Varroamanagment – brauchen wir ein Umdenken?

Auf der letzten Imkeversammlung habe ich mich leichtsinnigerweise dazu bereit erklärt, einen Vortrag rund um das Thema “VSH/SMR Zucht” zu halten.
Da ich ab März/April praktisch keine Zeit mehr habe, einen Vortrag mit der entsprechenden Sorgfalt vorzubereiten, habe ich also die Feiertage mit Recherche und Folien-erstellen verbracht.

Bevor ich tiefer einsteige: Ich gehe davon aus, dass der Leser so weit mit der Materie vertraut ist, dass er Begriffe wie “VSH” zuordnen kann und die grundsätzlichen Wirkungsweisen der Varroamilbe auf das Bienenvolk verstanden hat.
Dies wird kein Vortrag für Imkerlaien!

Nachfolgend werde ich versuchen, meine innerliche Reise darzustellen, die von einem oberflächlichen Verständnis von VSH zu der Frage führt, ob wir nicht alle beim Umgang mit der Varroamilbe umdenken müssten.

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Meine Imkertermine im ersten Quartal

Ich werde in den ersten drei Monaten hier und da im Bundesgebiet unterwegs sein – vielleicht trifft man sich ja mal irgendwo:

  • 19. Januar: Methodentage für die Regionalgruppen des SMR-Projekts in Rosengarten. Hier wird man gezielt für die Arbeitsmethoden innerhalb des SMR Projektes geschult.
  • 01. Februar: 5. Mitteldeutscher Buckfastimkertag in Leipzig.
  • 13. – 15. März: Imkerforumstreffen in Kleinlüder.

Wie man unschwer erkennen kann, geht mein Weg dieses Jahr in Richtung Zucht.
So ist zumindest meine strategische Planung für die kommenden Jahre.

Weil ich Bock auf Recherche hatte, habe ich mich bereit erklärt, im Imkerverein einen Vortrag zum Thema “VSH Zucht” zu halten.
Derzeit nutze ich die Feiertage, Informationen zu sammeln und in eine Präsentation zu gießen.

Vortrag “Varroa Toleranz” von Fred Zautke vom 18.11.2019

Andreas Gottschalk, (Mitbe-)Gründer der Nordberliner Immenfreunde, hat am 18. November an einem Vortrag von Fred Zautke beim Imkerverein Kreuzberg in Berlin teilgenommen.

Fred Zautke hat über die Varroa Toleranzzucht am LIB Hohen Neuendorf berichtet, und Andreas hat daraus eine prägnante, sehr informative und stichpunktartige Zusammenfassung gezaubert, die nachfolgend eins zu eins wiedergegeben wird.

Disclaimer: Fred und ich sind im gleichen Imkerverein. Ich schätze ihn für seine Hilfsbereitschaft, seine Erfahrung und seine Kompetez.

Jetzt aber der Bericht von Andreas:

Fred Zautke ist Imker und Versuchstechniker, seit 1985 beim LIB.

