2021.2 – Völker verkaufen

Mein Postfach brennt. Ich habe vergangenes Wochenende eine Annonce geschaltet, dass ich Bienenvölker abzugeben habe.
Innerhalb von 12 Stunden lagen Reservierungen für alle verfügbaren Völker vor, und auch danach ließ der Strom an Interessenten nicht nach. Ich habe jetzt eine ziemlich lange Warteliste und ich werde nachher die Ausschreibung aus dem Netz nehmen.

Für mich war es das erste Mal, dass ich im Frühjahr Völker angeboten habe. Bisher habe ich immer allen Überschuss genutzt, um meine Imkerei zu vergrößern. Aber dieses Jahr soll der DNM Krempel raus, alles soll auf Dadant umgestellt werden: Daher trenne ich mich auch von allen Bienen, die in DNM Kisten stecken.

Mich hat die Resonanz völlig überrascht. Hätte ich gewusst, wie hoch der Bedarf ist, hätte ich letztes Jahr mehr Ableger erstellt. Ich hatte genug Ressourcen und das Wissen habe ich mittlerweile auch. Aber nachdem ich im Sommer und Spätsommer keine Ableger verkauft bekommen habe, und kaum jemand auf meine Anzeigen antworten wollte, war ich skeptisch, was mit den vielen Völkern im Frühjahr hätte werden sollen.
Jetzt weiß ich es: Aktuell habe ich Anfragen in einem Umfang von rund 80 Völkern – die ich natürlich nie und nimmer bedienen könnte.

Bitte keine Kunstschwärme!

Die Leute wollen Bienen. Entweder haben sie Verluste zu verzeichnen, oder sie wollen expandieren. Und scheinbar ist der hiesige Markt bereits leer gefegt. Anders kann ich mir die große Nachfrage nicht erklären.

Jetzt treibt mich die Sorge um, dass die vielen unbefriedigten Kaufinteressenten auf das Internet und Segnungen des freien europäischen Binnenmarktes zurückgreifen und Kunstschwärme aus Italien kaufen könnten.

Da fällt einem dann gleich das Stichwort “Kleiner Beutenkäfer” ein, und mit jeder LKW Fuhre an Kunstschwärmen oder Königinnen aus Italien, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass da ungebetene Gäste mit eingeschleppt werden.

Man kann nur appellieren: Kauft keine Kunstschwärme im April. Die kommen immer von südlich der Alpen, die sind immer gefährlich!

Wir Imker müssen alle deutlich mehr vermehren!

Meine wahnwitzige These ist: Die Winterverluste werden aufgrund der Klimakatastrophe zunehmen. Milde Winter, zu heiße Sommer mit zu schlechter Pollenversorgung, schwache Winterpopulationen, höhere Anfälligkeit für Viruserkrankungen, zu wenig fortschrittliches Varroamanagement.

Es erscheint daher sinnvoll, an alle, die es können oder wollen, zu appellieren, deutlich mehr Völker als für den eigenen Bedarf anzulegen, zu überwintern und im Frühjahr auf den Markt zu werfen. Damit der Bedarf des Marktes aus regionalen Bienenbeständen gedeckt werden kann.

Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass bei Institutsfortbildungen noch mehr auf die Betriebsweise der großzügigen Völkervermehrung gesetzt würde. Die Jungimker sollten gleich mit einem Konzept vertraut gemacht werden, dass man immer doppelt so viele Völker vorhalten sollte, wie man eigentlich haben möchte. Dann kann man Winterverluste ausgleichen und ggf. noch Überschuss an notleidende Kolleg:innen abgeben.

Nur die brauchbaren Völker verkaufen!

Ich werde nur verkaufen, was ich auch selber kaufen würde.
Entsprechend wird der Bestand an verkaufsfähigen Völkern sich noch reduzieren. Was nicht taugt, wird aufgelöst, zu neuen Ablegern verarbeitet und damit neu gestartet.

Ich schaffe es nicht, Anfängern irgendeinen Mist zu verkaufen, der ein paar Bienen und eine legende Königin hat.
Auch kann ich die Frage, die mir oft gestellt wird, nicht seriös beantworten: “Wie stark sind denn die Völker?”

Die Durchlenzung steht uns noch bevor. Ich weiß nicht, wie die Völker danach aussehen werden. Aber die eine oder andere Kiste wird schon noch wegfallen.

Ich habe bei manchen Anfragen den Eindruck, man will Bienen shoppen, und erwartet ein bestimmtes, konkretes Produkt. Und ich sehe auch, dass manche Kollegen in ihren Anzeigen das nur allzu gerne versprechen: “Starke Völker!”, “leistungsstark!”, “sanftmütig!”
Mir ist schleierhaft, wie man das jetzt versprechen kann. Ich weiß noch gar nicht, ob meine 2020er Königinnen wirklich leistungsstark sind. Die haben noch keine Honigsaison hinter sich. Und nur weil die Mutter einen prima Stammbaum hat, sagt das erst einmal wenig über die Töchter.
Sanftmut muss sich auch erst beweisen. Satte Völker sind das eine. Wie verhalten sich Kisten, wenn sie eine wochenlange Trachtpause durchstehen müssen? Wie verhalten sie sich Ende Juli, wenn die Räubereisaison beginnt? Bienen sind Lebewesen, ihre Eigenschaften unterliegen einer Vielzahl von Parametern.

Ich tue mich schwer, den Leute eine Art Kaufhaus-Ware zu versprechen. Wenn ich dieses Jahr Königinnen aus dem VSH Material nachziehe, werde ich das den Kunden nicht mitgeben. Von mir bekommen die nur eine Buckfast F1. Wenn man dem Käufer sagt, “hier, da steckt auch VSH Genetik drin”, dann habe ich Sorge, dass da das Varroamanagement drunter leidet, weil beim Käufer falsche Erwartungen geweckt wurden.

Ich denke manchmal, ich bin da auch kein guter Geschäftsmann.
Ich kann den Anfängern vermutlich jedes windige Volk für viel Geld verkaufen. Aber ich bekomme das nicht hin.
Ich hoffe also einfach, dass die Völker noch alle gut durchs Frühjahr kommen, und ich dann ein paar Leute glücklich machen kann.

Trotzdem muss man das mit der gezielten Völkeraufzucht zwecks Frühjahrsverkauf mal etwas näher betrachten. Und ich würde an dieser Stelle einfach jedem empfehlen, über den eigenen Bedarf hinaus zu vermehren.

Achso: Und verschenkt Völker wenn nur an Freunde oder Bekannte. Nehmt Geld dafür. Es sind Lebewesen, und dem Käufer sollte es das auch Wert sein – sonst respektiert er weder eure Arbeit, noch die Bienen.

2020.18 – Überlegungen zu einem geänderten Varroa Konzept

Die Probleme mit der TBE

Die Totale Brutentnahme (TBE) ist eine der wirklich wirksamen, wetterunabhängigen Varroabehandlungsmaßnahmen, die ohne Ameisensäure auskommt und sich dabei die Bienenbiologie zunutze macht.

Ich werde das an dieser Stelle nicht erneut erklären, aber die Tatsache, dass man neben der Varroabehandlung auch noch Völkervermehrung und Wabenerneuerung in einem Abwasch mit erledigen kann, ist ausgesprochen hilfreich und effizient.

