viele Milben im Volk sind, dass die Population im September bereits wieder gut messbar wird.

Nehmen wir eine Milbenpopulation von 50 Milben im Februar, dann sind das etwa 1600 Milben im Juli.
Geht man davon aus, dass die Entnahme der Brut etwa 80% der Milben entnimmt, dann blieben noch rund 320 Milben zurück.
Das ist immer noch eine sehr hohe Anzahl an Milben.
Würde die einmalige Behandlung mit OXS tatsächlich 97% der Milben töten, blieben gerade einmal 10 Milben zurück, von denen noch einmal welche einen natürlichen Tod sterben würden, bis die Brut so weit entwickelt ist, dass eine Reproduktion startet.
Bei 10 Milben Startpopulation im Juli, schaffen die Milben bis September vielleicht zwei Verdoppelungen – dann wären im September ~40 Milben im Volk.

Keine meiner Messungen bestätigte einen derart niedrigen Befall meiner Völker im September! In der Regel war immer ein deutlich höherer Befall zu vermuten, der sich dann, im Rahmen des DeBiMo im Oktober meist bestätigte, wenn der phoretische Befall gemessen wurde.

Praktischer Rückschlüsse

Man muss zwischen zwei Typen von Völkern unterscheiden: Jenen Völkern, denen die Brut entnommen wird, und den Brutsammlern, welche die ganzen Verseuchten Waben aufnehmen.

Bei jenen Völkern, welchen die Brut entnommen wird, kann man einen Behandlungsschritt zwischenschalten, indem man eine Wabe mit möglichst viel offener Brut im Volk belässt, und diese nach 9 Tagen entnimmt. Diese Fangwabe wird eine erhebliche Anzahl an Milben fangen. Wenn man dazu noch 2-3 Tage nach der TBE eine Oxalsäurebehandlung mit einbaut, dann sollte der Milbenbefall in dieser Kombination deutlich tiefer gedrückt werden, als mit nur einem der beiden Schritte. Möglicherweise ist das Ergebnis hier schon hinreichend befriedigend, und die Zahlen haben sich im September noch nicht wieder so erholt.

Bei den Brutsammlern muss man einen anderen Aspekt berücksichtigen:

Die Brutsammler haben nicht nur einen Großteil der Milben eines Volkes mit im Gepäck, sie haben auch noch für zumindest einen ganzen Vermehrungszyklus der Milbe die notwendige Bienenbrut dabei.
Anders ausgedrückt: Wenn ein Brutsammler 1200 Milben mitnimmt (also etwa die 80% der Gesamtpopulation), dann schlüpfen in den kommenden Tagen Milben, die dann auch noch offene Brut vorfinden, in der sie einen weiteren Vermehrungszyklus starten können.
In den Brutsammlern findet also zunächst einmal eine weitere Milbenvermehrung statt, abgesehen davon, dass alles, was an eigentlich gesunder Bienenbrut noch da ist, auch gleich noch parasitiert werden kann.
Das muss erhebliche Auswirkungen auf de Brutsammler haben.

Eigentlich müsste man ab Tag 1 damit beginnen, den Brutsammlern die Milbenlast von den Schultern zu nehmen, damit die nachschlüpfenden Milben keinen weiteren Schaden anrichten können.
Eine Variante könnte sein, gleich mit einer Ameisensäurebehandlung zu beginnen, eine weitere könnte sein, Oxalsäure im Block zu verwenden.

Unterbleibt eine Behandlung bis zur Brutfreiheit gänzlich, dann befinden sich drei Wochen nach Bildung der Brutsammler mehr Milben im Volk als zum Zeitpunkt der Bildung.
Wenn jetzt eine einmalige OXS Behandlung nur mit vielleicht 70% wirkt, bleiben hunderte Milben als neue Startpopulation zurück. Wenn dann die Winterbehandlung auch nicht besser wirkt, ist die Startpopulation im Frühjahr so hoch, dass bereits im Sommer eine ernste Gefahr für die betroffenen Völker im Verzug ist.

Reichlich Varroaschäden im Spätsommer

Ich habe im vergangenen Spätsommer etwa 10% der Völker durch Varroaschäden verloren. Ich hatte also sehr wohl Verluste, allerdings nicht erst im Winter, sondern schon deutlich davor, weil ich einfach rechtzeitig Problemkandidaten erkannt und aufgelöst habe.

Ich gehe jetzt davon aus, dass die Ursache dafür in einer zu hohen Startpopulation der Milben im Frühjahr zu suchen ist.
Das waren bisher die höchsten Verluste meiner Imkerlaufbahn, und ich vermute, dass sich die Milbenpopulationen immer ein kleines Stück besser erholen konnten, weil die Oxalsäure immer etwas weniger wirksam war, als von mir angenommen. Dadurch war in den meisten Fällen zwar das Überleben der Völker zunächst gesichert, allerdings das Überleben der Milbenpopulation ebenso. Diese konnten sich von Saison zu Saison etwas besser erholen, bis es bei einzelnen Völkern zu einem Kipppunkt kam.

Ich denke, ich werde dieses Jahr meine Strategie etwas anpassen müssen.

Der Populismus des Torben Schiffer

Aktuell ist er wieder in aller Munde, der Torben Schiffer. Er hat in “Imkern Heute” einen sehr langen Artikel veröffentlicht, der mit “Der wahre Preis des Honigs – Artenschutz für Honigbienen” überschrieben ist.

Dieser Artikel hat – nun ja – ein “kontroverses” Echo hervorgerufen.
So gab es eine eher emotionale, fast schon polemische Gegenrede von Stefan Mandl, seines Zeichen Chef des Erwerbsimkerbundes in Österreich, es gab eine betont sachlich-fachliche Erwiderung von Bernhard Heuvel, der Vizepräsident des DBIB ist, und auch Jürgen Binder, der kurz vorher Herrn Schiffer eine Bühne auf seinem YouTube Kanal geboten hatte, fand ein paar interessante Worte.

