2019.6 Futter wird knapp, Varroa-Monitoring und Vorbereitungen

Die wichtigste Nachricht erreichte mich kurz vor dem Wochenende: Die Königinnenlieferung wird sich um eine Woche verschieben. Also musste ich kurzfristig alles einmal umdisponieren. Aber so ist das in der Imkerei, das gehört einfach dazu.

Das schlechte Wetter im Mai hat dazu geführt, dass viele Völker die Futterreserven aus dem Honigraum verbraucht haben. Mitunter ist da nicht mehr viel vorhanden und jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, überlege ich, ob ich nicht besser Futterteig hätte einlegen sollen. Es kommt nämlich trotz schönem Wetter nicht allzu viel von draussen rein, wenn ich den Stockwaagen trauen darf.
Andererseits hat es bei der letzten Durchsicht bei allen Völkern mächtig aus den Brutwaben getropft – frisch eingetragene Nektar.

Das Problem bleibt trotzdem: Es wird mehr verbraucht, als reinkommt.
Nun kann sich das auch jeden Tag ändern, wenn bspw. die Robinien in der Nachbarschaft doch noch aufgehen und Honig bringen sollten. Aber Gewissheit gibt es nicht – und am Ende, wenn man nicht aufpasst, verhungern die Völker (was teilweise aktuell bei Kollegen schon passiert ist).
Wenn man allerdings Futterteig gibt, besteht Uneinigkeit darüber, ob das nicht zu Verfälschungen im Honig führen kann.

Varroa-Monitoring

Nachdem ich vor einer Woche eine kleine Stichprobe bezüglich Varroa-Befall durchgeführt hatte, und eine Probe durchaus einen zu hohen Wert zutage brachte, habe ich kurzerhand alle Völker untersucht.

Auswaschprobe

Dabei habe ich die Auswachmethode ausführlicher getestet. Der Vorteil: Die Proben sind schnell entnommen, die Auswertung kann später erfolgen. Dadurch kann man die eigentliche Durchsicht fix durchführen. Die Genauigkeit des Ergebnisses gilt als ausreichend valide. Der Nachteil: Man muss dazu 150-300 Bienen töten. Das fällt mir immer noch schwer.

Das Ergebnis war aber zunächst beruhigend. Wo die Stichprobe noch Schlimmes befürchten ließ, waren jetzt alle Völker, bis auf eines, völlig unauffällig (0 phoretische Milben, theoretisch 0 % Befall, was praktisch aber nicht stimmt). Lediglich eines liegt mit 1,3 % leicht über der 1 % Marke.

Interessant dabei: Eines der getesteten Völker fiel im Januar und Februar mit einem extrem hohen Milbenfall auf. Dieses Volk hatte ein vielfaches an Milben auf der Windel im Vergleich zu allen anderen Völkern. Das ließ Schlimmes erahnen. Allerdings winterte dieses Volk sehr stark aus. Die Probe zeigt nun überhaupt keine Milben an, was ich schon erstaunlich fand. Handelt es sich hier möglicherweise im VSH Genetik?

Das eine Volk, welches bei der Stichprobe einen zu hohen Milbenwert aufwies (3,3%) habe ich einer TBE unterzogen. Die entnommenen Waben, plus Pflegebienen eines schwarmbereiten Volkes, reifen jetzt als Sammelbrutableger zu einem Pflegevolk heran und werden bei Brutfreiheit behandelt…

Vorbereitungen

Anfang Juni sollen jetzt die unbegatteten Königinnen kommen. Daher habe ich das schöne Wetter genutzt und schon einmal die leeren Ablegerkästen mit den passenden Waben und Rähmchen ausgestattet. Dann kann das eigentliche Befüllen am kommenden Wochenende ensprechend schnell gehen.

Ablegerkästen

Es kommt eine Brutwabe und ein paar Extra-Bienen in jeden Kasten und nach 9 Tagen werden alle Nachschaffungszellen gebrochen und die unbegattete Königin hineingehangen. Das wird auf jeden Fall spannend.

Insgesamt war es ein arbeitsreiches Wochenende. Und es ist etwas frustrierend, dass kaum etwas reinkommt und man sich ständig Sorgen machen muss, wie es den Bienen geht, ob sie genug finden, ob man eingreifen sollte. Aber:

Der Imker lebt immer in der Hoffnung.

