VarroMed Feldversuch und Auswertung

In diesem Artikel geht es um die Wirksamkeit von VarroMed. Er beschreibt, wann und wie VarroMed angewendet und welcher Milbenfall an welchem Punkt der Behandlung registriert wurde. Weiterhin wird VarroMed von der Wirkung her einer Oxalsäurebehandlung gegenüber gestellt.

Versuchsaufbau und Prüfvölker

An dem Versuch waren rund 13 Völker für VarroMed und 4 Völker für OXS beteiligt. Die Völker teilten sich auf in Wirtschaftsvölker sowie Ableger.
Allen Völkern war gemein, dass sie zumindest einmal im Sommer brutfrei behandelt wurden (Wirtschaftsvölker durch eine TBE, mit Fangwabe – weil Honigräume noch drauf, Ableger bei Brutfreiheit mit OXS).
VarroMed sollte zeigen, ob es für die Herbstbehandlung Maßnahmen wie eine Ameisensäure-Langzeitbehandlung ersetzen kann.

Die Anwendung erfolgte gemäß Handlungsempfehlung des Herstellers, wobei mitunter bei der Dosierung nach unten abgewichen wurde. Konkret: Ableger wurden mit der Menge VarroMed beträufelt, welche der Hersteller empfiehlt, bei Wirtschaftsvölkern wurde nach unten abgewichen. Anstatt 15-30ml wurden mitunter nur bis zu 20 ml eingesetzt, wobei hier auf der Volksstärke Rechnung getragen wurde. Die Aussagekraft der nachfolgenden Testergebnisse mag aber deswegen in Zweifel gezogen werden.

Nach jeder Behandlung wurde etwa in einem Abstand von 2 Tagen eine Zählung des Milbenfalls auf der Windel vorgenommen. Gleiches gilt auch für Völker, die mit OXS behandelt wurden. Die Windeln wurden nach jeder Zählung gereinigt und erneut unter geschoben.

Behandlungszeitraum und -dauer

Die erste VarroMed-Behandlung fand statt am 24. August, bzw. am 25. August (zwei getrennte Standorte), die letzte am 20. September, bzw. 23. September.
Zwischen den Behandlungen lagen jeweils 6 – 7 Tage, bzw. bei der letzten Behandlung an einem Stand 8 Tage.

Alle VarroMed Völker zeigten einen Milbenfall, bei dem der Hersteller eine Weiterbehandlung empfiehlt (90 Milben in 6 Tagen bei Ablegern, 150 Milben bei Wirtschaftsvölkern). Daher wurde ein kompletter Behandlungszyklus über 5 Einzelbehandlungen durchgeführt.

Die erste OXS Behandlung fand statt am 19. August, die letzte am 10. September. Die Behandlung erfolgte jeweils im Abstand von 3-4 Tagen, 7 Behandlungen insgesamt.

Erste Beobachtungen nach den ersten VarroMed Behandlungen

Nach der ersten Behandlung lag der Milbenfall knapp unter den von BeeVital für VarroMed angegebenen Grenzwerten. Das gilt sowohl für Wirtschaftsvölker (150 Milben in 6 Tagen), als auch für Ableger (90 Milben in 6 Tagen).

Milbenfall nach der ersten Runde VarroMed

Mit den ersten drei Behandlungen stieg der Milbenfall jedoch deutlich an.
Von daher wurde entschieden, die Behandlung der Völker mit VarroMed über die ganzen 5 Runden zu ziehen.

Milbenfall im Laufe von drei VarroMed Behandlungen

Allgemeine Beobachtungen bei der VarroMed Anwendung

Die Behandlung mit VarroMed ist einfach und zügig zu erledigen. Die praktische Tülle erleichtert die Dosierung. Die Bienen bleiben bei der Aufbringung der Lösung ruhig und ziehen sich ggf. tiefer in die Wabengassen zurück.
Einen erhöhten Totenfall an Bienen konnte ich während der Behandlung nicht feststellen. Die Lösung riecht nicht schlecht und fühlt sich leicht ölig an.

