Der Populismus des Torben Schiffer

Aktuell ist er wieder in aller Munde, der Torben Schiffer. Er hat in “Imkern Heute” einen sehr langen Artikel veröffentlicht, der mit “Der wahre Preis des Honigs – Artenschutz für Honigbienen” überschrieben ist.

Dieser Artikel hat – nun ja – ein “kontroverses” Echo hervorgerufen.
So gab es eine eher emotionale, fast schon polemische Gegenrede von Stefan Mandl, seines Zeichen Chef des Erwerbsimkerbundes in Österreich, es gab eine betont sachlich-fachliche Erwiderung von Bernhard Heuvel, der Vizepräsident des DBIB ist, und auch Jürgen Binder, der kurz vorher Herrn Schiffer eine Bühne auf seinem YouTube Kanal geboten hatte, fand ein paar interessante Worte.

Dabei ist Binder (ausgerechnet!) der einzige, welcher den für mich entscheidenden Punkt bei Torben Schiffer streift, nämlich seinen Populismus – oder genauer gesagt: Die Schiffersche Methode der Desinformation, der alternativen Fakten, der Wissenschaftsfeindlichkeit, der Übertreibung bis hin zur pauschalen Diskreditierung einer bestimmten Gruppe Menschen.

Er, Torben Schiffer, bespielt die gleichen Werkzeuge der Kommunikation, wie es auch aktuelle politische Strömungen tun, beispielsweise aus dem Neurechten Spektrum, nur das sein Feind nicht ethnische Minderheiten oder die Demokratie an sich sind, sondern die konventionellen Imker, die Verbände und die Institute, und eben die konventionelle Bienenhaltung überwunden werden soll. Und dazu ist ihm so ziemlich jedes Mittel der Propaganda recht.

Daher wird sich dieser Artikel nur am Rande mit den fachlichen Einlassungen des Herrn Schiffer befassen – der Schwerpunkt liegt auf seiner Kommunikationsstrategie, denn das ist viel spannender – und bisher von niemandem so richtig betrachtet worden.

Warum der Begriff “Populismus”?

Eigentlich passt der Begriff ja nicht, weil er in der politischen Auseinandersetzung zuhause ist, und nicht in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft oder der Imkerei. Außerdem leitet er sich vom lat. Begriff populus, das Volk ab – und auch wenn es um das “Bienenvolk” gehen könnte, so meint der Begriff Populismus doch etwas anderes.

Aber der Begriff passt deshalb als Analogie so gut, weil in der politischen Auseinandersetzung immer dann von Populismus die Rede ist, wenn ein Akteur seine Agenda auf einem “wir gegen die”, “das Volk gegen die Eliten”, “die Sehenden gegen die geheime Verschwörung” aufbaut, und seine Unterstützer auf eben jene Erzählung einschwört.

Und genau so arbeitet Torben Schiffer. Er hat eine Erzählung, und diese ist nicht freundlich.

Strategie 1: Bullshit Flooding*

Vermutlich gibt es diesen Begriff nicht, aber er beschreibt eine oft zu beobachtende Strategie, die seitens Populisten zur Grundausstattung gehört:
Flute die Kommunikation mit so viel kontroversem Unsinn wie möglich!

Man muss verstehen, dass Populisten kein Interesse an einem sachlichen Diskurs haben. Das Ziel ist immer die Zerstörung des Diskurses, weil der Populist weiß, dass seine Argumente, seine Ziele, seine Ansichten in einer sachlichen Debatte nicht bestehen können, weil sie auf Lügen, Übertreibungen, alternativen Fakten und Märchenerzählungen beruhen.
Und eine Möglichkeit, die sachliche Debatte zielgerichtet zu zerstören, ist es, sie mit so viel Unsinn zu fluten, dass der Diskussionsgegner nicht mehr weiß, wo er anfangen soll, diesem Unsinn mit Argumente zu begegnen.
Es ist schlicht unmöglich, in einer Debatte dann genug Raum einzunehmen, um all den Quatsch Punkt für Punkt auseinanderzunehmen – so lange reicht niemals die Aufmerksamkeit des Publikums, so lange reicht niemals die Zeit.

Das weiß auch Torben Schiffer, zumindest instinktiv, und so schreibt er derart lange Artikel, die so vollgestopft sind mit Halbwahrheiten, aus dem Zusammenhang gerissenen Fakten, wilden Annahmen und Behauptungen, dass beispielsweise ein Dr. Mandl in seiner Erwiderung irgendwann verzweifelt die Arme hoch reißt und zugibt, er habe sich das alles nicht mehr bis zum Ende geben können, er hat irgendwann einfach kapituliert.
Und entsprechend hilflos wirkt dann auch seine Auseinandersetzung mit Schiffers Thesen.
Schiffer erreicht damit ein wichtiges Ziel: Irgendetwas von seinen Thesen wird hängen bleiben. Und der Gegner schafft es nicht, sie zu entkräften, im Gegenteil – das Argumentieren gegen Schiffer muss immer bemüht und krampfhaft wirken, denn man kann seinen gefühlt “einfachen Wahrheiten” nicht gefühlte einfache Argumente entgegen setzen. Die echte Realität ist komplizierter als seine erfundene.
Torben Schiffer überrollt einen Stefan Mandl, seines Zeichen Präsident des Erwerbsimkerbundes in Österreich einfach mit einer Lawine aus kontroversem Unsinn, bzw. Mandl schafft es nicht, alles aufzukehren, was Schiffer im vor die Füße wirft.
Bullshit-Flooding.

“*” – ein aufmerksamer Leser hat mich darauf hingewiesen, dass es dafür sehr wohl einen Fachterminus gibt: Gish-Galopp
Danke dafür!

Strategie 2 : Die Erzählung vom Underdog gegen die Eliten

Auf der ersten Seite seines Artikels für “Imkern heute” baut Torben Schiffer zum Einstieg schon eine schöne Geschichte auf, in der es um “das Establishment”, die “etablierte Imkerlobby” oder “Funktionäre der Nutztierhaltung” geht, die sich gegen die Biene und vor allem gegen ihn und seine Anhänger verschworen haben.
“Funktionäre der Nutztierhaltung lehnen eine offene und sachlich auf der Fachebene geführte Diskussion oftmals ab.”, schreibt er – und deswegen “wird es Zeit, die etablierte Imkerlobby auf den Prüfstand zu stellen und ihr Weißblütenimage auf Sachbasis von der Realität zu trennen.” (häh?)

Damit nicht genug, es gibt einen Absatz auf jener ersten Seite des Artikels, der fast schon ins Verschwörerische abzugleiten droht:

Am Ende geht es nicht um die Bienen
selbst, sondern um das Geschäft.
Die Imkervereine wollen Mitglieder
akquirieren und Gehälter bezahlen,
die Equipmentverkäufer wollen
zahlreiche Werkzeuge verkaufen, die
Reinzüchter ihre vermeintlich sanften
Hochleistungsbienen, die Pharmazie
ihren Medikamentenkatalog und
selbst die staatlichen Bienenforschungsinstitute bekommen ihre
Fördergelder, um die zahlreichen Probleme rund um die Honigbienen in
Beuten „zu erforschen“ und Lösungen
zu präsentieren. All diese Institutionen
verdienen ihr Geld im jetzigen System.
Letztendlich bestimmen wenige
Einzelpersonen die flächendeckenden
Ausbildungsinhalte und Umgangsweisen mit den Bienen in der Imkerei

Da ist alles dabei, was das Verschwörungstheoretiker-Herz begehrt: Eine heimliche Elite von Entscheidungsträgern, verwobene Netzwerke, die im Verborgenen an einem geheimen verwerflichen Ziel arbeiten, Big-Pharma, Geldgier – einfach alles.
Es fehlt nur noch ein geheimer Informant, der “Q” heißt, und irgendetwas mit Kindern, deren Blut getrunken wird – wobei Schiffer in der Folge nicht Kinder als Opfer stilisiert, sondern eben die Bienen. Aber die Verschwörungserzählung lacht den Leser fröhlich an.

Schiffer umreißt auf der ersten Seite sehr klar die Parteien:
Auf der einen Seite die Bieneninstitute, die Erwerbsimker, der Imkerbedarfshandel, die Imkervereine, die konventionellen Imker – diese Gruppe gehört zum Team “Elite” oder “Establishment”.
Auf der anderen Seite er, seine Anhänger, und vor allem – ganz wichtig – die verführten, eigentlich gutmeinenden Imker, die Opfer dieser Verschwörung des Teams “Elite” sind, und um deren Seelen jetzt der Kampf geführt werden muss.
Diese Gruppe gehört zum Team “Schiffer”, und er versteht dieses Team als eine “Bewegung”, und Bewegungen haben immer etwas gemeinsam: Sie sind die Underdogs, die sich gegen “die da oben” auflehnen.

Darum baut Torben Schiffer jetzt seine Erzählung auf, von ihm, dem Underdog, und den seinen – gegen die Eliten, gegen das Establishments.