Allerdings: Neben den vielen positiven Aspekten gibt es auch eine Reihe negativer, die nicht unerwähnt bleiben dürfen:

  • TBE ist immer auch Materialschlacht. Man benötigt sehr viel Material, in FOrm von Beuten und Rähmchen.
  • Nach einer TBE hat man möglicherweise deutlich mehr Völker, als man am Ende wirklich haben möchte.
  • Diese neuen Völker, i.d.R. die Brutscheunen, brauchen einen eigenen Platz, zumindest bis sie behandelt worden sind, und
  • diese neuen Völker gehen oftmals aufgrund der Vorbelastung etwas schwächer in den Winter (was nicht schlimm sein muss – kommt auf die Ziele an, die man mit jenen Völkern verbindet).
  • Das Setzen auf Mittelwände ist für das behandelte Volk ein Kraftakt – gerade jene Völker, die vor der Behandlung einen hohen Milbenbefall hatten, (>3% phoretischen Befall), tun sich schwer, neues Wabenwerk zu errichten und große Mengen Brut aufzuziehen.

Grenzwerte für eine TBE

Disclaimer: Die nachfolgenden Aussagen beziehen sich auf eine TBE, die Mitte bis Ende Juli durchgeführt wird! Eine TBE Mitte Juni kann zu anderen Ergebnissen führen!

Ich beobachte jetzt im zweiten Jahr, dass die Vorbelastung eines Volkes ausschlaggebend dafür ist, wie stark das Volk nach einer TBE einwintert.

Die TBE rettet ein stark belastetes Volk nicht mehr, stattdessen wird es mit der TBE überfordert, verliert zusehens an Bienenmasse und muss letztlich aufgelöst oder vereinigt werden.

Ein mittelschwer belastetes Volk schafft zwar den Neuaufbau des Wabenwerkes und das Anlegen ausreichender Mengen an Brut, allerdings werden weniger Bienen aufgezogen, das Volk geht schwächer in den Winter.

Insgesamt scheinen mir bei meinem aktuellen Kenntnisstand folgende Grenzwerte halbwegs sichere Ergebnisse zu produzieren:

Phoretischer Befall (Alkoholauswaschung)Maßnahme
<= 3%TBE auf Mittelwände möglich
> 3%, <= 5%TBE auf Leerwaben möglich
>5%TBE sollte unterbleiben, Alternativen notwenig
Grenzwerte für eine TBE

Welche Behandlung bei welchem Grenzwert?

Bei einem geringen Befall von unter 3% phoretischen Befalls ist eine Behandlung mittels TBE auf Mittelwände unproblematisch. Bei um die 3% wird es mitunter schon schwierig.

Grundsätzliche Beobachtung: Bei einer TBE, bei der das Volk auf ausgebaute Leerwaben gesetzt wird, schwindet weniger Bienenmasse und das Volk erstarkt schneller und stärker, als wenn es auf MW geschlagen wird.

Das Setzen auf Leerwaben hat aber zur Folge, dass man schneller mit OXS behandeln muss! Man kann keine 7-9 Tage warten, man sollte eher nach 3 Tagen behandeln, andernfalls können sich verbleibende Milben bereits wieder in den Futtersaft von Larven gerettet haben.

Bei über 3% bis rund 5% phoretischem Befall sollten in jedem Fall Leerwaben verwendet werden, auf welche das Volk gesetzt wird. Andernfalls würde ich den Behandlungserfolg als gefährdet ansehen. Meiner Beobachtung nach haben es solche Völker schwer, ausreichend Bienenmasse bis zum Winter aufzuziehen, wenn sie zusätzlich noch alle Waben ausbauen müssen.

Sollte der phoretische Befall 5% übersteigen, sind meines Erachtens andere Behandlungsmethoden vorzuziehen:

  • Es wird jetzt alles benötigt, was an Bienenmasse greifbar ist.
  • Daher sollte die Brut nicht entnommen werden. Gleiches gilt für das Wabenwerk.
  • Gleichzeitig muss Brutfreiheit hergestellt werden, weil eine Behandlung bei Brutfreiheit sehr effektiv und mit Oxalsäure auch hinreichend bienenschonend ist.
  • Die Behandlung dieser Kandidaten sollte bestenfalls passieren, bevor andere Völker am Stand behandelt werden!

Aus praktischer Sicht wird man davon ausgehen müssen, dass man einen zu hohen phoretischen Befall entweder so zeitig bemerkt, dass der kritische Wert von 5% noch nicht überschritten ist (bspw. durch regelmäßige Kontrollen mit Alkoholauswaschung), oder man ihn erst bemerkt, wenn die Behandlung konkret ansteht.

In diesem Moment sollen aber meist eh alle Völker behandelt werden, insofern wird der letzte Spiegelstrich der Aufzählung schwierig umzusetzen sein.
Daher: Wenn möglich, wollten Völker mit einem hohen phoretischen Befall zur Behandlung auf einen Quarantäne Stand gebracht werden.

Behandlungskonzept für Völker mit zu hohem phoretischen Befall

Der zentrale Punkt ist hier, wie auch bei der TBE, das Herstellen von Brutfreiheit.

  • Tag 0: Betroffene Völker auf einen Quarantäne Stand bringen.
  • Tag 1: Königin abfangen und entweder abdrücken oder mit einer Kelle Bienen in ein Apidea geben (kann als Backup also aufgehoben werden)
  • Tag 5: Nachschaffungszellen brechen.
  • Tag 9: Letzte Nachschaffungszellen brechen.
  • Tag 10: Unbegattete Weisel einlaufen lassen oder unter Futterteigverschluss zum Ausfressen reingeben.
  • Tag 22-23: Volk ist brutfrei, bzw. hat keine verdeckelte Brut mehr, bestenfalls Larven der neuen Königin. Daher: Prüfen, ob Königin legt und Volk mit Oxalsäure im Sprühverfahren behandeln.
  • Ab Tag 23: Portionsweise flüssig auffüttern.

Was zu beachten ist

Es werden zwei Mal Nachschaffungszellen gebrochen.
Bienen wollen schnellstmöglich eine neue Königin haben, und werden daher auch aus älteren Larven versuchen, sich eine zu ziehen. Daher kann es passieren, dass eine Prinzessin früher schlüpft als erwartet. Nach 5 Tagen findet man gut die ersten Zapfen, die man ausbrechen kann, und nach 9 Tagen staunt man dann, wie viele Zellen man beim ersten Mal übersehen hat.

Nicht zu früh füttern!
Wenn das Volk nicht eh Futterreserven am Brutnest hat, dann entweder einer Futterwabe fluglochfern einhängen, oder – wenn keine FW vorhanden ist – Futterteig in einer Futtertasche fluglochfern geben.
Völker ohne Weisel haben mitunter eine schlechte Fluglochwache und können somit leichter Opfer von Räuberei werden. Da wir hier von Juli reden, ist Räuberei grundsätzlich aktuell und die Vermeidung selbiger anzustreben.
Auch das Flugloch zu verkleinern ist sinnvoll.
Wenn eine legende Königin im Volk ist, kann die langsame Auffütterung für den Winter beginnen.

Einweiseln
Nach einem Tag hoffnungsloser Weisellosigkeit wird ein Volk in der Regel eine Prinzessin ohne weiteres akzeptieren.
Von daher kann man ein Rähmchen ziehen, auf welchem sich Rest-Brut befindet, und die Weisel dort einfach rauf laufen lassen. Jetzt kann man beobachten, ob und wie die Annahme der Arbeiterinnen aussieht. Aller Wahrscheinlichkeit wird die Weisel wenig Beachtung finden, über die Wabe laufen und ihren Kopf in die nächste Zelle mit Nektar stecken.