Dabei ist Binder (ausgerechnet!) der einzige, welcher den für mich entscheidenden Punkt bei Torben Schiffer streift, nämlich seinen Populismus – oder genauer gesagt: Die Schiffersche Methode der Desinformation, der alternativen Fakten, der Wissenschaftsfeindlichkeit, der Übertreibung bis hin zur pauschalen Diskreditierung einer bestimmten Gruppe Menschen.

Er, Torben Schiffer, bespielt die gleichen Werkzeuge der Kommunikation, wie es auch aktuelle politische Strömungen tun, beispielsweise aus dem Neurechten Spektrum, nur das sein Feind nicht ethnische Minderheiten oder die Demokratie an sich sind, sondern die konventionellen Imker, die Verbände und die Institute, und eben die konventionelle Bienenhaltung überwunden werden soll. Und dazu ist ihm so ziemlich jedes Mittel der Propaganda recht.

Daher wird sich dieser Artikel nur am Rande mit den fachlichen Einlassungen des Herrn Schiffer befassen – der Schwerpunkt liegt auf seiner Kommunikationsstrategie, denn das ist viel spannender – und bisher von niemandem so richtig betrachtet worden.

Warum der Begriff “Populismus”?

Eigentlich passt der Begriff ja nicht, weil er in der politischen Auseinandersetzung zuhause ist, und nicht in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft oder der Imkerei. Außerdem leitet er sich vom lat. Begriff populus, das Volk ab – und auch wenn es um das “Bienenvolk” gehen könnte, so meint der Begriff Populismus doch etwas anderes.

Aber der Begriff passt deshalb als Analogie so gut, weil in der politischen Auseinandersetzung immer dann von Populismus die Rede ist, wenn ein Akteur seine Agenda auf einem “wir gegen die”, “das Volk gegen die Eliten”, “die Sehenden gegen die geheime Verschwörung” aufbaut, und seine Unterstützer auf eben jene Erzählung einschwört.

Und genau so arbeitet Torben Schiffer. Er hat eine Erzählung, und diese ist nicht freundlich.

Strategie 1: Bullshit Flooding*

Vermutlich gibt es diesen Begriff nicht, aber er beschreibt eine oft zu beobachtende Strategie, die seitens Populisten zur Grundausstattung gehört:
Flute die Kommunikation mit so viel kontroversem Unsinn wie möglich!

Man muss verstehen, dass Populisten kein Interesse an einem sachlichen Diskurs haben. Das Ziel ist immer die Zerstörung des Diskurses, weil der Populist weiß, dass seine Argumente, seine Ziele, seine Ansichten in einer sachlichen Debatte nicht bestehen können, weil sie auf Lügen, Übertreibungen, alternativen Fakten und Märchenerzählungen beruhen.
Und eine Möglichkeit, die sachliche Debatte zielgerichtet zu zerstören, ist es, sie mit so viel Unsinn zu fluten, dass der Diskussionsgegner nicht mehr weiß, wo er anfangen soll, diesem Unsinn mit Argumente zu begegnen.
Es ist schlicht unmöglich, in einer Debatte dann genug Raum einzunehmen, um all den Quatsch Punkt für Punkt auseinanderzunehmen – so lange reicht niemals die Aufmerksamkeit des Publikums, so lange reicht niemals die Zeit.

Das weiß auch Torben Schiffer, zumindest instinktiv, und so schreibt er derart lange Artikel, die so vollgestopft sind mit Halbwahrheiten, aus dem Zusammenhang gerissenen Fakten, wilden Annahmen und Behauptungen, dass beispielsweise ein Dr. Mandl in seiner Erwiderung irgendwann verzweifelt die Arme hoch reißt und zugibt, er habe sich das alles nicht mehr bis zum Ende geben können, er hat irgendwann einfach kapituliert.
Und entsprechend hilflos wirkt dann auch seine Auseinandersetzung mit Schiffers Thesen.
Schiffer erreicht damit ein wichtiges Ziel: Irgendetwas von seinen Thesen wird hängen bleiben. Und der Gegner schafft es nicht, sie zu entkräften, im Gegenteil – das Argumentieren gegen Schiffer muss immer bemüht und krampfhaft wirken, denn man kann seinen gefühlt “einfachen Wahrheiten” nicht gefühlte einfache Argumente entgegen setzen. Die echte Realität ist komplizierter als seine erfundene.
Torben Schiffer überrollt einen Stefan Mandl, seines Zeichen Präsident des Erwerbsimkerbundes in Österreich einfach mit einer Lawine aus kontroversem Unsinn, bzw. Mandl schafft es nicht, alles aufzukehren, was Schiffer im vor die Füße wirft.
Bullshit-Flooding.

“*” – ein aufmerksamer Leser hat mich darauf hingewiesen, dass es dafür sehr wohl einen Fachterminus gibt: Gish-Galopp
Danke dafür!

Strategie 2 : Die Erzählung vom Underdog gegen die Eliten

Auf der ersten Seite seines Artikels für “Imkern heute” baut Torben Schiffer zum Einstieg schon eine schöne Geschichte auf, in der es um “das Establishment”, die “etablierte Imkerlobby” oder “Funktionäre der Nutztierhaltung” geht, die sich gegen die Biene und vor allem gegen ihn und seine Anhänger verschworen haben.
“Funktionäre der Nutztierhaltung lehnen eine offene und sachlich auf der Fachebene geführte Diskussion oftmals ab.”, schreibt er – und deswegen “wird es Zeit, die etablierte Imkerlobby auf den Prüfstand zu stellen und ihr Weißblütenimage auf Sachbasis von der Realität zu trennen.” (häh?)