  • Varroa-Toleranz-Zucht seit 1991
  • Besonderheiten der Apis cerana im Umgang mit der Varroa:
    • Die Varroa befällt nur die Drohnenbrut
    • Befallene Brut wird von den Arbeiterinnen ausgeräumt
    • Bei Mehrfachbefall werden die Brutzellen “eingesargt” (bleiben bis zum Tod der Varroa verschlossen).
    • Grooming (Putzverhalten der Arbeiterinnen untereinander)
  • Unterschieden wird bei der Varroa-Milbe in V. jacobsini und V. destructor; die V. jacobsini kommt nur bei Apis cerana vor, die V. destructor bei Apis mellifera und cerana.
  • Problem der Varroa-Toleranz bei Apis mellifera:
    • Die Varroa befällt auch die Arbeiterinnenbrut.
    • Das Grooming/Putzverhalten ist schwach ausgeprägt bis fehlend
    • Befallene Brut wird kaum bis überhaupt nicht von den Arbeiterinnen erkannt.
    • Das Erkennen befallener Brut ist aber sehr unterschiedlich ausgeprägt, es gibt Zuchtlinien mit dieser Eigenschaft.
    • Es gab verwaiste Bienenvölker in Sachsen und Brandenburg, bei denen der Imker verstorben war, aber 3/4 der Bestände ohne Behandlung den nächsten Winter überlebt haben. Hierbei sind häufig äußere Einflüsse entscheidend. Werden diese vermeintlich Varroa-toleranten Völker an andere Orte verbracht, sind sie dort nicht reproduzierbar Varroa-tolerant.
  • Ein lückenhaftes Brutnest zeigt, wo die Arbeiterinnen Brut ausgeräumt haben.
  • Eine frühere Zuchtauswahl auf ein besonders geschlossenes (weil vermeintlich gutes) Brutnest erwiesen sich im Nachhinein als kontraproduktiv.
  • Messung der Varroa-Entwicklung in der Saison erfolgt durch eine anfängliche Befallsmessung mit eingeschobener Windel, im Sommer jedoch durch Auswaschen einer Bienenprobe, da sie aussagekräftiger ist.
  • In den 90er Jahren führte man den sogenannten Nadeltest im Rahmen der Varroa-Toleranz-Zucht durch; dabei wird mit einer Nadel durch den Zelldeckel in die Puppe gestochen und diese damit beschädigt. Nach 8 Stunden wird geprüft, welche Zellen die Arbeiterinnen im Rahmen des Hygieneverhaltens ausgeräumt haben. Ein Wert von 50% erwies sich hierbei bereits als gut.
  • Indem Puppen im Stadium mit roten Augen ausgewählt werden, stirbt die Puppe nicht sofort, so dass die Erkennungsleistung der Arbeiterinnen signifikanter ermittelt wird.
  • I-Test: Gezielte Infektion der Puppen mit Milben zur gezielten VSH-Untersuchung:
    • Varroa Sensitive Hygiene Hierbei werden frisch verdeckelte (nicht nebeneinander liegende) Zellen geöffnet und je eine Milbe eingeschleust.
    • Parallel dazu werden Zellen nur geöffnet, ohne sie mit Milben zu infizieren. (Gegenprobe).
    • Am dritten Tag nach der Infektion schlüpft normalerweise die erste Nymphe aus dem Milbenei; bestimmte Arbeiterinnen scheinen dies am Geruch zu erkennen und öffnen die befallenen Zellen partiell, die sogenannten Starter.
    • Andere öffnen die Zellen weiter, bis schließlich die Puppe ausgeräumt wird. Allerdings gibt es (teilweise deutlich mehr) Arbeiterinnen, die diese geöffneten Zellen wieder verschließen, ehe die Puppe ausgeräumt wird.
    • Mit dem I-Test wird also gezielt nach Bienen gesucht, die mit Varroa befallene Zellen gezielt erkennen. Dies wird im LIB mit markierten Arbeiterinnen und Aufnahme im Infrarotlicht beobachtet.
    • Die Arbeiterinnen, die mit Varroa infizierte Zellen erkennen können und den Anfang beim Ausräumen machen, sind für die Varroa-Toleranzzucht besonders relevant.
    • Da jedoch aus Arbeiterinnen nicht einfach nachgezüchtet werden kann, bleibt nur der Umweg, diese Arbeiterinnen dazu zu bekommen, drohnenbrütig zu werden.
    • Sie werden also in kleine weisellose und brutfreie Sondervölker separiert. Da aber Arbeiterinnen nicht pauschal drohnenbrütig werden, werden die restlichen Stockbienen immer durch frisch geschlüpfte Bienen ausgetauscht, denn die älteren Arbeiterinnen werden mit höherer Wahrscheinlichkeit drohnenbrütig.
    • Trotz dieses Aufwands liegt der Erfolg dabei aber bei nur 3%. Mit den Drohnen werden dann Jungköniginnen aus anderen VSH-Völkern künstlich besamt.
  • SMR: Suppressed Mite Reproduction (Verringerte Milben-Reproduktion)
  • Räumen Völker befallene Brut vorzeitig aus, wird der Brutzyklus der Varroa unterbrochen.
  • Geschieht dies 2 bis 3 Mal hintereinander, braucht die Varroa zum Neustart des Redroduktionszykluses zusätzliche Zeit, so daß sie sich in der Arbeiterinnenbrut nicht mehr vermehren kann, d.h. der Brutbeginn der Varroa beginnt so spät, daß aus der Zelle die neue Arbeiterin schlüpft, bevor die Milbentöchter ausgereift und begattet sind.
  • Dieses Störungsverhalten kann auch durch Öffnen und Wiederverschließen eintreten. Um dies weiter zu erforschen, muss auch hier beobachtet werden.
  • Da aber der Brutzyklus der Varroa unter den Zelldeckeln nicht gefilmt werden kann, werden die Zelldeckel am 10./11. Tag der Verdecklung mit einem Klebestreifen versehen und die Zelldeckel abgezogen.
  • Sind nur eine hellbraune und nur eine dunkle Tochtermilbe in der Puppelzelle, geht man von einer schlechteren Milbenreproduktion aus, also einem Bienenvolk mit SMR-Eigenschaft aus.​
  • Bei der Zucht erfolgt eine Zuchtwertschätzung, bei denen Honigertrag, Sanftmut, Wabenstetigkeit und Schwarmträgheit mit je 15% Gewichtung und Varroa-Toleranz mit 40% Gewichtung zu einem Gesamtpunktesystem kombiniert wird.
  • Die Werte gekörter Zuchtmütter können im Internet unter Beebreed.eu öffentlich eingesehen werden.
  • Zucht- und Forschungsziele im LIB:
    • Zuchtwertschätzung und Schätzung der genetischen Parameter
    • molekular-genetischen Grundlagen der Krankheitsresistenz (Lokalisation der relevanten Gen-Abschnitte)
    • Varroa-Toleranz-Zucht
    • Infrarot-Langzeit-Beobachtung
    • Kryo-Labor zur Langzeitaufbewahrung von Drohnen-Sperma
    • Wärmebildbeobachtung zur Analyse zur Thermoregulation im Bienenvolk
  • AGT: Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht: ca. 100 Züchter mit 2000 Völkern nehmen daran teil;
  • die Varroa-Toleranz-Zucht ist nicht allein durch ein Bieneninstitut leistbar.
  • Labortest: Es werden ca. 60 bis 70 definierte, nicht-zusammenhängende Puppenzellen mit Milben infiziert.
  • Diese werden in Völker gegeben, die gut im Wiederverschließen von Zelldeckeln sind.
  • Anschließend werden sie in die zu beprobenden Völker gegeben. Damit halbwegs realistische Versuche mit kleinen Volks-Einheiten durchgeführt werden können, werden die infizierten Waben mit Gase-Abtrennung in größere Völker gesetzt, so dass sie sich als Teil eines normalen Volkes führen.
  • Später wird geprüft, wie viele Zellen ausgeräumt wurden.
  • Varroa-Toleranz-Zucht:
    • Anfangs 30 von 60 Zellen, heute gelten 59 von 60 Zellen als gut.
    • Zum Vergleich die “Hauslinie” vom LIB ohne spezielle Toleranz: 3 von 60 Zellen.
  • Diskussionen um äußerer Einflüsse: Es wird vermutet, dass das Ausräumverhalten in Schlecht-Wetter-Phasen besser ist, da mehr Bienen zu Hause bleiben und intensiver mit Brutpflege beschäftigt sind.
  • Feldtest: Der Versuch wird nur mit 20 infizierten Zellen durchgeführt.
  • Seit 5 bis 6 Jahren wird ein weiterer Feldtest in Form eines Vitalitätstest durchgeführt, indem Völker unbehandelt in den Wald gestellt werden.
  • Aus der “Hauslinie” überlebte im ersten Jahr nicht ein Volk den Winter, weshalb auf diese Form der Gegenprobe inzwischen verzichtet wird.
  • Die Varroa-Toleranz-Zucht überlebt unbehandelt typischerweise den Winter bis zum nächsten August, bevor die zusammenbricht.
  • Aus diesen selektierten Völkern werden Drohnen und Königinnen verpaart. Ziel ist es, eine Zuchtlinie aufzubauen, die mit einer einzigen Winterbehandlung auskommt.
  • Ganz ohne Behandlung wird es eher nicht gehen.
  • DWV-Untersuchung (DWV=Deformed Wing Virus=Flügeldeformationsvirus)
    • Befallene Arbeiterinnen zeigen Lernbehinderungen und neigen zum Verflug, womit ein hohes Infektionsrisiko für die Nachbarvölker besteht.
    • Nebenwirkung: Von Varroa befallene Puppen benötigen 13 statt 12 Tage Verdeckelung, womit drei begattete Milbentöchter schlüpfen und die Varroa-Reproduktion erhöht wird.
    • Bei der VSH-Umtersuchung wird versucht, gezielt mit Milben zu arbeiten, die kein DWV in sich tragen, um die VSH- Ergebnisse nicht zu verfälschen.
    • Aktuelle Ergebnisse vom LIB für (A) Selektionslinie der Varroa-Toleranzzucht (B) Hauslinie bzw. gute Zuchtvölker Zell-Öffnen-/Ausräum-Verhalten:
      • Bei (A) haben 4% der Bienen haben diese Eigenschaft,
      • bei (B) haben nur 2%.
      • Durchschnittlicher Milbenbefall im Volk zur ersten Sommerbehandlung (A) 162,8 Milben (B) 337 Milben
  • Nächste Ziele: Genetische Untersuchung der Varroa-Toleranz mit dem Ziel, die Varroa-Toleranz mit einem Gentest (z.B. mit einem Stückchen vom Flügel oder Resten aus der Weiselzelle) voraussagen zu können.
  • Varroa-Toleranz für die Imkerschaft: Aktuell findet Selektion und Zucht unter Laborbedingungen statt, insbesondere mit künstlicher Besamung der Zuchtköniginnen
    • eine Abgabe an Imker ist nicht vorgesehen, die angebotenen Königinnen vom LIB stammen von der “Hauslinie”.
    • Aus der Varroa-Toleranz-Zucht werden später ausgewählte Königinnen an die großen registrierten Züchter weitergegeben, die sehr viel mehr Königinnen nachziehen können als das Bieneninstitut.
  • Herr Zaukte rechnet damit, dass es bestimmt noch 10 Jahre oder mehr dauert, bis die Varroa-Toleranz-Bienen in der breiten Imker-Basis ankommen.