Wenn man unsicher ist, kann man den Käfig mit der Prinzessin auch einfach auf die Oberträger legen und beobachten, was passiert.
Wenn die Arbeiterinnen die Weisel im Käfig bemerken, werden sie vermehrt aus den Wabengassen aufsteigen und auf den Käfig krabbeln. Ein paar Arbeiterinnen werden anfangen, mittels Flügelschlag und aufgerichtetem Hinterteil die frohe Pheromonkunde zu verbreiten, andere werden versuchen, die Königin durch den Käfig zu füttern.

Auch hier kann die Königin dann einfach freigelassen werden.
Wenn man Angst hat, dass die Weisel wegfliegt, kann auch den Ausfressschutz ausbrechen und den Käfig zwischen zwei Waben klemmen.

Bei dieser Variante einer Behandlung erreicht man nahezu das Gleiche, wie bei einer TBE: Man behandelt bei Brutfreiheit.
Gleichzeitig verliert man weder die alte Brut (und damit auch eine ganze Reihe noch gesunder Bienen, sprich: Bienenmasse), noch das alte Wabenwerk.

Die fehlende Erneuerung des Wabenwerkes könnte auch ein Kritikpunkt sein, allerdings halte ich persönlich altes Wabenwerk solange für unbedenklich, so lange es nicht durch Verfälschungen im Wachs, Pestizide/Herbizide/Fungizide oder Rückstände chemischer Varroabehandlungen belastet ist.
Bezüglich der Übertragung von Viren über das Wabenwerk würde ich mir weniger Gedanken machen, als über den Stress für die Bienen, welcher beim Neubau des gesamten Wabenwerkes entsteht. Notfalls erfolgt die Bauerneuerung eben im darauffolgenden Jahr.

Das ein Volk dabei gleich umgeweiselt wird, ist ein positiver Nebeneffekt: Völker, welche mit einer jungen Königin in den Winter gehen, haben höhere Überlebenschancen.
Im Sinne einer Selektion könnte man auch argumentieren, dass die alte Kö keine Merkmale einer Varroaresistenz zeigte, und deswegen aus dem Genpool entfernt wird.

Fazit

In den letzten Jahren war bei mir die TBE ein willkommenes Mittel, Völker auf ein neues Rähmchenmaß zu setzen.

Ich werde damit auch nächstes Jahr weiter machen, da ich immer noch dabei bin, alles auf Dadant umzustellen.

Allerdings werde ich jene Völker, die schon auf Dadant sitzen, nächstes Jahr so behandeln, wie ich es gerade geschildert habe: Entweiseln, auf Brutfreiheit warten und zwischendurch mit einer Prinzessin bestücken.

Ich will mir damit einen Teil der Materialschlacht ersparen, hoffe auf stärkere Einwinterungen, erledige das Umweiseln schon im Juli, und nicht erst im September, und werde den Völkerbestand schon ab Frühjahr eher mit Kunstschwärmen erweitern.

Das wird mir bestenfalls einen Teil der Arbeit ersparen und verhindern, dass meine Völkerzahlen völlig aus dem Ruder laufen. Damit wäre mir schon sehr geholfen.

In jedem Fall möchte ich endgültig von der Ameisensäure weg – das ist einfach ein hässlicher Anblick, wenn es schief geht. Und es gibt bessere Methoden.

2020.6 Erste Königinnen angesetzt und Schwarmstimmung

Da ist sie also wieder – jene Jahreszeit, in der die Bienen die Koffer packen und abhauen wollen. Die Schwarmzeit ist da.

Letztes Wochenende, bei der letzten Durchsicht, waren 10% der Völker in voller Schwarmstimmung (Schwarmzellen, voll mit Gelee Royale), oder hatten erste Stifte in Weiselnäpfchen gesetzt. Dabei ist aufgefallen, dass die Völker mit den ältesten Königinnen die ersten sind, die auf gepackten Koffern sitzen.

Also werde ich, sollte die Schwarmlaune anhalten, nächstes Wochenende Königinnenableger bilden, und die Völker ihre neuen Weiseln ausbrüten lassen. Aber Obacht: Jeweils pro Kiste nur eine Zelle stehen lassen, sonst kann es doch noch zu Nachschwärmen kommen!

Außerdem habe ich letzten Freitag eine erste Serie mit Königinnen angesetzt, die heute Abend in den Brutkasten überwechseln wird, denn heute sollten die Zellen verdeckelt sein.

Diese erste Serie, aus der hoffentlich 7 Prinzessinnen schlüpfen werden, muss dann meine M+ starten. Immerhin habe ich 15 M+ Kisten, die dieses Jahr allesamt in Betrieb genommen und zur Weiselvermehrung herangezogen werden sollen. Und dann waren da ja noch die 12 Apideas…

Eigentlich wollte ich nur ein, zwei Testserien aufziehen, bevor es Ende Mai nach Norddeutschland geht, um Zuchtstoff zu holen. Aber jetzt hat das Umlarven so viel Spaß gemacht, dass ich beschlossen habe, jeden Freitag eine Serie zu starten.

Übermorgen starte ich dann eine Serie für meine Ableger, die dann am Sonntag gebildet werden müssen, damit dann vor Schlupf dieser Serie rechtzeitig Nachschaffungszellen gebrochen und schlupfreife Zellen eingesetzt werden können.
Die Ableger werden ich aus den Völkern im Raps bilden, denn dabei handelt es sich um die Völker, die ich ins Deutschen Bienenmonitoring gegeben habe, und die eigentlich nur zur Bienenproduktion und nicht so sehr zur Honigproduktion vorgesehen waren (und die jetzt aber doch Honig machen sollen…)

Der Zeitplan ist schon wieder ziemlich auf Kante genäht, zumal vermutlich die Völker im Raps demnächst geschleudert werden müssen. Der Eintrag war bisher zwar überschaubar, aber trotzdem muss der Raps rechtzeitig aus den Waben, damit wieder Platz für die Robinie vorhanden ist.

Nach der Ernte müssen die Rapsvölker dann rechtzeitig zur Robinie zurück an ihren Heimatstand.

Apropos Raps und Schwarmstimmung: Keines der Rapsvölker war in Schwarmstimmung, sondern nur jene, die Obstblüten und anderen Kleinkram anfliegen können. In den Rapskisten stecken nur junge Königinnen aus dem letzten Jahr, und vermutlich ist ein Geheimnis von schwarmträgen Völkern neben der Genetik auch das Alter der Weisel.

Ansonsten: Eigene Königinnen ziehen kann süchtig machen!

2020.4 – Wartung und Wanderung in den Raps

Am Wochenende habe ich bei den Völkern Futterwaben entnommen und den Brutsitz überprüft. Fazit: Ich musste bei allen Futterwaben entnehmen, und bei fast allen war der Brutraum zu großzügig angepasst. Das habe ich daran festgemacht, dass zu zu viel Pollen und zu viel frischer Nektar ins Brutnest gebracht wurde. So habe ich in der Regel eine Wabe hinter das Schied gerückt und den Brutraum damit verkleinert. Die Pollen-/Nektarwaben sind damit trotzdem noch für die Bienen erreichbar, und somit sind die Ressourcen nicht verschwunden. Wir hatten jetzt prompt zwei Tage, an denen kein Flugwetter herrschte, und jetzt vermute ich, dass diese zwei Tage dazu geführt haben, dass das Brutnest wieder etwas freier geworden ist, Pollen und Nektar verbraucht und damit Platz für die Königin geschaffen wurde.

Die Drohnenrähmchen sind mitunter sehr gut ausgebaut worden, manche Völker haben keinerlei Drohnenbau errichtet. Ansonsten ist von Schwarmstimmung bisher weit und breit nichts zu erkennen, nicht einmal Spielnäpfchen sind angesetzt worden.