Damit nicht genug, es gibt einen Absatz auf jener ersten Seite des Artikels, der fast schon ins Verschwörerische abzugleiten droht:

Am Ende geht es nicht um die Bienen
selbst, sondern um das Geschäft.
Die Imkervereine wollen Mitglieder
akquirieren und Gehälter bezahlen,
die Equipmentverkäufer wollen
zahlreiche Werkzeuge verkaufen, die
Reinzüchter ihre vermeintlich sanften
Hochleistungsbienen, die Pharmazie
ihren Medikamentenkatalog und
selbst die staatlichen Bienenforschungsinstitute bekommen ihre
Fördergelder, um die zahlreichen Probleme rund um die Honigbienen in
Beuten „zu erforschen“ und Lösungen
zu präsentieren. All diese Institutionen
verdienen ihr Geld im jetzigen System.
Letztendlich bestimmen wenige
Einzelpersonen die flächendeckenden
Ausbildungsinhalte und Umgangsweisen mit den Bienen in der Imkerei

Da ist alles dabei, was das Verschwörungstheoretiker-Herz begehrt: Eine heimliche Elite von Entscheidungsträgern, verwobene Netzwerke, die im Verborgenen an einem geheimen verwerflichen Ziel arbeiten, Big-Pharma, Geldgier – einfach alles.
Es fehlt nur noch ein geheimer Informant, der “Q” heißt, und irgendetwas mit Kindern, deren Blut getrunken wird – wobei Schiffer in der Folge nicht Kinder als Opfer stilisiert, sondern eben die Bienen. Aber die Verschwörungserzählung lacht den Leser fröhlich an.

Schiffer umreißt auf der ersten Seite sehr klar die Parteien:
Auf der einen Seite die Bieneninstitute, die Erwerbsimker, der Imkerbedarfshandel, die Imkervereine, die konventionellen Imker – diese Gruppe gehört zum Team “Elite” oder “Establishment”.
Auf der anderen Seite er, seine Anhänger, und vor allem – ganz wichtig – die verführten, eigentlich gutmeinenden Imker, die Opfer dieser Verschwörung des Teams “Elite” sind, und um deren Seelen jetzt der Kampf geführt werden muss.
Diese Gruppe gehört zum Team “Schiffer”, und er versteht dieses Team als eine “Bewegung”, und Bewegungen haben immer etwas gemeinsam: Sie sind die Underdogs, die sich gegen “die da oben” auflehnen.

Darum baut Torben Schiffer jetzt seine Erzählung auf, von ihm, dem Underdog, und den seinen – gegen die Eliten, gegen das Establishments.

Alles, was jetzt folgt, speist sich aus diesem Narrativ. Dieses Narrativ dient der emotionalen Aufladung seines Anliegens, denn letztlich konstruiert er eine schwungvolle “Gute gegen Böse” Geschichte, und so etwas verfängt, gerade bei einem Publikum, welches nicht unbedingt vom Fach ist.
Emotionen funktionieren viel einfacher als Fakten. Und darauf baut Torben Schiffer.
Fakten sind für ihn nicht unbedingt relevant (dazu später mehr) – ihm geht es ums Narrativ.

Strategie 3: Selektive und alternative Fakten plus Confirmation Bias

Mir ist es nicht gelungen, im Netz auch nur eine Veröffentlichung von Torben Schiffer zu finden, die wissenschaftlichen Standards genügt – beispielsweise durch das Vorhandensein von Peer Reviews. Stattdessen findet man sehr viele Behauptungen, die er publiziert, und die er dann mit Kronzeugen versieht. Das ist eine ziemlich interessante Vorgehensweise:

Eine seine populärsten Erzählungen ist jene vom Bücherskorpion, welcher die Varroamilbe bekämpfen könne.
Man kann fast behaupten, diese großartige Erzählung hat ihn seinerzeit in der Imkerszene bekannt gemacht. Der Bücherskorpion sei ein mit dem Bienenvolk in Symbiose lebendes Spinnentier, welches aktiv Varroamilben jage.
Hier wurde dann eine grundlegende Schwäche in der Schifferschen Forschungsweise sichtbar, nämlich der sogenannte Confirmation Bias, der Bestätigungsfehler.

Er konnte etwas Interessantes beweisen: Ein Bücherskorpion erlegte in einer Petrischale eine Varroamilbe. Daraufhin behauptete er, dass Bücherskorpione auch im Bienenstock Varroamilben jagen würden, allerdings nur, wenn diese Bienenbehausung bestimmten, natürlichen Bedingungen entspräche.
Letztlich erweckte er in seinen Einlassungen den Eindruck, dass der Bücherskorpion in der richtigen Beute konventionelle Varroabehandlungen ersetzen könne. Just zu jener Zeit konnte man dann auch Bücherskorpione im Internet käuflich erwerben – zu Preisen, bei denen die Spinnentiere vermutlich in Gold aufgewogen wurden.

Das Problem war nur: Nirgendwo war eine Untersuchung zu finden, die a.) wissenschaftlichen Standards standhalten konnte und b.) dabei bewies, dass die Kombination aus Beute und Skorpion eine wirksame Varroadezimierung und damit ein Überleben eines Bienenvolkes sichern konnte.
Schiffer pickte sich jene Fakten raus, die seiner Grundthese entsprachen, und ignorierte einfach alles, was seiner These hätte widersprechen können. Daraus schuf er dann einen alternativen Fakt: Der Bücherskorpion sei wirksam gegen die Varroamilbe. Nirgendwo finden sich Hinweise auf vernünftige Versuchsaufbauten, die seine These erhärten oder hätten widerlegen können, nirgendwo auch nur eine Kontrollgruppe…

Jetzt holte sich Schiffer aber einen Kronzeugen für seine These. So schrieb Prof. Jürgen Tautz in einem Buch von Schiffer über den Bücherskorpion u.a.:

Der Bücherskorpion ist ein wunderbares Beispiel für die (Wieder-) Entdeckung eines Bienennützlings, dem es durchaus gelingen kann, in der Bienenhaltung als Verbündeter im Kampf gegen die Varroa-Milbe und weiterer ungern gesehener Mitbewohner in Bienenstöcken wirksam zu werden. Das vorliegende Buch stellt diese Facette umfassend vor und bietet eine ausgezeichnete Basis für alle, die sich für diesen hochspannenden Ansatz einer biologischen Schädlingsbekämpfung interessieren.