Wir werden also noch viele Jahre die Varroa selbst gut unter Kontrolle haben müssen.

Auf dem Weg nach Devon

Devon ist eine Grafschaft in Südengland, in der die Buckfast Abtei zu finden ist.
Der kundige Imker weiss natürlich, worauf ich mit der Überschrift hinaus will, und spätestens wenn man den Begriff Buckfast fallen lässt, ist klar, worum es geht.

Ich schaue mich zur Zeit nach einem Landesverband für die Buckfastzucht um. Ausschlaggebend sind meine diesjährigen Erfahrungen in Bayern, bei der kurzen Zusammenarbeit anlässlich des VSH Projektes, als auch die grundsätzliche Herangehensweise der Buckfastzüchter: Die Eigenschaften der Biene müssen stimmen, das Äußere ist zweitrangig.

Ich schwanke zwischen dem Landesverband in MV, Berlin-Brandenburg und Sachsen- Anhalt. In MV kenne ich einen Imker, der dort bereits aktiv ist, in Berlin-Brandenburg kenne ich zwar niemanden, aber man hat mich kürzlich aktiv angesprochen und mit guten Argumenten für diesen LV geworben.

Da trifft es sich vorzüglich, dass am 1. Februar 2020 in Leipzig der 5. Mitteldeutsche Buckfastimkertag stattfindet. Da werden dann sehr wahrscheinlich alle Landesverbände vertreten sein, und so kann ich mir dann direkt selbst ein Bild machen.

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Wie bekommt man große, fette Weiselzellen?

Gerade im Netz gefunden und vielleicht nützlich für mich:
4 Tage vor dem Umlarven eine Brutwabe mit jüngsten Larven und Eiern geben, damit die Pflegebienen in Fütterstimmung kommen.

