2019.9 Alles etwas ruhiger… abwarten

Das vergangene Wochenende war deutlich ruhiger. Die erste Ernte ist eingebracht, abgefüllt, etikettiert und im Laden, die Begattungsableger haben alle ihre Königinnen bekommen und die Völker stehen jetzt da, wo sie hin sollten.

Also musste ich nur kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Dazu gehört:

Schwarmstimmung?

Das Internet ist voll von Berichten, dass Völker abschwärmen. Bei mir ist derzeit relative Ruhe. Alles, was Schwarmstimmung oder zu viele Milben hatte, wurde einer Brutentnahme unterzogen, ein Volk, welches sich nicht vom Bauen von Königinnenzellen abbringen lassen wollte, schien erst weisellos, bis ich gestern dann eine Jung-Königin im Volk gesehen habe, die auch schon Stifte gelegt hat. Mal abwarten, was daraus wird – abgeschwärmst sind die jedenfalls nicht, dafür ist die Kiste zu voll.

Abwarten

Ich sitze wie auf Kohlen, und hoffe, dass mit den Begattungen der Jungweiseln alles glatt geht. Diese stecken jetzt eine Woche in ihren Kisten, und ich weiss aktuell nichts über den Zustand…

Der Züchter dieser unbegatteten Königinnen hat mir zu einer 14 tägigen Ruhezeit geraten, und da halte ich mich auch dran (abgesehen davon, dass ich geprüft habe, ob die Käfige leer sind, und siehe da: Eine Königin war noch nicht ausgefressen, weil der Futterteig eingetrocknet war!)
Im Internet liest man ja derzeit furchtbare Dinge über dürftige Begattungserfolge von Königinnen, aber ich werde versuchen, mich nicht zu sehr verrückt zu machen.

Wenn die Einheiten erfolgreich begattet worden sind, müssen alle einer ersten Varroabehandlung unterzogen werden.

Arbeit steht also noch genug bevor – die Ruhe wird nur kurz währen…

2019.7 Alles ein wenig viel gerade

Am Sonntag Abend hatte ich dann gepflegt die Nase voll: Warum tue ich mir das alles nur an? Und das sogar freiwillig!?

Dem voraus gegangen war ein Wochenende voller Bienen, Beuten, Schleudern und Dinge durch die Gegend schleppen, fahren, transportieren. Von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend ging es in einer Tour:

  • Völker durchsehen, weil Schwarmstimmung,
  • Völker einer TBE unterziehen, weil zu viele Varroen,
  • Honigernte vorbereiten, indem Bienenfluchten eingelegt wurden,
  • Schleuder und Geschirr aus dem Lager nach Hause fahren, Küche halb umräumen, um Platz für die Schleuder und die hygienischen Voraussetzungen zu schaffen,
  • Begattungsableger bilden,
  • Begattungsableger zum Begattungsplatz fahren,
  • Honig ernten,
  • mit Mutter und dem Lütten gemeinsam entdeckeln und schleudern,
  • Schleuder reinigen, Entdecklungsgeschirr reinigen,
  • Küche reinigen…
Schleudern…

Als im am Sonntag Nachmittag eine Stunde lang auf dem Fussboden rumrobbte, um die Klebereste der Malerfolie, die ich aus hygienischen Gründen ausgelegt hatte, mit Terpentin zu lösen, und mein Kopf langsam aber sicher zu explodieren drohte, hatte ich ernsthafte Zweifel daran, dass das alles so eine gute Idee ist.
Zu allem Überfluss ist die Frühjahrsernte schlechter als erwartet ausgefallen.
Und so lag ich Sonntag Abend, mittlerweile waren durch die Terpentindämpfe auch noch Übelkeit dazu gekommen, müde und desillusioniert auf der Couch.

Ich habe jetzt ein Projekt fallen gelassen (eigene Königinnen nachziehen), und beschränke mich für den Rest der Saison auf die bereits länger geplanten Vorhaben, sprich: Zuchtköniginnen begatten lassen, die Linde anwandern und einen Teil der Völker auf Dadant umstellen. Sonstige Sperenzien versuche ich zu unterlassen.

Natürlich klappt aber auch bei den geplanten Vorhaben nicht alles wie gedacht: Von den Begattungseinheiten haben sich zwei leergeflogen (vermutlich untaugliche Brutwaben verwendet), die Königinnen wären fast eine Woche zu früh geliefert worden (was mit einem Telefonat und einem beherzten Eingreifen der Züchter-Ehefrau noch einmal verhindert werden konnte), und mittlerweile habe ich auch Zweifel, dass ich genug Bienenmasse zusammenbekomme, um alle Dadant-Kisten schon dieses Jahr zu besiedeln.

Aber trotzdem war bereits 48 Stunden nach dem abendlichen Tiefpunkt die Lust wieder zurückgekehrt. Und so sitze ich jetzt doch hier und warte gespannt auf die Zuchtweiseln, und hoffe, dass ich die alle gut in die Völker und gut begattet bekomme, als Rückrad für das kommende Jahr.

Als Imker verhält man sich manchmal auch nur wie ein Crack-Junkie…

2019.6 Futter wird knapp, Varroa-Monitoring und Vorbereitungen

Die wichtigste Nachricht erreichte mich kurz vor dem Wochenende: Die Königinnenlieferung wird sich um eine Woche verschieben. Also musste ich kurzfristig alles einmal umdisponieren. Aber so ist das in der Imkerei, das gehört einfach dazu.