Tautz schreibt lediglich, dass der Bücherskorpion eine interessante Facette zur Varroabekämpfung sein kann, nirgendwo behauptet er, dass der Skorpion diese Hoffnung objektiv auch erfüllt. Denn dafür gab keine belastbaren Daten. Aber es steht eben der Name “Tautz” im Vorwort der Veröffentlichung, und wer nicht so genau liest, der liest eben nur den Namen und dass da wohl etwas dran sein kann, was jetzt in dem Büchlein steht.

Er macht das gleiche auch mit dem international angesehenen Wissenschaftler Dr. Tom Seeley. Dieser hat ihm offenbar irgendwann mal eine Mentorschaft angeboten, nachdem man gemeinsam bei einer Veranstaltung Vorträge gehalten hatte. Dieser Umstand wird auch prominent auf Schiffers Webseite erwähnt, aber der wissenschaftliche Mehrwert, der daraus hätte entstehen können, bleibt völlig im Dunklen. Nur hat der Name Seeley in der Szene einiges Gewicht – und dieses Gewichtes bedient sich Schiffer eben, indem er den Eindruck erweckt, dass es da ein enge Form der Zusammenarbeit gibt. Ein von Tom Seeley ge-peer-reviewtes wissenschaftliches Papier konnte ich bisher jedenfalls nicht finden.

Ein aktuelleres Beispiel für alternative Fakten und Confirmation Bias ist seine jüngste Erfindung – eine sogenannte Baumhöhlensimulation namens “SchifferTree”
Sein aktuelles Wirken scheint darauf ausgerichtet, dieses Bienenmöbel zu bewerben und mit allerlei Wundereigenschaften auszustatten. Und es ist die Basis für seinen Frontalangriff auf die konventionelle Imkerei.

Die Behauptung: Wenn eine Bienenbehausung nur nah genug an der natürlichen Bienenwohnung “Baum” ist, dann lösen sich nahezu alle Probleme, mit denen die Biene heutzutage zu kämpfen hat, in Wohlgefallen auf.
Ein wichtiger Punkt dabei: Er belässt es nicht dabei, den nach ihm selbst benannten Pseudo-Baum mit besonders guten Eigenschaften zu bewerben – vielmehr dient er insbesondere als Hebel, die herkömmliche Bienenhaltung frontal anzugreifen und als tierquälerisches Ausbeutungsszenarium zu beschreiben.

Wenn man dann die Webseite besucht, auf welcher Schiffer seinen SchifferTree bewirbt, dann findet man viele Behauptungen, was die Behausung alles können soll, nur eben keine überprüfbaren Daten. Auch hier schafft er wieder alternative Fakten – schlichtweg durch Behauptung, befreit von der Last der Realität.

Insgesamt kann man sein “wissenschaftliches” Wirken damit umschreiben, dass er gerne auf technische Spielereien wie Wärmebildkameras zurückgreift, hochauflösende Bilder von Milben schießt, auffallend viele Kabel in Bäume steckt, um anschließend aus den so gewonnen Daten Rückschlüsse zu ziehen, die zum einen sehr spannend klingen und sich gut für Vortragsreihen eignen, und zum anderen aber erhebliche Mängel in der Plausibilität aufweisen.
Der Trick dabei ist immer, Fakten zu nehmen, und diese in der gewünschten Weise zu interpretieren. Wenn er zum Beispiel wild lebende Bienenvölker nachweisen kann, so interpretiert er das ganz grundsätzlich so, dass diese Völker jetzt in ihrem natürlichen Habitat leben, alle gesund, ohne Milben und ohne Probleme behaftet sind, wie die von ihm so geschmähten konventionell gehaltenen Bienenvölker in der Hand des Imkers.
Aber das ist eben nur eine These – würde er das wissenschaftlich beweisen wollen, bräuchte es plausible Versuchsaufbauten, und ein Minimum dabei wären Kontrollgruppen.

Seeley hat es vorgemacht, wie man ergebnisoffen mit Bienen in freier Wildbahn forscht.

Schiffer selber kümmert es wenig, denn Forschungsergebnisse, die nicht in seine Erzählung passen, werden einfach ignoriert.
Oder am besten gleich beiseite gewischt:

Strategie 4: Wissenschaft negieren, oder “Der gesunde Menschenverstand!”

Gerade in Zeiten der Corona Pandemie sind sie überall zu finden – jene Leute, die Wissenschaft immer dann ablehnen, wenn die Erkenntnisse derselben nicht ihrem Weltbild entsprechen. Sie nennen sich dann “Querdenker”, und nicht selten beschreiben sie ihren Unwillen, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen, mit den Worten “Die Wissenschaft weiß auch nicht alles!”, oder “Das sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand, dass das so nicht sein kann!”

Umso überraschender, dass ein selbsternannter “Bienenforscher”, der als Wissenschaftler ernst genommen werden will, nun in die gleiche Kerbe haut.

So zitiert Schiffer die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung, welche Ergebnisse zu Untersuchungen zur Nahrungskonkurrenz zwischen Honig- und Wildbiene wie folgt zusammenfassen:

Neuere Untersuchungen kommen
ebenfalls zu dem Schluss, dass die
Gegenwart von Honigbienenvölkern
das Vorkommen von Wildbienen nicht
gefährdet. Daraus kann geschlossen
werden, dass Honigbienen – zumindest
in ihrem angestammten Verbreitungsgebiet – keine Gefahr für Wildbienen
darstellen. In den natürlichen Verbreitungsgebieten kann von einer evolutionär eingespielten Koexistenz zwischen
Honigbienen und Wildbienen ausgegangen werden.

Diese Aussage kommentiert er daraufhin wie folgt:

Die hier aufgeführten Interpretationen offenbaren, dass Wissenschaft
nicht nur der Schaffung von Wissen
dient, sondern auch dazu führen
kann, dass der gesunde Menschenverstand relativiert wird.