Alles, was jetzt folgt, speist sich aus diesem Narrativ. Dieses Narrativ dient der emotionalen Aufladung seines Anliegens, denn letztlich konstruiert er eine schwungvolle “Gute gegen Böse” Geschichte, und so etwas verfängt, gerade bei einem Publikum, welches nicht unbedingt vom Fach ist.
Emotionen funktionieren viel einfacher als Fakten. Und darauf baut Torben Schiffer.
Fakten sind für ihn nicht unbedingt relevant (dazu später mehr) – ihm geht es ums Narrativ.

Strategie 3: Selektive und alternative Fakten plus Confirmation Bias

Mir ist es nicht gelungen, im Netz auch nur eine Veröffentlichung von Torben Schiffer zu finden, die wissenschaftlichen Standards genügt – beispielsweise durch das Vorhandensein von Peer Reviews. Stattdessen findet man sehr viele Behauptungen, die er publiziert, und die er dann mit Kronzeugen versieht. Das ist eine ziemlich interessante Vorgehensweise:

Eine seine populärsten Erzählungen ist jene vom Bücherskorpion, welcher die Varroamilbe bekämpfen könne.
Man kann fast behaupten, diese großartige Erzählung hat ihn seinerzeit in der Imkerszene bekannt gemacht. Der Bücherskorpion sei ein mit dem Bienenvolk in Symbiose lebendes Spinnentier, welches aktiv Varroamilben jage.
Hier wurde dann eine grundlegende Schwäche in der Schifferschen Forschungsweise sichtbar, nämlich der sogenannte Confirmation Bias, der Bestätigungsfehler.

Er konnte etwas Interessantes beweisen: Ein Bücherskorpion erlegte in einer Petrischale eine Varroamilbe. Daraufhin behauptete er, dass Bücherskorpione auch im Bienenstock Varroamilben jagen würden, allerdings nur, wenn diese Bienenbehausung bestimmten, natürlichen Bedingungen entspräche.
Letztlich erweckte er in seinen Einlassungen den Eindruck, dass der Bücherskorpion in der richtigen Beute konventionelle Varroabehandlungen ersetzen könne. Just zu jener Zeit konnte man dann auch Bücherskorpione im Internet käuflich erwerben – zu Preisen, bei denen die Spinnentiere vermutlich in Gold aufgewogen wurden.

Das Problem war nur: Nirgendwo war eine Untersuchung zu finden, die a.) wissenschaftlichen Standards standhalten konnte und b.) dabei bewies, dass die Kombination aus Beute und Skorpion eine wirksame Varroadezimierung und damit ein Überleben eines Bienenvolkes sichern konnte.
Schiffer pickte sich jene Fakten raus, die seiner Grundthese entsprachen, und ignorierte einfach alles, was seiner These hätte widersprechen können. Daraus schuf er dann einen alternativen Fakt: Der Bücherskorpion sei wirksam gegen die Varroamilbe. Nirgendwo finden sich Hinweise auf vernünftige Versuchsaufbauten, die seine These erhärten oder hätten widerlegen können, nirgendwo auch nur eine Kontrollgruppe…

Jetzt holte sich Schiffer aber einen Kronzeugen für seine These. So schrieb Prof. Jürgen Tautz in einem Buch von Schiffer über den Bücherskorpion u.a.:

Der Bücherskorpion ist ein wunderbares Beispiel für die (Wieder-) Entdeckung eines Bienennützlings, dem es durchaus gelingen kann, in der Bienenhaltung als Verbündeter im Kampf gegen die Varroa-Milbe und weiterer ungern gesehener Mitbewohner in Bienenstöcken wirksam zu werden. Das vorliegende Buch stellt diese Facette umfassend vor und bietet eine ausgezeichnete Basis für alle, die sich für diesen hochspannenden Ansatz einer biologischen Schädlingsbekämpfung interessieren.

Tautz schreibt lediglich, dass der Bücherskorpion eine interessante Facette zur Varroabekämpfung sein kann, nirgendwo behauptet er, dass der Skorpion diese Hoffnung objektiv auch erfüllt. Denn dafür gab keine belastbaren Daten. Aber es steht eben der Name “Tautz” im Vorwort der Veröffentlichung, und wer nicht so genau liest, der liest eben nur den Namen und dass da wohl etwas dran sein kann, was jetzt in dem Büchlein steht.

Er macht das gleiche auch mit dem international angesehenen Wissenschaftler Dr. Tom Seeley. Dieser hat ihm offenbar irgendwann mal eine Mentorschaft angeboten, nachdem man gemeinsam bei einer Veranstaltung Vorträge gehalten hatte. Dieser Umstand wird auch prominent auf Schiffers Webseite erwähnt, aber der wissenschaftliche Mehrwert, der daraus hätte entstehen können, bleibt völlig im Dunklen. Nur hat der Name Seeley in der Szene einiges Gewicht – und dieses Gewichtes bedient sich Schiffer eben, indem er den Eindruck erweckt, dass es da ein enge Form der Zusammenarbeit gibt. Ein von Tom Seeley ge-peer-reviewtes wissenschaftliches Papier konnte ich bisher jedenfalls nicht finden.

Ein aktuelleres Beispiel für alternative Fakten und Confirmation Bias ist seine jüngste Erfindung – eine sogenannte Baumhöhlensimulation namens “SchifferTree”
Sein aktuelles Wirken scheint darauf ausgerichtet, dieses Bienenmöbel zu bewerben und mit allerlei Wundereigenschaften auszustatten. Und es ist die Basis für seinen Frontalangriff auf die konventionelle Imkerei.

Die Behauptung: Wenn eine Bienenbehausung nur nah genug an der natürlichen Bienenwohnung “Baum” ist, dann lösen sich nahezu alle Probleme, mit denen die Biene heutzutage zu kämpfen hat, in Wohlgefallen auf.
Ein wichtiger Punkt dabei: Er belässt es nicht dabei, den nach ihm selbst benannten Pseudo-Baum mit besonders guten Eigenschaften zu bewerben – vielmehr dient er insbesondere als Hebel, die herkömmliche Bienenhaltung frontal anzugreifen und als tierquälerisches Ausbeutungsszenarium zu beschreiben.

Wenn man dann die Webseite besucht, auf welcher Schiffer seinen SchifferTree bewirbt, dann findet man viele Behauptungen, was die Behausung alles können soll, nur eben keine überprüfbaren Daten. Auch hier schafft er wieder alternative Fakten – schlichtweg durch Behauptung, befreit von der Last der Realität.

Insgesamt kann man sein “wissenschaftliches” Wirken damit umschreiben, dass er gerne auf technische Spielereien wie Wärmebildkameras zurückgreift, hochauflösende Bilder von Milben schießt, auffallend viele Kabel in Bäume steckt, um anschließend aus den so gewonnen Daten Rückschlüsse zu ziehen, die zum einen sehr spannend klingen und sich gut für Vortragsreihen eignen, und zum anderen aber erhebliche Mängel in der Plausibilität aufweisen.
Der Trick dabei ist immer, Fakten zu nehmen, und diese in der gewünschten Weise zu interpretieren. Wenn er zum Beispiel wild lebende Bienenvölker nachweisen kann, so interpretiert er das ganz grundsätzlich so, dass diese Völker jetzt in ihrem natürlichen Habitat leben, alle gesund, ohne Milben und ohne Probleme behaftet sind, wie die von ihm so geschmähten konventionell gehaltenen Bienenvölker in der Hand des Imkers.
Aber das ist eben nur eine These – würde er das wissenschaftlich beweisen wollen, bräuchte es plausible Versuchsaufbauten, und ein Minimum dabei wären Kontrollgruppen.

Seeley hat es vorgemacht, wie man ergebnisoffen mit Bienen in freier Wildbahn forscht.

Schiffer selber kümmert es wenig, denn Forschungsergebnisse, die nicht in seine Erzählung passen, werden einfach ignoriert.
Oder am besten gleich beiseite gewischt:

Strategie 4: Wissenschaft negieren, oder “Der gesunde Menschenverstand!”

Gerade in Zeiten der Corona Pandemie sind sie überall zu finden – jene Leute, die Wissenschaft immer dann ablehnen, wenn die Erkenntnisse derselben nicht ihrem Weltbild entsprechen. Sie nennen sich dann “Querdenker”, und nicht selten beschreiben sie ihren Unwillen, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen, mit den Worten “Die Wissenschaft weiß auch nicht alles!”, oder “Das sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand, dass das so nicht sein kann!”

Umso überraschender, dass ein selbsternannter “Bienenforscher”, der als Wissenschaftler ernst genommen werden will, nun in die gleiche Kerbe haut.