Damit sich das ändern kann, habe ich eine Reihe von Kisten in den Raps gewandert.

Meine im Winter selbst gezimmerten Paletten haben dabei recht gut funktioniert – die Beuten standen vergleichsweise sicher auf der Sackkarre.

Der zuständige Landwirt hat mir versprochen, mir vor einer Spritzung bescheid zu geben, bzw. außerhalb der Bienenflugzeiten zu fahren. Ich habe die Kisten auch mit etwas Abstand zum Raps aufgestellt, damit sie zumindest keine direkte Dusche abbekommen können.

Da es wieder einmal sehr trocken ist, bin ich unsicher, ob und wie viel Honig am Ende überhaupt eingetragen wird, zumal die Kisten, die ich hingestellt habe, nicht sonderlich stark sind.

Aber wie schrieb mal jemand im Internet: Raps ist auch eine gute Aufbautracht – und ich werde jetzt mal die Entwicklungsdynamik der Völker im Raps beobachten.

Zucht/Vermehrung

Ich denke, mit der Vermehrung/Aufzucht von Weiseln werde ich erst Anfang/Mitte Mai beginnen. Zur Zeit sind bei mir kaum Drohnen vorhanden und Schwarmstimmung ist keine erkennbar. Insofern warte ich derzeit noch etwas ab.

Es gibt unterschiedliche Strategien, bzw. Herkünfte, die ich dieses Jahr angehen will:

  • Zum einen will ich von meinem “Besten Volk” selber nachziehen. Das hat hauptsächlich damit zu tun, dass ich selber umlarven möchte, das Pflegevolk erstellen und einmal den ganzen Prozess bis zur Begattung selber, mit kostenlosem Material durchspielen möchte. Mit diesen Königinnen will ich Ableger besiedeln, Apideas und Mini+ Völkchen starten.
  • Von einem befreundeten Imker möchte ich von Buckfast-Zuchtmüttern nachziehen, welche dann im Herbst in die eine Hälfte meiner Wirtschaftsvölker eingeweiselt werden soll. Die andere Hälfte der Königinnen muss aus den Herkünften der Belegstelle Kohnert Buche kommen. Es gibt einen Landwirt im Sperrkreis, den ich nächstes Jahr gerne anwandern würde, bei dem die Herkünfte belegstellenkonform sein müssen. Daher die Notwendigkeit einer definierten Herkunft.
    Dazu muss man ergänzen: Die Kohnert-Buche bekommt einen neuen Betreiber, Ansgar Westerhoff. Wenn ich den Zuchtobmann richtig verstanden habe, dann wird man darüber an TOP-SPITZENMATERIAL!111! kommen.
    Das wäre doch sehr schön!
  • Ich habe noch Zugriff auf eine gekörte, künstlich besamte Carnica Herkunft. Von der könnte man ja auch einmal umlarven und noch mehr Ableger damit bestücken.

Dann hätte ich sehr unterschiedliche Vergleichsmöglichkeiten, die mir vielleicht zeigen, was so möglich ist.
Und was die Buckfast-Herkunft betrifft: Zumindest diese Töchter würde ich gerne auf einer Belegstelle begatten lassen.

Der Fokus liegt aber zunächst auf der Aufzucht im Starter/Finisher, mit einem Finale im Brutkasten, um dann als schlupfreife Zellen in Begattungseinheiten zu schlüpfen.
Ich will mich also zunächst auf das schnöde Handwerk konzentrieren, damit ich die schöne Genetik dann nicht durch schlechte Aufzucht verderbe.

Was ich von Michael Palmer verstanden habe…

Michael Palmer, Erwerbsimker aus Vermont – USA, hat im Internet ein paar Youtube Videos am Start, in denen er seine Philosophie der “Sustainable Apiary” propagiert, was man in etwa als “die nachhaltige Imkerei” übersetzen könnte.

Ich will die Hauptpunkte mal rekapitulieren, alleine schon für mich selbst, weil ich ab kommenden Jahr meine eigene Imkerei auch in diese Richtung entwickeln möchte.

“Nutze, was du hast”

Michael Palmer hat jahrelang nach langen, harten Wintern im Frühjahr Kunstschwärme (“Packages”) gekauft, um seine Winterverluste auszugleichen, damit zur Apfelblüte rund 600 Völker zur Bestäubung zur Verfügung standen. Seine Bestäubungsgebühren, die er einnahm, gingen zu einem großen Teil für jene Kunstschwärme als auch Königinnen drauf, die er überall im Land kaufte, und so war seine Imkerei nur sehr eingeschränkt profitabel.
Irgendwann hörte er endlich, nach langem Drängen, auf einen befreundeten Imkerkollegen namens Kirk Webster, der ihm seine eigenen Kisten zeigte, welche zur Apfelblüte bereits überquollen. Kirk Webster arbeitete in großer Zahl mit zusätzlichen Ablegern (“Nucleus Colonies, Nucs”), und riet Palmer, es ihm gleich zu tun.
Palmer tat es ihm gleich, und ab da schaute er nie mehr zurück (“I never looked back”).

Die Grundidee ist denkbar einfach:
Man nimmt nicht-produktive Wirtschaftsvölker (“non-productive hives”) aus der Honigproduktion, und teilt sie zu einem passenden Zeitpunkt in Ableger (“nucs”) auf, und beweiselt diese Ableger mit jungen Königinnen.
So kann man im Frühsommer aus einem schwachen Wirtschaftsvolk, dass wenig Honig gebracht, aber viel Arbeit bedeutet hätte, bis zu vier Jung-Völker machen.

“Aber man hätte das Wirtschaftsvolk doch umweiseln können!”, mag man jetzt einwenden. Michael Palmer, der diese Frage selber aufwirft, wendet ein, dass es keineswegs sicher ist, ob eine neue, ungeprüfte Königin auch das Volk zu einem starken Volk werden lässt. Auch neue Königinnen können untauglich sein. Wenn man aber ein Wirtschaftsvolk in 4 Ableger aufteilt, sinkt die Wahrscheinlichkeit zu schlechten Königinnen um den Faktor 4. Selbst wenn eine der vier Jungweiseln nichts taugt, 3 Königinnen bauen dann immer noch schnell starke Jungvölker auf.

Wenn man diese Ableger langfristig führt, und über den kommenden Winter bringt, und am Ende vielleicht im schlechtesten Fall auch nur 2 Völker überleben, so hat man im darauffolgenden Jahr trotzdem noch aus einem schwachen Wirtschaftsvolk jetzt 2 gute künftige Wirtschaftsvölker gemacht.

Nachdem Michael Palmer das verstanden und in seine Imkerei implementiert hatte, musste er nie wieder Kunstschwärme oder Königinnen dazu kaufen. Er nutzte seine eigenen Ressourcen effizient und bedacht.

Die Grundidee

Man teilt seine Imkerei in zwei Teile auf: Ein Teil ist für die Honigproduktion zuständig, der andere Teil für die Bienenproduktion.

Die Honigproduktion wird durch starke Wirtschaftsvölker gewährleistet, die Bienenproduktion übernimmt die Ableger-Imkerei. Dabei arbeitet die Ableger-Imkerei immer der Honigproduktion zu und stützt die Wirtschaftsvölker auf unterschiedliche Weise. Zu keiner Zeit werden produktive Einheiten geschwächt, beispielsweise durch Brutentnahme zur Ablegerbildung.