Meiner einer benutzt ja ein Pflegevolk vielleicht ein Mal, oder im Abstand von 2-3 Wochen ein weiteres Mal, und da verhalten sich die Pflegebienen irgendwann passiver, als wenn sie die ganze Zeit hindurch pflegen müssen.
Deswegen den Pflege-, Fütterungstrieb 4 Tage vor dem Umlarven wieder anschubsen, in dem man Brut reinhängt, die gefüttert werden will.

Link: http://doorgarden.com/2011/11/07/simple-honey-bee-queen-rearing-for-beginners/

PS: Am Umlarvtag muss diese Wabe dann aber wieder raus 🙂

Warum jeder Imker auch Züchter ist

Das ist ein schönes Thema für Kontroversen – gerade im Imternet – aber ich finde das wichtig:

Jeder Mensch, der Bienen hält, ist ein Bienenzüchter – es ist dabei unerheblich, ob und wie viele Königin er zieht, auf welche Weise er das tut, oder ob er überhaupt keine Königinnen vermehrt.

Meine Begründung ist denkbar einfach.
Anders als bei Kaninchen- oder Hundezüchtern, nehmen die unter des Imkers befindlicher Obhut stehenden Bienen immer am Vermehrungsprozess der anderen Bienenvölker in der Umgebung statt.

Daraus erwächst ein unmittelbarer Einfluss eines jeden Imkers auf den Genpool des ihn umgebenden Bienenhabitats. Er kann das auch nicht verhindern, denn seine Bienen werden es immer schaffen, in den Sommermonaten Drohnen aufzuziehen und diese in die Freiheit zu entlassen, damit sie Königinnen finden und diese begatten.

Zucht hat immer mit Selektion zu tun, mit der Auswahl von Merkmalen, die während der Vermehrung bestenfalls weitergegeben und ausgeprägt werden sollen.
Aber ein “Nicht-auswählen” durch den Bienenhalter (sprich: Züchter), ist auch eine Form der Selektion – denn er entscheidet sich bewusst (oder bei Unwissen auch unbewusst) dazu, alle Merkmale, die in seinem Bestand anzutreffen sind, gleichermaßen auszuwählen und zu verbreiten – es ist die Wahl der Nicht-Auswahl. Die Verbreitung manifestiert sich in der Drohnenaufzucht seiner Völker, und der Weitergabe der entsprechenden Gene in die Umgebung.

Ich möchte, dass der Begriff des “Züchters” entkoppelt wird – entkoppelt von der Erfahrung, dem Handwerk, den Mühen und Unwägbarkeiten jener Imker, die sich über Jahre der Züchtung, Selektion und Pflege der besten Königinnen hingegeben haben, und das der Begriff vom Handwerk losgelöst auf die Verantwortung eines jeden Bienenhalters übertragen wird.
Es ist diese Verantwortung, die nicht an der eigenen Grundstücksgrenze endet, sondern die immer darüber hinaus geht, weil die Drohnen darüber hinaus fliegen.

Heute ist der Begriff des Züchters einer, der auf die besondere Sachkunde, Erfahrung und handwerklichen Fähigkeiten abzielt – aber diese begriffliche Priviligierung entbindet gleichermaßen den gewöhnlichen Imker von seiner Verantwortung, die er ebenso für den Gesamtbestand an Bienen in seiner Umgebung trägt.
Viele nennen sich heute bestenfalls “Vermehrer”, wenn semiprofessionell Königinnen gezogen werden. Das ist immer als eine Art Unterordnung unter “die richtigen Züchter” zu verstehen, und diese Abgrenzung wird in der Regel auch erwartet und begrüßt.

Aber bei alltäglichen Praktiken, wie der Ablegerbildung, wird schon handfeste Zucht betrieben. Es wird eine bewusste Entscheidung getroffen, welches Volk, welche Gene vermehrt werden. Das gleiche gilt beim Kauf von Königinnen – aus welcher Quelle will man welche Qualität von Weisel bestellen?
Bei der Einwinterung werden zu oft schwache Völker nicht aufgelöst und irgendwie über den Winter gepeppelt – auch das ist Zucht, weil der Imker in den natürlichen Selektionsprozess eingreift und auch Schwächlinge überleben lässt, die ihre Gene im kommenden Frühjahr weitergeben wollen.

Zucht heisst, Verantwortung für einen bewussten Selektionsprozess zu übernehmen. Jeder Imker ist gehalten, bei der Auswahl von Königinnen oder Völkern, immer auch eine begründete Entscheidung zu treffen, warum er ein Volk/eine Königin überleben lässt oder vermehrt. Dabei spielt der Grad an Können, Wissen und Erfahrung nur eine untergeordnete Rolle, für das Selbstverständnis als Züchter (anders sieht es hinsichtlich des Ergebnisses einer Selektion aus) – wichtig ist, dass jeder Imker diese Rolle bewusst einnimmt.

Insofern werbe ich dafür, den Begriff des “Züchters” etwas zu ent-priviligisieren, und mehr als umklammernden Begriff für all jene zu Verwenden, die auf die eine oder andere Art Honigbienen bewusst halten, pflegen, betreuen.
Das schmälert im übrigen m.E. auch überhaupt nicht die Leistung jener, die wir heute als professionelle Züchter. Vielmehr sollte jeder Imker, der nicht in der Lage ist, aus seinem Bestand umfassend und professionell zu züchten, die bewusste Zuchtentscheiodung treffen, eben bei jenen Profis regelmäßig Weiseln zu ordern und damit seinen Bestand aufzuwerten. Auch das ist eine Form von bewusster Zuchtarbeit – nicht selber zu vermehren, aber geprüftes Genmaterial in die eigenen Kisten zu bringen.

