2020.14 – Über Fehlschläge

Heute soll es mal über Fehlschläge in meiner Imkerei gehen, denn die passieren überall. Die allermeisten Fehlschläge gehen auf Fehler des Imkers zurück, Nachlässigkeiten, Unzulänglichkeiten, Schlamperei oder Unachtsamkeit.
Und natürlich bin ich da keine Ausnahme.

Die Imker, die ihre Aufgabe als Bienenhirte ernst nehmen, sind diejenigen, die in einem Gespräch auch offen zugeben, Fehler zu machen, und diese zu teilen, damit andere nicht in die gleichen Fallstricke laufen. Misstrauisch sollte man denjenigen gegenüber sein, die meinen sie hätten so viel Wissen, Erfahrung, Routine – sie würden keine Fehler machen.

Gerade Routine verführt zu Nachlässigkeiten…

TBE, und alle Bienen vor der Beute

Da macht man eine TBE, schlägt die Völker in tolle, jungfräuliche Dadant-Beuten, und bei der Kontrolle einen Tag später, hängen alle Völker in einer Traube vor und unter ihren Beuten.

Der Grund ist schnell gefunden: Es wurde nach der TBE nicht SOFORT gefüttert, sondern erst 4 Stunden später.

Damit war die neue Behausung komplett uninteressant, weil nur Mittelwände, vier Wände, ein Deckel und sonst nichts vorhanden war.

Also habe ich erst Brutwaben der Brutscheunen rein gehangen, ohne Erfolg – die Bienen sind nicht wieder eingezogen. Dann habe ich, mittlerweile drei Tage nach der TBE, alle Völker unter ihren Kisten rausgeholt, so, wie man auch Schwärme fängt, und in ihre Kisten geschlagen.
Das war alles sehr mühsam und sehr zeitintensiv, wenngleich es letztlich aber zum Erfolg geführt hat.

Räuberei

Zu dieser Jahreszeit ist Räuberei ein täglicher Begleiter. Rähmchen aus der TBE einschmelzen? Zack, die Luft ist voller hektischer Spürbienen.
Ganz schlimm: Versehentlich einen klitzekleinen Spalt eines Fensters zum Schleuderraum auflassen, in dem noch die honigfeuchten Waben in ihren Zargen stehen.

“Da fliegt der Schleuderraum!” ist eine passende Umschreibung, die ich bei einem Altimker gehört habe. Und natürlich ist mir das dieses Jahr auch passiert.

Die ganze Nummer ließ sich auch nicht mehr einfangen, bis ich die Notbremse gezogen, und alle geschleuderten Honigräume an einen ganz anderen Platz gefahren habe.
Auch hier wieder: Ohne Ende Sonderfahren und Zeit investiert, um ein Problem zu lösen, welches vermeidbar gewesen wäre.

Genauso das Überlaufen eines Kanisters mit Sirup. Sirup aus dem Rührfass abfüllen, nur schnell etwas holen gehen wollen, und schon läuft der Kanister über und ergießt sich in großer Pfütze auf der Terrasse. Man muss schon schnell sein, einen Wasserschlauch heranzuschaffen und die Plörre anständig zu verdünnen.

Oder Brutscheunen: Brechen mitunter überraschend schnell zusammen, und wenn man an den Stand kommt, gibt es diese eine Beute mit dem ganz verklebten Flugloch, und drin keine einzige Biene und kein Fitzelchen Futter mehr. Dafür ahnt man, dass diese Scheune ihre Milbenlast munter über den Stand verteilt hat.

Königinnen killen!

Königin zeichnet, wieder über Oberträger zusetzen wollen und plötzlich hebt das Mistvieh ab und fliegt weg. Hoffen, dass sie den Weg zurück findet, weil sie dort ja auch begattet wurde, aber eine Woche später feststellen, dass Nachschaffungszellen gezogen wurden.

Hätte ich nur ein, zwei Wochen gewartet, wäre die Königin flugunfähig gewesen, weil voll in Eilage. So aber war eine gute Weisel mit guter Herkunft verloren.

Beim Umweiseln verliert man auch gerne Königinnen.
Drei Völker, alle am Vormittag entweiselt und nachmittags über Spundloch ein Apidea aufgesetzt. Zwei Völker nehmen die Weiseln an, eine wird gekillt. Hätte ich 9 Tage gewartet, wäre die Wahrscheinlichkeit einer Annahme viel höher gewesen, als die tatsächlichen 66%, aber ich hatte ja keine Zeit.

Königin verletzten, abquetschen bei der Durchsicht – ist mir auch schon passiert, wenn auch unbemerkt.

Völker killen mit Ameisensäure!

Eigentlich funktioniert so ein Nassenheider Verdunster ja zuverlässig. Aber wenn man keine Zeit hat, nach 24 Stunden die Verdunstungsmenge zu kontrollieren, funktioniert er garantiert nicht wie gedacht, obwohl er das vorher viele dutzend Male sehr wohl getan hat – so will es Murphys Gesetz.

So auch dieses Jahr, wo ich nach 5 Tagen die Verdunstungsmengen endlich kontrollieren wollte, nur um festzustellen, dass ein Volk hinüber war, und alle anderen Brutschäden hatten. Während dort die Königinnen noch lebten, lag bei einer Kiste das halbe Volk tot im Boden, samt Königin, der klägliche Rest hing vor dem Flugloch an der Beutenwand oder beim Nachbarn als kleine Traube im Apfelbaum.

Solche Nachlässigkeiten werden gnadenlos bestraft, allerdings trifft die Strafe dann die Bienen, die nichts dafür können.

Mir war so sehr nach heulen zumute, dass ich mir vorgenommen habe, nie wieder Ameisensäure zu verwenden. Was immer ich in Zukunft auch mit der Varroa anstelle – Ameisensäure nicht mehr, egal wie unproblematisch die Anwendung in den Jahren zuvor auch gewesen sein mag.