So zitiert Schiffer die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung, welche Ergebnisse zu Untersuchungen zur Nahrungskonkurrenz zwischen Honig- und Wildbiene wie folgt zusammenfassen:

Neuere Untersuchungen kommen
ebenfalls zu dem Schluss, dass die
Gegenwart von Honigbienenvölkern
das Vorkommen von Wildbienen nicht
gefährdet. Daraus kann geschlossen
werden, dass Honigbienen – zumindest
in ihrem angestammten Verbreitungsgebiet – keine Gefahr für Wildbienen
darstellen. In den natürlichen Verbreitungsgebieten kann von einer evolutionär eingespielten Koexistenz zwischen
Honigbienen und Wildbienen ausgegangen werden.

Diese Aussage kommentiert er daraufhin wie folgt:

Die hier aufgeführten Interpretationen offenbaren, dass Wissenschaft
nicht nur der Schaffung von Wissen
dient, sondern auch dazu führen
kann, dass der gesunde Menschenverstand relativiert wird.

Man weiss gar nicht, was man auf so eine Einlassung entgegnen soll. Jemand, der sich selbst als Wissenschaftler versteht, negiert Wissenschaft durch Bauchgefühl, oder etwas so willkürlichem, wie dem Gesunden Menschenverstand.
Schiffer lässt nicht nur jene Erkenntnisse aus der Forschung oder praktischen Imkerei weg, die seinen Argumenten zuwider laufen könnten, nein, er wischt Dinge, die ihm nicht in den Kram passen einfach mit dem “Gesunden Menschenverstand” beiseite.
Was nicht ins eigene Weltbild passt, wird negiert.

Man übertreibt nicht, wenn man feststellt, dass so Populisten arbeiten.

Strategie 5: Belastbare Fakten missbrauchen, um alternative Fakten zu stützen

Ein recht eleganter Kniff ist es, den eigenen Unsinn Plausibilität zu verschaffen, indem man belastbare Fakten nimmt, und diese in den Kontext der eigenen Sache stellt, auch wenn sie dort überhaupt nicht passen.

Schiffer macht das mit dem Insektensterben. So schreibt er:

In einigen Regionen in Deutschland zeigte
sich ein Rückgang der Biomasse
fliegender Insekten um 75 %, alleine
in den letzten drei Jahrzehnten.

Und verweist dabei auf eine Studie, welche diese Beobachtung entsprechend beschreibt.
Das in diesem Fall bemerkenswerte daran ist, dass in dieser Studie ausdrücklich gesagt wird, dass über die Gründe des Rückgangs keine verbindlichen Aussagen gemacht werden können, und nachfolgende Annahmen über die Gründe eben genau das sind: Nur Annahmen.
Aber keine dieser Annahmen hat zum Inhalt, dass die konventionelle Imkerei eine Ursache für das Insektensterben sein könnte. Trotzdem stellt Schiffer implizit diesen Zusammenhang her.

Er benutzt hier eine Studie, die nirgendwo seine Thesen untermauert, um seine Behauptung, Honigbienen würden den Wildbienenbestand gefährden, deswegen so rücksichtslos, weil er weiß, dass sich kaum einer seiner Leser die Mühe machen wird, diese Information zu prüfen. Und wenn doch, kann er sich ja immer noch darauf zurückziehen, es ja anders gemeint zu haben.

Es ist – wieder einmal – ein Trick, der aus der politischen Auseinandersetzung der letzten 5 Jahre bekannt ist.

Strategie 6: Eine offene Diskussion einfordern, gleichzeitig selbige meiden

In einem Interview mit Jürgen Binder fordert Schiffer eine fachliche Diskussion zu seinen Thesen. Gleichzeitig aber, in dem selben Interview, in der gleichen Minute, macht er deutlich, dass ihn die Kritik an seinen Thesen nicht interessiert.
In jenem Interview attackiert er frontal den Mellifera e.V., um dann im gleichen Atemzug sich jede Kritik zu verbitten und noch vor dem Ende des Satzes eine offene , fachliche Diskussion zu fordern. Man weiß gar nicht, was er jetzt eigentlich will. Will er jetzt diskutieren? Aber nur, wenn man ihn nicht kritisiert?

Wer so auftritt, benutzt den Aufruf zur Diskussion als Strohmann. Es geht nicht um die fachliche Auseinandersetzung – wie auch, wenn man jede Kritik marginalisiert.
Und es gäbe genug Orte für eine sachliche Auseinandersetzung.
Es ist eben nicht so, anders als von Schiffer dargestellt, dass er nur Zielscheibe polemischer Kritik würde.
So schreibt Roland Sachs von chelifer.de eine sachliche, fundierte Analyse über den SchifferTree, nichts daran ist übergriffig oder falsch im Ton.
Auch die von Schiffer geschmähten Foren haben sich meist zwar scharf im Ton, aber letztlich doch inhaltlich mit seinen Thesen auseinandergesetzt. Und scharf im Ton muss er abkönnen, ist er schließlich auch nicht zimperlich.
Ein Bernhard Heuvel war sehr sanft und rücksichtsvoll im Ton, aber eben scharf argumentativ in der Sache. Was daran ist unangemessene Kritik oder gar ein Shitstorm?
Nichts.
Aber besser, man negiert Kritik als Shitstorm, als sich mit ihr auseinanderzusetzen – dann findet sich sogar noch die passende Opferrolle, in die man sich kuscheln kann.

Strategie 7: Starke, emotionalisierende Metaphern finden

Der Populist braucht Bilder. Je stärker das Bild, desto besser die emotionale Wirkung, umso größer die Aufmerksamkeit.
Und so geht es gleich auf der ersten Seite des “Imkern Heute” Artikel so richtig in die Vollen: “tierquälerische Behandlung”, “medikamentenabhängiger Dauerpatient”, “sterben in apokalyptischen Ausmaßen”. Es ist sehr viel die Rede vom “Establishment”, “Lobbygruppen” (alle selbstredend böse und voller böser Absichten), eben der ganze Katalog an Begriffen, die ja aktuell schon ein bestimmtes Framing haben.

Auch benutzt er sehr gerne den Begriff der “Massentierhaltung”, wenn es um die konventionelle Bienenhaltung geht – und dieser Begriff weckt bei jedem die gleichen Assoziationen.
Es handelt sich um ein ausgesprochen wirkmächtiges Bild, und das ist es, worum es Schiffer geht. Man kann gar nicht anders, es verschiebt den Blickwinkel des Zuhörers, des Lesers, der keine Fachkunde über Bienenhaltung haben kann, in eine bestimmte Richtung.
Waren denn die Imker nicht eigentlich die Guten? Sind sie das vielleicht gar nicht?

Aber da wo Schatten ist, da ist auch Licht, “Die Wahrheit”, wenn auch eine “unbequeme”, die er verkünden kann. Oder “Die Bewegung”, die jetzt entsteht, die Honigbiene zu retten.
Es sind immer die großen Bilder, die da bemüht werden. Und das verfängt ja auch viel mehr, als die nüchternen, langweiligen Untiefen datenbasierter Wissenschaft.

Fazit

Ist Torben Schiffer jetzt ein Populist?
Er hat eine politische Agenda, und Populismus ist eine Spielart der politischen Auseinandersetzung, er ist auch ein Art Werkzeug und nicht zuletzt eine Haltung.
Wenn man sein Wirken ein paar Jahre verfolgt hat, dann konnte man einer Form von Radikalisierung zusehen: Vom Bücherskorpion als Wiederentdeckung eines Symbionten hin zu einer radikalen Ablehnung der konventionellen Imkerei als Form der Landwirtschaft.
In seiner Welt scheint es nur noch schwarz und weiß zu geben – diejenigen, die Bienen in Magazinen halten, und die anderen, die seinen.
Imkerei ist bedeutend vielfältiger als das, was er beschreibt. Es gibt viel mehr Facetten zwischen unterschiedlichen Haltungsformen. Alleine die Spannbreite der Behandlung gegen die Varroamilbe ist größer als ein “Mit Säuren Bienen verätzen”, wie er es so apokalyptisch darstellt.
Er müsste das eigentlich wissen. Er müsste wissen, dass ein Ralph Büchler ein funktionierendes Konzept nahezu ohne Säuren lehrt. Schiffer muss wissen, dass die Institute mehr forschen, als wie man Bienen mit Säuren gegen die Varroamilbe behandeln kann. Er weiß sicherlich auch, dass es eine Vielzahl an Beuten gibt, große, kleine, mittlere, dass es Schwarmimkereien gibt, dass es Demeter Imkereien gibt, dass es Populationen in Imkerhand gibt, die resistent gegen die Milbe sind.
Er müsste auch wissen, dass Imkerei seit vielen Jahrhunderten ein Bestandteil der Landwirtschaft war, und dass sich Artenschutz und Landwirtschaft nicht gegenseitig ausschließen.

Das Problem an Schiffer ist nicht, dass er ein schlechter Wissenschaftler ist. Das Problem an ihm ist, dass er eine politische Agenda hat, und die besteht seit einiger Zeit darin, einen Ein-Mann-Feldzug gegen die konventionelle Imkerei zu führen und diese in Verruf zu bringen. Würde er sich mit seinen politischen Forderungen durchsetzen können, würde das nichts anderes bedeuten, als das Ende der konventionellen (und erwerbsmäßigen) Imkerei in Deutschland.