Die Honigproduktion hilft der Ableger-Imkerei nur insofern, als dass aus ihr immer wieder schwache Einheiten in die Ableger-Imkerei gehen, wo sie zu neuen Ablegern aufgeteilt werden. Insofern entlastet die Ableger-Imkerei auch die Honigproduktion um nicht-produktive Einheiten, die nur Zeit (und damit Geld) kosten, während sie in der Ableger-Imkerei Geld verdienen können.

Die Art und Weise, wie jetzt die Ableger-Imkerei die Honigproduktion unterstützen kann, sind unterschiedlicher Natur und sollen nachfolgend beschrieben werden.

Im Frühjahr – Wirtschaftsvölker verstärken, bzw. ersetzen

Hat man über den Winter Wirtschaftsvölker verloren, stehen jetzt immer noch ausreichend Ableger aus dem Vorjahr bereit, um die Ausfälle zu kompensieren. Diese Vorjahres-Ableger werden jetzt zu Wirtschaftsvölkern heranwachsen.

Andere Wirtschaftsvölker kommen schwach aus dem Winter. Diese können jetzt mit einem Ableger verstärkt werden.
Michael Palmer führt seine Ableger auf 8 Waben in den Winter. Hat ein Wirtschaftsvolk im Frühjahr nur 2 oder 3 Waben, dann bedeutet das Stecken eines Ablegers eine Verstärkung auf 10 oder 11 Waben – aus einem unproduktiven Volk wird schnell eine wirtschaftliche Einheit.

Im Frühjahr – “Wenn man doch jetzt bloß schon Königinnen hätte”

Wie oft wünscht man sich im Frühjahr schon Königinnen, um beispielsweise Weiselverluste aus dem Winter zu ersetzen?
“Ableger sind eigentlich nichts anderes als Königinnen plus Begleitmannschaft”, sagt Michael Palmer.
Hat man genug Ableger über den Winter geführt, hat man immer genug Reserve-Königinnen zur Verfügung, sogar im Frühjahr.

Im Sommer – “Brutfabriken!”

Hier geht es um Ableger des Vorjahres, die im aktuellen Bienenjahr nicht in die Honigproduktion gehen, sondern in der Ableger-Imkerei verbleiben.

Königinnen erreichen erst im zweiten Lebensjahr ihr volles Potential. Sie bauen jetzt starke Völker auf, die viel Honig bringen können und irgendwann auch schwärmen wollen.
Michael Palmer nutzt diese Brut-Wut dazu, aus diesen Völkern Brutwaben zu ernten (wozu er diese verwendet, folgt gleich). Damit kontrolliert er die Volksstärke, und hält die Völker auf einem Niveau, wo scheinbar nicht geschwärmt wird. Entnommene Brutwaben werden bestenfalls durch Leerwaben oder notfalls auch durch Mittelwände ersetzt. Drei Wochen nach einer Ernte an einem Volk erfolgt eine weitere. Die neu gegebenen Leerwaben oder Mittelwände sind dann wieder (ausgebaut und) bebrütet.

Was passiert mit der ganzen geernteten Brut?

Michael Palmer zieht seine Weiseln in Adam-Startern. Die dafür benötigten Brutwaben bezieht er aus den Brut-Fabriken.
Auch seine dann notwendigen Begattungsableger bildet er mit Brutwaben aus den Brutfabriken.
Durch die vorgezogenen Königinnen kommen die Ableger schnell in Fahrt und bauen Masse auf, mitunter so viel, dass diese auch schon in der laufenden Saison Brut spenden können.
Insgesamt kann, ein entsprechendes Management vorausgesetzt, daraus ein Schneeball an Bienen und Ablegern entstehen.
Das erinnert auch ganz stark an die Ablegerbildung nach Jos Guth, mit sehr ähnlichen Effekten.
Allerdings sind seine Brutfabriken und seine Ableger plus Pflegevölker so stark, dass diese auch noch Honig bringen.

Damit man mal eine Vorstellung hat, wohin das alles führen kann: Palmer gibt für das Jahr 2011 an, aus 50 überwinterten Ablegern in der Zeit vom 9. Mai bis 19. Juni 245 Brutwaben geerntet zu haben. Aus diesem Bestand hat er Ableger gebaut, aus denen er nach dem 19. Juni noch Brut für 330 weitere Ableger entnommen hat, insgesamt rund 900 Waben mit Brut!
Damit das klappt, zieht er nur von den besten seiner Königinnen nach, selektiert streng und investiert viel in eine optimale Aufzucht der Jungweiseln.

Das kann auch der Hobbyimker im Kleinen umsetzen

Man muss kein Erwerbsimker sein, um dieses Konzept zumindest in Teilen zu kopieren.
Natürlich kann der Kleinstimker mit 2 Wirtschaftsvölkern auch noch zwei weitere Ableger bilden, pflegen und über den Winter führen. Anstatt selber Königinnen zu ziehen, kann er unbegattete Königinnen vom Züchter kaufen (preisgünstig), oder auch mal ein paar Euro mehr in legende Weiseln investieren. Dann kann er im Frühjahr etwaige Verluste ausgleichen oder den Überschuss verkaufen oder anderen Imkern spenden. Auch kann er aus den Königinnen die jeweils besten Zwei selektieren und so die Vitalität seiner Völker voran bringen.

Der springende Punkt ist, dass man viel mehr Völker erstellt, als man benötigt, aus den erstellten Völkern die Besten behält, und dann unter normalen Umständen am Ende eines Winters immer noch einen stattlichen Überschuss als Reserve zur Verfügung hat, mit dem man großzügig arbeiten kann.

Michael Palmer erklärt in seinen Vorträgen noch die ganzen interessanten Details. Wenn man des Englischen hinreichend mächtig ist, dann ist seine Art des Vortrages auch sehr unterhaltsam.

Wenn man sich davon inspirieren lässt, denke ich, werden drei Dinge in der eigenen Imkerei obsolet: Einwabenableger, Kunstschwärme und schwache Völker im Frühjahr.

PS: Video-Link-Liste, hier im Grunde dieser Artikel noch mal in Englisch und in schön

Warum jeder Imker auch Züchter ist

Das ist ein schönes Thema für Kontroversen – gerade im Imternet – aber ich finde das wichtig:

Jeder Mensch, der Bienen hält, ist ein Bienenzüchter – es ist dabei unerheblich, ob und wie viele Königin er zieht, auf welche Weise er das tut, oder ob er überhaupt keine Königinnen vermehrt.

Meine Begründung ist denkbar einfach.
Anders als bei Kaninchen- oder Hundezüchtern, nehmen die unter des Imkers befindlicher Obhut stehenden Bienen immer am Vermehrungsprozess der anderen Bienenvölker in der Umgebung statt.

Daraus erwächst ein unmittelbarer Einfluss eines jeden Imkers auf den Genpool des ihn umgebenden Bienenhabitats. Er kann das auch nicht verhindern, denn seine Bienen werden es immer schaffen, in den Sommermonaten Drohnen aufzuziehen und diese in die Freiheit zu entlassen, damit sie Königinnen finden und diese begatten.

Zucht hat immer mit Selektion zu tun, mit der Auswahl von Merkmalen, die während der Vermehrung bestenfalls weitergegeben und ausgeprägt werden sollen.
Aber ein “Nicht-auswählen” durch den Bienenhalter (sprich: Züchter), ist auch eine Form der Selektion – denn er entscheidet sich bewusst (oder bei Unwissen auch unbewusst) dazu, alle Merkmale, die in seinem Bestand anzutreffen sind, gleichermaßen auszuwählen und zu verbreiten – es ist die Wahl der Nicht-Auswahl. Die Verbreitung manifestiert sich in der Drohnenaufzucht seiner Völker, und der Weitergabe der entsprechenden Gene in die Umgebung.