Töchtermilben und männliche Nachkommen – Wirkung in die Brut?

BeeVital sagt, dass man VarroMed auch bei Völkern mit Brut anwenden kann (Zitat: “Zur Behandlung von Varroose (Varroa destructor) in Bienenvölkern mit oder ohne Brut. “)
BeeVital sagt hingegen nicht, dass VarroMed auch in die Brut wirkt! Hier sind die Details der Formulierung wichtig!

Nach der dritten Behandlung fanden sich bei einzelnen Völkern vermehrt sehr junge oder auch unreife Tochtermilben auf der Windel, vereinzelt auch männliche Nachkommen. Der (Trug-)Schluss war, dass VarroMed auch in die Brut wirken müsse.

OXS Blockbehandlung, Verlauf

Der Milbenfall während einer OXS- Blockbehandlung verläuft eher homogen: In den ersten 48 Stunden nach jeder Behandlung fällt ein Peak an Milben (wie auch bei VarroMed), danach flacht der Milbenfall deutlich ab. Während der individuelle Milbenfall pro Volk sehr unterschiedlich hoch ausfallen kann – in Abhängigkeit zur Ursprungsbelastung – hat der weitere Abfall an Milben bei allen Völkern gemeinsam, dass er zum Ende des Behandlungszeitraumes nachlässt und auch unmittelbar nach der letzten Behandlung des Zykluses nicht mehr so in die Höhe schnellt.

Auf Einzelvölker aufgeteilt sieht das dann so aus:

Gesamtverlauf Milbenfall OXS Blockbehandlung über einen vollständigen Behandlungszyklus

Zu Beginn des letzten Drittels des Behandlungszeitraumes fällt etwas mehr als zu Beginn. Wenn man über alle Völker entsprechende Durchschnittswerte bildet, also durchschnittlicher Milbenfall pro Auszählung, dann ergibt sich folgende Darstellung:

Insgesamt ist der Trend des Milbenfalls über den Gesamtzeitraum leicht abnehmend.

Ausformuliert könnte man die These aufstellen: Eine OXS Blockbehandlung (7×3) tötet im Verlauf so viele Milben ab, dass mit Ende eines kompletten Brutzykluses nur noch wenige Milben durch weitere Behandlungen erfasst und getötet werden können. Das Milbenpotential ist spürbar verringert.

Bei den OXS behandelten Völkern haben sich bei einer abschließenden Begutachtung keine DWV Bienen gefunden, die Stärke der Völker war jedoch unterschiedlich und entsprach auch den Entwicklungen im restlichen Jahreslauf – in Abhängigkeit von der jeweiligen Königin.

VarroMed Behandlung, Verlauf

Der Milbenfall während einer VarroMed Behandlung verändert sich im Laufe der Zeit sehr stark. Nach einem leichten bis moderaten Milbenfall zu Beginn, steigen die Fallzahlen im weiteren Verlauf deutlich an:

Die Trendlinien fast aller Völker zeigen nach oben. Insbesondere Volk 2 zeigt, dass der Milbenfall, nachdem er einmal Fahrt aufgenommen hat, nicht wieder nachlässt. Auch eine spätere Kontrolle am Ende der Behandlung zeigte einen nach wie vor hohen Infektionsdruck. Das gleiche gilt für Volk 17. Auch hier zeigte sich zum Ende der Behandlung, dass die Anzahl der verbliebenen Milben im Volk immer noch hoch war.

Insofern ist die Aussage des Herstellers zu unterstreichen: “Die Wirksamkeit wurde nur in Völkern mit niedrigem bis moderatem Milbenbefall untersucht”
Tatsächlich scheint es so zu sein, dass die Wirkung von VarroMed nicht ausreicht, stärker befallene Völker ausreichend zu entmilben.