Brutscheunen klappen ab

Dieses Jahr die TBE einfach mal drei Wochen später gemacht, und schon ist die Milbenlast in den Brutsammlern so hoch, dass auffällig viele Brutscheunen zu schwach sind für eine Einwinterung. Eine Brutscheune hat es gleich ganz erwischt (siehe oben).

Auch ist der Begattungserfolg der zugesetzten Weiseln eher dürftig. Etwa die Hälfte ist OK in Eilage gegangen, die andere Hälfte hat entweder keine Weisel oder bereits Zellen einer Stillen Umweiselung.

Da kann ich die kommenden Wochen noch viel zusammenlegen und dann Waben einschmelzen.

Altwaben werden wieder lebendig

Da macht man eine TBE, um Kuntsch Kisten abzulösen und packt die alten Brutwaben bienendicht weg, weil man sie nicht weiter verwenden will.
Wenn man diese Waben dann ausversehen eine Woche lang vergisst…

Bei sommerlichen Temperaturen verwesen Dinge erstaunlich schnell. Und Maden tauchen auch plötzlich von irgendwoher auf. Das gilt auch für Bienenbrutwaben.

Hätte ich das ganze mal von Anfang an zuende gedacht, hätte ich die Brut auch von einem unerwünschten Rähmchenformat sammeln und ausbrüten lassen können, um dann 10 Tage später darauf Kunstschwärme zu machen.
Aber ich hatte die Dinge natürlich nicht zuende gedacht – und so roch es mit einem mal so komisch im Wabenlager, und als ich dem auf den Grund ging, fand ich den Schlamassel.

Dann sitzt man fluchend spät abends, von tausenden Räuberbienen umschwirrt, auf der Terrasse und schmilzt duzende Rähmchen ein, die bereits ein erneutes Eigenleben entwickelt haben.

Worüber ich aber froh bin…

Ich habe die Saison bisher gesund überstanden… toi, toi, toi.
Mein Rücken hat mitgemacht, mein Immunsystem ebenfalls. Das darf gerne so bleiben.

Manche Dinge haben auch gut geklappt, beispielsweise bisher die Nach- und Aufzucht einer ersten Buckfastlinie (die Mutter ist eine VSH starke Buckfast von Stefan Luff aus Bayern, die Töchter, die von mir gezogen wurden, sind mit einer VSH starken Linie auf der Belegstelle Annaburger Heide angepaart worden)

Auch der Honigertrag war anständig – wenngleich ich Sorge habe, wie ich diese Mengen vermarkten soll.

Für die Menge an Völkern hielt sich die Menge an Schwärmen in Grenzen und ich konnte letztlich doch – zumindest bisher – die Bienen so weit managen, dass es keine größeren Ausfälle gab. Die Frage ist natürlich immer, ob das auch so bleibt…

Geplante Testreihe: Wirkung UltraBee im zeitigen Frühjahr

Letztes Frühjahr habe ich die Wirkung von Neopoll Futterteig getestet. Das Ergebnis war ernüchternd, eine Wirkung des vermeintlichen Eiweißfutterteiges war nicht festzustellen.

Wir wissen aber durch die Untersuchung Randy Olivers, dass Pollen-Subs einen wichtigen Beitrag zur Populationsentwicklung des Bienenvolkes beitragen kann.

Im Zuge der sich ändernden klimatischen Verhältnisse, stellt sich die Frage, ob und wie man Völker, die aufgrund von höheren Temperaturen zeitig das Brutgeschäft wieder aufnehmen, bei der Versorgung mit den notwendigen Nährstoffen unterstützen kann.

Dieses Jahr möchte ich die Versuchsreihe wiederholen, diesmal aber in etwas abgeänderter Form:

  • Es kommt UltraBee Pollen-Futterteig zum Einsatz. Während Neopoll lediglich 2% Eiweiß enthält, sind es bei UltraBee zwischen 12-18% Proteine.
  • Die Testvölker werden vor auflegen eines Futterteigs nach Größe bewertet, indem die besetzten Wabengassen von oben und von unten ermittelt werden.
  • Es werden die von der Größe her vergleichbaren Völker zu Pärchen zusammengestellt (sprich: auf dem Papier – es werden keine Völker tatsächlich bewegt!).
  • Dabei werden – wenn möglich – Geschwisterköniginnen einander gegenübergestellt.
  • Alle Testvölker bekommen Apifonda Futterteig.
  • Jeweils ein Volk einer 2er-Gruppe bekommt zusätzlich einen UltraBee Pollenpattie.
  • Rund eine Woche nach auflegen des Futters wird der Verbrauch der Futtergaben überprüft.
  • Diese Prüfung wird vier Wochen nach Beginn des Tests wiederholt.
  • Ende März, also rund 6 Wochen nach Beginn des Tests, werden erneut die besetzten Wabengassen oben und unten gezählt.
  • Wenn das Wetter es zulässt, erfolgt zum Ende hin eine Bewertung nach der Liebefelder Schätzmethode.

Kann ein Pollenfutterteig, der einen maßgeblichen Anteil Eiweiß enthält, in meinen Breitengraden, früh genug gegeben, einen Unterschied in der Frühjahrsentwicklung ausmachen?

Ergänzende Hinweise zur Totalen Brutentnahme

Die Totale Brutentnahme ist ja eine probate und zuverlässige Vorgehensweise, Varroamilben aus einem Bienenvolk zu entfernen. Es gibt aber diverse Details, die jeweils unterschiedliche gehandhabt werden. Beispiele für solche Details sind der Zeitpunkt der Durchführung und die Fütterung nach der TBE sowie die Oxalsäurebehandlung.