Ich möchte, dass der Begriff des “Züchters” entkoppelt wird – entkoppelt von der Erfahrung, dem Handwerk, den Mühen und Unwägbarkeiten jener Imker, die sich über Jahre der Züchtung, Selektion und Pflege der besten Königinnen hingegeben haben, und das der Begriff vom Handwerk losgelöst auf die Verantwortung eines jeden Bienenhalters übertragen wird.
Es ist diese Verantwortung, die nicht an der eigenen Grundstücksgrenze endet, sondern die immer darüber hinaus geht, weil die Drohnen darüber hinaus fliegen.

Heute ist der Begriff des Züchters einer, der auf die besondere Sachkunde, Erfahrung und handwerklichen Fähigkeiten abzielt – aber diese begriffliche Priviligierung entbindet gleichermaßen den gewöhnlichen Imker von seiner Verantwortung, die er ebenso für den Gesamtbestand an Bienen in seiner Umgebung trägt.
Viele nennen sich heute bestenfalls “Vermehrer”, wenn semiprofessionell Königinnen gezogen werden. Das ist immer als eine Art Unterordnung unter “die richtigen Züchter” zu verstehen, und diese Abgrenzung wird in der Regel auch erwartet und begrüßt.

Aber bei alltäglichen Praktiken, wie der Ablegerbildung, wird schon handfeste Zucht betrieben. Es wird eine bewusste Entscheidung getroffen, welches Volk, welche Gene vermehrt werden. Das gleiche gilt beim Kauf von Königinnen – aus welcher Quelle will man welche Qualität von Weisel bestellen?
Bei der Einwinterung werden zu oft schwache Völker nicht aufgelöst und irgendwie über den Winter gepeppelt – auch das ist Zucht, weil der Imker in den natürlichen Selektionsprozess eingreift und auch Schwächlinge überleben lässt, die ihre Gene im kommenden Frühjahr weitergeben wollen.

Zucht heisst, Verantwortung für einen bewussten Selektionsprozess zu übernehmen. Jeder Imker ist gehalten, bei der Auswahl von Königinnen oder Völkern, immer auch eine begründete Entscheidung zu treffen, warum er ein Volk/eine Königin überleben lässt oder vermehrt. Dabei spielt der Grad an Können, Wissen und Erfahrung nur eine untergeordnete Rolle, für das Selbstverständnis als Züchter (anders sieht es hinsichtlich des Ergebnisses einer Selektion aus) – wichtig ist, dass jeder Imker diese Rolle bewusst einnimmt.

Insofern werbe ich dafür, den Begriff des “Züchters” etwas zu ent-priviligisieren, und mehr als umklammernden Begriff für all jene zu Verwenden, die auf die eine oder andere Art Honigbienen bewusst halten, pflegen, betreuen.
Das schmälert im übrigen m.E. auch überhaupt nicht die Leistung jener, die wir heute als professionelle Züchter. Vielmehr sollte jeder Imker, der nicht in der Lage ist, aus seinem Bestand umfassend und professionell zu züchten, die bewusste Zuchtentscheiodung treffen, eben bei jenen Profis regelmäßig Weiseln zu ordern und damit seinen Bestand aufzuwerten. Auch das ist eine Form von bewusster Zuchtarbeit – nicht selber zu vermehren, aber geprüftes Genmaterial in die eigenen Kisten zu bringen.

Würde jeder entsprechend bewusst selektieren und arbeiten – Standbegattungen würden früher oder später zu wirklich guten Ergebnissen führen können.

Warum Königinnen in Abhängigkeit zur Volksstärke beurteilt werden müssen

Vorgeschichte

Eine 2017er Königin samt Gefolge war im September 2018 nicht so stark wie gewünscht, obwohl das Volk den Sommer über gut dagestanden hatte. Die Gründe dafür waren vielfältig. Der Winter 2018/2019 lief dann so lala, und das Volk winterte schwach aus.
Es kam im Frühjahr nicht so richtig in Schwung und dann fand ich zur Schwarmzeit immer wieder Schwarmzellen und war schon kurz davor, die Königin zu entsorgen.

Kurz vor einer Umweiselung ging mir dann in einem starken Volk die Königin verloren, und als Notnagel sollte dann diese 2017er Königin herhalten. So vereinigte ich dann beide Einheiten, und plötzlich hatte diese Königin ein sehr großes Gefolge um sich.

Hatte sie es im Frühjahr und Frühsommer nicht geschafft, mehr als eine DNM 1,5 Wabe mit Brut zu belegen, so bestiftete sie jetzt innerhalb kürzester Zeit 5-6 große Waben, und legte ein tadellos geschlossenes und gesundes Brutnest an, und auch Schwarmzellen gehörten der Vergangenheit an.

Kaum hatte sie einen großen Hofstaat zugewiesen bekommen, konnte sie zeigen, was in ihr steckt., und das war nicht wenig.

Die Hauptstory – wie ich fast Jungköniginnen grundlos selektiert hätte

Bevor ich die seltsame Wandlung der 2017er Weisel bemerkte, hatte ich unbegattete Königinnen erhalten und begatten lassen.
Unmittelbar nach der Begattung legte fast jede dieser Weiseln los und stiftete in wenigen Tagen 2-3 Brutwaben voll. Ich war sehr zufrieden und ließ die Damen machen.

Zwei Wochen später dann eine erste Ernüchterung: Alle Königinnen hatten ihr Brutnest auf zwei Waben eingeschränkt, die dritte Wabe war ausgeräumt worden, teilweise war das Brutnest lückig und auch Kalkbrutmumien waren zu finden.

Die Bienen, die bei Bildung der Begattungsableger mitgegeben worden waren, alterten zusehends und starben weg, wurden aber mehr als ersetzt durch die ebenfalls mitgegebene Brut. Als die Königin begattet war, und zu stiften begann, war alle Brut geschlüpft. Und so waren die Kisten zu Beginn angenehm mit Bienen gefüllt, während das Brutgeschäft zunächst gut startete, um dann doch nicht so richtig in Gang zu kommen.

Ich fing also an, an den Königinnen zu zweifeln. War die Genetik nicht gut? Waren die Aufzuchtbedingungen nicht in Ordnung gewesen? War etwas bei der Begattung schief gelaufen? Auch das Brutnest gefiel mir nicht – zu lückig, zu ungleichmäßig.

Aber weil ich nicht so recht wusste, wie ich damit umgehen sollte, habe ich die Kisten machen lassen, und nichts unternommen.

Die Entwicklungsdynamik im Volk

Beide Geschichten haben gemeinsam, dass es jeweils ein Massewechsel geben musste, bei dem alte gegen neue Bienen ersetzt wurden. Bei der 2017er Weisel war es die reguläre Frühjahrsentwicklung (Winterbienen gehen, nach einer langen Brutpause, während eine neue Generation aufgezogen wird), bei den Jungweiseln war es der Verschleiß der Bienen, die dem Ableger beigegeben wurden. Auch hier musste eine zunehmend alternde Bienengeneration einen Neuaufbau bewerkstelligen.