Man weiss gar nicht, was man auf so eine Einlassung entgegnen soll. Jemand, der sich selbst als Wissenschaftler versteht, negiert Wissenschaft durch Bauchgefühl, oder etwas so willkürlichem, wie dem Gesunden Menschenverstand.
Schiffer lässt nicht nur jene Erkenntnisse aus der Forschung oder praktischen Imkerei weg, die seinen Argumenten zuwider laufen könnten, nein, er wischt Dinge, die ihm nicht in den Kram passen einfach mit dem “Gesunden Menschenverstand” beiseite.
Was nicht ins eigene Weltbild passt, wird negiert.

Man übertreibt nicht, wenn man feststellt, dass so Populisten arbeiten.

Strategie 5: Belastbare Fakten missbrauchen, um alternative Fakten zu stützen

Ein recht eleganter Kniff ist es, den eigenen Unsinn Plausibilität zu verschaffen, indem man belastbare Fakten nimmt, und diese in den Kontext der eigenen Sache stellt, auch wenn sie dort überhaupt nicht passen.

Schiffer macht das mit dem Insektensterben. So schreibt er:

In einigen Regionen in Deutschland zeigte
sich ein Rückgang der Biomasse
fliegender Insekten um 75 %, alleine
in den letzten drei Jahrzehnten.

Und verweist dabei auf eine Studie, welche diese Beobachtung entsprechend beschreibt.
Das in diesem Fall bemerkenswerte daran ist, dass in dieser Studie ausdrücklich gesagt wird, dass über die Gründe des Rückgangs keine verbindlichen Aussagen gemacht werden können, und nachfolgende Annahmen über die Gründe eben genau das sind: Nur Annahmen.
Aber keine dieser Annahmen hat zum Inhalt, dass die konventionelle Imkerei eine Ursache für das Insektensterben sein könnte. Trotzdem stellt Schiffer implizit diesen Zusammenhang her.

Er benutzt hier eine Studie, die nirgendwo seine Thesen untermauert, um seine Behauptung, Honigbienen würden den Wildbienenbestand gefährden, deswegen so rücksichtslos, weil er weiß, dass sich kaum einer seiner Leser die Mühe machen wird, diese Information zu prüfen. Und wenn doch, kann er sich ja immer noch darauf zurückziehen, es ja anders gemeint zu haben.

Es ist – wieder einmal – ein Trick, der aus der politischen Auseinandersetzung der letzten 5 Jahre bekannt ist.

Strategie 6: Eine offene Diskussion einfordern, gleichzeitig selbige meiden

In einem Interview mit Jürgen Binder fordert Schiffer eine fachliche Diskussion zu seinen Thesen. Gleichzeitig aber, in dem selben Interview, in der gleichen Minute, macht er deutlich, dass ihn die Kritik an seinen Thesen nicht interessiert.
In jenem Interview attackiert er frontal den Mellifera e.V., um dann im gleichen Atemzug sich jede Kritik zu verbitten und noch vor dem Ende des Satzes eine offene , fachliche Diskussion zu fordern. Man weiß gar nicht, was er jetzt eigentlich will. Will er jetzt diskutieren? Aber nur, wenn man ihn nicht kritisiert?

Wer so auftritt, benutzt den Aufruf zur Diskussion als Strohmann. Es geht nicht um die fachliche Auseinandersetzung – wie auch, wenn man jede Kritik marginalisiert.
Und es gäbe genug Orte für eine sachliche Auseinandersetzung.
Es ist eben nicht so, anders als von Schiffer dargestellt, dass er nur Zielscheibe polemischer Kritik würde.
So schreibt Roland Sachs von chelifer.de eine sachliche, fundierte Analyse über den SchifferTree, nichts daran ist übergriffig oder falsch im Ton.
Auch die von Schiffer geschmähten Foren haben sich meist zwar scharf im Ton, aber letztlich doch inhaltlich mit seinen Thesen auseinandergesetzt. Und scharf im Ton muss er abkönnen, ist er schließlich auch nicht zimperlich.
Ein Bernhard Heuvel war sehr sanft und rücksichtsvoll im Ton, aber eben scharf argumentativ in der Sache. Was daran ist unangemessene Kritik oder gar ein Shitstorm?
Nichts.
Aber besser, man negiert Kritik als Shitstorm, als sich mit ihr auseinanderzusetzen – dann findet sich sogar noch die passende Opferrolle, in die man sich kuscheln kann.

Strategie 7: Starke, emotionalisierende Metaphern finden

Der Populist braucht Bilder. Je stärker das Bild, desto besser die emotionale Wirkung, umso größer die Aufmerksamkeit.
Und so geht es gleich auf der ersten Seite des “Imkern Heute” Artikel so richtig in die Vollen: “tierquälerische Behandlung”, “medikamentenabhängiger Dauerpatient”, “sterben in apokalyptischen Ausmaßen”. Es ist sehr viel die Rede vom “Establishment”, “Lobbygruppen” (alle selbstredend böse und voller böser Absichten), eben der ganze Katalog an Begriffen, die ja aktuell schon ein bestimmtes Framing haben.

Auch benutzt er sehr gerne den Begriff der “Massentierhaltung”, wenn es um die konventionelle Bienenhaltung geht – und dieser Begriff weckt bei jedem die gleichen Assoziationen.
Es handelt sich um ein ausgesprochen wirkmächtiges Bild, und das ist es, worum es Schiffer geht. Man kann gar nicht anders, es verschiebt den Blickwinkel des Zuhörers, des Lesers, der keine Fachkunde über Bienenhaltung haben kann, in eine bestimmte Richtung.
Waren denn die Imker nicht eigentlich die Guten? Sind sie das vielleicht gar nicht?