Ralf Sester, von der Imkerei Sester, hat nun im Imkerforum seine Vorgehensweise wie folgt beschrieben (und ich möchte das hier in erster Linie für mich dokumentieren):

  • TBE Ende Juli
  • Eine Brutwabe mit möglichst viel offener Brut im Brutnest belassen

Bis hier ist es eigentlich Standard. Aber:

  • Gleich am Tag der TBE 9 KG Sirup geben (geht auch unverdünnt)
  • Nach 5-6 Tagen die Brutwabe entfernen und mit OXS behandeln. Die Brutwabe dient nicht primär als Fangwabe, sondern dazu, das Brutnest zu zentrieren.
  • Auf jeden Fall eine Brutwabe verwenden, und keine Leerwabe. Diese würde nur mit Futter voll getragen und zu einer Dickwabe ausgezogen werden.
  • Nach den genannten 5-6 Tagen, wenn die BW entfernt und mit OXS behandelt wird, noch einmal 5 KG Sirup geben.
  • Anschließend das Volk 3 Wochen in Ruhe lassen.
  • Völker, die nach den genannten 3 Wochen kein schönes, neues Brutnest aufgebaut haben, werden umgeweiselt.

Charmant finde ich die 3 Wochen Ruhephase. Das entlastet das Zeitmanagement enorm. Ich hätte mich vorher nicht getraut, so viel Futter auf einmal zu geben, wegen einschnüren des Brutnestes durch den Sirup. Aber die Bienen schaffen wohl Platz für Brut, vermutlich erst recht, wenn man sie drei Wochen machen lässt, ohne weitere Futtergaben.

Ein Zitat, dass ich in dem Zusammenhang auch wichtig finde:

Wichtig ist mir, das die Waben ausgebaut sind, bevor durch die TBE die Mannschaftsstärke einbricht. Die erstarken dann zwar schnell wieder, aber bauen dann längst nicht mehr so willig. Je mehr die am Anfang bauen, desto besser, finde ich. Das Brutnest schafft sich dann schon den nötigen Platz.

https://www.imkerforum.de/forum/thread/65525-waben-ausbau-im-hr-effektiv-gestalten/?postID=642793#post642793

Der ganze Faden ist interessant, auch wenn es eigentlich um das Ausbauen von Honigräumen gehen sollte.

Was ich von Michael Palmer verstanden habe…

Michael Palmer, Erwerbsimker aus Vermont – USA, hat im Internet ein paar Youtube Videos am Start, in denen er seine Philosophie der “Sustainable Apiary” propagiert, was man in etwa als “die nachhaltige Imkerei” übersetzen könnte.

Ich will die Hauptpunkte mal rekapitulieren, alleine schon für mich selbst, weil ich ab kommenden Jahr meine eigene Imkerei auch in diese Richtung entwickeln möchte.

“Nutze, was du hast”

Michael Palmer hat jahrelang nach langen, harten Wintern im Frühjahr Kunstschwärme (“Packages”) gekauft, um seine Winterverluste auszugleichen, damit zur Apfelblüte rund 600 Völker zur Bestäubung zur Verfügung standen. Seine Bestäubungsgebühren, die er einnahm, gingen zu einem großen Teil für jene Kunstschwärme als auch Königinnen drauf, die er überall im Land kaufte, und so war seine Imkerei nur sehr eingeschränkt profitabel.
Irgendwann hörte er endlich, nach langem Drängen, auf einen befreundeten Imkerkollegen namens Kirk Webster, der ihm seine eigenen Kisten zeigte, welche zur Apfelblüte bereits überquollen. Kirk Webster arbeitete in großer Zahl mit zusätzlichen Ablegern (“Nucleus Colonies, Nucs”), und riet Palmer, es ihm gleich zu tun.
Palmer tat es ihm gleich, und ab da schaute er nie mehr zurück (“I never looked back”).

Die Grundidee ist denkbar einfach:
Man nimmt nicht-produktive Wirtschaftsvölker (“non-productive hives”) aus der Honigproduktion, und teilt sie zu einem passenden Zeitpunkt in Ableger (“nucs”) auf, und beweiselt diese Ableger mit jungen Königinnen.
So kann man im Frühsommer aus einem schwachen Wirtschaftsvolk, dass wenig Honig gebracht, aber viel Arbeit bedeutet hätte, bis zu vier Jung-Völker machen.

“Aber man hätte das Wirtschaftsvolk doch umweiseln können!”, mag man jetzt einwenden. Michael Palmer, der diese Frage selber aufwirft, wendet ein, dass es keineswegs sicher ist, ob eine neue, ungeprüfte Königin auch das Volk zu einem starken Volk werden lässt. Auch neue Königinnen können untauglich sein. Wenn man aber ein Wirtschaftsvolk in 4 Ableger aufteilt, sinkt die Wahrscheinlichkeit zu schlechten Königinnen um den Faktor 4. Selbst wenn eine der vier Jungweiseln nichts taugt, 3 Königinnen bauen dann immer noch schnell starke Jungvölker auf.

Wenn man diese Ableger langfristig führt, und über den kommenden Winter bringt, und am Ende vielleicht im schlechtesten Fall auch nur 2 Völker überleben, so hat man im darauffolgenden Jahr trotzdem noch aus einem schwachen Wirtschaftsvolk jetzt 2 gute künftige Wirtschaftsvölker gemacht.

Nachdem Michael Palmer das verstanden und in seine Imkerei implementiert hatte, musste er nie wieder Kunstschwärme oder Königinnen dazu kaufen. Er nutzte seine eigenen Ressourcen effizient und bedacht.

Die Grundidee

Man teilt seine Imkerei in zwei Teile auf: Ein Teil ist für die Honigproduktion zuständig, der andere Teil für die Bienenproduktion.

Die Honigproduktion wird durch starke Wirtschaftsvölker gewährleistet, die Bienenproduktion übernimmt die Ableger-Imkerei. Dabei arbeitet die Ableger-Imkerei immer der Honigproduktion zu und stützt die Wirtschaftsvölker auf unterschiedliche Weise. Zu keiner Zeit werden produktive Einheiten geschwächt, beispielsweise durch Brutentnahme zur Ablegerbildung.