In beiden Fällen läuft die Dynamik ähnlich: Nach einer längeren Unterbrechung wird neue Brut angelegt, ohne dass junge Bienen parallel schlüpfen würden.
In Summe nimmt die Volksstärke also ab, weil mehr Bienen sterben (Wert X), als neue Bienen geboren werden (Wert 0). Es dauert 21 Tage, bis die erste Brut schlüpft und zur Verstärkung herangezogen kann. Zunächst schlüpfen aber weniger Bienen, als wegsterben, zumal während dieser 21 Tage die Zahl der brutpflegenden Bienen kontinuierlich abnimmt. In der Folge stehen anteilig zum Brutumfang immer weniger Ammenbienen zur Verfügung, als notwendig wären, und so wird das Brutnest auf das Machbare eingeschränkt.

Da Ammenbienen mehr als eine Brutzelle pflegen können, wird mehr Brut gepflegt, als Bienen vorhanden sind, aber es gibt offenbar dieses eine Verhältnis von “Anzahl Ammenbienen zu Anzahl Brutzellen” – und dieses Verhältnis entwickelt sich zunächst ungünstig für den Brutumfang.

Ich nenne diesen Moment für mich die Pflegebienendepression – wenn die Königin mehr legt, als die Ammenbienen pflegen können, worauf sie sich dafür entscheiden, schon bestiftete Brutzellen wieder leerzuräumen.

Handgemalt: Brut- und Bienenentwicklung in einem Begattungsableger

Es kommt aber der Moment, an dem Jungbienen schlüpfen, und da mehr Brut gepflegt wurde, als Bienen im Volk sind, kehrt sich die Entwicklungsdynamik irgendwann um, die Anzahl der Bienen nimmt wieder zu.

Es schlüpfen mehr Bienen, als wegsterben, dadurch entsteht ein Überschuss, der es ermöglicht, das Brutnest auszudehnen – also mehr Brutzellen zu pflegen – worauf sich jetzt eine Art Schneeballeffekt einstellt.

Meiner Beobachtung nach dauert es etwa 6 Wochen mit Beginn der Eilage, bis ein Volk das Brutnest wieder auf die ursprüngliche Größe ausgedehnt hat und die Anzahl der Bienen höher ist, als zum Zeitpunkt der Ablegerbildung.

Beobachtung: Jetzt auch erst änderte sich das Brutbild und wurde geschlossener (Kalkbrutmumien verschwanden interessanterweise irgendwann zwischen 1. und 2. Brutsatz, wofür mir aber bisher keine wirklich plausible Erklärung einfallen mag).

Königinnen, welche die Pflegebienendepression überwinden, bzw. überwunden haben, werde ich auf jeden Fall mit in den Winter nehmen.

Pflegebienendepression vs. Königinnendepression

Es gibt aber einzelne Ableger, die stagnieren auf niedrigem Niveau – vgl. auch die blaue Linie in der Grafik. Hier wird zwar gebrütet und gepflegt, aber netto nimmt die Zahl der Bienen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zu.
Sechs Wochen nach Beginn der Eilage sollte sich die Entwicklungsdynamik ins Positive verkehrt und die Volksstärke zugenommen haben.
Ist das nicht der Fall, würde ich eher von einer Königinnendepression sprechen.
Diese Königinnen scheinen es nicht zu schaffen, ein ausreichend starkes Volk aufzubauen. Über die Ursachen kann ich nur spekulieren, aber jene Begattungsableger, die in der Vergangenheit so ein Verhalten zeigten, und die ich mit über den Winter genommen habe, blieben immer auch hinter den anderen Völkern zurück.

Wie passt das mit der 2017er Königin zusammen?

Die o.g. 2017er Königin litt eher unter einer Pflegebienen- als unter einer Königinnendepression. Das zeigte sich eindeutig, als ich die Zahl der zur Verfügung stehenden Ammenbienen drastisch erhöht habe.

Aber eigentlich hätte sich das Volk ja aus eigener Kraft erholen müssen, um die Königin als Grund auszuschließen, oder?

Ja, aber ich glaube, hier verfälschten mehrere Faktoren die Volksentwicklung im Vergleich zu einem Ableger:

  • Die Pflegebienen waren Winterbienen, und damit sehr alt.
  • Das Volk zeigte im Februar Anzeichen von Ruhr.
  • Als später Schwarmzellen auftraten, wurde es geschröpft.
  • Als die Schwarmzellen weiterhin auftraten, wurde eine TBE vorgenommen.

Damit ließ sich diese Königin nicht sauber beurteilen. Höchstens die erhöhte Schwarmneigung gibt einen Hinweis darauf, dass eine Umweiselung angezeigt sein könnte (je nachdem, welche Betriebsweise und Philosophie man bevorzugt).

Fazit

Ich war und bin auf der Suche nach Kriterien, neue Königinnen bewerten zu können.
Im ersten Jahr kann man weder Schwarmträgheit noch Honigertrag heranziehen.
Was man aber zur Beurteilung berücksichtigen muss:

  • Sanftmut (nach 6-8 Wochen sind nur noch Arbeiterinnen der neuen Königin vorhanden),
  • Wabenstetigkeit,
  • Brutbild, Anzeichen von Brutkrankheiten,
  • quantitative Volksentwicklung.

Nach diesen Kriterien werde ich dann im September die Begattungsableger aus dem Juni beurteilen und entsprechend Selektieren.

Wichtig war für mich, zu verstehen, wie es sich mit den Abhängigkeiten von Königin zum Volk und Volk zur Königin verhält, welche Mechaniken dort wirken, und wie das bei einer Beurteilung der Weiseln zu berücksichtigen ist.
Eine Königin bleibt unter ihren Möglichkeiten, wenn die Volksstärke nicht passt, andererseits stagniert ein Volk, wenn die Königin dauerhaft nicht ausreichend legt.

Das entscheidende Auswahlkriterium dabei ist für mich, ob eine Königinnen-Volksgemeinschaft es schafft, binnen 6 Wochen die Pflegebienendepression zu überwinden und quantitativ zu wachsen.

2019.9 Alles etwas ruhiger… abwarten

Das vergangene Wochenende war deutlich ruhiger. Die erste Ernte ist eingebracht, abgefüllt, etikettiert und im Laden, die Begattungsableger haben alle ihre Königinnen bekommen und die Völker stehen jetzt da, wo sie hin sollten.

Also musste ich nur kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Dazu gehört:

Schwarmstimmung?

Das Internet ist voll von Berichten, dass Völker abschwärmen. Bei mir ist derzeit relative Ruhe. Alles, was Schwarmstimmung oder zu viele Milben hatte, wurde einer Brutentnahme unterzogen, ein Volk, welches sich nicht vom Bauen von Königinnenzellen abbringen lassen wollte, schien erst weisellos, bis ich gestern dann eine Jung-Königin im Volk gesehen habe, die auch schon Stifte gelegt hat. Mal abwarten, was daraus wird – abgeschwärmst sind die jedenfalls nicht, dafür ist die Kiste zu voll.

Abwarten

Ich sitze wie auf Kohlen, und hoffe, dass mit den Begattungen der Jungweiseln alles glatt geht. Diese stecken jetzt eine Woche in ihren Kisten, und ich weiss aktuell nichts über den Zustand…

Der Züchter dieser unbegatteten Königinnen hat mir zu einer 14 tägigen Ruhezeit geraten, und da halte ich mich auch dran (abgesehen davon, dass ich geprüft habe, ob die Käfige leer sind, und siehe da: Eine Königin war noch nicht ausgefressen, weil der Futterteig eingetrocknet war!)
Im Internet liest man ja derzeit furchtbare Dinge über dürftige Begattungserfolge von Königinnen, aber ich werde versuchen, mich nicht zu sehr verrückt zu machen.