Worauf seine Motivation fußt, darüber ließe sich vortrefflich spekulieren, aber das ist in der Sache unerheblich.
Wichtiger wäre, das man in Vereinen, den Verbänden und überall sonst, wo Herr Schiffer gerne und lange sich selbst beim Reden zuhört, eine klare Ansage macht: Wenn du für deine vielen Behauptungen keine objektiv überprüfbaren Daten vorlegst, die wissenschaftlichen Standards genügen, und hauptsächlich Krach und Alarm für deine Selbstvermarktung machst, bieten wir dir kein Podium mehr.

Es ist sinnlos, mit Populisten (oder Leuten, die wie welche arbeiten) in ein Gespräch oder in eine Diskussion kommen zu wollen. Wie weiter oben bereits erwähnt, haben sie kein Interesse an einem Diskurs – die Sachdebatte ist ihr Feind, und das wissen sie auch. Deshalb zerstören sie den Diskurs.
Dass Torben Schiffer das tut, und wie er es macht, ist bis hier hin hoffentlich klar geworden.

Aber man sollte sich davor hüten, ihm eine Bühne zu geben.

2020.18 – Überlegungen zu einem geänderten Varroa Konzept

Die Probleme mit der TBE

Die Totale Brutentnahme (TBE) ist eine der wirklich wirksamen, wetterunabhängigen Varroabehandlungsmaßnahmen, die ohne Ameisensäure auskommt und sich dabei die Bienenbiologie zunutze macht.

Ich werde das an dieser Stelle nicht erneut erklären, aber die Tatsache, dass man neben der Varroabehandlung auch noch Völkervermehrung und Wabenerneuerung in einem Abwasch mit erledigen kann, ist ausgesprochen hilfreich und effizient.

Allerdings: Neben den vielen positiven Aspekten gibt es auch eine Reihe negativer, die nicht unerwähnt bleiben dürfen:

  • TBE ist immer auch Materialschlacht. Man benötigt sehr viel Material, in FOrm von Beuten und Rähmchen.
  • Nach einer TBE hat man möglicherweise deutlich mehr Völker, als man am Ende wirklich haben möchte.
  • Diese neuen Völker, i.d.R. die Brutscheunen, brauchen einen eigenen Platz, zumindest bis sie behandelt worden sind, und
  • diese neuen Völker gehen oftmals aufgrund der Vorbelastung etwas schwächer in den Winter (was nicht schlimm sein muss – kommt auf die Ziele an, die man mit jenen Völkern verbindet).
  • Das Setzen auf Mittelwände ist für das behandelte Volk ein Kraftakt – gerade jene Völker, die vor der Behandlung einen hohen Milbenbefall hatten, (>3% phoretischen Befall), tun sich schwer, neues Wabenwerk zu errichten und große Mengen Brut aufzuziehen.

Grenzwerte für eine TBE

Disclaimer: Die nachfolgenden Aussagen beziehen sich auf eine TBE, die Mitte bis Ende Juli durchgeführt wird! Eine TBE Mitte Juni kann zu anderen Ergebnissen führen!

Ich beobachte jetzt im zweiten Jahr, dass die Vorbelastung eines Volkes ausschlaggebend dafür ist, wie stark das Volk nach einer TBE einwintert.

Die TBE rettet ein stark belastetes Volk nicht mehr, stattdessen wird es mit der TBE überfordert, verliert zusehens an Bienenmasse und muss letztlich aufgelöst oder vereinigt werden.

Ein mittelschwer belastetes Volk schafft zwar den Neuaufbau des Wabenwerkes und das Anlegen ausreichender Mengen an Brut, allerdings werden weniger Bienen aufgezogen, das Volk geht schwächer in den Winter.

Insgesamt scheinen mir bei meinem aktuellen Kenntnisstand folgende Grenzwerte halbwegs sichere Ergebnisse zu produzieren:

Phoretischer Befall (Alkoholauswaschung)Maßnahme
<= 3%TBE auf Mittelwände möglich
> 3%, <= 5%TBE auf Leerwaben möglich
>5%TBE sollte unterbleiben, Alternativen notwenig
Grenzwerte für eine TBE

Welche Behandlung bei welchem Grenzwert?

Bei einem geringen Befall von unter 3% phoretischen Befalls ist eine Behandlung mittels TBE auf Mittelwände unproblematisch. Bei um die 3% wird es mitunter schon schwierig.

Grundsätzliche Beobachtung: Bei einer TBE, bei der das Volk auf ausgebaute Leerwaben gesetzt wird, schwindet weniger Bienenmasse und das Volk erstarkt schneller und stärker, als wenn es auf MW geschlagen wird.

Das Setzen auf Leerwaben hat aber zur Folge, dass man schneller mit OXS behandeln muss! Man kann keine 7-9 Tage warten, man sollte eher nach 3 Tagen behandeln, andernfalls können sich verbleibende Milben bereits wieder in den Futtersaft von Larven gerettet haben.

Bei über 3% bis rund 5% phoretischem Befall sollten in jedem Fall Leerwaben verwendet werden, auf welche das Volk gesetzt wird. Andernfalls würde ich den Behandlungserfolg als gefährdet ansehen. Meiner Beobachtung nach haben es solche Völker schwer, ausreichend Bienenmasse bis zum Winter aufzuziehen, wenn sie zusätzlich noch alle Waben ausbauen müssen.

Sollte der phoretische Befall 5% übersteigen, sind meines Erachtens andere Behandlungsmethoden vorzuziehen:

  • Es wird jetzt alles benötigt, was an Bienenmasse greifbar ist.
  • Daher sollte die Brut nicht entnommen werden. Gleiches gilt für das Wabenwerk.
  • Gleichzeitig muss Brutfreiheit hergestellt werden, weil eine Behandlung bei Brutfreiheit sehr effektiv und mit Oxalsäure auch hinreichend bienenschonend ist.
  • Die Behandlung dieser Kandidaten sollte bestenfalls passieren, bevor andere Völker am Stand behandelt werden!

Aus praktischer Sicht wird man davon ausgehen müssen, dass man einen zu hohen phoretischen Befall entweder so zeitig bemerkt, dass der kritische Wert von 5% noch nicht überschritten ist (bspw. durch regelmäßige Kontrollen mit Alkoholauswaschung), oder man ihn erst bemerkt, wenn die Behandlung konkret ansteht.

In diesem Moment sollen aber meist eh alle Völker behandelt werden, insofern wird der letzte Spiegelstrich der Aufzählung schwierig umzusetzen sein.
Daher: Wenn möglich, wollten Völker mit einem hohen phoretischen Befall zur Behandlung auf einen Quarantäne Stand gebracht werden.

Behandlungskonzept für Völker mit zu hohem phoretischen Befall

Der zentrale Punkt ist hier, wie auch bei der TBE, das Herstellen von Brutfreiheit.

  • Tag 0: Betroffene Völker auf einen Quarantäne Stand bringen.
  • Tag 1: Königin abfangen und entweder abdrücken oder mit einer Kelle Bienen in ein Apidea geben (kann als Backup also aufgehoben werden)
  • Tag 5: Nachschaffungszellen brechen.
  • Tag 9: Letzte Nachschaffungszellen brechen.
  • Tag 10: Unbegattete Weisel einlaufen lassen oder unter Futterteigverschluss zum Ausfressen reingeben.
  • Tag 22-23: Volk ist brutfrei, bzw. hat keine verdeckelte Brut mehr, bestenfalls Larven der neuen Königin. Daher: Prüfen, ob Königin legt und Volk mit Oxalsäure im Sprühverfahren behandeln.
  • Ab Tag 23: Portionsweise flüssig auffüttern.

Was zu beachten ist

Es werden zwei Mal Nachschaffungszellen gebrochen.
Bienen wollen schnellstmöglich eine neue Königin haben, und werden daher auch aus älteren Larven versuchen, sich eine zu ziehen. Daher kann es passieren, dass eine Prinzessin früher schlüpft als erwartet. Nach 5 Tagen findet man gut die ersten Zapfen, die man ausbrechen kann, und nach 9 Tagen staunt man dann, wie viele Zellen man beim ersten Mal übersehen hat.

Nicht zu früh füttern!
Wenn das Volk nicht eh Futterreserven am Brutnest hat, dann entweder einer Futterwabe fluglochfern einhängen, oder – wenn keine FW vorhanden ist – Futterteig in einer Futtertasche fluglochfern geben.
Völker ohne Weisel haben mitunter eine schlechte Fluglochwache und können somit leichter Opfer von Räuberei werden. Da wir hier von Juli reden, ist Räuberei grundsätzlich aktuell und die Vermeidung selbiger anzustreben.
Auch das Flugloch zu verkleinern ist sinnvoll.
Wenn eine legende Königin im Volk ist, kann die langsame Auffütterung für den Winter beginnen.