Würde jeder entsprechend bewusst selektieren und arbeiten – Standbegattungen würden früher oder später zu wirklich guten Ergebnissen führen können.

Ein Wochenende in Franken – Maden pulen und Milben zählen für die gute Sache

Das Wochenende vom 9. August an habe ich in der Nähe von Nürnberg in Franken verbracht, auf Einladung des LV Buckfastimker Bayern e.V, die dieses Jahr wieder freiwillige Helfer rekrutiert haben, ihnen bei der VSH Auszählung ihrer aktuellen Zuchtköniginnen zu helfen.

VSH Auszählung – worum geht es?

Vereinfacht gesagt: Es wird versucht, Bienen zu züchten, die ohne Behandlung durch den Menschen mit der Varroamilbe zurecht kommen.

Fachchinesisch: Durch Selektion, Einfachdrohnbesamung, künstlicher Infektion von Prüfvölkern mit Milben und anschließendem Auswerten der Brut und der Milbenentwicklung, lassen sich Königinnen finden, deren Arbeiterinnen die Milbenreproduktion in einem Maße stören, dass die Milbe sich nicht mehr ausreichend vermehren kann, und die Völker so überleben können.
Dabei wird hart auf das Merkmal “VSH – Varroa-Sensitive-Hygiene” selektiert (auch mithilfe von SDI – single drone insemination), um dieses möglichst zu isolieren – unter Außerachtlassung aller anderen wünschenswerten Merkmale.

Wie läuft das grundsätzlich ab?

Es werden gezielt Linien angepaart, von denen man einen hohen VSH Wert erwartet. Die Anpaarung läuft über künstliche Besamung, um Herr über die Genetik zu sein. Es gibt also eine definierte Mutter, und deren Tochter (die zu prüfende Königin) wird mit dem Sperma eines Drohns einer ausgewählten anderen Königin “betankt”. Die zu prüfende Königin, die in ihrer Spermatheka jetzt definierte Chromosomensätze spazieren trägt, legt jetzt Töchter, von denen man bestimmte Eigenschaften erwartetn bzw. erhofft.

Ob sie diese Erwartungen erfüllen, galt es an diesem Wochenende herauszufinden.

Was jetzt in einem Absatz relativ kurz und knapp beschrieben werden kann, ist in Wahrheit ein unglaublicher Aufwand:

  • Zu einem definierten Zeitpunkt müssen hunderte von Prüfkandidatinnen “fertig” sein, denn die werden alle an einem Wochenende künstlich besamt.
  • Es müssen hunderte von Königinnen künstlich besamt werden, und dafür ,üssen aus den Drohnenlinien die entsprechenden, vitalen Drohnen bereit sein.
  • Nach der künstlichen Besamung müssen die Königinnen legen, und ein eigenes Völkchen aufbauen.
  • Frühestens nach 9 Wochen, wenn es nur noch Töchter der Königin aus der künstlichen Besamung gibt, also die Genetik im Volk definierbar ist, wird jedes Prüfvolk mit einer definierten Menge an Milben infiziert.
  • Also müssen zu einem festen Termin tausende von Milben aus Völkern “gewonnen”, grob abgezählt und in die Prüfvölker gegeben werden.
    Dies geschieht mittels Puderzucker und sehr großen Schüttelbechern – ähnlich der Puderzuckermethode.
  • Und dann folgt das Wochenende der Wahrheit: Zwischen der künstlichen Infektion und der Auswertung muss ein festgelegter Zeitraum vergehen, bevor eine Auswertung stattfinden kann.

Und der richtige Zeitpunkt für diese Auswertung war das vergangene Wochende.

Was für ein Aufwand!

Mit den Vorbereitungen an den Königinnen ist es ja nicht getan!
Eine ganze Gastwirtschaft wird für dieses Event hergerichtet. Ein Saal, in dem sonst lokale Rockkapellen Konzerte geben, werden Tische aufgebaut und mit Binokularen bestückt. Über dreißig davon sind vorhanden.

Die Organisatoren haben für die anreisenden Helfer Hotels und Pensionen gebucht und sich um die Verpflegung gekümmert, Arbeitsunterlagen und Formulare vorbereitet, Einweiser und Helfer organisiert und ausreichend Platz für Autos und hunderte von Miniplus Kästen geschaffen. Aus dem Landesverband allein sind schon so viele Helfer anwesend, dass man spüren kann, mit welchem Ernst und Ehrgeiz hier an die Sache herangegangen wird.

Es gibt die “Experten”, Projektteilnehmer, die über reichlich Erfahrung verfügen und neue Teilnehmer wie mich einweisen und unermütlich die immer gleichen Fragen wieder und wieder beantworten.

Alles ist mit großem Aufwand perfekt organisiert und eingerichtet, dass wir “Auswerter” ungestört unserer Arbeit nachgehen können:
Brutwaben auseinanderpulen und Milben suchen!

Wonach sucht man?

Kurz gesagt: Man sucht nach Völkern, in denen die reguläre Milbenreproduktion irgendwie gestört oder verzögert abläuft.
Da der Vermehrungszyklus der Milbe immer nach einem bestimmten Schema abläuft, kann man – wenn man das Alter der Bienenpuppen kennt – einen SOLL-IST Vergleich anstellen:
Entspricht der Stand der Milbenvermehrung im Verhältnis zum Entwicklungsstadium der Biene den Erwartungen, oder ist daran irgendetwas anders? Und wenn etwas anders ist, was ist es?
Zum Beispiel kann die Muttermilbe tot in der Zelle liegen, oder die die Anzahl der Nachkommen ist geringer als erwartet, oder es existiert kein Männchen, oder, oder, oder.
Manchmal findet man keine Milben mehr im Volk, obwohl es kurz vorher stark kontaminiert worden ist.