Wenn die Einheiten erfolgreich begattet worden sind, müssen alle einer ersten Varroabehandlung unterzogen werden.

Arbeit steht also noch genug bevor – die Ruhe wird nur kurz währen…

2019.7 Alles ein wenig viel gerade

Am Sonntag Abend hatte ich dann gepflegt die Nase voll: Warum tue ich mir das alles nur an? Und das sogar freiwillig!?

Dem voraus gegangen war ein Wochenende voller Bienen, Beuten, Schleudern und Dinge durch die Gegend schleppen, fahren, transportieren. Von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend ging es in einer Tour:

  • Völker durchsehen, weil Schwarmstimmung,
  • Völker einer TBE unterziehen, weil zu viele Varroen,
  • Honigernte vorbereiten, indem Bienenfluchten eingelegt wurden,
  • Schleuder und Geschirr aus dem Lager nach Hause fahren, Küche halb umräumen, um Platz für die Schleuder und die hygienischen Voraussetzungen zu schaffen,
  • Begattungsableger bilden,
  • Begattungsableger zum Begattungsplatz fahren,
  • Honig ernten,
  • mit Mutter und dem Lütten gemeinsam entdeckeln und schleudern,
  • Schleuder reinigen, Entdecklungsgeschirr reinigen,
  • Küche reinigen…
Schleudern…

Als im am Sonntag Nachmittag eine Stunde lang auf dem Fussboden rumrobbte, um die Klebereste der Malerfolie, die ich aus hygienischen Gründen ausgelegt hatte, mit Terpentin zu lösen, und mein Kopf langsam aber sicher zu explodieren drohte, hatte ich ernsthafte Zweifel daran, dass das alles so eine gute Idee ist.
Zu allem Überfluss ist die Frühjahrsernte schlechter als erwartet ausgefallen.
Und so lag ich Sonntag Abend, mittlerweile waren durch die Terpentindämpfe auch noch Übelkeit dazu gekommen, müde und desillusioniert auf der Couch.

Ich habe jetzt ein Projekt fallen gelassen (eigene Königinnen nachziehen), und beschränke mich für den Rest der Saison auf die bereits länger geplanten Vorhaben, sprich: Zuchtköniginnen begatten lassen, die Linde anwandern und einen Teil der Völker auf Dadant umstellen. Sonstige Sperenzien versuche ich zu unterlassen.

Natürlich klappt aber auch bei den geplanten Vorhaben nicht alles wie gedacht: Von den Begattungseinheiten haben sich zwei leergeflogen (vermutlich untaugliche Brutwaben verwendet), die Königinnen wären fast eine Woche zu früh geliefert worden (was mit einem Telefonat und einem beherzten Eingreifen der Züchter-Ehefrau noch einmal verhindert werden konnte), und mittlerweile habe ich auch Zweifel, dass ich genug Bienenmasse zusammenbekomme, um alle Dadant-Kisten schon dieses Jahr zu besiedeln.

Aber trotzdem war bereits 48 Stunden nach dem abendlichen Tiefpunkt die Lust wieder zurückgekehrt. Und so sitze ich jetzt doch hier und warte gespannt auf die Zuchtweiseln, und hoffe, dass ich die alle gut in die Völker und gut begattet bekomme, als Rückrad für das kommende Jahr.

Als Imker verhält man sich manchmal auch nur wie ein Crack-Junkie…

2019.6 Futter wird knapp, Varroa-Monitoring und Vorbereitungen

Die wichtigste Nachricht erreichte mich kurz vor dem Wochenende: Die Königinnenlieferung wird sich um eine Woche verschieben. Also musste ich kurzfristig alles einmal umdisponieren. Aber so ist das in der Imkerei, das gehört einfach dazu.

Das schlechte Wetter im Mai hat dazu geführt, dass viele Völker die Futterreserven aus dem Honigraum verbraucht haben. Mitunter ist da nicht mehr viel vorhanden und jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, überlege ich, ob ich nicht besser Futterteig hätte einlegen sollen. Es kommt nämlich trotz schönem Wetter nicht allzu viel von draussen rein, wenn ich den Stockwaagen trauen darf.
Andererseits hat es bei der letzten Durchsicht bei allen Völkern mächtig aus den Brutwaben getropft – frisch eingetragene Nektar.

Das Problem bleibt trotzdem: Es wird mehr verbraucht, als reinkommt.
Nun kann sich das auch jeden Tag ändern, wenn bspw. die Robinien in der Nachbarschaft doch noch aufgehen und Honig bringen sollten. Aber Gewissheit gibt es nicht – und am Ende, wenn man nicht aufpasst, verhungern die Völker (was teilweise aktuell bei Kollegen schon passiert ist).
Wenn man allerdings Futterteig gibt, besteht Uneinigkeit darüber, ob das nicht zu Verfälschungen im Honig führen kann.

Varroa-Monitoring

Nachdem ich vor einer Woche eine kleine Stichprobe bezüglich Varroa-Befall durchgeführt hatte, und eine Probe durchaus einen zu hohen Wert zutage brachte, habe ich kurzerhand alle Völker untersucht.

Auswaschprobe

Dabei habe ich die Auswachmethode ausführlicher getestet. Der Vorteil: Die Proben sind schnell entnommen, die Auswertung kann später erfolgen. Dadurch kann man die eigentliche Durchsicht fix durchführen. Die Genauigkeit des Ergebnisses gilt als ausreichend valide. Der Nachteil: Man muss dazu 150-300 Bienen töten. Das fällt mir immer noch schwer.

Das Ergebnis war aber zunächst beruhigend. Wo die Stichprobe noch Schlimmes befürchten ließ, waren jetzt alle Völker, bis auf eines, völlig unauffällig (0 phoretische Milben, theoretisch 0 % Befall, was praktisch aber nicht stimmt). Lediglich eines liegt mit 1,3 % leicht über der 1 % Marke.

Interessant dabei: Eines der getesteten Völker fiel im Januar und Februar mit einem extrem hohen Milbenfall auf. Dieses Volk hatte ein vielfaches an Milben auf der Windel im Vergleich zu allen anderen Völkern. Das ließ Schlimmes erahnen. Allerdings winterte dieses Volk sehr stark aus. Die Probe zeigt nun überhaupt keine Milben an, was ich schon erstaunlich fand. Handelt es sich hier möglicherweise im VSH Genetik?

Das eine Volk, welches bei der Stichprobe einen zu hohen Milbenwert aufwies (3,3%) habe ich einer TBE unterzogen. Die entnommenen Waben, plus Pflegebienen eines schwarmbereiten Volkes, reifen jetzt als Sammelbrutableger zu einem Pflegevolk heran und werden bei Brutfreiheit behandelt…

Vorbereitungen

Anfang Juni sollen jetzt die unbegatteten Königinnen kommen. Daher habe ich das schöne Wetter genutzt und schon einmal die leeren Ablegerkästen mit den passenden Waben und Rähmchen ausgestattet. Dann kann das eigentliche Befüllen am kommenden Wochenende ensprechend schnell gehen.

Ablegerkästen

Es kommt eine Brutwabe und ein paar Extra-Bienen in jeden Kasten und nach 9 Tagen werden alle Nachschaffungszellen gebrochen und die unbegattete Königin hineingehangen. Das wird auf jeden Fall spannend.

Insgesamt war es ein arbeitsreiches Wochenende. Und es ist etwas frustrierend, dass kaum etwas reinkommt und man sich ständig Sorgen machen muss, wie es den Bienen geht, ob sie genug finden, ob man eingreifen sollte. Aber:

Der Imker lebt immer in der Hoffnung.