Aber da wo Schatten ist, da ist auch Licht, “Die Wahrheit”, wenn auch eine “unbequeme”, die er verkünden kann. Oder “Die Bewegung”, die jetzt entsteht, die Honigbiene zu retten.
Es sind immer die großen Bilder, die da bemüht werden. Und das verfängt ja auch viel mehr, als die nüchternen, langweiligen Untiefen datenbasierter Wissenschaft.

Fazit

Ist Torben Schiffer jetzt ein Populist?
Er hat eine politische Agenda, und Populismus ist eine Spielart der politischen Auseinandersetzung, er ist auch ein Art Werkzeug und nicht zuletzt eine Haltung.
Wenn man sein Wirken ein paar Jahre verfolgt hat, dann konnte man einer Form von Radikalisierung zusehen: Vom Bücherskorpion als Wiederentdeckung eines Symbionten hin zu einer radikalen Ablehnung der konventionellen Imkerei als Form der Landwirtschaft.
In seiner Welt scheint es nur noch schwarz und weiß zu geben – diejenigen, die Bienen in Magazinen halten, und die anderen, die seinen.
Imkerei ist bedeutend vielfältiger als das, was er beschreibt. Es gibt viel mehr Facetten zwischen unterschiedlichen Haltungsformen. Alleine die Spannbreite der Behandlung gegen die Varroamilbe ist größer als ein “Mit Säuren Bienen verätzen”, wie er es so apokalyptisch darstellt.
Er müsste das eigentlich wissen. Er müsste wissen, dass ein Ralph Büchler ein funktionierendes Konzept nahezu ohne Säuren lehrt. Schiffer muss wissen, dass die Institute mehr forschen, als wie man Bienen mit Säuren gegen die Varroamilbe behandeln kann. Er weiß sicherlich auch, dass es eine Vielzahl an Beuten gibt, große, kleine, mittlere, dass es Schwarmimkereien gibt, dass es Demeter Imkereien gibt, dass es Populationen in Imkerhand gibt, die resistent gegen die Milbe sind.
Er müsste auch wissen, dass Imkerei seit vielen Jahrhunderten ein Bestandteil der Landwirtschaft war, und dass sich Artenschutz und Landwirtschaft nicht gegenseitig ausschließen.

Das Problem an Schiffer ist nicht, dass er ein schlechter Wissenschaftler ist. Das Problem an ihm ist, dass er eine politische Agenda hat, und die besteht seit einiger Zeit darin, einen Ein-Mann-Feldzug gegen die konventionelle Imkerei zu führen und diese in Verruf zu bringen. Würde er sich mit seinen politischen Forderungen durchsetzen können, würde das nichts anderes bedeuten, als das Ende der konventionellen (und erwerbsmäßigen) Imkerei in Deutschland.

Worauf seine Motivation fußt, darüber ließe sich vortrefflich spekulieren, aber das ist in der Sache unerheblich.
Wichtiger wäre, das man in Vereinen, den Verbänden und überall sonst, wo Herr Schiffer gerne und lange sich selbst beim Reden zuhört, eine klare Ansage macht: Wenn du für deine vielen Behauptungen keine objektiv überprüfbaren Daten vorlegst, die wissenschaftlichen Standards genügen, und hauptsächlich Krach und Alarm für deine Selbstvermarktung machst, bieten wir dir kein Podium mehr.

Es ist sinnlos, mit Populisten (oder Leuten, die wie welche arbeiten) in ein Gespräch oder in eine Diskussion kommen zu wollen. Wie weiter oben bereits erwähnt, haben sie kein Interesse an einem Diskurs – die Sachdebatte ist ihr Feind, und das wissen sie auch. Deshalb zerstören sie den Diskurs.
Dass Torben Schiffer das tut, und wie er es macht, ist bis hier hin hoffentlich klar geworden.

Aber man sollte sich davor hüten, ihm eine Bühne zu geben.

2020.18 – Überlegungen zu einem geänderten Varroa Konzept

Die Probleme mit der TBE

Die Totale Brutentnahme (TBE) ist eine der wirklich wirksamen, wetterunabhängigen Varroabehandlungsmaßnahmen, die ohne Ameisensäure auskommt und sich dabei die Bienenbiologie zunutze macht.

Ich werde das an dieser Stelle nicht erneut erklären, aber die Tatsache, dass man neben der Varroabehandlung auch noch Völkervermehrung und Wabenerneuerung in einem Abwasch mit erledigen kann, ist ausgesprochen hilfreich und effizient.

Allerdings: Neben den vielen positiven Aspekten gibt es auch eine Reihe negativer, die nicht unerwähnt bleiben dürfen:

  • TBE ist immer auch Materialschlacht. Man benötigt sehr viel Material, in FOrm von Beuten und Rähmchen.
  • Nach einer TBE hat man möglicherweise deutlich mehr Völker, als man am Ende wirklich haben möchte.
  • Diese neuen Völker, i.d.R. die Brutscheunen, brauchen einen eigenen Platz, zumindest bis sie behandelt worden sind, und
  • diese neuen Völker gehen oftmals aufgrund der Vorbelastung etwas schwächer in den Winter (was nicht schlimm sein muss – kommt auf die Ziele an, die man mit jenen Völkern verbindet).
  • Das Setzen auf Mittelwände ist für das behandelte Volk ein Kraftakt – gerade jene Völker, die vor der Behandlung einen hohen Milbenbefall hatten, (>3% phoretischen Befall), tun sich schwer, neues Wabenwerk zu errichten und große Mengen Brut aufzuziehen.

Grenzwerte für eine TBE

Disclaimer: Die nachfolgenden Aussagen beziehen sich auf eine TBE, die Mitte bis Ende Juli durchgeführt wird! Eine TBE Mitte Juni kann zu anderen Ergebnissen führen!

Ich beobachte jetzt im zweiten Jahr, dass die Vorbelastung eines Volkes ausschlaggebend dafür ist, wie stark das Volk nach einer TBE einwintert.