Man kann das Ergebnis des SOLL-IST Vergleich am Ende in einen prozentualen VSH Wert ausdrücken. Dazu füllt der Prüfer einen Bogen aus, in welchem er Zustände standadisiert beschreibt. Diese Standardisierung macht es möglich, eine Excel Tabelle auszufüllen, welche dann einen VSH Wert errechnen kann.

Was macht man als Auswerter/Prüfer?

Man sitzt rund 10 Stunden über ein Binokular gebeugt und sucht auf Brutwaben nach Bienenbrutzellen im richtigen Alter, entnimmt die Puppen und untersucht die Zellen und Puppen auf Milbenbefall. Wenn man Milben findet, untersucht und bewertet man den Zustand des Reproduktionszykluses – gibt es eine Muttermilbe? Eine männliche Milbe? Weibliche Nachkommen, und wenn ja, in welchem Alter? Passt das Bild zum Alter der Biene? In welchem Brutstadium befindet sich die Biene genau? Oder handelt es sich um einen Mehrfachbefall?

Pro Probe werden entweder so viele Zellen mit Puppen im richtigen Alter geöffnet, bis man 10 einfach befallene Zellen gefunden hat, oder 300 Zellen einer Probe – je nachdem, welcher Fall zuerst eintritt.
Dabei öffnet man etwa noch einmal 50-100% Prozent an Zellen zusätzlich, um Zellen im richtigen Alter zu finden.
Man popelt pro Tag also tausende von Zellen auf, zieht Bienenbrut mit einer Pinzette heraus und sammelt Berge von Bienenföten neben sich auf Küchenkrepp.

Durch die Vergrößerung bekommt man eine Sicht auf Bienen und Milben, wie sie einem sonst verborgen bleibt.

Hat man eine Probe fertig, wird der dazugehörige Bogen von einem der Experten noch einmal kritisch überprüft, bevor er dem strengen Zuchtmeister Stefan Luff übergeben wird, der die Datensätze in Exceltabellen klappert.

Kaum ist man mit einer Probe fertig, wird man auch schon losgeschickt, sich die nächste Wabe zu holen um von vorne anzufangen.

Ergebnisse?

Ich habe keine konkreten Zahlen. Allerdings habe ich mitgenommen, dass die VSH Werte der Völker im Schnitt gestiegen sind. Völker, die einen aktuell ermittelten VSH Wert von 75% zeigen, sind schon uninteressant für die weiterführende Zucht. Dafür gibt es genug bessere Königinnen mit höheren Werten.

Insgesamt haben wir wohl über 300 Völker ausgezählt. Natürlich waren da viele Kandidatinnen dabei, die schlechte VSH Werte zeigten, aber insgesamt scheint der Plan aufzugehen, das Merkmal “VSH/SMR” gezielt zu isolieren.

Wenn ich einen Link für eine detaillierte Auswertung bekommen sollte, werde ich diesen nachreichen.

Meine persönlichen Eindrücke

Ich war und bin total überwältigt von der großen Anzahl an Menschen, die sich an diesem Wochenende mit so viel Hingabe und Leidenschaft in diese Arbeit gestürzt haben. Da war ganz viel geballte Kompetenz und Erfahrung vor Ort. Und alle begegneten sich auf Augenhöhe.
Es spielte keine Rolle, ob man Jungimker ist, oder von Außerhalb, oder zum Imkerestablishment vor Ort gehörte – jeder konnte mit jedem ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und nach Herzenslust über Bienen und die Imkerei quatschen.
Alleine dafür hat sich die Reise schon gelohnt, ganz zu schweigen von der perfekten Organisation.
Was ich zu Hause oft vermisse, ist dort selbstverständlich: Unterschiedliche Menschen arbeiten an einem gemeinsamen imkerlichen Ziel – in diesem Fall an einer varroatoleranten Biene.
Als ich Bettina am Tag der Abreise zu Bahn fahre, sind wir uns einig: Man müsste eigentlich schon deshalb dort hin ziehen, weil da so viele coole Leute am Imkern sind.

Und? Kommt jetzt die Biene, die ohne Behandlung überlebt?

Mein Wissen, meine Erfahrung reichen nicht aus, um diese Frage glaubhaft beantworten zu können.
Aber:
Es ist manchmal für diese Arbeitsgruppe eine Herausforderung, genug Milben für die künstlichen Infektionen zusammenzubekommen.
Stefan Luff hat mich einmal angeschrieben, als er mitbekommen hat, dass ich ein vermilbtes Volk hatte. Er würde die Milbenschleuder gerne gegen einen Ableger aus der Arbeitsgruppe eintauschen.
Daraus ist letztlich nichts geworden, aber es zeigt, mit welchem Luxusproblem man dort mitunter zu kämpfen hat – nämlich das im Völkerbestand im Umfeld der VHS Zuchtgruppe die Anzahl der Milben sehr gering ist.
Es gibt auch einzelne Völker, die ohne Behandlungen durch den Winter gehen.