Die Honigproduktion hilft der Ableger-Imkerei nur insofern, als dass aus ihr immer wieder schwache Einheiten in die Ableger-Imkerei gehen, wo sie zu neuen Ablegern aufgeteilt werden. Insofern entlastet die Ableger-Imkerei auch die Honigproduktion um nicht-produktive Einheiten, die nur Zeit (und damit Geld) kosten, während sie in der Ableger-Imkerei Geld verdienen können.

Die Art und Weise, wie jetzt die Ableger-Imkerei die Honigproduktion unterstützen kann, sind unterschiedlicher Natur und sollen nachfolgend beschrieben werden.

Im Frühjahr – Wirtschaftsvölker verstärken, bzw. ersetzen

Hat man über den Winter Wirtschaftsvölker verloren, stehen jetzt immer noch ausreichend Ableger aus dem Vorjahr bereit, um die Ausfälle zu kompensieren. Diese Vorjahres-Ableger werden jetzt zu Wirtschaftsvölkern heranwachsen.

Andere Wirtschaftsvölker kommen schwach aus dem Winter. Diese können jetzt mit einem Ableger verstärkt werden.
Michael Palmer führt seine Ableger auf 8 Waben in den Winter. Hat ein Wirtschaftsvolk im Frühjahr nur 2 oder 3 Waben, dann bedeutet das Stecken eines Ablegers eine Verstärkung auf 10 oder 11 Waben – aus einem unproduktiven Volk wird schnell eine wirtschaftliche Einheit.

Im Frühjahr – “Wenn man doch jetzt bloß schon Königinnen hätte”

Wie oft wünscht man sich im Frühjahr schon Königinnen, um beispielsweise Weiselverluste aus dem Winter zu ersetzen?
“Ableger sind eigentlich nichts anderes als Königinnen plus Begleitmannschaft”, sagt Michael Palmer.
Hat man genug Ableger über den Winter geführt, hat man immer genug Reserve-Königinnen zur Verfügung, sogar im Frühjahr.

Im Sommer – “Brutfabriken!”

Hier geht es um Ableger des Vorjahres, die im aktuellen Bienenjahr nicht in die Honigproduktion gehen, sondern in der Ableger-Imkerei verbleiben.

Königinnen erreichen erst im zweiten Lebensjahr ihr volles Potential. Sie bauen jetzt starke Völker auf, die viel Honig bringen können und irgendwann auch schwärmen wollen.
Michael Palmer nutzt diese Brut-Wut dazu, aus diesen Völkern Brutwaben zu ernten (wozu er diese verwendet, folgt gleich). Damit kontrolliert er die Volksstärke, und hält die Völker auf einem Niveau, wo scheinbar nicht geschwärmt wird. Entnommene Brutwaben werden bestenfalls durch Leerwaben oder notfalls auch durch Mittelwände ersetzt. Drei Wochen nach einer Ernte an einem Volk erfolgt eine weitere. Die neu gegebenen Leerwaben oder Mittelwände sind dann wieder (ausgebaut und) bebrütet.

Was passiert mit der ganzen geernteten Brut?

Michael Palmer zieht seine Weiseln in Adam-Startern. Die dafür benötigten Brutwaben bezieht er aus den Brut-Fabriken.
Auch seine dann notwendigen Begattungsableger bildet er mit Brutwaben aus den Brutfabriken.
Durch die vorgezogenen Königinnen kommen die Ableger schnell in Fahrt und bauen Masse auf, mitunter so viel, dass diese auch schon in der laufenden Saison Brut spenden können.
Insgesamt kann, ein entsprechendes Management vorausgesetzt, daraus ein Schneeball an Bienen und Ablegern entstehen.
Das erinnert auch ganz stark an die Ablegerbildung nach Jos Guth, mit sehr ähnlichen Effekten.
Allerdings sind seine Brutfabriken und seine Ableger plus Pflegevölker so stark, dass diese auch noch Honig bringen.

Damit man mal eine Vorstellung hat, wohin das alles führen kann: Palmer gibt für das Jahr 2011 an, aus 50 überwinterten Ablegern in der Zeit vom 9. Mai bis 19. Juni 245 Brutwaben geerntet zu haben. Aus diesem Bestand hat er Ableger gebaut, aus denen er nach dem 19. Juni noch Brut für 330 weitere Ableger entnommen hat, insgesamt rund 900 Waben mit Brut!
Damit das klappt, zieht er nur von den besten seiner Königinnen nach, selektiert streng und investiert viel in eine optimale Aufzucht der Jungweiseln.

Das kann auch der Hobbyimker im Kleinen umsetzen

Man muss kein Erwerbsimker sein, um dieses Konzept zumindest in Teilen zu kopieren.
Natürlich kann der Kleinstimker mit 2 Wirtschaftsvölkern auch noch zwei weitere Ableger bilden, pflegen und über den Winter führen. Anstatt selber Königinnen zu ziehen, kann er unbegattete Königinnen vom Züchter kaufen (preisgünstig), oder auch mal ein paar Euro mehr in legende Weiseln investieren. Dann kann er im Frühjahr etwaige Verluste ausgleichen oder den Überschuss verkaufen oder anderen Imkern spenden. Auch kann er aus den Königinnen die jeweils besten Zwei selektieren und so die Vitalität seiner Völker voran bringen.

Der springende Punkt ist, dass man viel mehr Völker erstellt, als man benötigt, aus den erstellten Völkern die Besten behält, und dann unter normalen Umständen am Ende eines Winters immer noch einen stattlichen Überschuss als Reserve zur Verfügung hat, mit dem man großzügig arbeiten kann.

Michael Palmer erklärt in seinen Vorträgen noch die ganzen interessanten Details. Wenn man des Englischen hinreichend mächtig ist, dann ist seine Art des Vortrages auch sehr unterhaltsam.

Wenn man sich davon inspirieren lässt, denke ich, werden drei Dinge in der eigenen Imkerei obsolet: Einwabenableger, Kunstschwärme und schwache Völker im Frühjahr.