2019.4a – Eine erste TBE

Ich habe am Sonntag – also vor vier Tagen – ein nachhaltig schwarmfreudiges Volk am Ende seiner Durchsicht kurzerhand einer TBE unterzogen.
Dabei werden alle Brutwaben entfernt und durch Mittelwände ersetzt.

Warum macht man so etwas?

Es ist für mich ein Test. Das Volk hatte letztes Jahr ein Varroaproblem, mit DWV und allem drum und dran.
Ich habe die zum Winter hin gut saniert bekommen, allerdings haben die auch heftig durchgebrütet und waren sehr früh sehr stark.
Ohne weiter getestet zu haben, gehe ich davon aus, dass die wieder mehr Milben intus haben werden, als mir lieb ist.

Der Hauptgrund war aber zugegeben ein anderer: Denen war ein DNM-Brutraum zu klein. Nicht hinsichtlich der Anzahl der Brutzellen – das passt immer – aber hinsichtlich des Bauplatzes. Die wollten im Brutraum bauen.
Also hatte ich denen eine zweite Zarge untergesetzt, nur mit Mittelwänden, welche die auch zügig ausgebaut haben (ebenso wie die Honigräume).

Mir sind aber zwei Bruträume zu sperrig, zu viele Waben.
Also habe ich den Umzug auf das Großformat DNM 1,5 vorgezogen und die Schwestern darauf abgeschlagen.
Die Brutwaben habe ich auf schwächere Einheiten verteilt, um diese zur Robinie noch etwas zu pushen (wobei hier zwei Aspekte negative Auswirkungen haben können: Verschleppen von Milben in andere Völker sowie erzeugen einer vorzeitigen Schwarmstimmung in diesen verstärkten Einheiten).

Jetzt können sie der Länge nach bauen und brüten.
Und tatsächlich: Heute habe ich mal kurz reingesehen, und siehe da – die ersten DNM 1,5 Waben sind komplett ausgebaut und bestiftet – nach nur 4 Tagen, und das ohne nennenswerte Tracht.
Die legen echt los wie verrückt.

Der Nachteil

Die werden jetzt zur Linde an Fahrt und Stärke verlieren. Diese Aktion wird direkten, negativen Einfluss auf den Honigertrag haben.

Der Vorteil

Die Milben sind weitestgehend raus. Mit etwas Glück habe ich da bis September Ruhe. Und selbst dann werden ich mal genauer hinsehen, ob ich etwas machen muss.
Schwarmstimmung dürfte für dieses Jahr auch vorbei sein.
Und ich habe die Bagage auf das von mir präferierte Großwabenformat umgezogen.

Schauen wir mal, wie sich das weiter entwickelt.

2019.4 Schwarmsaison ist eröffnet

Das Wetter war die letzte Woche eher bescheiden, Gewichtszunahmen Fehlanzeige. Stattdessen hockten die Damen viel zu Hause rum und hatten Langeweile. Diese Langeweile haben dann einige Völker dazu genutzt, Schwarmzellen anzulegen. Ab jetzt sind die Durchsichten arbeitsintensiv, denn letztlich darf keine einzige Schwarzelle übersehen werden, sonst ist so ein Volk schnell weg.

Ansonsten: Ich habe mir endlich einen Sonnenwachsschmelzer bestellt.
Das ist ein Elend, den Drohnenschnitt irgendwo aufzubewahren, bis man mal wieder den Dampfwachsschmelzer anwirft. Und so ein Sonnenwachsschmelzer kann diese Arbeit einfach nebenbei erledigen.

Varroamonitoring mit Puderzucker

Ich habe das Varroamonitoring mit Puderzucker ausprobiert.
Mal abgesehen, dass die zwei Völker, die ich getestet habe, ohne Befund geblieben sind, ist die Methode eine ganz schön krümelige, umständliche Sauerei.

Es gibt Untersuchungen, die belegen, wie zuverlässig diese Methode ist, gerade im Vergleich zu der von mir sonst angewandten CO2 Testmethode, aber ich empfang das Vorgehen zeitraubend und umständlich.

Am Bieneninstitut hat man mir dann auch erklärt, dass der Puderzucker die Tracheen der Bienen so sehr schädigt, dass diese das auch nicht unbeschadet überstehen.

Im Moment neige ich dazu, entweder bei der CO2 Methode zu bleiben, oder asynchron zu arbeiten: Wenn die Kiste auf ist, ein Urinbecher mit Bienen füllen (durch abstreifen), Deckel drauf und Bienen ersticken lassen, bzw. wenn verfügbar, gleich in den Tiefkühler geben. Anschließend werden die Bienen zu Hause einer Auswaschprobe unterzogen.