Einweiseln
Nach einem Tag hoffnungsloser Weisellosigkeit wird ein Volk in der Regel eine Prinzessin ohne weiteres akzeptieren.
Von daher kann man ein Rähmchen ziehen, auf welchem sich Rest-Brut befindet, und die Weisel dort einfach rauf laufen lassen. Jetzt kann man beobachten, ob und wie die Annahme der Arbeiterinnen aussieht. Aller Wahrscheinlichkeit wird die Weisel wenig Beachtung finden, über die Wabe laufen und ihren Kopf in die nächste Zelle mit Nektar stecken.

Wenn man unsicher ist, kann man den Käfig mit der Prinzessin auch einfach auf die Oberträger legen und beobachten, was passiert.
Wenn die Arbeiterinnen die Weisel im Käfig bemerken, werden sie vermehrt aus den Wabengassen aufsteigen und auf den Käfig krabbeln. Ein paar Arbeiterinnen werden anfangen, mittels Flügelschlag und aufgerichtetem Hinterteil die frohe Pheromonkunde zu verbreiten, andere werden versuchen, die Königin durch den Käfig zu füttern.

Auch hier kann die Königin dann einfach freigelassen werden.
Wenn man Angst hat, dass die Weisel wegfliegt, kann auch den Ausfressschutz ausbrechen und den Käfig zwischen zwei Waben klemmen.

Bei dieser Variante einer Behandlung erreicht man nahezu das Gleiche, wie bei einer TBE: Man behandelt bei Brutfreiheit.
Gleichzeitig verliert man weder die alte Brut (und damit auch eine ganze Reihe noch gesunder Bienen, sprich: Bienenmasse), noch das alte Wabenwerk.

Die fehlende Erneuerung des Wabenwerkes könnte auch ein Kritikpunkt sein, allerdings halte ich persönlich altes Wabenwerk solange für unbedenklich, so lange es nicht durch Verfälschungen im Wachs, Pestizide/Herbizide/Fungizide oder Rückstände chemischer Varroabehandlungen belastet ist.
Bezüglich der Übertragung von Viren über das Wabenwerk würde ich mir weniger Gedanken machen, als über den Stress für die Bienen, welcher beim Neubau des gesamten Wabenwerkes entsteht. Notfalls erfolgt die Bauerneuerung eben im darauffolgenden Jahr.

Das ein Volk dabei gleich umgeweiselt wird, ist ein positiver Nebeneffekt: Völker, welche mit einer jungen Königin in den Winter gehen, haben höhere Überlebenschancen.
Im Sinne einer Selektion könnte man auch argumentieren, dass die alte Kö keine Merkmale einer Varroaresistenz zeigte, und deswegen aus dem Genpool entfernt wird.

Fazit

In den letzten Jahren war bei mir die TBE ein willkommenes Mittel, Völker auf ein neues Rähmchenmaß zu setzen.

Ich werde damit auch nächstes Jahr weiter machen, da ich immer noch dabei bin, alles auf Dadant umzustellen.

Allerdings werde ich jene Völker, die schon auf Dadant sitzen, nächstes Jahr so behandeln, wie ich es gerade geschildert habe: Entweiseln, auf Brutfreiheit warten und zwischendurch mit einer Prinzessin bestücken.

Ich will mir damit einen Teil der Materialschlacht ersparen, hoffe auf stärkere Einwinterungen, erledige das Umweiseln schon im Juli, und nicht erst im September, und werde den Völkerbestand schon ab Frühjahr eher mit Kunstschwärmen erweitern.

Das wird mir bestenfalls einen Teil der Arbeit ersparen und verhindern, dass meine Völkerzahlen völlig aus dem Ruder laufen. Damit wäre mir schon sehr geholfen.

In jedem Fall möchte ich endgültig von der Ameisensäure weg – das ist einfach ein hässlicher Anblick, wenn es schief geht. Und es gibt bessere Methoden.

Varroamanagment – brauchen wir ein Umdenken?

Auf der letzten Imkeversammlung habe ich mich leichtsinnigerweise dazu bereit erklärt, einen Vortrag rund um das Thema “VSH/SMR Zucht” zu halten.
Da ich ab März/April praktisch keine Zeit mehr habe, einen Vortrag mit der entsprechenden Sorgfalt vorzubereiten, habe ich also die Feiertage mit Recherche und Folien-erstellen verbracht.

Bevor ich tiefer einsteige: Ich gehe davon aus, dass der Leser so weit mit der Materie vertraut ist, dass er Begriffe wie “VSH” zuordnen kann und die grundsätzlichen Wirkungsweisen der Varroamilbe auf das Bienenvolk verstanden hat.
Dies wird kein Vortrag für Imkerlaien!

Nachfolgend werde ich versuchen, meine innerliche Reise darzustellen, die von einem oberflächlichen Verständnis von VSH zu der Frage führt, ob wir nicht alle beim Umgang mit der Varroamilbe umdenken müssten.

„Varroamanagment – brauchen wir ein Umdenken?“ weiterlesen

Erste Beprobung im Rahmen des Bienenmonitorings

Heute hatte ich den ersten Besuch des zuständigen Imkers vom LiB Hohen Neuendorf an meinem Bienenstand.
Gemeinsam haben wir 10 Völkern Bienen entnommen (rund 300 Bienen pro Volk) und Futterkranzproben gezogen, welche nun im Institut ausgewertet werden.

Es wird der Varroabefall gemessen, als auch ein ausführlicher Virenstatus erstellt.
Im Jahrenlauf wird mein Stand 3 mal besucht und beprobt, plus Honiganalysen und Bienenbrotproben.
Ich werde zu allen Tests auch die Ergebnisse erfahren, ausgenommen der Bienenbrotprobe. Warum ausgerechnet hier die Prüfergebnisse nicht bekannt gegeben werden, ist nicht bekannt.

Als Prüfvölker habe ich ausschließlich diesjährige Ableger ausgewählt, die nächstes Jahr Teil meiner “Sustainable Apiary” Betriesweise a la Michael-Palmer werden sollen.
Diese Völker werden am Stand ganzjährig verbleiben und laufen alle auf DNM, was die Vergleichbarkeit für den Imker vom Institut vereinfacht.

Die heute beprobten Völker waren auch alle in meinen VarroMed Tests. Vielleicht ergeben sich hier noch interessante Ergänzungen.

Teilnahme am Deutschen Bienenmonitoring

Ich habe heute einen Anruf vom Bieneninstitut Hohen Neuendorf bekommen: Ab Oktober nimmt meine Imkerei am Deutschen Bienenmonitoring teil.

Das bedeutet, dass drei Mal pro Jahr (Frühjahr, Sommer, Herbst) das Institut 10 Völker umfangreich beprobt und auswertet. Diese Auswertungen betreffen den Varroabefall, Untersuchungen auf Nosema und diverse weitere Virenerkrankungen, Tracheenmilben und Amerikanische Faulbrut. Weiterhin wird mein Honig analysiert, mit etwas Glück kann ich auch für eine schmale Zuzahlung eine Sortenbestimmung bekommen.

Insgesamt wird ein Teil meines Bestandes umfangreich einer regelmäßigen Untersuchung unterzogen, der auch insbesondere hinsichtlich Zuchtauswahl vielleicht weiterhelfen kann.

Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass mein Anmeldung zu diesem Programm so schnell erhört werden würde – denn wenn ich es richtig verstehe, sind in den neuen Bundesländern nur insgesamt 25 Imkereien in diesem Programm.
Umso größer war meine Freude über diesen Anruf.

Es wird auf jeden Fall spannend und erhellend, mit dem LiB Hohen Neuendorf zusammenzuarbeiten.

Ein Wochenende in Franken – Maden pulen und Milben zählen für die gute Sache

Das Wochenende vom 9. August an habe ich in der Nähe von Nürnberg in Franken verbracht, auf Einladung des LV Buckfastimker Bayern e.V, die dieses Jahr wieder freiwillige Helfer rekrutiert haben, ihnen bei der VSH Auszählung ihrer aktuellen Zuchtköniginnen zu helfen.

VSH Auszählung – worum geht es?

Vereinfacht gesagt: Es wird versucht, Bienen zu züchten, die ohne Behandlung durch den Menschen mit der Varroamilbe zurecht kommen.

Fachchinesisch: Durch Selektion, Einfachdrohnbesamung, künstlicher Infektion von Prüfvölkern mit Milben und anschließendem Auswerten der Brut und der Milbenentwicklung, lassen sich Königinnen finden, deren Arbeiterinnen die Milbenreproduktion in einem Maße stören, dass die Milbe sich nicht mehr ausreichend vermehren kann, und die Völker so überleben können.
Dabei wird hart auf das Merkmal “VSH – Varroa-Sensitive-Hygiene” selektiert (auch mithilfe von SDI – single drone insemination), um dieses möglichst zu isolieren – unter Außerachtlassung aller anderen wünschenswerten Merkmale.