PS: Video-Link-Liste, hier im Grunde dieser Artikel noch mal in Englisch und in schön

Michael Palmer über eine “Nachhaltige Imkerei”

​Michael Palmer hat da zwei Vorträge am Start, in denen er lang und breit (leider auf Ausländisch) erklärt, wie er jahrelang im Frühjahr Königinnen und KS gekauft hat, um rechtzeitig seine Völker startklar zu haben, bis er Mitte der Neunziger mal bei einem Kollegen am Stand war, dessen Völker – ganz ohne KS – schon im Frühjahr am platzen waren.

Daraufhin hat er sein Konzept der “Sustainable Apiary” entwickelt, das wieder auf die alten Meister zurückgeht (natürlich auch Bruder Adam).
​Er sagt selber, er hat sich das nicht ausgedacht, er hat es einfach nur erfolgreich in seine Imkerei eingebaut.

Vieles von dem, was er propagiert, habe ich auch schon anderswo gelesen (bspw. im Imkerforum: “nimm schwache WV und mache daraus Ableger”), manches ist so nahe liegend, dass man sich fragt, warum man nicht selber drauf gekommen ist.

Der Michael Palmer ist unverdächtig, keine Ahnung zu haben. Der hat irgendetwas um 1000 Kisten, von denen er leben muss.
​Was der da unter “Nachhaltiger Imkerei” mit seinem Ablegerkonzept propagiert, muss im Kleinen auch für Kleinimker wie mich funktionieren. Und würden alle so arbeiten, dann wäre vermutlich das Geschäftsmodell der KS-Importeure kaputt. Und das wäre sehr schön.

Falls wer neugierig geworden ist und zwei Stunden Zeit für englischsprachige Vorträge hat, die wirklich interessant und mitunter auch lustig sind, dann bitte hier entlang:

und Teil 2:

Oh, es sind doch fast drei Stunden…​​

VarroMed Feldversuch und Auswertung

In diesem Artikel geht es um die Wirksamkeit von VarroMed. Er beschreibt, wann und wie VarroMed angewendet und welcher Milbenfall an welchem Punkt der Behandlung registriert wurde. Weiterhin wird VarroMed von der Wirkung her einer Oxalsäurebehandlung gegenüber gestellt.

Versuchsaufbau und Prüfvölker

An dem Versuch waren rund 13 Völker für VarroMed und 4 Völker für OXS beteiligt. Die Völker teilten sich auf in Wirtschaftsvölker sowie Ableger.
Allen Völkern war gemein, dass sie zumindest einmal im Sommer brutfrei behandelt wurden (Wirtschaftsvölker durch eine TBE, mit Fangwabe – weil Honigräume noch drauf, Ableger bei Brutfreiheit mit OXS).
VarroMed sollte zeigen, ob es für die Herbstbehandlung Maßnahmen wie eine Ameisensäure-Langzeitbehandlung ersetzen kann.

Die Anwendung erfolgte gemäß Handlungsempfehlung des Herstellers, wobei mitunter bei der Dosierung nach unten abgewichen wurde. Konkret: Ableger wurden mit der Menge VarroMed beträufelt, welche der Hersteller empfiehlt, bei Wirtschaftsvölkern wurde nach unten abgewichen. Anstatt 15-30ml wurden mitunter nur bis zu 20 ml eingesetzt, wobei hier auf der Volksstärke Rechnung getragen wurde. Die Aussagekraft der nachfolgenden Testergebnisse mag aber deswegen in Zweifel gezogen werden.

Nach jeder Behandlung wurde etwa in einem Abstand von 2 Tagen eine Zählung des Milbenfalls auf der Windel vorgenommen. Gleiches gilt auch für Völker, die mit OXS behandelt wurden. Die Windeln wurden nach jeder Zählung gereinigt und erneut unter geschoben.

Behandlungszeitraum und -dauer

Die erste VarroMed-Behandlung fand statt am 24. August, bzw. am 25. August (zwei getrennte Standorte), die letzte am 20. September, bzw. 23. September.
Zwischen den Behandlungen lagen jeweils 6 – 7 Tage, bzw. bei der letzten Behandlung an einem Stand 8 Tage.

Alle VarroMed Völker zeigten einen Milbenfall, bei dem der Hersteller eine Weiterbehandlung empfiehlt (90 Milben in 6 Tagen bei Ablegern, 150 Milben bei Wirtschaftsvölkern). Daher wurde ein kompletter Behandlungszyklus über 5 Einzelbehandlungen durchgeführt.

Die erste OXS Behandlung fand statt am 19. August, die letzte am 10. September. Die Behandlung erfolgte jeweils im Abstand von 3-4 Tagen, 7 Behandlungen insgesamt.

Erste Beobachtungen nach den ersten VarroMed Behandlungen

Nach der ersten Behandlung lag der Milbenfall knapp unter den von BeeVital für VarroMed angegebenen Grenzwerten. Das gilt sowohl für Wirtschaftsvölker (150 Milben in 6 Tagen), als auch für Ableger (90 Milben in 6 Tagen).

Milbenfall nach der ersten Runde VarroMed

Mit den ersten drei Behandlungen stieg der Milbenfall jedoch deutlich an.
Von daher wurde entschieden, die Behandlung der Völker mit VarroMed über die ganzen 5 Runden zu ziehen.

Milbenfall im Laufe von drei VarroMed Behandlungen

Allgemeine Beobachtungen bei der VarroMed Anwendung

Die Behandlung mit VarroMed ist einfach und zügig zu erledigen. Die praktische Tülle erleichtert die Dosierung. Die Bienen bleiben bei der Aufbringung der Lösung ruhig und ziehen sich ggf. tiefer in die Wabengassen zurück.
Einen erhöhten Totenfall an Bienen konnte ich während der Behandlung nicht feststellen. Die Lösung riecht nicht schlecht und fühlt sich leicht ölig an.

Töchtermilben und männliche Nachkommen – Wirkung in die Brut?