Es hängen sehr viele Wenn und Aber bei diesem Projekt im Raum. Das kann alles auch schnell wieder kippen. Aber ich verstehe die bisherigen Erfolge so, dass der sogenannte Proof Of Concept gelungen ist.
Davon ausgehend kann weiter gearbeitet werden. Allerdings braucht es wohl einen langen Atem.
Wenn man bedenkt, dass diese Gruppe erst seit 2015* daran arbeitet, VSH Königinnen zu züchten, dann sind die oben genannten Ergebnisse sicherlich ermutigend. Und ich hatte das Gefühl, dass man dort fest an den Erfolg glaubt.
Folgerichtig würde ich die gestellte Frage, nach der Möglichkeit der varroatoleranten/varroaresistenten Biene, mit Ja beantworten. Ich glaube, dass das funktionieren kann.

*) Das stimmt nicht ganz: Die Grundlagen dazu hat Josef Koller gelegt, der schon seit 20 Jahren auf Varroaresistenz hinzüchtet, und so das Fundament für die jetzigen Arbeiten gelegt hat.

Mein Fazit

Ich bin aus dem Wochenende rausgegangen mit der Motivation, das gezielte Vermehren von Königinnen zu lernen. Zucht kommt dann sicherlich irgendwann von alleine, aber erst einmal das Handwerk lernen.

Und später dann würde ich gerne auch in das Projekt einsteigen, und eigene Königinnen der Prüfung anmelden. Dazu gehört aber viel mehr, als “nur” Weiseln zu ziehen. Das passiert auch nicht von heute auf morgen, aber man muss ja irgendwo anfangen.

Ansonsten war es schön, viele Leute aus dem Imkerforum (wiederzu-)treffen. Es war fast ein kleines IFT. Wir haben zwei tolle Abende verbracht und natürlich auch herzhaft über andere Forumsteilnehmer gelästert 🙂

Kurzum: Wenn Stefan mich haben will, bin ich nächstes Jahr wieder dabei.

Ein paar Detailaufnahmen

Diese Aufnahmen hat mir freundlicherweise Ralf Höling zugeschickt.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich auf den Landesverband der Bayrischen Buckfastimker verlinken.

Brutstadium 1 – man beachte die Protonymphen auf 9 und 11 Uhr, eine davon ist möglicherweise das Männchen
Brutstadium 1, vermutlich mit Muttermilbe (für eine Tochter ist die schon etwas dunkle)
Ganze Milbenfamilie: am Zellgrund das Männchen, 11 Uhrt die Mutter, 6 und 9 Uhr die Töchter
Milbenfamilie

2019.10 Begattungsquote, die Linde kommt und doch wieder Hektik

Vor zwei Wochen hatte ich ja eine ganze Reihe unbegatteter Königinnen vom Züchter in Begattungseinheiten eingeweiselt. Jetzt galt es, den Begattungserfolg zu prüfen. Und siehe da: Bis auf zwei Einheiten, sind alle Königinnen in Eilage gegangen.

Ob die Begattungen auch erfolgreich waren, sehen wir dann in einer Woche.
Jedenfalls habe ich im Zuge der Kontrolle alle Königinnen, die ich finden konnte, auch gezeichnet und die Völkchen mit Oxalsäure gegen die Milbe behandelt.

Die Linde…

Die Stockwaagen zeigen derzeit dezent nach oben. Die starken Völker bringen 1,5 bis 3 KG Nektar pro Tag nach Hause, je nach dem. Es gibt auch durchschnittliche Völker, die bringen überhaupt kein Plus, da muss ich eher noch zufüttern – und das mit Zuchtköniginnen von der Belegstelle! (Woraus man lernen kann: Es kommt sehr auf den Züchter an, was geht…)

Das Bürgerhaus Volk macht Kummer

Die Königin ist weg, das Volk jedoch nicht. Also ist da auch nichts geschwärmt.
Warum die Königin weg ist, kann ich nicht sagen. Aber es gab eine fehlbegattete, sehr kleine Jungweisel.
Ich habe jetzt das Volk verstellt, und an die alte Stelle ein anderes Volk gesetzt. Wenn die Flugbienen alle in das neue Volk eingezogen sind, werde ich das alte Völk auflösen.

Schade drum – ich fand die Königin super – bis dieser massive Schwarmtrieb ausgebrochen ist und sich nicht mehr bändigen liess.

Kalkbrut Volk umgeweiselt

Ich habe von einem unserer Vereinszüchter eine begattete Weisel erworben, und mit dieser ein Volk umgeweiselt, welches kalkbrütig ist.

Dabei habe ich mich an die Vorgaben zur Umweiselung gehalten, die der Züchter mir gegeben hat:

  • Alte Königin acht Tage vor Termin käfigen und zwischen die Wabengassen hängen.
  • Nach 8 Tagen die alte Könign herausnehmen, zwei Stunden warten und dann die Neue Königin im Ausfresskäfig dazusetzen.
  • 10 Tage nicht an die Kiste gehen.
  • Vor den Eingang ein ASG nageln – dann erkennt man am Gitter, wenn die abgestochene Kö dort vor liegt.

Bisher liegt keine tote Weisel mit grünem Punkt vorm Eingang. Die 10 Tage sind nich nicht rum, und ich hoffe einfach, dass es gut gegangen ist.