Wie läuft das grundsätzlich ab?

Es werden gezielt Linien angepaart, von denen man einen hohen VSH Wert erwartet. Die Anpaarung läuft über künstliche Besamung, um Herr über die Genetik zu sein. Es gibt also eine definierte Mutter, und deren Tochter (die zu prüfende Königin) wird mit dem Sperma eines Drohns einer ausgewählten anderen Königin “betankt”. Die zu prüfende Königin, die in ihrer Spermatheka jetzt definierte Chromosomensätze spazieren trägt, legt jetzt Töchter, von denen man bestimmte Eigenschaften erwartetn bzw. erhofft.

Ob sie diese Erwartungen erfüllen, galt es an diesem Wochenende herauszufinden.

Was jetzt in einem Absatz relativ kurz und knapp beschrieben werden kann, ist in Wahrheit ein unglaublicher Aufwand:

  • Zu einem definierten Zeitpunkt müssen hunderte von Prüfkandidatinnen “fertig” sein, denn die werden alle an einem Wochenende künstlich besamt.
  • Es müssen hunderte von Königinnen künstlich besamt werden, und dafür ,üssen aus den Drohnenlinien die entsprechenden, vitalen Drohnen bereit sein.
  • Nach der künstlichen Besamung müssen die Königinnen legen, und ein eigenes Völkchen aufbauen.
  • Frühestens nach 9 Wochen, wenn es nur noch Töchter der Königin aus der künstlichen Besamung gibt, also die Genetik im Volk definierbar ist, wird jedes Prüfvolk mit einer definierten Menge an Milben infiziert.
  • Also müssen zu einem festen Termin tausende von Milben aus Völkern “gewonnen”, grob abgezählt und in die Prüfvölker gegeben werden.
    Dies geschieht mittels Puderzucker und sehr großen Schüttelbechern – ähnlich der Puderzuckermethode.
  • Und dann folgt das Wochenende der Wahrheit: Zwischen der künstlichen Infektion und der Auswertung muss ein festgelegter Zeitraum vergehen, bevor eine Auswertung stattfinden kann.

Und der richtige Zeitpunkt für diese Auswertung war das vergangene Wochende.

Was für ein Aufwand!

Mit den Vorbereitungen an den Königinnen ist es ja nicht getan!
Eine ganze Gastwirtschaft wird für dieses Event hergerichtet. Ein Saal, in dem sonst lokale Rockkapellen Konzerte geben, werden Tische aufgebaut und mit Binokularen bestückt. Über dreißig davon sind vorhanden.

Die Organisatoren haben für die anreisenden Helfer Hotels und Pensionen gebucht und sich um die Verpflegung gekümmert, Arbeitsunterlagen und Formulare vorbereitet, Einweiser und Helfer organisiert und ausreichend Platz für Autos und hunderte von Miniplus Kästen geschaffen. Aus dem Landesverband allein sind schon so viele Helfer anwesend, dass man spüren kann, mit welchem Ernst und Ehrgeiz hier an die Sache herangegangen wird.

Es gibt die “Experten”, Projektteilnehmer, die über reichlich Erfahrung verfügen und neue Teilnehmer wie mich einweisen und unermütlich die immer gleichen Fragen wieder und wieder beantworten.

Alles ist mit großem Aufwand perfekt organisiert und eingerichtet, dass wir “Auswerter” ungestört unserer Arbeit nachgehen können:
Brutwaben auseinanderpulen und Milben suchen!

Wonach sucht man?

Kurz gesagt: Man sucht nach Völkern, in denen die reguläre Milbenreproduktion irgendwie gestört oder verzögert abläuft.
Da der Vermehrungszyklus der Milbe immer nach einem bestimmten Schema abläuft, kann man – wenn man das Alter der Bienenpuppen kennt – einen SOLL-IST Vergleich anstellen:
Entspricht der Stand der Milbenvermehrung im Verhältnis zum Entwicklungsstadium der Biene den Erwartungen, oder ist daran irgendetwas anders? Und wenn etwas anders ist, was ist es?
Zum Beispiel kann die Muttermilbe tot in der Zelle liegen, oder die die Anzahl der Nachkommen ist geringer als erwartet, oder es existiert kein Männchen, oder, oder, oder.
Manchmal findet man keine Milben mehr im Volk, obwohl es kurz vorher stark kontaminiert worden ist.

Man kann das Ergebnis des SOLL-IST Vergleich am Ende in einen prozentualen VSH Wert ausdrücken. Dazu füllt der Prüfer einen Bogen aus, in welchem er Zustände standadisiert beschreibt. Diese Standardisierung macht es möglich, eine Excel Tabelle auszufüllen, welche dann einen VSH Wert errechnen kann.

Was macht man als Auswerter/Prüfer?

Man sitzt rund 10 Stunden über ein Binokular gebeugt und sucht auf Brutwaben nach Bienenbrutzellen im richtigen Alter, entnimmt die Puppen und untersucht die Zellen und Puppen auf Milbenbefall. Wenn man Milben findet, untersucht und bewertet man den Zustand des Reproduktionszykluses – gibt es eine Muttermilbe? Eine männliche Milbe? Weibliche Nachkommen, und wenn ja, in welchem Alter? Passt das Bild zum Alter der Biene? In welchem Brutstadium befindet sich die Biene genau? Oder handelt es sich um einen Mehrfachbefall?

Pro Probe werden entweder so viele Zellen mit Puppen im richtigen Alter geöffnet, bis man 10 einfach befallene Zellen gefunden hat, oder 300 Zellen einer Probe – je nachdem, welcher Fall zuerst eintritt.
Dabei öffnet man etwa noch einmal 50-100% Prozent an Zellen zusätzlich, um Zellen im richtigen Alter zu finden.
Man popelt pro Tag also tausende von Zellen auf, zieht Bienenbrut mit einer Pinzette heraus und sammelt Berge von Bienenföten neben sich auf Küchenkrepp.

Durch die Vergrößerung bekommt man eine Sicht auf Bienen und Milben, wie sie einem sonst verborgen bleibt.

Hat man eine Probe fertig, wird der dazugehörige Bogen von einem der Experten noch einmal kritisch überprüft, bevor er dem strengen Zuchtmeister Stefan Luff übergeben wird, der die Datensätze in Exceltabellen klappert.

Kaum ist man mit einer Probe fertig, wird man auch schon losgeschickt, sich die nächste Wabe zu holen um von vorne anzufangen.

Ergebnisse?

Ich habe keine konkreten Zahlen. Allerdings habe ich mitgenommen, dass die VSH Werte der Völker im Schnitt gestiegen sind. Völker, die einen aktuell ermittelten VSH Wert von 75% zeigen, sind schon uninteressant für die weiterführende Zucht. Dafür gibt es genug bessere Königinnen mit höheren Werten.

Insgesamt haben wir wohl über 300 Völker ausgezählt. Natürlich waren da viele Kandidatinnen dabei, die schlechte VSH Werte zeigten, aber insgesamt scheint der Plan aufzugehen, das Merkmal “VSH/SMR” gezielt zu isolieren.

Wenn ich einen Link für eine detaillierte Auswertung bekommen sollte, werde ich diesen nachreichen.

Meine persönlichen Eindrücke

Ich war und bin total überwältigt von der großen Anzahl an Menschen, die sich an diesem Wochenende mit so viel Hingabe und Leidenschaft in diese Arbeit gestürzt haben. Da war ganz viel geballte Kompetenz und Erfahrung vor Ort. Und alle begegneten sich auf Augenhöhe.
Es spielte keine Rolle, ob man Jungimker ist, oder von Außerhalb, oder zum Imkerestablishment vor Ort gehörte – jeder konnte mit jedem ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und nach Herzenslust über Bienen und die Imkerei quatschen.
Alleine dafür hat sich die Reise schon gelohnt, ganz zu schweigen von der perfekten Organisation.
Was ich zu Hause oft vermisse, ist dort selbstverständlich: Unterschiedliche Menschen arbeiten an einem gemeinsamen imkerlichen Ziel – in diesem Fall an einer varroatoleranten Biene.
Als ich Bettina am Tag der Abreise zu Bahn fahre, sind wir uns einig: Man müsste eigentlich schon deshalb dort hin ziehen, weil da so viele coole Leute am Imkern sind.

Und? Kommt jetzt die Biene, die ohne Behandlung überlebt?

Mein Wissen, meine Erfahrung reichen nicht aus, um diese Frage glaubhaft beantworten zu können.
Aber:
Es ist manchmal für diese Arbeitsgruppe eine Herausforderung, genug Milben für die künstlichen Infektionen zusammenzubekommen.
Stefan Luff hat mich einmal angeschrieben, als er mitbekommen hat, dass ich ein vermilbtes Volk hatte. Er würde die Milbenschleuder gerne gegen einen Ableger aus der Arbeitsgruppe eintauschen.
Daraus ist letztlich nichts geworden, aber es zeigt, mit welchem Luxusproblem man dort mitunter zu kämpfen hat – nämlich das im Völkerbestand im Umfeld der VHS Zuchtgruppe die Anzahl der Milben sehr gering ist.
Es gibt auch einzelne Völker, die ohne Behandlungen durch den Winter gehen.