BeeVital sagt, dass man VarroMed auch bei Völkern mit Brut anwenden kann (Zitat: “Zur Behandlung von Varroose (Varroa destructor) in Bienenvölkern mit oder ohne Brut. “)
BeeVital sagt hingegen nicht, dass VarroMed auch in die Brut wirkt! Hier sind die Details der Formulierung wichtig!

Nach der dritten Behandlung fanden sich bei einzelnen Völkern vermehrt sehr junge oder auch unreife Tochtermilben auf der Windel, vereinzelt auch männliche Nachkommen. Der (Trug-)Schluss war, dass VarroMed auch in die Brut wirken müsse.

OXS Blockbehandlung, Verlauf

Der Milbenfall während einer OXS- Blockbehandlung verläuft eher homogen: In den ersten 48 Stunden nach jeder Behandlung fällt ein Peak an Milben (wie auch bei VarroMed), danach flacht der Milbenfall deutlich ab. Während der individuelle Milbenfall pro Volk sehr unterschiedlich hoch ausfallen kann – in Abhängigkeit zur Ursprungsbelastung – hat der weitere Abfall an Milben bei allen Völkern gemeinsam, dass er zum Ende des Behandlungszeitraumes nachlässt und auch unmittelbar nach der letzten Behandlung des Zykluses nicht mehr so in die Höhe schnellt.

Auf Einzelvölker aufgeteilt sieht das dann so aus:

Gesamtverlauf Milbenfall OXS Blockbehandlung über einen vollständigen Behandlungszyklus

Zu Beginn des letzten Drittels des Behandlungszeitraumes fällt etwas mehr als zu Beginn. Wenn man über alle Völker entsprechende Durchschnittswerte bildet, also durchschnittlicher Milbenfall pro Auszählung, dann ergibt sich folgende Darstellung:

Insgesamt ist der Trend des Milbenfalls über den Gesamtzeitraum leicht abnehmend.

Ausformuliert könnte man die These aufstellen: Eine OXS Blockbehandlung (7×3) tötet im Verlauf so viele Milben ab, dass mit Ende eines kompletten Brutzykluses nur noch wenige Milben durch weitere Behandlungen erfasst und getötet werden können. Das Milbenpotential ist spürbar verringert.

Bei den OXS behandelten Völkern haben sich bei einer abschließenden Begutachtung keine DWV Bienen gefunden, die Stärke der Völker war jedoch unterschiedlich und entsprach auch den Entwicklungen im restlichen Jahreslauf – in Abhängigkeit von der jeweiligen Königin.

VarroMed Behandlung, Verlauf

Der Milbenfall während einer VarroMed Behandlung verändert sich im Laufe der Zeit sehr stark. Nach einem leichten bis moderaten Milbenfall zu Beginn, steigen die Fallzahlen im weiteren Verlauf deutlich an:

Die Trendlinien fast aller Völker zeigen nach oben. Insbesondere Volk 2 zeigt, dass der Milbenfall, nachdem er einmal Fahrt aufgenommen hat, nicht wieder nachlässt. Auch eine spätere Kontrolle am Ende der Behandlung zeigte einen nach wie vor hohen Infektionsdruck. Das gleiche gilt für Volk 17. Auch hier zeigte sich zum Ende der Behandlung, dass die Anzahl der verbliebenen Milben im Volk immer noch hoch war.

Insofern ist die Aussage des Herstellers zu unterstreichen: “Die Wirksamkeit wurde nur in Völkern mit niedrigem bis moderatem Milbenbefall untersucht”
Tatsächlich scheint es so zu sein, dass die Wirkung von VarroMed nicht ausreicht, stärker befallene Völker während des vom Hersteller angegebenen Behandlungszeitraumes ausreichend zu entmilben.

Wenn man alle Einzelzählungen jeweils zusammengefasst wieder mittelt, ergibt sich folgendes, übergreifendes Bild:

Der Trend zeigt deutlich nach oben und erreicht auch zum Ende der Behandlung (also nach 5 Einzelbehandlungen) nicht wieder das “niedrige” Niveau zu Beginn der Behandlung.
Während bei der OXS Behandlung der letzte Peak der letzten Behandlung der niedrigste gemessene Peak aller Behandlungen ist, erreichen die letzten Peaks der letzten VarroMed Behandlung immer noch mit die größten Werte.

Da auch zum Ende der Behandlung – nach rund 28 Tagen – der Milbenfall nicht merklich absinkt, bestehen Zweifel an einer Wirksamkeit in die Brut.
Bei einer Wirkung in die Brut, wie sie zeitweise aufgrund des Alters der Milben angenommen wurde, hätte die Anzahl der Milben nach Schlupf der Bienen im Verlauf der Behandlung irgendwann nachlassen müssen, weil irgendwann der Großteil der geschlechtsreifen Muttermilben abgeräumt hätte sein sollen.

These: VarroMed wirkt nicht in die Brut. VarroMed wirkt nur unmittelbar nach Applizierung, wie es auch bei der OXS Sublimierung der Fall ist. Allerdings vermindert sich der Behandlungserfolg mit VarroMed durch die großen Abstände zwischen zwei Behandlungen (6 Tage), weil es hier genug Muttermilben gelingt, sich erneut in die Brut zu flüchten, bevor sie abgetötet werden können.

Unterm Strich bedeutet das für diesen Test, dass ein Großteil der mit VarroMed behandelten Völker den Befallsgrad an Milben bestenfalls gering senken konnten, wenn überhaupt.

Bei der abschließenden Begutachtung der Völker wurde in mindestens 4 Völkern jeweils eine Biene mit DWV gefunden.

Fazit

VarroMed war als Ersatz für eine September AS-Behandlung gedacht.
Eine Restentmilbung mit AS im Herbst soll vor Reinvasion (auch von innen) schützen und den von der Sommerbehandlung verbliebenen Rest an Milben wirksam dezimieren.
Einen vernünftigen Langzeitverdunster und das passende Wetter vorausgesetzt, funktioniert das meistens sehr gut.