Bevor jetzt das Entsetzen ausbricht: Eine vernünftige Varroabefallsmessung ist Grundlage einer jeden seriösen Behandlung. Man opfert vielleicht 300-500 Bienen, um letztlich das Überleben der gesamten Kolonie zu sichern!

10er Dadant Beuten

Vor Kurzem kamen ja die neuen 10er Dadant-Beuten von der Bergwiesenimkerei an. Diese wurden jetzt gestrichen, Mittelwände eingelötet und die Rähmchen gestempelt.

Die stehen jetzt bereit, um Ende Juni mit Kunstschwärmen und Zuchtköniginnen befüllt zu werden

Rähmchen stempeln

Ich bin gespannt auf die kleinen Änderungen, die mit einem testweisen Umstieg auf Dadant einhergehen werden. Das Arbeiten mit Großwaben im DNM 1,5 Format ist schon erheblich einfacher als mit dem relativ kleinen DNM, aber Dadant liegt noch einmal etwas anders in der Hand.

Imkern ist auch immer Ausprobieren.

Imkerforumstreffen 2019

“Wie spricht man deinen Nickname aus? Ral-Null-Errr?”
Wenn ich das wüsste!
“Sag’ einfach Ralf – ist vielleicht am einfachsten…”

Zweieinhalb Tage in Hessen, in Kleinlüder, unter lauter Imkern, mit Essen bis zum Umfallen, ohne Telefonempfang, dafür aber mit wackeligem WLAN, tollen Vorträgen, kleinen Blumen-Samen, feuchten Bierduschen, vielen neuen Bekanntschaften und wenig Schlaf.
Ein Wochenende wie eine Klassenfahrt, nur ohne Lehrkörper… obwohl…

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Oxalsäure Blockbehandlung im Herbst und Ruhr-Symptomatik im Februar

In diesem Artikel geht es um einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Oxalsäureblockbehandlung im Oktober und Anzeichen einer Ruhr-Erkrankung im Februar.

Vorgeschichte

Anfang Oktober wurde bei einer CO2 Testung festgestellt, dass drei Völker am Stand eine höhere Milbenlast aufwiesen als die anderen Völker. Die Belastung schwankte zwischen 2,4 und 3,5 %, während alle anderen Völker <=1 % aufwiesen.
Zwei der drei Völker wurden durch eine TBE mit Fangwabe und OSX Ende Juni entmilbt, das dritte Volk wurde nur einmal im Juli mit Ameisensäure behandelt.
Das die Milbenlast trotz TBE überdurchschnittlich hoch war, kam überraschend, aber da es das erste Jahr mit TBE war, konnte der Wert nicht so richtig eingeordnet werden.
Als eine Maßnahme wird in solchen Fällen mitunter eine OXS Blockbehandlung empfohlen.

Maßnahme: OXS-Blockbehandlung

Es wurden 5 Behandlungen, jeweils einmal alle 4 Tage, vorgesehen. Neben den drei betroffenen Völkern wurde ein unauffälliges Volk als Kontroll-Volk mit in die Behandlung einbezogen.
Die Behandlung erfolgte dann ab Ende der ersten Oktoberwoche bis Ende Oktober/Anfang November.
Die Behandlung lief ohne besondere Vorkommnisse. Es trat kein erhöhter Totenfall auf, die Bienen waren während und nach den Behandlungen ruhig.

November bis Januar

Anfang Dezember wurden Windeln zur Varroadiagnose im Vorfeld der Restentmilbung unter die Völker geschoben. Von einem unauffälligen Milbenfall abgesehen, war das Gemüll frei von Kotspuren. Dies blieb auch nach der Restentmilbung Mitte Dezember so. Eines der vier Völker steht auf einer elektronischen Stockwaage. Die gleichmäßige Gewichtsabnahme ließ darauf schließen, dass das Volk am Leben und wohlauf war. Auch die anderen Völker verzeichneten eine gleichmäßig (mit der Kofferwaage gemessene) Gewichtsabnahme.