Es hängen sehr viele Wenn und Aber bei diesem Projekt im Raum. Das kann alles auch schnell wieder kippen. Aber ich verstehe die bisherigen Erfolge so, dass der sogenannte Proof Of Concept gelungen ist.
Davon ausgehend kann weiter gearbeitet werden. Allerdings braucht es wohl einen langen Atem.
Wenn man bedenkt, dass diese Gruppe erst seit 2015* daran arbeitet, VSH Königinnen zu züchten, dann sind die oben genannten Ergebnisse sicherlich ermutigend. Und ich hatte das Gefühl, dass man dort fest an den Erfolg glaubt.
Folgerichtig würde ich die gestellte Frage, nach der Möglichkeit der varroatoleranten/varroaresistenten Biene, mit Ja beantworten. Ich glaube, dass das funktionieren kann.

*) Das stimmt nicht ganz: Die Grundlagen dazu hat Josef Koller gelegt, der schon seit 20 Jahren auf Varroaresistenz hinzüchtet, und so das Fundament für die jetzigen Arbeiten gelegt hat.

Mein Fazit

Ich bin aus dem Wochenende rausgegangen mit der Motivation, das gezielte Vermehren von Königinnen zu lernen. Zucht kommt dann sicherlich irgendwann von alleine, aber erst einmal das Handwerk lernen.

Und später dann würde ich gerne auch in das Projekt einsteigen, und eigene Königinnen der Prüfung anmelden. Dazu gehört aber viel mehr, als “nur” Weiseln zu ziehen. Das passiert auch nicht von heute auf morgen, aber man muss ja irgendwo anfangen.

Ansonsten war es schön, viele Leute aus dem Imkerforum (wiederzu-)treffen. Es war fast ein kleines IFT. Wir haben zwei tolle Abende verbracht und natürlich auch herzhaft über andere Forumsteilnehmer gelästert 🙂

Kurzum: Wenn Stefan mich haben will, bin ich nächstes Jahr wieder dabei.

Ein paar Detailaufnahmen

Diese Aufnahmen hat mir freundlicherweise Ralf Höling zugeschickt.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich auf den Landesverband der Bayrischen Buckfastimker verlinken.

Brutstadium 1 – man beachte die Protonymphen auf 9 und 11 Uhr, eine davon ist möglicherweise das Männchen
Brutstadium 1, vermutlich mit Muttermilbe (für eine Tochter ist die schon etwas dunkle)
Ganze Milbenfamilie: am Zellgrund das Männchen, 11 Uhrt die Mutter, 6 und 9 Uhr die Töchter
Milbenfamilie

So arbeite ich mit dem CO2 Tester

Der CO2 Tester ist ein Hilfsmittel zum Bestimmen des Varroabefalls in einem Bienenvolk. Dabei wird die Anzahl der auf den Bienen sitzenden Milben ermittelt, was dann in einen prozentualen phoretischen Befall umgerechnet werden kann, wenn man die Anzahl der Bienen kennt, die man beprobt.
Anders ausgedrückt: Wenn man weiss, dass man 300 Bienen im Tester hat, und aus diesem 3 Milben “extrahiert”, dann entspricht das einem phoretischen Befall = 1%

Vorteile des CO2 Testers

Der eine wesentliche Vorteil: Man hat nach wenigen Minuten Klarheit über den Befall seines Volkes.

Nachteile des CO2 Testers

Der eine wesentliche Nachteil: Es macht mehr Arbeit, eine CO2 Testung durchzuführen, als eine Windel unter ein Volk zu schieben. Es sei denn, der Bienenstand ist durch eine längere Anfahrt zu erreichen – dann ist die Auswertung der Windeln wieder mit viel Aufwand verbunden.

Ambivalentes

Es gibt unterschiedliche Meinungen zu der Aussagekraft des CO2 Testers. Mancher bewertet ihn als nicht zuverlässig genug. Dr. Ralph Büchler kommt aber zu dem Ergebnis, dass der Tester für den Praxiseinsatz gut geeignet ist.

Was wird benötigt?

Das alles wird benötigt
  • Der CO2 Tester, welchen man einmal gewogen haben sollte.
  • Ausreichend CO2 Patronen mit Schraubgewinde.
  • Eine Lupe
  • Einen CO2 Spender – der mitgelieferte hat bei mir sehr schnell den Geist aufgegeben. Findet man u.a. als Fahradzubehör.
  • Ein Notizblock.
  • Eine elektronische Briefwaage (gibt es für wenig Geld).
  • Ein kleines Stück Folie (ca. 20x30cm)

Schritt 0 – Eine kleine Tabelle erstellen

Ich mache mir derzeit eine Tabelle, die etwa folgende Spalten enthält:

  • Datum
  • Volk Nummer
  • Gewicht der Probe
  • (darauf resultierende) Bienen
  • gezählte Milben
  • Prozentualer Befall

Schritt 1 – Probe entnehmen

Man öffnet das Volk, stellt den Tester mit geöffnetem Deckel sowie die Folie in Griffweite und sucht eine passende Wabe.
Ich nehme gerne Waben aus dem Brutnest, wenn ich sicher ausschließen kann, dass die Königin nicht auf dieser Wabe rumläuft. Habe ich die Königin geortet, nehme ich eine Wabe, die zwei Positionen entfernt steckt.

Jetzt entnehme ich diese Wabe, halte sie in einer Hand, lege mit der anderen Hand die o.g. Folie auf die restlichen Oberträger, und prüfe die Wabe noch einmal kurz, ob sie auch offene Brut enthält.
(Ich nehme dazu nicht mehr die Abdeckfolie. Diese war mir immer zu groß und zu unhandlich, um sie mit einer Hand auszubreiten )

Jetzt schüttelt man mit ein, zwei kräftigen Stößen die Bienen auf die Folie, lehnt die Wabe langsam an die Beute, greift ruhig die beiden Enden der Folie und legt die Enden leicht aneinander, sodass eine Art Folienrutsche entsteht.

Es werden viele Bienen auffliegen, es fühlt sich alles sehr wuselig und unruhig an, was den Imker zu Hektik verleiten könnte, weil er um die Probenmenge fürchtet. Tatsächlich bleiben aber bei einem ruhigen Arbeiten noch genug Bienen für eine Probe auf der Folie.

Die Folienrutsche benutzt man nun dazu, den Tester zu befüllen. Dabei lasse ich die beiden roten Eichstriche außer acht. Mit der einen Hand halte ich die Folienenden zusammen, mit der anderen fasse ich unter die Folie und “schubse” so die Bienen von der gerundeten Folie in den Tester.

Auch hier wieder muss zügig aber nicht hektisch gearbeitet werden, auch hier werden wieder etliche Bienen den Tester verlassen. Wichtig ist, dass der Plastikdeckel in Griffweite liegt und man den Tester umgehend verschließen kann.

Jetzt ist das Schlimmste geschafft.
Während der Auswertung der Probe kann das Volk noch offen bleiben.

Schritt 2 – Bienen betäuben

Vorher…

Ich stellte den Tester auf einen stabilen, geraden Untergrund. Der untere Deckel muss ebenfalls angebracht sein.
Ich lege einen geraden Stein auf den oberen Deckel, weil dieser von sich aus zu locker sitzt und bei einströmendem CO2 weggepustet werden würde.

Jetzt wird stoßweise CO2 eingelassen, mit kurzen Pausen. Am Anfang passiert nicht viel. Oftmals fallen dann aber die Bienen plötzlich zusammen.

Man gibt so viel CO2 dazu, bis die Bienen wirklich regungslos sind.

Nachher.

Während der Wartezeit von 20 bis 30 Sekunden gebe ich die entnommene Wabe zurück ins Volk und schiebe die Waben wieder zusammen. Die Beute lasse ich aber noch offen.

Schritt 3 – Wiegen!

Diesen Schritt vergesse ich auch ganz gerne. Wenn die Bienen betäubt sind, lassen sie sich einfacher wiegen.

Ich notiere den Wert in der Tabelle, ggf. ziehe ich gleich das Gewicht des Probebehältnisses ab und habe damit das Gewicht der Bienen. Das Gewicht der Bienenprobe in Gramm, geteilt durch 0,1 ergibt dann die ungefähre Anzahl der Bienen.
Diese notiere ich für später ebenfalls.

Schritt 4 – Schütteln

Mittlerweile ist genug Zeit vergangen, und man kann die Bienen schütteln.
Ich schüttele nicht nur vertikal, sondern auch ähnlich wie einen Brandy – im Kreis. Und dann wieder vertikal, auch mal horizontal – einfach sehr gründlich von allen Seiten.