VarroMed kann das nach den bisherigen Beobachtungen nicht leisten, VarroMed ist vielmehr für eine Restentmilbung im Spätsommer nicht ausreichend wirksam.

Es gelingt nicht, mit VarroMed den Milbenbefall so weit zu senken, dass bei einer Befallsdiagnose Entwarnung gegeben werden kann. Das gilt auch für jene Völker, die mit der vorgeschriebenen Menge VarroMed behandelt worden sind.

Von daher habe ich für mich entschieden, dass VarroMed kein nachhaltiger Bestandteil meines Varroamanagements sein kann.

Update: Mittlerweile bekomme ich auf diesen Artikel Feedback, welches meine Beobachtungen bestätigt. Es melden sich Imker, die sich dieses Jahr ausschließlich auf VarroMed verlassen haben, welche bereits jetzt die ersten Völkerverluste verzeichnen. Andere bestätigen den nach wie vor hohen Varroadruck, auch nach einer vollständigen Behandlung mit VarroMed.

2019.19 So viel läuft derzeit nicht

Es ist etwas ruhiger hier, was daran liegt, dass nicht so viel Aufregendes passiert:

  • Ich zähle sehr viel, vor allem Milben. Dazu werde ich beizeiten etwas schreiben. Da wachsen gerade die Datenbestände.
  • Ich schließe aktuell die Fütterung ab. Dabei klatschen mir die Völker die Brutnester mit Futter zu und ich hoffe, die schaffen da noch rechtzeitig wieder Platz für den Wintersitz.
  • Ich habe die ersten Königinnen entweder weggegeben oder abgedrückt und Völker vereinigt oder umgeweiselt. Damit bin ich noch nicht ganz fertig, aber viel bleibt nicht mehr zu tun. Ich werde wohl testweise Ableger in Styro-Frankenablegerkästen in den Winter führen, und schauen, was draus wird.
  • Die Varroalast in manchen Völkern ist überraschend hoch. Ich kann nicht sagen, was aus diesen Völkern wird, aber ich sehe kein DWV oder Paralyse Anzeichen.

So viel für dieses Mal…

Warum Königinnen in Abhängigkeit zur Volksstärke beurteilt werden müssen

Vorgeschichte

Eine 2017er Königin samt Gefolge war im September 2018 nicht so stark wie gewünscht, obwohl das Volk den Sommer über gut dagestanden hatte. Die Gründe dafür waren vielfältig. Der Winter 2018/2019 lief dann so lala, und das Volk winterte schwach aus.
Es kam im Frühjahr nicht so richtig in Schwung und dann fand ich zur Schwarmzeit immer wieder Schwarmzellen und war schon kurz davor, die Königin zu entsorgen.

Kurz vor einer Umweiselung ging mir dann in einem starken Volk die Königin verloren, und als Notnagel sollte dann diese 2017er Königin herhalten. So vereinigte ich dann beide Einheiten, und plötzlich hatte diese Königin ein sehr großes Gefolge um sich.

Hatte sie es im Frühjahr und Frühsommer nicht geschafft, mehr als eine DNM 1,5 Wabe mit Brut zu belegen, so bestiftete sie jetzt innerhalb kürzester Zeit 5-6 große Waben, und legte ein tadellos geschlossenes und gesundes Brutnest an, und auch Schwarmzellen gehörten der Vergangenheit an.

Kaum hatte sie einen großen Hofstaat zugewiesen bekommen, konnte sie zeigen, was in ihr steckt., und das war nicht wenig.

Die Hauptstory – wie ich fast Jungköniginnen grundlos selektiert hätte

Bevor ich die seltsame Wandlung der 2017er Weisel bemerkte, hatte ich unbegattete Königinnen erhalten und begatten lassen.
Unmittelbar nach der Begattung legte fast jede dieser Weiseln los und stiftete in wenigen Tagen 2-3 Brutwaben voll. Ich war sehr zufrieden und ließ die Damen machen.

Zwei Wochen später dann eine erste Ernüchterung: Alle Königinnen hatten ihr Brutnest auf zwei Waben eingeschränkt, die dritte Wabe war ausgeräumt worden, teilweise war das Brutnest lückig und auch Kalkbrutmumien waren zu finden.

Die Bienen, die bei Bildung der Begattungsableger mitgegeben worden waren, alterten zusehends und starben weg, wurden aber mehr als ersetzt durch die ebenfalls mitgegebene Brut. Als die Königin begattet war, und zu stiften begann, war alle Brut geschlüpft. Und so waren die Kisten zu Beginn angenehm mit Bienen gefüllt, während das Brutgeschäft zunächst gut startete, um dann doch nicht so richtig in Gang zu kommen.

Ich fing also an, an den Königinnen zu zweifeln. War die Genetik nicht gut? Waren die Aufzuchtbedingungen nicht in Ordnung gewesen? War etwas bei der Begattung schief gelaufen? Auch das Brutnest gefiel mir nicht – zu lückig, zu ungleichmäßig.

Aber weil ich nicht so recht wusste, wie ich damit umgehen sollte, habe ich die Kisten machen lassen, und nichts unternommen.

Die Entwicklungsdynamik im Volk

Beide Geschichten haben gemeinsam, dass es jeweils ein Massewechsel geben musste, bei dem alte gegen neue Bienen ersetzt wurden. Bei der 2017er Weisel war es die reguläre Frühjahrsentwicklung (Winterbienen gehen, nach einer langen Brutpause, während eine neue Generation aufgezogen wird), bei den Jungweiseln war es der Verschleiß der Bienen, die dem Ableger beigegeben wurden. Auch hier musste eine zunehmend alternde Bienengeneration einen Neuaufbau bewerkstelligen.