Die TBE rettet ein stark belastetes Volk nicht mehr, stattdessen wird es mit der TBE überfordert, verliert zusehens an Bienenmasse und muss letztlich aufgelöst oder vereinigt werden.

Ein mittelschwer belastetes Volk schafft zwar den Neuaufbau des Wabenwerkes und das Anlegen ausreichender Mengen an Brut, allerdings werden weniger Bienen aufgezogen, das Volk geht schwächer in den Winter.

Insgesamt scheinen mir bei meinem aktuellen Kenntnisstand folgende Grenzwerte halbwegs sichere Ergebnisse zu produzieren:

Phoretischer Befall (Alkoholauswaschung)Maßnahme
<= 3%TBE auf Mittelwände möglich
> 3%, <= 5%TBE auf Leerwaben möglich
>5%TBE sollte unterbleiben, Alternativen notwenig
Grenzwerte für eine TBE

Welche Behandlung bei welchem Grenzwert?

Bei einem geringen Befall von unter 3% phoretischen Befalls ist eine Behandlung mittels TBE auf Mittelwände unproblematisch. Bei um die 3% wird es mitunter schon schwierig.

Grundsätzliche Beobachtung: Bei einer TBE, bei der das Volk auf ausgebaute Leerwaben gesetzt wird, schwindet weniger Bienenmasse und das Volk erstarkt schneller und stärker, als wenn es auf MW geschlagen wird.

Das Setzen auf Leerwaben hat aber zur Folge, dass man schneller mit OXS behandeln muss! Man kann keine 7-9 Tage warten, man sollte eher nach 3 Tagen behandeln, andernfalls können sich verbleibende Milben bereits wieder in den Futtersaft von Larven gerettet haben.

Bei über 3% bis rund 5% phoretischem Befall sollten in jedem Fall Leerwaben verwendet werden, auf welche das Volk gesetzt wird. Andernfalls würde ich den Behandlungserfolg als gefährdet ansehen. Meiner Beobachtung nach haben es solche Völker schwer, ausreichend Bienenmasse bis zum Winter aufzuziehen, wenn sie zusätzlich noch alle Waben ausbauen müssen.

Sollte der phoretische Befall 5% übersteigen, sind meines Erachtens andere Behandlungsmethoden vorzuziehen:

  • Es wird jetzt alles benötigt, was an Bienenmasse greifbar ist.
  • Daher sollte die Brut nicht entnommen werden. Gleiches gilt für das Wabenwerk.
  • Gleichzeitig muss Brutfreiheit hergestellt werden, weil eine Behandlung bei Brutfreiheit sehr effektiv und mit Oxalsäure auch hinreichend bienenschonend ist.
  • Die Behandlung dieser Kandidaten sollte bestenfalls passieren, bevor andere Völker am Stand behandelt werden!

Aus praktischer Sicht wird man davon ausgehen müssen, dass man einen zu hohen phoretischen Befall entweder so zeitig bemerkt, dass der kritische Wert von 5% noch nicht überschritten ist (bspw. durch regelmäßige Kontrollen mit Alkoholauswaschung), oder man ihn erst bemerkt, wenn die Behandlung konkret ansteht.

In diesem Moment sollen aber meist eh alle Völker behandelt werden, insofern wird der letzte Spiegelstrich der Aufzählung schwierig umzusetzen sein.
Daher: Wenn möglich, wollten Völker mit einem hohen phoretischen Befall zur Behandlung auf einen Quarantäne Stand gebracht werden.

Behandlungskonzept für Völker mit zu hohem phoretischen Befall

Der zentrale Punkt ist hier, wie auch bei der TBE, das Herstellen von Brutfreiheit.

  • Tag 0: Betroffene Völker auf einen Quarantäne Stand bringen.
  • Tag 1: Königin abfangen und entweder abdrücken oder mit einer Kelle Bienen in ein Apidea geben (kann als Backup also aufgehoben werden)
  • Tag 5: Nachschaffungszellen brechen.
  • Tag 9: Letzte Nachschaffungszellen brechen.
  • Tag 10: Unbegattete Weisel einlaufen lassen oder unter Futterteigverschluss zum Ausfressen reingeben.
  • Tag 22-23: Volk ist brutfrei, bzw. hat keine verdeckelte Brut mehr, bestenfalls Larven der neuen Königin. Daher: Prüfen, ob Königin legt und Volk mit Oxalsäure im Sprühverfahren behandeln.
  • Ab Tag 23: Portionsweise flüssig auffüttern.

Was zu beachten ist

Es werden zwei Mal Nachschaffungszellen gebrochen.
Bienen wollen schnellstmöglich eine neue Königin haben, und werden daher auch aus älteren Larven versuchen, sich eine zu ziehen. Daher kann es passieren, dass eine Prinzessin früher schlüpft als erwartet. Nach 5 Tagen findet man gut die ersten Zapfen, die man ausbrechen kann, und nach 9 Tagen staunt man dann, wie viele Zellen man beim ersten Mal übersehen hat.

Nicht zu früh füttern!
Wenn das Volk nicht eh Futterreserven am Brutnest hat, dann entweder einer Futterwabe fluglochfern einhängen, oder – wenn keine FW vorhanden ist – Futterteig in einer Futtertasche fluglochfern geben.
Völker ohne Weisel haben mitunter eine schlechte Fluglochwache und können somit leichter Opfer von Räuberei werden. Da wir hier von Juli reden, ist Räuberei grundsätzlich aktuell und die Vermeidung selbiger anzustreben.
Auch das Flugloch zu verkleinern ist sinnvoll.
Wenn eine legende Königin im Volk ist, kann die langsame Auffütterung für den Winter beginnen.

Einweiseln
Nach einem Tag hoffnungsloser Weisellosigkeit wird ein Volk in der Regel eine Prinzessin ohne weiteres akzeptieren.
Von daher kann man ein Rähmchen ziehen, auf welchem sich Rest-Brut befindet, und die Weisel dort einfach rauf laufen lassen. Jetzt kann man beobachten, ob und wie die Annahme der Arbeiterinnen aussieht. Aller Wahrscheinlichkeit wird die Weisel wenig Beachtung finden, über die Wabe laufen und ihren Kopf in die nächste Zelle mit Nektar stecken.