Die Bienen werden dabei schmierig schwarz, koten unkontrolliert ab und sehen danach ziemlich elendig aus. Aber sie leben.

Ich schüttele 15-25 Sekunden.

Schritt 5 – Auszählen

Jetzt kommt der wichtige Teil, wo ich von der Anleitung abweiche, denn ich zähle an unterschiedlichen Stellen, und ich benutzte immer eine Lupe.

Der Bodendeckel – dieser wird als erstes ausgezählt. Milben sind hier gut zu erkennen.

Bodendeckel – Milbe auf 2 Uhr.

Eine Lupe verwende ich deshalb, weil Kotspritzer manchmal keine Kotspritzer, sondern helle, junge Milben sind, welche ich mitzähle.

Sieb, Bodenseite, sowie die unteren Wände – Jetzt suche ich mit der Lupe die Unterseite des Siebes ab, insbesondere die Falz, welche das Sieb hält. Hier rutschen gerne mal Milben runter. Die Wände des Testers werden ebenso abgesucht.

Unterseite – man beachte die geriffelte Falz, welche das Sieb hält.

Raum mit den Bienen, Sieb samt Falz von oben – Auf jener Seite des Siebes, auf welche die Bienen geschlagen werden, bleiben auch gerne Milben hängen, ebenso in der Falz. Daher wird hier alles einmal gründlich abgesucht, und dabei der Becher leicht gedreht, damit die Bienen nach rutschen und den Blick auf alle Bereiche frei geben. Zu dieser Zeit sind die Bienen noch betäubt.

Innenraum ebenfalls begutachten

Alle gefundenen Milben werden zusammenaddiert und in die Tabelle eingetragen.

Nicht vergessen: Die betäubten Bienen wieder vorsichtig zurück ins Volk schütteln.

Schritt 6 – Auswertung

Mit der Anzahl der Bienen und der Anzahl der Milben lässt sich der prozentuale Befall ermitteln (Anzahl Milben / Anzahl Bienen * 100 = p%)

Und dann weiss man im Grunde bescheid.

Grenzwert

Mein Grenzwert liegt bei > 1%. Dabei ist mir die Jahreszeit egal, zu welcher ich messe.
Den Wert habe ich von einem Vortrag mitgenommen, bei welchem es um die Varroatoleranzzucht der bayrischen Buckfastimker ging.

Wenn also ein höherer Befall als 1 % nachgewiesen wird, werde ich tätig, darunter nicht.

2019.13 Futterteig füttern und Kalkbrut

Die Ableger müssen jetzt alle mit Futterteig klarkommen. Der Vorteil: Bei Futterteig ist die Wahrscheinlichkeit für Räuberei deutlich geringer als bei Flüssigfutter. Der Nachteil: Vielleicht gar keiner, vielleicht regt aber auch Futterteig nicht so stark zum Brüten an wie dünnes Flüssigfutter, weil dieses einen Nektarfluss simuliert? Ich werde es wohl herausfinden müssen.

Ich habe ein Kalkbrut-Problem: Ein zweites Wirtschaftsvolk hat eine deutliche Anzahl an Kalkbrutmumien und bei der Hälfte der Begattungsableger, die mittlerweile alle legende Königinnen haben, habe ich auch welche gefunden.
Mein erstes KB-Volk, welches ich umgeweiselt habe, sah bei der letzten Durchsicht besser aus, die Symptome scheinen verschwunden zu sein (toitoitoi). Jetzt ist aber ein weiteres Wirtschaftsvolk dazugekommen, welches am gleichen Stand steht wie die Begattungsableger.
Die Frage ist: Habe ich durch verunreinigte Werkzeuge die Sporen in meinem Bestand verteilt? Sind die Fälle unabhängig voneinander aufgetreten? Haben die Königinnen in den BGE die Sporen mitgebracht? Ist die Kalkbrut durch die Drohnenseite eingebracht worden?
Die Literatur zum Thema Kalkbrut ist sehr dünn, die Behandlung scheint mit Umweiselung ausreichend zu sein, große Hygienemaßnahmen scheinen kaum notwendig (klar, Stockmeißel reinigen, Beuten grob reinigen – nichts im Vergleich zur AFB), aber ich bin verunsichert, wie ansteckend das eigentlich ist.
Insgesamt habe ich das Gefühl, dass die Literatur dem Thema eher entspannt gegenüber steht.

Ich beobachte das jetzt noch, bis die ersten Brutsätze der neuen Königinnen geschlüpft sind. Und wenn das Brutbild nicht besser wird, bin ich gezwungen, hart durchzugreifen und mit dem Daumen zu selektieren.
Viel Arbeit dieses Jahr dann ganz für die Katz…

2019.11 Totale Brutentnahme – TBE

Alle Wirtschaftsvölker, die bisher keine TBE hatten, waren dann am Freitag an der Reihe. Dabei wurde ein Teil der Völker testweise auf 10er Dadant umgewohnt, der Rest von DNM auf DNM 1,5.

Warum jetzt schon eine TBE?

Hätte ich nicht jetzt die TBE vorgenommen, wäre aus terminlichen Gründen das nächste Zeitfenster erst Ende Juli gewesen. Ich möchte aber, dass Ende Juli bereits eine fitte, gesunde, möglichst gering varroabelastete Bienengeneration zur Verfügung steht, die ab Ende Juli die Winterbienen erbrütet und aufzieht. Daher hatte ich keine andere Wahl, als jetzt eine TBE mit Fangwabe vorzunehmen, also die Varroa ohne jede Form von Säuren zu dezimieren.

Entstanden sind eine Reihe von Brutscheunen, die ich Mitte der Woche über Absperrgitter beweiseln will, indem ich jeweils ein Kieler Begattungskästchen über Spundloch aufsetze.
Die Idee: Ich lasse die ersten 5 Tage die Brutscheunen nachschaffen und Bienen aus den Brutwaben schlüpfen, ohne das ich etwas unternehme. Weil ich 14 Tagen nach Bildung der Brutscheunen die restliche, verbliebene verdeckelte Brut entnehmen und die Brutscheunen mit OXS behandeln möchte, ohne das verdeckelte Brut übrig bleibt, packe ich nach 14-9 Tagen (9 Tage wegen der Verdeckelungszeit) – sprich nach 5 Tagen, die Weiseln mit den Begattungskästchen auf den Sammelbrutableger.
Dabei soll die Königin samt Gefolge das begattungskästchen nach unten, in einen großen Brutraum verlassen und dort anfangen, Eier zu legen. Sie kann aber durch das Absperrgitter nicht nach unten, zur schlüpfenden Brut und dort legen. So gibt es dann 14 Tage nach Bildung zwar in einer Zarge frische offene Brut, aber nach Entnahme der darunterliegenden Brut aus den Sammelbrutableger, keine verdeckelte Brut mehr – dafür aber viele geschlüpfte Jungbienen.
Die ganze Mannschaft wird dann auf eine Zarge zusammengefasst, was hoffentlich eine ausreichend starke Belegschaft für den Winter ergibt, plus einen milbenarmen Status, wenn im Brutfreien Zustand behandelt worden ist.

So sieht zumindest bisher der Plan aus.
Am 5. Tag werde ich vor Aufsetzen der Königin schon mal unten nach Nachschaffungszellen schauen und diese ggf. brechen. Das Gleiche wiederhole ich dann am 9. Tag nach Bildung noch einmal, wobei ich hoffe, dass durch das Vorhandensein einer Weisel die Versuche der Nachschaffung abgebrochen werden.

Wird die Königin nicht abgemurkst?

Ich hoffe nicht – denn schließlich gebe ich sie nicht alleine bei, sondern mit ihrem kompletten Hofstaat. Außerdem kann sie dauerhaft legen, und bleibt damit für ein Volk ungemein attraktiv.

Was sonst noch?

Die Line knattert zumindest an einem Standort sehr vielversprechend – vorausgesetzt, die Volksstärke stimmt.
Mein zweiter Standort, wo die Linden vielleicht 150 Meter Luftlinie entfernt stehen, ist eine ziemliche Enttäuschung. Insgesamt wird das eine sehr durchwachsene Veranstaltung werden.

Noch ein Volk mit Kalkbrut!
Ich habe ein weiteres Volk mit Kalkbrut am Stand ausgemacht. Auch hier muss ich umweiseln. Ich weiss nur noch nicht so genau, wann ich das mache, aber vermutlich erst nach der Linde.
Das ganze ist sehr ärgerlich und auch irgendwie beunruhigend, weil die Symptomatik erst so verspätet aufgetreten ist.

Kalkbrut ist eigentlich etwas fürs Frühjahr. Jetzt, bei diesen warmen Temperaturen, ist es eher ungewöhnlich. Aber es kann sogar sein, dass beide Völker miteinander verwandt sind… leider sind da meine Aufzeichnungen zu umgenau.

Jedenfalls steht vorm Urlaub noch eine Menge Arbeit an…