TIL (Things I learned)

  • Kieler Begattungskästchen darf man nicht zu großzügig, aber auch nicht zu geizig befüllen. Zu viele Bienen führen entweder zum Verbrausen oder zu unbeherrschbarem Wildbau, zu wenig Bienen zu einem schlechten Begattungsergebnis. Insgesamt überzeugt mich auch das Konzept mit den Holzoberträgern nicht. Wenn Begattungskästen, dann entweder Ableger im Standmaß oder Mini+
  • Selbst die unbegatteten Königinnen vom Uwe Eichholz hatten einen größeren Hinterleib als die begattete Weisel vom Vereinszüchter. Jetzt, begattet, sind die Eichholz-Königinnen richtig dicke Brocken. Züchter ist also nicht gleich Züchter, wobei die Ergebnisse hinsichtlich Volk noch ausstehen. Groß muss ja nicht gut sein, und klein nicht automatisch schlecht.
  • Man merkt beim Prüfen einer Begattungseinheit ziemlich schnell, ob das mit der Begattung geklappt hat oder nicht: Macht man die Kiste auf, und alles bleibt ruhig und unbeeindruckt sitzen, ist es wohl gut gegangen. Fliegen aber Bienen nervös auf, rennen rum und es wird etwas “brummiger” in der Luft, stehen die Chancen gut, dass da die Königin verloren gegangen ist.
    Es hilft ungemein, wenn man >10 Einheiten hat und der Reihe nach kontrolliert. Dann bekommt man schnell ein Gefühl für Unterschiede im Verhalten.
  • Je mehr Völker, desto mehr Erfahrung in kürzerer Zeit. Das ist alles sehr spannend und aufregend zur Zeit – aber auch anstrengend. Ich bin mir nicht ganz sicher, was überwiegt, aber ich merke, wie der Erfahrungsschatz schnell stark wächst. Und das fühlt sich gut an – auch wenn ich dieses Jahr schon öfters als zuletzt auf die Nase gefallen bin und Dinge schief gelaufen sind.
  • Wenn man bei Edeka 50 KG Zucker kauft, gucken alle komisch.

Was ansteht

Jetzt, vorm Sommer, sollen die Ableger alle zum Bienenhaus zurück gebracht werden, damit ich dort eine einheitliche Jungvolkpflege machen kann.
Dazu kommt am Wochenende die TBE der restlichen Wirtschaftsvölker, woraus sich wieder Sammelbrutableger ergeben. Dabei will ich gleichzeitig 2-3 Einheiten auf 10er Dadant umwohnen.
Das alte Bürgerhausvolk muss noch aufgelöst werden, ebenso eine fehlgeschlagene Begattungseinheit, wobei ich überlege, denen einfach zwei offene Brutwaben zuzuhängen und zu warten, was passiert.

2019.7 Alles ein wenig viel gerade

Am Sonntag Abend hatte ich dann gepflegt die Nase voll: Warum tue ich mir das alles nur an? Und das sogar freiwillig!?

Dem voraus gegangen war ein Wochenende voller Bienen, Beuten, Schleudern und Dinge durch die Gegend schleppen, fahren, transportieren. Von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend ging es in einer Tour:

  • Völker durchsehen, weil Schwarmstimmung,
  • Völker einer TBE unterziehen, weil zu viele Varroen,
  • Honigernte vorbereiten, indem Bienenfluchten eingelegt wurden,
  • Schleuder und Geschirr aus dem Lager nach Hause fahren, Küche halb umräumen, um Platz für die Schleuder und die hygienischen Voraussetzungen zu schaffen,
  • Begattungsableger bilden,
  • Begattungsableger zum Begattungsplatz fahren,
  • Honig ernten,
  • mit Mutter und dem Lütten gemeinsam entdeckeln und schleudern,
  • Schleuder reinigen, Entdecklungsgeschirr reinigen,
  • Küche reinigen…
Schleudern…

Als im am Sonntag Nachmittag eine Stunde lang auf dem Fussboden rumrobbte, um die Klebereste der Malerfolie, die ich aus hygienischen Gründen ausgelegt hatte, mit Terpentin zu lösen, und mein Kopf langsam aber sicher zu explodieren drohte, hatte ich ernsthafte Zweifel daran, dass das alles so eine gute Idee ist.
Zu allem Überfluss ist die Frühjahrsernte schlechter als erwartet ausgefallen.
Und so lag ich Sonntag Abend, mittlerweile waren durch die Terpentindämpfe auch noch Übelkeit dazu gekommen, müde und desillusioniert auf der Couch.

Ich habe jetzt ein Projekt fallen gelassen (eigene Königinnen nachziehen), und beschränke mich für den Rest der Saison auf die bereits länger geplanten Vorhaben, sprich: Zuchtköniginnen begatten lassen, die Linde anwandern und einen Teil der Völker auf Dadant umstellen. Sonstige Sperenzien versuche ich zu unterlassen.

Natürlich klappt aber auch bei den geplanten Vorhaben nicht alles wie gedacht: Von den Begattungseinheiten haben sich zwei leergeflogen (vermutlich untaugliche Brutwaben verwendet), die Königinnen wären fast eine Woche zu früh geliefert worden (was mit einem Telefonat und einem beherzten Eingreifen der Züchter-Ehefrau noch einmal verhindert werden konnte), und mittlerweile habe ich auch Zweifel, dass ich genug Bienenmasse zusammenbekomme, um alle Dadant-Kisten schon dieses Jahr zu besiedeln.

Aber trotzdem war bereits 48 Stunden nach dem abendlichen Tiefpunkt die Lust wieder zurückgekehrt. Und so sitze ich jetzt doch hier und warte gespannt auf die Zuchtweiseln, und hoffe, dass ich die alle gut in die Völker und gut begattet bekomme, als Rückrad für das kommende Jahr.

Als Imker verhält man sich manchmal auch nur wie ein Crack-Junkie…