Wenn man alle Einzelzählungen jeweils zusammengefasst wieder mittelt, ergibt sich folgendes, übergreifendes Bild:

Der Trend zeigt deutlich nach oben und erreicht auch zum Ende der Behandlung (also nach 5 Einzelbehandlungen) nicht wieder das “niedrige” Niveau zu Beginn der Behandlung.
Während bei der OXS Behandlung der letzte Peak der letzten Behandlung der niedrigste gemessene Peak aller Behandlungen ist, erreichen die letzten Peaks der letzten VarroMed Behandlung immer noch mit die größten Werte.

Da auch zum Ende der Behandlung – nach rund 28 Tagen – der Milbenfall nicht merklich absinkt, bestehen Zweifel an einer Wirksamkeit in die Brut.
Bei einer Wirkung in die Brut, wie sie zeitweise aufgrund des Alters der Milben angenommen wurde, hätte die Anzahl der Milben nach Schlupf der Bienen im Verlauf der Behandlung irgendwann nachlassen müssen, weil irgendwann der Großteil der geschlechtsreifen Muttermilben abgeräumt hätte sein sollen.

These: VarroMed wirkt nicht in die Brut. VarroMed wirkt nur unmittelbar nach Applizierung, wie es auch bei der OXS Sublimierung der Fall ist. Allerdings vermindert sich der Behandlungserfolg mit VarroMed durch die großen Abstände zwischen zwei Behandlungen (6 Tage), weil es hier genug Muttermilben gelingt, sich erneut in die Brut zu flüchten, bevor sie abgetötet werden können.

Unterm Strich bedeutet das für diesen Test, dass ein Großteil der mit VarroMed behandelten Völker den Befallsgrad an Milben bestenfalls gering senken konnten, wenn überhaupt.

Bei der abschließenden Begutachtung der Völker wurde in mindestens 4 Völkern jeweils eine Biene mit DWV gefunden.

Fazit

VarroMed war als Ersatz für eine September AS-Behandlung gedacht.
Eine Restentmilbung mit AS im Herbst soll vor Reinvasion (auch von innen) schützen und den von der Sommerbehandlung verbliebenen Rest an Milben wirksam dezimieren.
Einen vernünftigen Langzeitverdunster und das passende Wetter vorausgesetzt, funktioniert das meistens sehr gut.

VarroMed kann das nach den bisherigen Beobachtungen nicht leisten, VarroMed ist vielmehr für eine Restentmilbung im Spätsommer nicht ausreichend wirksam.

Es gelingt nicht, mit VarroMed den Milbenbefall so weit zu senken, dass bei einer Befallsdiagnose Entwarnung gegeben werden kann. Das gilt auch für jene Völker, die mit der vorgeschriebenen Menge VarroMed behandelt worden sind.

Von daher habe ich für mich entschieden, dass VarroMed kein nachhaltiger Bestandteil meines Varroamanagements sein kann.

Warum jeder Imker auch Züchter ist

Das ist ein schönes Thema für Kontroversen – gerade im Imternet – aber ich finde das wichtig:

Jeder Mensch, der Bienen hält, ist ein Bienenzüchter – es ist dabei unerheblich, ob und wie viele Königin er zieht, auf welche Weise er das tut, oder ob er überhaupt keine Königinnen vermehrt.

Meine Begründung ist denkbar einfach.
Anders als bei Kaninchen- oder Hundezüchtern, nehmen die unter des Imkers befindlicher Obhut stehenden Bienen immer am Vermehrungsprozess der anderen Bienenvölker in der Umgebung statt.

Daraus erwächst ein unmittelbarer Einfluss eines jeden Imkers auf den Genpool des ihn umgebenden Bienenhabitats. Er kann das auch nicht verhindern, denn seine Bienen werden es immer schaffen, in den Sommermonaten Drohnen aufzuziehen und diese in die Freiheit zu entlassen, damit sie Königinnen finden und diese begatten.