Ende Januar, Mitte Februar

Ende Januar wurde erneut eine Windel unter alle Völker geschoben. Diesmal um dem Wärmehaushalt mit dem beginnenden Brutgeschäft etwas unter die Arme zu greifen und um eine Vorstellung von der Größe der Wintertraube zu erhalten, um Mitte/Ende Februar gezielt das Schied setzen zu können.
Eine Woche später – das Wetter war zum Schieden nicht geeignet – wurden die Windeln überprüft. Hier zeigten jetzt alle vier Völker Kotspuren auf den Windeln, und zwar nur diese Völker.
Mitte Februar wurde dann das Schied gesetzt, während es draußen tagsüber mehrere Tage hintereinander deutlich >10 Grad hatte.
Dabei zeigte sich: Alle 4 Völker zeigten klassische Symptome einer Ruhrerkrankung, in jeweils unterschiedlicher Intensität, auch das Kontrollvolk, welches keinen erhöhten Varroadruck hatte.
Diese Völker sind im Vergleich zu den anderen Völkern am Stand eher schwach an Bienenmasse.

Maßnahmen

Die betroffenen Völker wurden im Rahmen des Schiedsetzens mittels Thermoschiede warm/eng gesetzt, und mit einem sehr weichen Futterteig über der Bienentraube gefüttert. Der Brutraum wurde auf das notwendige Volumen angepasst.
Mehr wurde nicht unternommen.

Rückschlüsse

Die Symptome der Ruhr treten aktuell auf, also zum Ende des Winters. Das deutet auf eine Überlastung der Kotblase hin, die erst nach der Restentmilbung, also irgendwann ab Januar, aufgetreten ist (so zeigen es die Gemülldiagnosen).
Auffällig ist, dass dies nur jene Völker am Stand betrifft, die eine OXS-Blockbehandlung erhalten haben – die anderen Völker zeigen keine Anzeichen.
Ein Auslöser (von mehreren) kann eine Beunruhigung im Wintersitz sein. Und genau hier zeigt sich dann als Gemeinsamkeit die OXS-Blockbehandlung.
Wie bienenschonend die Behandlung an sich auch im Vergleich zu anderen Varroabehandlungen auch sein mag, so stellt sie doch immer einen Eingriff dar. Durch die häufige Wiederholung (5 mal insgesamt), steigt die Intensität der Störung an.
Andere Ursachen einer Ruhrerkrankung scheinen in diesem Fall wenig plausibel, da alle Völker am Stand den ansonsten gleichen Randbedingungen unterworfen waren: Alle Völker wurden mit dem gleichen Futter versorgt, standen am selben Standort, hatten die gleiche Art von Beuten und waren den selben Witterungsbedingungen ausgesetzt.

Der Fehler des Imkers

Die Wahrscheinlichkeit ist unter den derzeit bekannten Gegebenheiten groß, dass die Blockbehandlung ein Fehler war.
Es gibt einen anderen Stand, an dem ein anderes Volk mit einer hohen Varroalast steht, welche nach wie vor zu groß ist, welches aber von der Bienenmasse deutlich besser da steht und keine Ruhr-Symptomatik zeigt. Die Varroalast scheint also nicht der Auslöser des Durchfalls zu sein.
Das lässt bisher den naheliegenden Rückschluss zu, dass es besser gewesen wäre, die hohe Varroalast zu tolerieren, und bis zur Restentmilbung zu warten. Wäre danach die Zahl der Milben in den Völkern immer noch zu hoch ausgefallen, hätte hier eine frühe TBE Mitte/Ende Mai eine bessere Lösung sein können.

Update

Es gab zu dieser Mutmaßung einiges an Feedback im Imkerforum. Der Tenor: Kann sein, muss aber nicht. Andere Imker haben auch so behandelt, aber von keinen entsprechenden Symptomen berichtet. Insofern ist auch nicht auszuschließen, dass andere Ursachen Grund führ die Ruhr sind und die OXS Behandlung damit nichts zu tun hat, und diese Korrelation lediglich Zufall ist.

Ich kann dem nicht widersprechen.
Aber wenn ich nur das in eine Beurteilung mit einfließen lasse, was ich an Fakten vorliegen habe, dann bleibt die OXS-Behandlung als plausibelste Erklärung übrig.

Allerdings: Wäre die Varroabehandlung im Sommer und Spätsommer besser gelaufen, wäre der Varroadruck im Oktobver gar nicht so hoch gewesen! Dann hätte weder behandelt noch gestört werden müssen!
So oder so lag also der Fehler beim Imker.