In beiden Fällen läuft die Dynamik ähnlich: Nach einer längeren Unterbrechung wird neue Brut angelegt, ohne dass junge Bienen parallel schlüpfen würden.
In Summe nimmt die Volksstärke also ab, weil mehr Bienen sterben (Wert X), als neue Bienen geboren werden (Wert 0). Es dauert 21 Tage, bis die erste Brut schlüpft und zur Verstärkung herangezogen kann. Zunächst schlüpfen aber weniger Bienen, als wegsterben, zumal während dieser 21 Tage die Zahl der brutpflegenden Bienen kontinuierlich abnimmt. In der Folge stehen anteilig zum Brutumfang immer weniger Ammenbienen zur Verfügung, als notwendig wären, und so wird das Brutnest auf das Machbare eingeschränkt.

Da Ammenbienen mehr als eine Brutzelle pflegen können, wird mehr Brut gepflegt, als Bienen vorhanden sind, aber es gibt offenbar dieses eine Verhältnis von “Anzahl Ammenbienen zu Anzahl Brutzellen” – und dieses Verhältnis entwickelt sich zunächst ungünstig für den Brutumfang.

Ich nenne diesen Moment für mich die Pflegebienendepression – wenn die Königin mehr legt, als die Ammenbienen pflegen können, worauf sie sich dafür entscheiden, schon bestiftete Brutzellen wieder leerzuräumen.

Handgemalt: Brut- und Bienenentwicklung in einem Begattungsableger

Es kommt aber der Moment, an dem Jungbienen schlüpfen, und da mehr Brut gepflegt wurde, als Bienen im Volk sind, kehrt sich die Entwicklungsdynamik irgendwann um, die Anzahl der Bienen nimmt wieder zu.

Es schlüpfen mehr Bienen, als wegsterben, dadurch entsteht ein Überschuss, der es ermöglicht, das Brutnest auszudehnen – also mehr Brutzellen zu pflegen – worauf sich jetzt eine Art Schneeballeffekt einstellt.

Meiner Beobachtung nach dauert es etwa 6 Wochen mit Beginn der Eilage, bis ein Volk das Brutnest wieder auf die ursprüngliche Größe ausgedehnt hat und die Anzahl der Bienen höher ist, als zum Zeitpunkt der Ablegerbildung.

Beobachtung: Jetzt auch erst änderte sich das Brutbild und wurde geschlossener (Kalkbrutmumien verschwanden interessanterweise irgendwann zwischen 1. und 2. Brutsatz, wofür mir aber bisher keine wirklich plausible Erklärung einfallen mag).

Königinnen, welche die Pflegebienendepression überwinden, bzw. überwunden haben, werde ich auf jeden Fall mit in den Winter nehmen.

Pflegebienendepression vs. Königinnendepression

Es gibt aber einzelne Ableger, die stagnieren auf niedrigem Niveau – vgl. auch die blaue Linie in der Grafik. Hier wird zwar gebrütet und gepflegt, aber netto nimmt die Zahl der Bienen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zu.
Sechs Wochen nach Beginn der Eilage sollte sich die Entwicklungsdynamik ins Positive verkehrt und die Volksstärke zugenommen haben.
Ist das nicht der Fall, würde ich eher von einer Königinnendepression sprechen.
Diese Königinnen scheinen es nicht zu schaffen, ein ausreichend starkes Volk aufzubauen. Über die Ursachen kann ich nur spekulieren, aber jene Begattungsableger, die in der Vergangenheit so ein Verhalten zeigten, und die ich mit über den Winter genommen habe, blieben immer auch hinter den anderen Völkern zurück.

Wie passt das mit der 2017er Königin zusammen?

Die o.g. 2017er Königin litt eher unter einer Pflegebienen- als unter einer Königinnendepression. Das zeigte sich eindeutig, als ich die Zahl der zur Verfügung stehenden Ammenbienen drastisch erhöht habe.

Aber eigentlich hätte sich das Volk ja aus eigener Kraft erholen müssen, um die Königin als Grund auszuschließen, oder?

Ja, aber ich glaube, hier verfälschten mehrere Faktoren die Volksentwicklung im Vergleich zu einem Ableger:

  • Die Pflegebienen waren Winterbienen, und damit sehr alt.
  • Das Volk zeigte im Februar Anzeichen von Ruhr.
  • Als später Schwarmzellen auftraten, wurde es geschröpft.
  • Als die Schwarmzellen weiterhin auftraten, wurde eine TBE vorgenommen.

Damit ließ sich diese Königin nicht sauber beurteilen. Höchstens die erhöhte Schwarmneigung gibt einen Hinweis darauf, dass eine Umweiselung angezeigt sein könnte (je nachdem, welche Betriebsweise und Philosophie man bevorzugt).

Fazit

Ich war und bin auf der Suche nach Kriterien, neue Königinnen bewerten zu können.
Im ersten Jahr kann man weder Schwarmträgheit noch Honigertrag heranziehen.
Was man aber zur Beurteilung berücksichtigen muss:

  • Sanftmut (nach 6-8 Wochen sind nur noch Arbeiterinnen der neuen Königin vorhanden),
  • Wabenstetigkeit,
  • Brutbild, Anzeichen von Brutkrankheiten,
  • quantitative Volksentwicklung.

Nach diesen Kriterien werde ich dann im September die Begattungsableger aus dem Juni beurteilen und entsprechend Selektieren.

Wichtig war für mich, zu verstehen, wie es sich mit den Abhängigkeiten von Königin zum Volk und Volk zur Königin verhält, welche Mechaniken dort wirken, und wie das bei einer Beurteilung der Weiseln zu berücksichtigen ist.
Eine Königin bleibt unter ihren Möglichkeiten, wenn die Volksstärke nicht passt, andererseits stagniert ein Volk, wenn die Königin dauerhaft nicht ausreichend legt.

Das entscheidende Auswahlkriterium dabei ist für mich, ob eine Königinnen-Volksgemeinschaft es schafft, binnen 6 Wochen die Pflegebienendepression zu überwinden und quantitativ zu wachsen.