Zucht hat immer mit Selektion zu tun, mit der Auswahl von Merkmalen, die während der Vermehrung bestenfalls weitergegeben und ausgeprägt werden sollen.
Aber ein “Nicht-auswählen” durch den Bienenhalter (sprich: Züchter), ist auch eine Form der Selektion – denn er entscheidet sich bewusst (oder bei Unwissen auch unbewusst) dazu, alle Merkmale, die in seinem Bestand anzutreffen sind, gleichermaßen auszuwählen und zu verbreiten – es ist die Wahl der Nicht-Auswahl. Die Verbreitung manifestiert sich in der Drohnenaufzucht seiner Völker, und der Weitergabe der entsprechenden Gene in die Umgebung.

Ich möchte, dass der Begriff des “Züchters” entkoppelt wird – entkoppelt von der Erfahrung, dem Handwerk, den Mühen und Unwägbarkeiten jener Imker, die sich über Jahre der Züchtung, Selektion und Pflege der besten Königinnen hingegeben haben, und das der Begriff vom Handwerk losgelöst auf die Verantwortung eines jeden Bienenhalters übertragen wird.
Es ist diese Verantwortung, die nicht an der eigenen Grundstücksgrenze endet, sondern die immer darüber hinaus geht, weil die Drohnen darüber hinaus fliegen.

Heute ist der Begriff des Züchters einer, der auf die besondere Sachkunde, Erfahrung und handwerklichen Fähigkeiten abzielt – aber diese begriffliche Priviligierung entbindet gleichermaßen den gewöhnlichen Imker von seiner Verantwortung, die er ebenso für den Gesamtbestand an Bienen in seiner Umgebung trägt.
Viele nennen sich heute bestenfalls “Vermehrer”, wenn semiprofessionell Königinnen gezogen werden. Das ist immer als eine Art Unterordnung unter “die richtigen Züchter” zu verstehen, und diese Abgrenzung wird in der Regel auch erwartet und begrüßt.

Aber bei alltäglichen Praktiken, wie der Ablegerbildung, wird schon handfeste Zucht betrieben. Es wird eine bewusste Entscheidung getroffen, welches Volk, welche Gene vermehrt werden. Das gleiche gilt beim Kauf von Königinnen – aus welcher Quelle will man welche Qualität von Weisel bestellen?
Bei der Einwinterung werden zu oft schwache Völker nicht aufgelöst und irgendwie über den Winter gepeppelt – auch das ist Zucht, weil der Imker in den natürlichen Selektionsprozess eingreift und auch Schwächlinge überleben lässt, die ihre Gene im kommenden Frühjahr weitergeben wollen.

Zucht heisst, Verantwortung für einen bewussten Selektionsprozess zu übernehmen. Jeder Imker ist gehalten, bei der Auswahl von Königinnen oder Völkern, immer auch eine begründete Entscheidung zu treffen, warum er ein Volk/eine Königin überleben lässt oder vermehrt. Dabei spielt der Grad an Können, Wissen und Erfahrung nur eine untergeordnete Rolle, für das Selbstverständnis als Züchter (anders sieht es hinsichtlich des Ergebnisses einer Selektion aus) – wichtig ist, dass jeder Imker diese Rolle bewusst einnimmt.

Insofern werbe ich dafür, den Begriff des “Züchters” etwas zu ent-priviligisieren, und mehr als umklammernden Begriff für all jene zu Verwenden, die auf die eine oder andere Art Honigbienen bewusst halten, pflegen, betreuen.
Das schmälert im übrigen m.E. auch überhaupt nicht die Leistung jener, die wir heute als professionelle Züchter. Vielmehr sollte jeder Imker, der nicht in der Lage ist, aus seinem Bestand umfassend und professionell zu züchten, die bewusste Zuchtentscheiodung treffen, eben bei jenen Profis regelmäßig Weiseln zu ordern und damit seinen Bestand aufzuwerten. Auch das ist eine Form von bewusster Zuchtarbeit – nicht selber zu vermehren, aber geprüftes Genmaterial in die eigenen Kisten zu bringen.

Würde jeder entsprechend bewusst selektieren und arbeiten – Standbegattungen würden früher oder später zu wirklich guten Ergebnissen führen können.