Mal wieder wiegen – und Varroakontrolle 1/2019

Am gestrigen Sonntag stand ich also bei strömenden Regen an den Bienenkästen, mit der Kofferwaage in der Hand und wog, was die Arme hergaben.
Fazit: Der Futterverbrauch ist im Moment eher moderat – oder aber die Holzkisten haben sich mit Feuchtigkeit vollgesogen.

Dann stand noch eine Varroakontrolle an.
Ich hatte vor 10 Tagen die Windeln unter alle Völker geschoben, und so musste ich gestern also die Lupe bemühen und Milben zählen.
Das Ergebnis: Im großen und ganzen ist kaum etwas gefallen. Allerdings zeigt insbesondere ein Volk, nämlich jenes am Bürgerhaus, das ich eigentlich schon dem Tod geweiht hatte, einen sehr hohen Milbenfall. Wenn die es bis zum Generationswechsel Ende April schaffen, werden diese einer vorgezogenen, umfangreichen Varroabehandlung mittels TBE unterzogen.
Dieses Volk steht alleine an einem Ort, an dem ich sonst keine Völker stehen habe. Möglicherweise macht das einen Unterschied, war dieses Volk doch im September sehr stark, hatte nach der Totalen Brutentnahme und OSX kaum Milben, um dann im Oktober plötzlich durch die Decke zu gehen. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Bienen sich die Milben beim Räubern von kranken Völkern eingefangen oder aber zusammenbrechende Völker ihre belasteten Bienen an dieses Volk abgegeben haben.
Wie dem auch sei – hier muss etwas passieren. Gut dran ist, wer regelmäßig Varroen zählt.

Erfahrung mit der Totalen Brutentnahme (TBE)

“Ameisensäure – das ist Teufelszeug!”, so oder so ähnliches hallt es seit einiger Zeit durch dieses Internetz. Und da ich auf der Suche nach einer Methode war, bei der man mehrere Gute Dinge auf einmal erledigen kann, und mich die Imkerei Bienengarten praktisch drauf gestoßen hat, habe ich es in 2018 mal mit der TBE versucht.

Denn: Mit der TBE erfüllt man sich drei Wünsche auf einmal:

  • Varroabekämpfung
  • Bauerneuerung
  • Völkervermehrung

So die Versprechen. Wie man’s macht unter “mehr”…

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Varroa – Reinvasion von innen

Ich grübele immer noch darüber nach, warum ich mitunter so viele Milben in den Völkern hatte, trotz Totaler Brutentnahme.

Eine Erklärung lieferte schon 2009 Rudi Maurer, als er sein Rechenmodell der Reinvasion von innen vorstellte.

Bei geht es im Wesentlichen um folgende Annahme: Jungvölker, Völker mit TBE oder Kunstschwärme haben eine leicht verlängerte Brutzeit. Mit der verlängerten Brutzeit können etwas mehr Milbenweibchen zur Reifung gelangen. Mit jedem Brutzyklus entstehen dadurch mehr Milbennachkommen als gewöhnlich, welche ihrerseits im nachfolgenden Zyklus mehr Nachkommen erzeugen können.

So können von Juli bis Oktober erstaunliche Milbenpopulationen entstehen.

Für mich klingt das erst einmal nach der plausibelsten Erklärung, die ich derzeit für das beobachtete Phänomen habe.

7 Tage nach der Restentmilbung

Ich habe heute den Milbenfall meiner Völker nach der Restentmilbung mit Oxalsäure ausgewertet – und was soll ich sagen?!
Es lief fast wie erwartet.

Es gibt drei Ausreisser nach oben, ein paar Völker, die deutlich unter dem Durchschnitt liegen, und den Rest an Einheiten, die irgendwie in der Mitte liegen.

Ein Volk werde ich sehr wahrscheinlich verlieren, und ich bin noch etwas ratlos, woran das liegt.
Das ist ein Volk, bei welchem ich Ende Juni mit der TBE (Totale Brutentnahme) gearbeitet habe, plus anschließender Oxalsäure-Sprühbehandlung im brutfreien Zustand.
Das ist eines jener Standardverfahren, welche den Varroadruck zuverlässig senkt und die Anzahl der Milben im Volk nachhaltig senkt.
Weiterhin startet so ein Volk dann auf frischem Wabenwerk, baut ein tolles Brutnest auf und sollte der Theorie nach viele gesunde Winterbienen erbrüten können.
Tatsächlich hat sich das Volk dann stark entwickelt. Im August, September war die Kiste voll mit Bienen, und mein Varroa-Checkup mit dem CO2 Tester erbrachte keine Auffälligkeiten. Die Futterabnahme stimmte auch – selbiges wurde zügig abgenommen und verstaut.
Also eigentlich ein Zustand, bei dem man sich als Imker keine Gedanken machen müsste.
Tja, bis Dezember.
Anfang Dzember habe ich mal eine Windel untergeschoben, um den Milbenfall zu prüfen, und zu meinem großen Schrecken fielen da 3 Milben pro Tag, und die sichtbare Traube, wie sie sich auf der Unterlage durch Gemüll abzeichnete, war sehr, sehr klein.