Wenn man unsicher ist, kann man den Käfig mit der Prinzessin auch einfach auf die Oberträger legen und beobachten, was passiert.
Wenn die Arbeiterinnen die Weisel im Käfig bemerken, werden sie vermehrt aus den Wabengassen aufsteigen und auf den Käfig krabbeln. Ein paar Arbeiterinnen werden anfangen, mittels Flügelschlag und aufgerichtetem Hinterteil die frohe Pheromonkunde zu verbreiten, andere werden versuchen, die Königin durch den Käfig zu füttern.

Auch hier kann die Königin dann einfach freigelassen werden.
Wenn man Angst hat, dass die Weisel wegfliegt, kann auch den Ausfressschutz ausbrechen und den Käfig zwischen zwei Waben klemmen.

Bei dieser Variante einer Behandlung erreicht man nahezu das Gleiche, wie bei einer TBE: Man behandelt bei Brutfreiheit.
Gleichzeitig verliert man weder die alte Brut (und damit auch eine ganze Reihe noch gesunder Bienen, sprich: Bienenmasse), noch das alte Wabenwerk.

Die fehlende Erneuerung des Wabenwerkes könnte auch ein Kritikpunkt sein, allerdings halte ich persönlich altes Wabenwerk solange für unbedenklich, so lange es nicht durch Verfälschungen im Wachs, Pestizide/Herbizide/Fungizide oder Rückstände chemischer Varroabehandlungen belastet ist.
Bezüglich der Übertragung von Viren über das Wabenwerk würde ich mir weniger Gedanken machen, als über den Stress für die Bienen, welcher beim Neubau des gesamten Wabenwerkes entsteht. Notfalls erfolgt die Bauerneuerung eben im darauffolgenden Jahr.

Das ein Volk dabei gleich umgeweiselt wird, ist ein positiver Nebeneffekt: Völker, welche mit einer jungen Königin in den Winter gehen, haben höhere Überlebenschancen.
Im Sinne einer Selektion könnte man auch argumentieren, dass die alte Kö keine Merkmale einer Varroaresistenz zeigte, und deswegen aus dem Genpool entfernt wird.

Fazit

In den letzten Jahren war bei mir die TBE ein willkommenes Mittel, Völker auf ein neues Rähmchenmaß zu setzen.

Ich werde damit auch nächstes Jahr weiter machen, da ich immer noch dabei bin, alles auf Dadant umzustellen.

Allerdings werde ich jene Völker, die schon auf Dadant sitzen, nächstes Jahr so behandeln, wie ich es gerade geschildert habe: Entweiseln, auf Brutfreiheit warten und zwischendurch mit einer Prinzessin bestücken.

Ich will mir damit einen Teil der Materialschlacht ersparen, hoffe auf stärkere Einwinterungen, erledige das Umweiseln schon im Juli, und nicht erst im September, und werde den Völkerbestand schon ab Frühjahr eher mit Kunstschwärmen erweitern.

Das wird mir bestenfalls einen Teil der Arbeit ersparen und verhindern, dass meine Völkerzahlen völlig aus dem Ruder laufen. Damit wäre mir schon sehr geholfen.

In jedem Fall möchte ich endgültig von der Ameisensäure weg – das ist einfach ein hässlicher Anblick, wenn es schief geht. Und es gibt bessere Methoden.

Varroamanagment – brauchen wir ein Umdenken?

Auf der letzten Imkeversammlung habe ich mich leichtsinnigerweise dazu bereit erklärt, einen Vortrag rund um das Thema “VSH/SMR Zucht” zu halten.
Da ich ab März/April praktisch keine Zeit mehr habe, einen Vortrag mit der entsprechenden Sorgfalt vorzubereiten, habe ich also die Feiertage mit Recherche und Folien-erstellen verbracht.

Bevor ich tiefer einsteige: Ich gehe davon aus, dass der Leser so weit mit der Materie vertraut ist, dass er Begriffe wie “VSH” zuordnen kann und die grundsätzlichen Wirkungsweisen der Varroamilbe auf das Bienenvolk verstanden hat.
Dies wird kein Vortrag für Imkerlaien!

Nachfolgend werde ich versuchen, meine innerliche Reise darzustellen, die von einem oberflächlichen Verständnis von VSH zu der Frage führt, ob wir nicht alle beim Umgang mit der Varroamilbe umdenken müssten.

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Erste Beprobung im Rahmen des Bienenmonitorings

Heute hatte ich den ersten Besuch des zuständigen Imkers vom LiB Hohen Neuendorf an meinem Bienenstand.
Gemeinsam haben wir 10 Völkern Bienen entnommen (rund 300 Bienen pro Volk) und Futterkranzproben gezogen, welche nun im Institut ausgewertet werden.

Es wird der Varroabefall gemessen, als auch ein ausführlicher Virenstatus erstellt.
Im Jahrenlauf wird mein Stand 3 mal besucht und beprobt, plus Honiganalysen und Bienenbrotproben.
Ich werde zu allen Tests auch die Ergebnisse erfahren, ausgenommen der Bienenbrotprobe. Warum ausgerechnet hier die Prüfergebnisse nicht bekannt gegeben werden, ist nicht bekannt.

Als Prüfvölker habe ich ausschließlich diesjährige Ableger ausgewählt, die nächstes Jahr Teil meiner “Sustainable Apiary” Betriesweise a la Michael-Palmer werden sollen.
Diese Völker werden am Stand ganzjährig verbleiben und laufen alle auf DNM, was die Vergleichbarkeit für den Imker vom Institut vereinfacht.

Die heute beprobten Völker waren auch alle in meinen VarroMed Tests. Vielleicht ergeben sich hier noch interessante Ergänzungen.