Das schlechte Wetter im Mai hat dazu geführt, dass viele Völker die Futterreserven aus dem Honigraum verbraucht haben. Mitunter ist da nicht mehr viel vorhanden und jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, überlege ich, ob ich nicht besser Futterteig hätte einlegen sollen. Es kommt nämlich trotz schönem Wetter nicht allzu viel von draussen rein, wenn ich den Stockwaagen trauen darf.
Andererseits hat es bei der letzten Durchsicht bei allen Völkern mächtig aus den Brutwaben getropft – frisch eingetragene Nektar.

Das Problem bleibt trotzdem: Es wird mehr verbraucht, als reinkommt.
Nun kann sich das auch jeden Tag ändern, wenn bspw. die Robinien in der Nachbarschaft doch noch aufgehen und Honig bringen sollten. Aber Gewissheit gibt es nicht – und am Ende, wenn man nicht aufpasst, verhungern die Völker (was teilweise aktuell bei Kollegen schon passiert ist).
Wenn man allerdings Futterteig gibt, besteht Uneinigkeit darüber, ob das nicht zu Verfälschungen im Honig führen kann.

Varroa-Monitoring

Nachdem ich vor einer Woche eine kleine Stichprobe bezüglich Varroa-Befall durchgeführt hatte, und eine Probe durchaus einen zu hohen Wert zutage brachte, habe ich kurzerhand alle Völker untersucht.

Auswaschprobe

Dabei habe ich die Auswachmethode ausführlicher getestet. Der Vorteil: Die Proben sind schnell entnommen, die Auswertung kann später erfolgen. Dadurch kann man die eigentliche Durchsicht fix durchführen. Die Genauigkeit des Ergebnisses gilt als ausreichend valide. Der Nachteil: Man muss dazu 150-300 Bienen töten. Das fällt mir immer noch schwer.

Das Ergebnis war aber zunächst beruhigend. Wo die Stichprobe noch Schlimmes befürchten ließ, waren jetzt alle Völker, bis auf eines, völlig unauffällig (0 phoretische Milben, theoretisch 0 % Befall, was praktisch aber nicht stimmt). Lediglich eines liegt mit 1,3 % leicht über der 1 % Marke.

Interessant dabei: Eines der getesteten Völker fiel im Januar und Februar mit einem extrem hohen Milbenfall auf. Dieses Volk hatte ein vielfaches an Milben auf der Windel im Vergleich zu allen anderen Völkern. Das ließ Schlimmes erahnen. Allerdings winterte dieses Volk sehr stark aus. Die Probe zeigt nun überhaupt keine Milben an, was ich schon erstaunlich fand. Handelt es sich hier möglicherweise im VSH Genetik?

Das eine Volk, welches bei der Stichprobe einen zu hohen Milbenwert aufwies (3,3%) habe ich einer TBE unterzogen. Die entnommenen Waben, plus Pflegebienen eines schwarmbereiten Volkes, reifen jetzt als Sammelbrutableger zu einem Pflegevolk heran und werden bei Brutfreiheit behandelt…

Vorbereitungen

Anfang Juni sollen jetzt die unbegatteten Königinnen kommen. Daher habe ich das schöne Wetter genutzt und schon einmal die leeren Ablegerkästen mit den passenden Waben und Rähmchen ausgestattet. Dann kann das eigentliche Befüllen am kommenden Wochenende ensprechend schnell gehen.

Ablegerkästen

Es kommt eine Brutwabe und ein paar Extra-Bienen in jeden Kasten und nach 9 Tagen werden alle Nachschaffungszellen gebrochen und die unbegattete Königin hineingehangen. Das wird auf jeden Fall spannend.

Insgesamt war es ein arbeitsreiches Wochenende. Und es ist etwas frustrierend, dass kaum etwas reinkommt und man sich ständig Sorgen machen muss, wie es den Bienen geht, ob sie genug finden, ob man eingreifen sollte. Aber:

Der Imker lebt immer in der Hoffnung.

Imkerforumstreffen 2019

“Wie spricht man deinen Nickname aus? Ral-Null-Errr?”
Wenn ich das wüsste!
“Sag’ einfach Ralf – ist vielleicht am einfachsten…”

Zweieinhalb Tage in Hessen, in Kleinlüder, unter lauter Imkern, mit Essen bis zum Umfallen, ohne Telefonempfang, dafür aber mit wackeligem WLAN, tollen Vorträgen, kleinen Blumen-Samen, feuchten Bierduschen, vielen neuen Bekanntschaften und wenig Schlaf.
Ein Wochenende wie eine Klassenfahrt, nur ohne Lehrkörper… obwohl…

„Imkerforumstreffen 2019“ weiterlesen

Vermehrung nach Jos Guth

Ich verlinke hier mal auf ein PDF, welches beschreibt, wie man aus wenigen Völkern in einem Sommer sehr viele Völker machen kann, und die eigentliche Limitierung lediglich in dem Vorhandensein von ausreichend Hardware (sprich: Beuten) besteht.

Was an dieser Stelle auch herausgestellt werden sollte: Das ganze funktioniert nur mit einer entsprechenden Königinnenvermehrung.

Deswegen ist diese ganze Nummer auch nicht trivial, weil sie viel handwerkliches Können, gutes Genmaterial am Stand und Koordination verlangt.