Heute hat es sich dann bestätigt: Es sind mehr als 400 Milben gefallen, die Traube ist in der Darstellung auf der Windel nicht größer geworden und das sind Anzeichen, dass das Volk es nicht über den Winter schaffen wird.

Worin der hohe Milbendruck zum jetzigen Zeitpunkt begründet ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht hat das Volk im Oktober ein schwaches Volk in der Nachbarschaft gefunden und ausgeräubert. Dann haben sie mitunter viele Milben mit in den Stock gebracht. Vielleicht haben sich fremde Bienen aus einem benachbartem Stock, der zusammengebrochen ist, erfolgreich eingebettelt, samt ihrer Varroen, oder vielleicht hat meine Behandlung einfach nicht so gut funktioniert wie erhofft.

Insgesamt macht mich dieser Befund etwas ratlos.
Was kann ich als Imker tun, wenn ich nach bestem Wissen handele, aber es trotzdem nicht reicht?
Ich hänge noch an jedem Volk, und gerade bei diesem tut es mir leid: Sie sind das Bürgerhausvolk, eine Art Repräsentant für die Bienen in unserem Ort, sie sind friedliche Bienen, die gut Honig bringen und nicht schwärmen vollen.
Solche wünscht man sich. Und es ist ärgerlich, dass ich das nicht hinbekommen habe. 

Restentmilbung im Dezember, und ein Krisenvolk

Heute stand die sogenannte Restentmilbung der Völker auf dem Programm.
Sinn der Übung ist es, die Anzahl der Varroamilben so weit zu senken, dass das Volk mit minimalster Milbenlast in das kommende Frühjahr starten kann.

Zum Einsatz kommt gelöste Oxalsäure, welche mit vor Beginn der Anwendung mit Zucker versetzt wird.
Diese Mischung wird dann per Spritze auf die Bienentraube geträufelt.
Die Bienen putzen sich dann die Zuckersäurelösung gegenseitig aus dem Fell, nehmen dabei zum einen etwas von der Säure auf, was dann tödlich auf die saugende Milbe wirkt, zum anderen wirkt die Säure auch als Kontaktgift über die Haftlappen der Milbenfüsse, wo die Säure in den Körper der Milbe diffundiert.

Das ist das in Deutschland zugelassene Standardverfahren.
In Österreich, der Schweiz und anderswo kann man auf die Oxalsäureverdampfung zurückgreifen.
Dabei wird Oxalsäurepulver so weit erhitzt, dass es in gasförmigen Zustand übergeht und auf den Oberflächen im Volk und der Beute sich als feinster Staub niederlegt.
Während den Bienen dabei nichts passiert, diffundiert auch hier die Säure über die Milbenfüsse in die Milbe, übersäuert und tötet sie letztlich.

Es gibt Untersuchungen, dass es sich dabei um das bienverträglichste Vorgehen handelt, welche zu einer guten Auswinterung führt, während obige Methode die Lebenszeit der Einzelindividuen im Stock senkt, weil der Darmtrakt geschädigt werden kann.

Zu unseren Völkern: Der Großteil hat einen sehr guten Varroastatus, wie es aussieht.
Ausgerechnet das Volk am Bürgerhaus, welches mehr oder weniger mit Publikum im kommenden Sommer geführt werden sollte, hat einen viel zu hohen Milbenfall, und auch die Volksstärke ist bedenklich klein.
Das ist insofern bemerkenswert, weil das Volk nach Lehrbuch behandelt wurde und im September bei der CO2 Test-Methode unauffällig war und einen starken Eindruck machte.
Was dieses Volk von den anderen unterscheidet: Es wird nicht so eng überwacht wie die anderen, weil es abseits und alleine steht, und der Weg dorthin immer mit einem Umweg verbunden ist.

Jetzt kann man nur abwarten, und hoffen.